{"id":154676,"date":"2022-11-21T07:27:38","date_gmt":"2022-11-21T06:27:38","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=154676"},"modified":"2022-11-21T07:37:06","modified_gmt":"2022-11-21T06:37:06","slug":"ich-habe-mich-geschaemt-entsetzen-ueber-fifa-praesident-gianni-infantino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ich-habe-mich-geschaemt-entsetzen-ueber-fifa-praesident-gianni-infantino\/","title":{"rendered":"\u00abIch habe mich gesch\u00e4mt\u00bb \u2013 Entsetzen \u00fcber FIFA-Pr\u00e4sident Infantino"},"content":{"rendered":"<h3>FIFA-Pr\u00e4sident Gianni Infantino setzt das grosse Thema vor der WM. Sein einst\u00fcndiges Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Gastgeber Katar geht um die Welt. Der Westen kommt besonders schlecht weg. Die Kritik ist massiv.<\/h3>\n<p>Jan Mies, dpa<\/p>\n<p>Mit hochgekrempelten \u00c4rmeln und breitem Grinsen erschien Gianni Infantino auf der grossen B\u00fchne. \u00abF\u00fchlt ihr euch gut?\u00ab, rief der FIFA-Pr\u00e4sident ohne Sakko am Samstagabend in die feiernde Menge des Fanfests unter den Abendhimmel von Doha. Dabei wirkte er noch ein St\u00fcck weit entr\u00fcckter als wenige Stunden zuvor w\u00e4hrend seiner weltweit aufsehenerregenden, einst\u00fcndigen Rechtfertigung im Pressezentrum der h\u00f6chst umstrittenen Fussball-WM in Katar, die ihn selbst irritierend viel hatte f\u00fchlen lassen.<\/p>\n<blockquote><p>Heute f\u00fchle ich mich homosexuell. Heute f\u00fchle ich mich behindert.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abHeute f\u00fchle ich mich als Katarer, heute f\u00fchle ich mich als Araber, heute f\u00fchle ich mich afrikanisch. Heute f\u00fchle ich mich homosexuell. Heute f\u00fchle ich mich behindert, heute f\u00fchle ich mich als Arbeitsmigrant\u00bb, sagte Infantino einleitend &#8211; und setzte damit die Tonalit\u00e4t einer Grundsatzrede gegen eine \u00abDoppelmoral\u00bb aus westlicher Richtung gegen Katar und f\u00fcr den WM-Gastgeber, den er praktisch von allen Vorw\u00fcrfen freisprach <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/heute-fuehle-ich-mich-schwul-kritik-an-fifa-chef-gianni-infantino\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Kritisiert werden solle bitte er: \u00abHier bin ich, ihr k\u00f6nnt mich kreuzigen, daf\u00fcr bin ich hier.\u00bb<\/p>\n<p>Der Schweizer f\u00fchrte eine \u00abexplosive Tirade gegen westliche Kritik\u00bb, schrieb der US-Sender CNN. Auf seine \u00c4usserungen \u00fcber die angeblich schon sehr deutlich verbesserten Lebensbedingungen von Arbeitsmigranten gab es noch am Samstag eine deutliche Reaktion von Amnesty International. Deren Leiter der Abteilung f\u00fcr wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, Steve Cockburn sagte: \u00abIndem Gianni Infantino berechtigte Kritik an der Menschenrechtslage beiseite schiebt, weist er den enormen Preis zur\u00fcck, den Arbeitsmigranten zahlen mussten, um sein Flaggschiff-Turnier zu erm\u00f6glichen \u2013 sowie die Verantwortung der FIFA daf\u00fcr.\u00bb<\/p>\n<p>Am Sonntag, wenige Stunden vor dem Er\u00f6ffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador, traf sich die Elite der Nationalverb\u00e4nde im \u00fcberaus edlen Fairmont Hotel. Wieder stand Infantino im Mittelpunkt. Kopfsch\u00fctteln war noch die gn\u00e4digste Reaktion auf die Pressekonferenz gewesen, wie ein hochrangiger Funktion\u00e4r der Europ\u00e4ischen Fussball-Union UEFA in der hell ausgeleuchteten Lobby der Deutschen Presse-Agentur sagte. Infantino hatte, auch wenn er in einigen Punkten im Grundsatz valide Argumente anf\u00fchrte, das getan, was er am Westen kritisiert hatte: spalten.<\/p>\n<p>Am Sonntagabend bei der WM-Er\u00f6ffnungsfeier sass der FIFA-Pr\u00e4sident zwischen Katars Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem schwere Menschenrechtsverst\u00f6sse vorgeworfen werden. \u00abLasst uns den Fussball feiern, weil Fussball verbindet die Welt\u00bb, sagte der Schweizer. Das Stadion jubelte.<\/p>\n<blockquote><p>Ich fand es besch\u00e4mend. Das ist der Mann, der das Bild des Fussballs pr\u00e4gt und der eigentlich zeigen k\u00f6nnte, was Fussball bewirken kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abAls ich den FIFA-Pr\u00e4sidenten gestern gesehen habe, war ich schockiert. Und ich habe mich in dem Moment auch gesch\u00e4mt, ein Teil dieser Veranstaltung zu sein\u00bb, sagte D\u00e4nemarks Sportdirektor Peter M\u00f6ller der Deutschen Presse-Agentur. \u00abIch fand es besch\u00e4mend. Das ist der Mann, der das Bild des Fussballs pr\u00e4gt und der eigentlich zeigen k\u00f6nnte, was Fussball bewirken kann.\u00bb<\/p>\n<p>Immer wieder hatte der 52 Jahre alte Infantino sein Sprechtempo gewechselt, kleine Pausen eingebaut. Einmal nahm er den vor ihm auf dem Podium im grossen Saal des Qatar National Convention Centre gestellten Fussball in die Hand. \u00abDas ist die einzige Waffe, die wir haben\u00bb, sagte er. Seine Botschaften zu Menschenrechten, Arbeitsmigranten, der Freiheit f\u00fcr die LGBTIQ-Community wirkten lange zurechtgelegt. \u00abDie Welt ist gespalten genug, eine WM ist eine WM, das ist kein Krieg\u00bb, sagte Infantino. \u00abWir m\u00fcssen uns kritisch im Spiegel betrachten.\u00bb<\/p>\n<p>Katar war in den vergangenen Jahren insbesondere aus westlichen Nationen stark kritisiert worden. F\u00fcr Infantino, der seine eigene Geschichte als Sohn einer Gastarbeiterfamilie in der Schweiz dazu in Zusammenhang setzte, auf eine \u00abheuchlerische\u00bb Art und Weise. \u00abIch denke, was wir Europ\u00e4er in den vergangenen 3000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die n\u00e4chsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschl\u00e4ge an andere zu verteilen\u00bb, sagte der 52-J\u00e4hrige. Es sei \u00abtraurig\u00bb, diese \u00abDoppelmoral\u00bb erleben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wie noch nie in den vergangenen Monaten stellte sich der FIFA-Pr\u00e4sident an die Seite der Regierung des Landes, in dem er l\u00e4ngst einen Nebenwohnsitz unterh\u00e4lt. Die Rede seines Vorg\u00e4ngers Joseph Blatter vor der WM 2014 in Brasilien, in der dieser von Fussball auf anderen Planeten fabuliert hatte, war nichts dagegen.<\/p>\n<p>Homosexualit\u00e4t sei in Katar zwar verboten, aber das sei in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auch lange so gewesen, argumentierte Infantino und verwies auf einen laufenden Entwicklungsprozess. Er habe die klare Zusicherung bekommen, dass \u00abjeder und jede, alle\u00bb zur WM in Katar willkommen seien. Einer der lokalen WM-Botschafter hatte zuletzt in einer ZDF-Dokumentation Schwulsein als \u00abgeistigen Schaden\u00bb bezeichnet <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/katars-wm-botschafter-nennt-homosexualitaet-geistigen-schaden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Das sei nicht \u00abdie Haltung des Landes\u00bb, sagte Infantino, ohne konkret auf die \u00c4usserung einzugehen.<\/p>\n<p>Der FIFA-Pr\u00e4sident berichtete kurz von pers\u00f6nlichen Anfeindungen, sein Sprecher, der fr\u00fchere britische Sky-Journalist Bryan Swanson, sprang ihm am Ende der Pressekonferenz zur Seite. \u00abEs gab viel Kritik auch der LGBTQ-Gemeinschaft. Ich sitze hier als schwuler Mann und wir haben diese Garantie erhalten\u00bb, sagte der 42-J\u00e4hrige. Die FIFA k\u00fcmmere sich um jeden. \u00abIch habe einige homosexuelle Kollegen.\u00bb<\/p>\n<p>Eine klare Aussage, ob die Kapit\u00e4ne der WM-Teilnehmer die \u00abOne Love\u00bb-Armbinde in den f\u00fcr die LGBTQ-Community symboltr\u00e4chtigen Regenbogenfarben tragen d\u00fcrften, vermied Infantino. Die FIFA sei etwas \u00abUniversales, und wir m\u00fcssen Themen finden, mit denen sich jeder identifizieren kann\u00bb, sagte er.<\/p>\n<figure id=\"attachment_154678\" aria-describedby=\"caption-attachment-154678\" style=\"width: 808px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-154678 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 808 1253'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721.jpg\" alt=\"FIFA\" width=\"808\" height=\"1253\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721.jpg 808w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-193x300.jpg 193w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-387x600.jpg 387w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-768x1191.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-561x870.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-265x411.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-531x823.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-364x564.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-728x1129.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-608x943.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-758x1175.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-31x48.jpg 31w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-62x96.jpg 62w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FIFA-75631969-e1669012031721-400x620.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-154678\" class=\"wp-caption-text\">Granit Xhaka (Foto: Paul Terry\/CSM via ZUMA Press Wire\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Schweizerische Fussballverband geh\u00f6rt zu jenen Nationen, die sich die \u00abOne Love\u00bb-Binde ausgedacht haben. Kapit\u00e4n Granit Xhaka hat sie beim Testspiel gegen Ghana schon getragen.<\/p>\n<p>Am Sonntagabend liess der Schweizerische Fussballverband durch Mediendirektor Adrian Arnold erkl\u00e4ren, man werde an der Binde festhalten. Auch der Deutsche Fussballbund (DFB) bekennt sich unver\u00e4ndert zur \u00abOne World\u00bb-Botschaft, ebenso wie D\u00e4nemark <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/daenemark-will-in-katar-one-love-binde-zeigen-und-strafe-riskieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#FIFA-Pr\u00e4sident Infantinos einst\u00fcndiges Pl\u00e4doyer f\u00fcr Gastgeber Katar geht um die Welt. 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