{"id":154947,"date":"2022-11-22T22:04:37","date_gmt":"2022-11-22T21:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=154947"},"modified":"2022-11-23T11:45:35","modified_gmt":"2022-11-23T10:45:35","slug":"neues-kirchliches-arbeitsrecht-gut-fuer-lgbtiq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/neues-kirchliches-arbeitsrecht-gut-fuer-lgbtiq\/","title":{"rendered":"Neues kirchliches Arbeitsrecht \u2013 Gut f\u00fcr LGBTIQ?"},"content":{"rendered":"<h3>\u00abVielfalt als Bereicherung\u00bb: Die Deutsche Bischofskonferenz feiert das neue kirchliche Arbeitsrecht als grossen Erfolg f\u00fcr Diversit\u00e4t. Dabei konnten die Bisch\u00f6fe wohl gar nicht mehr anders. Reformbewegungen sehen h\u00f6chstens einen \u00abTeilerfolg\u00bb.<\/h3>\n<p>Von Britta Schultejans und Angelika Resenhoeft, dpa<\/p>\n<p>Vor knapp einem Jahr outeten sich 125 Besch\u00e4ftigte der katholischen Kirche in einer beispiellosen Aktion als queer und forderten ein Ende zumindest der arbeitsrechtlichen Diskriminierung <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/125-mitarbeiterinnen-der-katholischen-kirche-outen-sich-als-queer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Jetzt haben sich die katholischen Bisch\u00f6fe der 27 Di\u00f6zesen in Deutschland nach monatelangen Diskussionen auf ein neues Arbeitsrecht geeinigt. Am Dienstag verabschiedeten sie in W\u00fcrzburg eine entsprechende \u00c4nderung der sogenannten \u00abGrundordnung des kirchlichen Dienstes\u00bb. Diese ist arbeitsrechtliche Grundlage f\u00fcr etwa 800&#8217;000 Arbeitnehmer*innen in der katholischen Kirche und der Caritas.<\/p>\n<p>Bislang konnte es diese Arbeitnehmer n\u00e4mlich den Job kosten, wenn sie sich beispielsweise zu einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft bekannten &#8211; oder wenn sie nach einer Scheidung wieder heirateten. Damit soll nun Schluss sein. \u00abExplizit wie nie zuvor wird Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen als Bereicherung anerkannt\u00bb, teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wer-werden-die-queeros-2022-auf-die-plaetze-fertig-voting\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Wer werden die Queeros 2022? Auf die Pl\u00e4tze, fertig \u2013 Voting! Hier sind die Nominierten aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00abAlle Mitarbeitenden k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig von ihren konkreten Aufgaben, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem Alter, ihrer Behinderung, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identit\u00e4t und ihrer Lebensform Repr\u00e4sentantinnen und Repr\u00e4sentanten der unbedingten Liebe Gottes und damit einer den Menschen dienenden Kirche sein.\u00bb Bedingung allerdings: \u00abeine positive Grundhaltung und Offenheit gegen\u00fcber der Botschaft des Evangeliums\u00bb.<\/p>\n<p>Viel anderes blieb den katholischen Oberhirten aber wohl auch gar nicht mehr \u00fcbrig. Der Kirchenrechtler Thomas Sch\u00fcller nennt die Bisch\u00f6fe \u00abGetriebene der staatlichen Arbeitsgerichte, die ihnen die bisherigen Instrumente der arbeitsrechtlichen Sanktionierung, insbesondere mit Blick auf die pers\u00f6nliche Lebensf\u00fchrung l\u00e4ngst aus der Hand geschlagen haben\u00bb. Die \u00ablange Zeit kirchenfreundliche Rechtsprechung\u00bb sei durch die europ\u00e4ischen Gerichte ausgebremst worden, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.<\/p>\n<p>Mechthild Heil, Bundesvorsitzende der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), nennt den Schritt einen \u00abMeilenstein f\u00fcr alle Angestellten in der Kirche\u00bb. Die Pr\u00e4sidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, spricht von einem \u00abParadigmenwechsel\u00bb. Reformbewegungen \u00e4ussern sich dagegen eher zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n<p>\u00abDie Neufassung, dass der Kernbereich privater Lebensgestaltung jetzt keinen rechtlichen Bewertungen mehr unterliegt, war mehr als notwendig, ist aber wohl auch der Personalnot geschuldet\u00bb, sagt \u00abWir sind Kirche\u00bb-Sprecher Christian Weisner. \u00abDies bedeutet hoffentlich ein Ende von Diskriminierungen und ein Ende der Heimlichtuerei aus Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes zum Beispiel f\u00fcr geschiedene wiederverheiratete Paare oder homosexuell lebende Menschen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Reformbewegung \u00ab#OutInChurch\u00bb, die sich wohl auf die Fahnen schreiben kann, die Entwicklungen mit ihrer Outing-Aktion im Januar dieses Jahres zumindest beschleunigt zu haben, will nur von einem \u00abTeilerfolg\u00bb sprechen. \u00abEs w\u00e4re deutlich mehr drin gewesen\u00bb, sagt #OutInChurch-Sprecher Rainer Teuber der dpa. \u00abEs ist erstmal mehr als nichts, aber es kann auch bestenfalls nur als Teilerfolg gewertet werden.\u00bb<\/p>\n<p>Teuber kritisiert vor allem, dass trans oder <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/nicht-binaer-in-film-und-fernsehen-der-blinde-fleck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht-bin\u00e4re Menschen<\/a> nicht konkret genannt werden. \u00abDer Blick in die Schlafzimmer entf\u00e4llt zwar\u00bb, sagte Teuber. Unklar sei aber beispielsweise, was kirchenfeindliches Verhalten sein soll, das zu einer K\u00fcndigung f\u00fchren k\u00f6nne. Vieles, sagt er, bleibe schwammig und Auslegungssache.<\/p>\n<p>Die Artikel der Grundordnung bilden die Grundpfeiler der kirchlichen Arbeitsverfassung. Sie gelten f\u00fcr etwa 800 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der katholischen Kirche und der Caritas. Sie ist allerdings eigentlich nur eine Empfehlung und wird erst dann rechtlich bindend, wenn sie im Bistum verabschiedet wurde.<\/p>\n<blockquote><p>Der Teufel steckt im Detail.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abIch gehe nun davon aus, dass Kontrolle und Sanktionierung von Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst an diesem Punkt Vergangenheit sind\u00bb, sagt die Pr\u00e4sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp. \u00abStattdessen \u00fcbernimmt die Kirche selbst die Verantwortung daf\u00fcr, dass die Institution als christlich wahrgenommen wird. Dieser Paradigmenwechsel ist wichtig.\u00bb Ein Wermutstropfen sei es, dass der Austritt aus der Kirche weiterhin sanktioniert werden soll. Teuber von \u00ab#OutInChurch\u00bb sagt: \u00abDer Teufel steckt im Detail.\u00bb<\/p>\n<p>Lamya Kaddor, Gr\u00fcnen-Sprecherin f\u00fcr Innen- und Religionspolitik, erkl\u00e4rte: \u00abWir begr\u00fcssen, dass die katholische Kirche mit diesem Beschluss einen wichtigen Schritt hin zu einem inklusiven, fairen und zeitgem\u00e4ssen Arbeitsrecht f\u00fcr 800.000 Mitarbeiter*innen vollzieht. Dieser Schritt war \u00fcberf\u00e4llig und ist auch ein Verdienst von #OutInChurch, die durch ihr Engagement auf eine Reform hingearbeitet haben.<\/p>\n<p>Kirchliche Arbeitgeber*innen m\u00fcssten aber nun zeigen, dass sie es mit der neuen Grundordnung ernst meinen: Insbesondere die weiterhin sanktionierbare \u2039kirchenfeindliche Bet\u00e4tigung\u203a darf nicht als Mittel dienen, um auf Umwegen Mitarbeiter*innen f\u00fcr ihre pers\u00f6nliche Lebensf\u00fchrung zu sanktionieren. Es bedarf gerade auch im Hinblick auf trans und inter Mitarbeiter*innen weiterer Schritte der Gleichstellung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues kirchliches Arbeitsrecht \u2013 gut f\u00fcr LGBTIQ? Die Dt. Bischofskonferenz feiert das neue Arbeitsrecht als grossen Erfolg f\u00fcr #Diversit\u00e4t. Dabei konnten die Bisch\u00f6fe wohl gar nicht mehr anders.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/neues-kirchliches-arbeitsrecht-gut-fuer-lgbtiq\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":129396,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5431,5512],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154947"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=154947"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154947\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":154972,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154947\/revisions\/154972"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/129396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=154947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=154947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=154947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}