{"id":162184,"date":"2023-02-20T17:00:18","date_gmt":"2023-02-20T16:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=162184"},"modified":"2023-02-22T04:56:05","modified_gmt":"2023-02-22T03:56:05","slug":"duesseldorfer-patient-dritte-hiv-heilung-nach-stammzelluebertragung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/duesseldorfer-patient-dritte-hiv-heilung-nach-stammzelluebertragung\/","title":{"rendered":"\u00abD\u00fcsseldorfer Patient\u00bb &#8211; Dritte HIV-Heilung nach Stammzell\u00fcbertragung"},"content":{"rendered":"<div>\n<h3>Nach \u00e4hnlichen F\u00e4llen in Berlin und London nun der \u00abD\u00fcsseldorfer Patient\u00bb: Erneut hat eine spezielle Therapie einen HIV-Infizierten vom Virus befreit. Liesse sich die Methode verbreitet einsetzen?<\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<p>Zum dritten Mal weltweit ist es gelungen, einen krebskranken HIV-Patienten mithilfe einer Stammzellentransplantation von beiden Erkrankungen zu heilen. Das berichten Mediziner des Universit\u00e4tsklinikums D\u00fcsseldorf im Fachblatt <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/nm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Nature Medicine<\/em><\/a>. Nachdem eine derartige Therapie bereits beim <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/berliner-patient-timothy-brown-erster-geheilter-hiv-patient-ist-tot\/\">\u00abBerliner Patienten\u00bb<\/a> und beim \u00abLondoner Patienten\u00bb erfolgreich angewandt wurde, hofft das Forschungsteam auf Behandlungsm\u00f6glichkeiten auch f\u00fcr HIV-Infizierte ohne Krebs und setzt dabei auf gentherapeutische Ans\u00e4tze. Unabh\u00e4ngige Experten sehen allerdings noch gravierende Hindernisse.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/londoner-patient-zweiter-hiv-patient-nach-stammzellen-transplantation-virenfrei\/\">Zweiter HIV-Patient dank Stammzellentransplantation virenfrei, der \u00abLondoner Patient\u00bb macht Schlagzeilen<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Bei dem \u00abD\u00fcsseldorfer Patienten\u00bb war 2011 drei Jahre nach seiner HIV-Diagnose eine akute myeloische Leuk\u00e4mie (AML) &#8211; eine Form von Blutkrebs &#8211; festgestellt worden. 2013 erhielt er eine Stammzellentransplantation. \u00abZiel der Transplantation war von Beginn an, sowohl die Leuk\u00e4mie als auch das HI-Virus in den Griff zu bekommen\u00bb, erkl\u00e4rte Guido Kobbe von der Uniklinik D\u00fcsseldorf, der den Eingriff durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Stammzellen verf\u00fcgten &#8211; wie auch jene zweier vergleichbarer F\u00e4lle aus Berlin und London &#8211; \u00fcber eine spezifische Genmutation namens CCR5\u039432 (CCR5-Delta32). Diese Mutation, die vor allem bei Menschen aus Nord- und Mitteleuropa vorkommt, insgesamt aber sehr selten ist, sorgt f\u00fcr das Fehlen einer Andockstelle f\u00fcr HIV auf den Immunzellen. Ohne eine solche Andockstelle findet das Virus keine Eintrittspforte und kann die Zellen nicht infizieren, was Tr\u00e4ger der Mutation nahezu resistent gegen den Erreger macht.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich f\u00fchrte die Transplantation zu einer Remission der HIV-Symptome, so dass das Behandlungsteam 2018 entschied, die antivirale HIV-Therapie abzusetzen. Die folgende mehrj\u00e4hrige \u00dcberwachung des Patienten belegte den anhaltenden Erfolg: Heute sprechen die Wissenschaftler*innen \u00e4von einer vollst\u00e4ndigen Heilung des mittlerweile 53-J\u00e4hrigen.<\/p>\n<blockquote><p>So hat das HI-Virus keine Chance, sich erneut zu vermehren<\/p><\/blockquote>\n<p>Bj\u00f6rn Jensen, Teil des internationalen \u00c4rzteteams, bilanzierte: \u00abWir k\u00f6nnen nach unserer intensiven Forschung jetzt bekr\u00e4ftigen, dass es grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist, durch Kombination von zwei wesentlichen Methoden die Vermehrung des HI-Virus nachhaltig zu unterbinden.\u00bb Das sei einerseits die weitgehende Entleerung des Virus-Reservoirs in langlebigen Immunzellen und zum anderen die \u00dcbertragung der HIV-Resistenz des Spender-Immunsystems auf den Empf\u00e4nger. \u00abSo hat das HI-Virus keine Chance, sich erneut zu vermehren.\u00bb<\/p>\n<p>Eine solche Therapie ist derzeit allerdings nur f\u00fcr wenige Patient*innen m\u00f6glich: Zum einen, weil die Zahl geeigneter Spender*innen\u00a0mit der Mutation so gering ist. Zum anderen, weil eine Stammzellentransplantation aufgrund der vielen Risiken nur im Rahmen der Behandlung anderer lebensbedrohlicher Erkrankungen wie eben Krebs eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Das Forschungsteam hofft daher, dass die Studie M\u00f6glichkeiten aufzeigt, HIV k\u00fcnftig auch durch Transplantation geneditierter Stammzellen f\u00fcr Infizierte ohne Krebs zu behandeln. Dabei w\u00fcrde die Mutation beispielsweise durch den Einsatz von Genscheren wie Crispr\/Cas eingef\u00fcgt und mit Strategien kombiniert, die die HIV-Reservoire im K\u00f6rper reduzieren.<\/p>\n<p>Bis dahin ist es nach Ansicht von J\u00fcrgen Rockstroh vom Uniklinikum Bonn allerdings noch ein weiter Weg. Eine Ausweitung des Therapieansatzes auf HIV-Infizierte ohne Krebs bleibe erst einmal unrealistisch. \u00abHierbei scheint ein Problem zu sein, dass bei entsprechenden gentherapeutischen Ans\u00e4tzen nachher alle Zellen entsprechend die CCR5-Genmutation aufweisen m\u00fcssen\u00bb, erkl\u00e4rte Rockstroh. Dies sei aber nicht unbedingt f\u00fcr alle Zellen erreichbar, so dass immer ein Reservoir von nicht gentherapeutisch ver\u00e4nderten Zellen verbleibe. \u00abTrotzdem gibt es auch hier Einzelf\u00e4lle nach Gentherapie, die zumindest eine bessere Kontrolle der HI-Vir\u00e4mie nach Absetzen der HIV-Therapie aufwiesen, so dass es sicherlich vielversprechend ist, gentherapeutische Ans\u00e4tze weiter zu beforschen.\u00bb<\/p>\n<p>Zu diesen Ans\u00e4tzen geh\u00f6rt laut Boris Fehse vom Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf, Blutzellen vor HIV zu sch\u00fctzen oder sogar, das Virus aus infizierten Zellen herauszuschneiden. Mit Blick auf die von den Autoren beschriebene Hoffnung verweist der Biomediziner zwar auch auf die geringe Zahl geeigneter Stammzellenspender, m\u00f6gliche Abstossungsreaktionen und Nebenwirkungen, zeigt sich aber dennoch optimistisch.<\/p>\n<p>\u00abEs ist sehr gut vorstellbar, dass in naher Zukunft HIV-Patienten, die aufgrund einer Blutkrebserkrankung eine Stammzelltransplantation ben\u00f6tigen, immer das Angebot erhalten werden, dass das Transplantat vor der Infusion mit einer Genschere behandelt wird.\u00bb Je nach Erkrankung k\u00f6nnte es sich dabei um Spender-, aber auch um eigene Blutstammzellen des Patienten handeln.<\/p>\n<p>Wie Toni Cathomen vom Universit\u00e4tsklinikum Freiburg erg\u00e4nzte, haben HIV-Infizierte mit gut eingestellter Therapie inzwischen allerdings ohnehin eine \u00e4hnlich hohe Lebenserwartung wie die Normalbev\u00f6lkerung: Das Risiko, das zurzeit mit einer Stammzelltransplantation verbunden ist, sei seines Erachtens f\u00fcr \u00abgesunde\u00bb HIV-Infizierte daher derzeit nicht vertretbar. Das k\u00f6nne sich aber k\u00fcnftig \u00e4ndern, so der Molekularbiologe. Denn: \u00abIm Gegensatz zur konventionellen HIV-Therapie, die lebenslang eingenommen werden muss, verspricht der genetische Ansatz nach einmaligem Einsatz der Genscheren eine Heilung, das heisst eine komplette Remission, und damit das Absetzen der antiretroviralen Therapie.\u00bb<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/individuelle-therapiemoeglichkeiten-fuer-hiv-positive-menschen\/\">Individuelle Therapiem\u00f6glichkeiten f\u00fcr HIV-positive Menschen<\/a>: Jeder Mensch besitzt eine v\u00f6llig einzigartige Pers\u00f6nlichkeit, die einen grossen Einfluss darauf hat, wie man das eigene Leben gestaltet. Die individuellen Eigenschaften, W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse sind allesamt ein wichtiger Teil dieser Pers\u00f6nlichkeit.\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach \u00e4hnl. 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