{"id":153410,"date":"2022-11-07T12:04:25","date_gmt":"2022-11-07T11:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=153410"},"modified":"2023-04-04T14:43:05","modified_gmt":"2023-04-04T12:43:05","slug":"queerer-friseursalon-in-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queerer-friseursalon-in-rom\/","title":{"rendered":"Es war einmal ein queerer Friseursalon in Rom"},"content":{"rendered":"<h3>Der Salon Riccio Capriccio steht in der Gay Street in Rom, wenige hundert Meter vom Kolosseum entfernt. Er wurde 1996 von trans Frau Alessandra gegr\u00fcndet und ist mittlerweile eine lokale Institution.<\/h3>\n<p>Ein Blick ins Schaufenster reicht, um zu merken, dass sich dahinter ein nicht ganz cis-heteronormativer Raum befindet: Neben nachhaltigen Haarpflegeprodukten steht eine winkende Queen Elizabeth aus Plastik, das Rainbow-Set von Lego und ein Leuchtkasten mit dem Schriftzug \u00abDDL Zan subito, fuckers!\u00bb. Letzteres deutet auf das Gesetz gegen Homo- und Transphobie hin, das letztes Jahr vom italienischen Parlament abgelehnt wurde (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/italienisches-anti-homophobie-gesetz-im-parlament-gescheitert\/\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>).<\/p>\n<p>Beim Betreten des Gesch\u00e4fts geht das queere Universum weiter: \u00dcber die R\u00e4ume sind bunte, kreative Leuchter verteilt, an den W\u00e4nden h\u00e4ngen Portr\u00e4ts feministischer Ikonen wie Frida Kahlo oder Grace Jones, und aus den Boxen erklingen immer wieder schwul-lesbische Hymnen.<\/p>\n<p>Mittlerweile wird das Riccio Capriccio (zu Deutsch ungef\u00e4hr: launische Haarlocke) von Alessandra und ihrem langj\u00e4hrigen Partner Franco gef\u00fchrt. In ihren Worten ausgedr\u00fcckt haben sie es sich auf die Fahne geschrieben, die Aussenwelt nicht draussen zu lassen; Riccio ist an vielen queeren Events der Stadt pr\u00e4sent, pflegt unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem R\u00f6mer Trans Film Festival und organisiert regelm\u00e4ssig feministische Gespr\u00e4chsrunden.<\/p>\n<p><strong>Alessandra, die Mitreissende<\/strong><br \/>\nHeute herrscht reges Treiben, die Angestellten haben alle H\u00e4nde voll zu tun. Mittendrin Alessandra, dicht gefolgt von ihrer kleinen H\u00fcndin Rosetta, die sich ihren Weg zwischen frisierten und frisierenden Menschen sucht. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin, die in ihrer Freizeit auch als DJ Lapucci unterwegs ist, tr\u00e4gt heute weite, elegante schwarze Kleidung, lila Haar, das genauso silbern gl\u00e4nzt wie ihr Schmuck. Alessandra unterst\u00fctzt die teilweise noch Lernenden sowohl technisch-beratend als auch moralisch, indem sie f\u00fcr ein angenehmes Arbeitsklima sorgt. Ihr Blick ist warm, ihr Lachen ansteckend. Hin und wieder greift sie selbst zur Schere, um den Anspr\u00fcchen der Kund*innen gerecht zu werden \u2013 oder auch einfach, um mit ihnen in Kontakt zu treten. In diesen Momenten steht jeweils mindestens eine*r der Lernenden hinter ihr und folgt gespannt ihren Handbewegungen. Die Vermutung liegt nahe, dass hier eine Meisterin am Werk ist, was uns sp\u00e4ter von einer Mitarbeiterin auch best\u00e4tigt wird.<\/p>\n<p>Auf die Diversit\u00e4t in ihrem Team angesprochen, meint Alessandra nur: \u00abMir ist egal, welchen Hintergrund du hast \u2013 solange du anderen Menschen gegen\u00fcber offen bist und Interesse zeigst.\u00bb<\/p>\n<p>Aufgewachsen in Rom w\u00e4hrend der bl\u00fchenden \u00abDolce Vita\u00bb und unter den dunklen HIV-Wolken der Achtzigerjahre, hat sie einiges zu erz\u00e4hlen. Ihr zuzuh\u00f6ren ist eine emotionale Reise in die Geschichte der Stadt. Sie habe alles in allem grosses Gl\u00fcck gehabt. \u00abAndere trans M\u00e4dchen sind damals auf der Strasse gelandet: Drogen, Prostitution, Aids.\u00bb Ihre leuchtenden Augen verlieren an Glanz. Ihre Eltern haben sie und ihre <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tag\/transition\/\">Transition<\/a> in jungen Jahren nicht gerade unterst\u00fctzt, von zuhause rausgeschmissen oder enteignet h\u00e4tten sie sie jedoch nie und nimmer. Sie seien Arbeiter*innen gewesen und ihre Tochter mit dementsprechender Arbeitsmoral erzogen. Diese Kombination habe sie davor bewahrt, gef\u00e4hrliche Routen einzuschlagen. \u00abIch konnte in eine intensive Welt am Rande der Gesellschaft eintauchen und sie unversehrt wieder verlassen\u00bb, fasst Alessandra zusammen.<\/p>\n<p>Ihre Mutter sei eine typisch italienische Mamma gewesen, die sich Enkelkinder w\u00fcnschte \u2013 um ihr Kind dann aber trotz allem auf seinem Weg zu begleiten. Viele andere Optionen standen ihr dank der eigenwilligen Alessandra auch nicht offen: \u00abFalls du in meinem Leben bleiben willst, musst du mit mir da durch.\u00bb 1991 war Alessandra 27 Jahre alt, und damals sei eine Transition um einiges harziger gewesen als heute \u2013 sowohl gesellschaftlich als auch rechtlich-b\u00fcrokratisch. Und so kam es, dass Alessandra von ihrer Mutter bis nach London zu chirurgischen Eingriffen begleitet wurde. \u00abAls sie mich eines Tages so daliegen sah, sagte sie mir, dass sie jetzt verstehe, wie sehr ich mir dies w\u00fcnsche und was ich daf\u00fcr durchmachen w\u00fcrde.\u00bb Sie bleibt bei der Erinnerung h\u00e4ngen und muss sich kurz neu sammeln.<\/p>\n<blockquote><p>Ich bestrafte meinen Vater mit meiner Rebellion.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Der Vater war ein \u00abFascho\u00bb<\/strong><br \/>\nAls sie beginnt, von ihrem Vater zu erz\u00e4hlen, klingt sie deutlich k\u00e4lter. Er sei ein Fascho gewesen und habe nur sch\u00f6ne Frauen im Kopf gehabt. \u00abMeine Mutter litt darunter, und ich bestrafte ihn daf\u00fcr mit meiner Rebellion.\u00bb Mehrmals sei sie von zuhause abgehauen, einmal habe sie zwei Monate lang in einer Trans-Frauen-Gemeinschaft gelebt und als K\u00fcchenhilfe ausgeholfen. In Anbetracht der Schwierigkeiten, die sie ihm bereitet habe, sei er unter dem Strich ein guter Vater gewesen. Und als sie eines Tages ihren damaligen Partner heiratete, habe er sie zum Altar begleitet. Auch hier muss sich Alessandra kurz wieder fangen.<\/p>\n<p>In Ber\u00fchrung mit der queeren Szene kam sie zum ersten Mal auf dem Arbeitsweg zu ihrem ersten Job als Friseurin; auf diesem Weg lag die Piazza dei Cinquecento, ein abendlicher Treffpunkt f\u00fcr Homosexuelle, trans Menschen, Prostituierte und stationierte Soldaten, mit denen heftig geflirtet wurde. \u00abRom war damals ein einziger Rausch, an jeder Ecke waren Bars, Lokale und Nachtclubs \u2013 eine kreative Energie lag in der Luft. Und dann kam das Virus, die Angst und nicht zuletzt die Moralapostel mit ihrem Lieblingswort: Schwulenseuche.\u00bb Heute sei vieles wieder anders, besser \u2013 sie sehe etwa viele befreite trans M\u00e4dchen auf Tiktok \u2013 doch das A und O bleibe ihrer Meinung nach eine Familie, die einen auffange.<\/p>\n<p>\u00abWenn dich das Leben mit Gl\u00fcck beschenkt hat, solltest du dem Leben etwas zur\u00fcckgeben\u00bb, meint sie und erw\u00e4hnt im gleichen Atemzug Ahmed, einer ihrer Angestellten, der auf einem Boot \u00fcbers Mittelmeer gefl\u00fcchtet sei und anfangs praktisch kein Italienisch gesprochen habe. Falls er etwas brauchen sollte, seien sie und Franco ohne zu z\u00f6gern f\u00fcr ihn da. Die beiden sind seit 27 Jahren ein Paar und erg\u00e4nzen sich als Co-Leitung perfekt: er der organisierte Unternehmer, sie der chaotische Kreativkopf. Voller Zuneigung sagt sie \u00fcber ihn: \u00abIch bin die eine S\u00e4ule von Riccio Capriccio, er die andere. Ohne ihn g\u00e4be es den Laden schon lange nicht mehr.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_153419\" aria-describedby=\"caption-attachment-153419\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-153419\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 700 762'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio.jpg\" alt=\"friseursalon Rom\" width=\"700\" height=\"762\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio.jpg 700w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-276x300.jpg 276w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-425x463.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-561x611.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-265x288.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-531x578.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-364x396.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-608x662.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-44x48.jpg 44w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-88x96.jpg 88w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/dario-riccio-capriccio-400x435.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153419\" class=\"wp-caption-text\">Dario: \u00abIch habe eine ausgepr\u00e4gte weibliche Seite und keine Angst, sie zu manifestieren.\u00bb (Bild: Cesare Macri)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dario, der Antikonformistische<\/strong><br \/>\nG\u00e4be es eine symbolische Figur, die die Philosophie dieses Hairsalons verk\u00f6rpert, w\u00e4re es wohl Dario: dunkle Haare, blonde Str\u00e4hnen, Ohrringe, Piercings, braune Lederjacke und viele Tattoos, allen voran eine Rose auf der Schl\u00e4fe. Heute ist er zwar mit Nagellack, aber nicht wie oft im Rock unterwegs. \u00abBei Riccio Capriccio konnte ich von Anfang an meine Pers\u00f6nlichkeit ausdr\u00fccken\u00bb, sagt er fr\u00f6hlich und man versteht sofort, was er damit meint. Ihm gefalle auch das Multikulturelle und die vielen verschiedenen Typen Mensch, die aber die gleiche Leidenschaft teilen w\u00fcrden. Ausserdem sei der Salon zentral und doch alternativ. Die \u00c4sthetik sei nach seinem Geschmack, die Nachhaltigkeit der Produkte ebenfalls. Und nicht nur die Angestellten, sondern auch die Kund*innen seien oft interessante Menschen.<\/p>\n<p>\u00abDas Riccio ist durch die Einbindung in der Community mehr als ein gew\u00f6hnlicher Salon. Und er hat eine humanistische Botschaft, was mir sehr wichtig ist\u00bb, erz\u00e4hlt er und l\u00e4sst damit eine stark politische Pers\u00f6nlichkeit erahnen. Wenn man von ihm wissen will, weshalb er sich als queer bezeichne, antwortet er: \u00abIch habe eine ausgepr\u00e4gte weibliche Seite und keine Angst, sie zu manifestieren.\u00bb Er sei dagegen, dass Nagellack nur etwas f\u00fcr Frauen sein solle. Seine Art zu sein sei eine Form des Protests: \u00abSchminke, Rock, Dauerwelle, String-\u00adTanga\u202f\u2013 wenn ich mir so gefalle, warum nicht?\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Die Zeit der traditionellen M\u00e4nnlichkeit ist vorbei.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was einige erstaunen mag: Dario ist mit einer Frau liiert. Er habe aber auch gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht. \u00abSagen wir\u2019s so: Mir gefallen Menschen\u00bb, sagt er, und seine grossen Augen l\u00e4cheln scheu. \u00dcberhaupt f\u00e4llt bei Dario der Kontrast auf zwischen auff\u00e4lligem \u00c4usserem und scheuem Naturell. Mit 18 wurde es ihm zu eng(-stirnig) in Rom und er zog deshalb nach London, wo er sechs Jahre lang blieb. Die Pandemie brachte ihn zur\u00fcck nach Italien, und er habe gemerkt, dass er auch klimatisch gesehen nicht nach England geh\u00f6re. Hier sp\u00fcre er allerdings einen viel gr\u00f6sseren Graben zwischen der cis-heterosexuellen Gesellschaft und den Queers. \u00abNach der l\u00e4ngeren Zeit in London bin ich immer noch etwas konsterniert: Ich verstehe die ganze Verbissenheit um gewisse Themen hier nicht\u00bb, stellt er etwas entnervt fest. \u00abMir ist das scheissegal, ich setze mich weiterhin f\u00fcr mehr Offenheit ein. Die Welt muss sich \u00e4ndern, die Zeit der traditionellen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tag\/maennlichkeit\/\">M\u00e4nnlichkeit<\/a> ist vorbei.\u00bb<\/p>\n<p>Es habe sich zwar einiges verbessert w\u00e4hrend seiner Abwesenheit, und \u00fcberhaupt habe er Vertrauen in die kommenden Generationen. Auch er selbst habe ein paar Ideen, um den Wandel voranzutreiben, u.a. wolle er mit Freund*innen queere Projekte und kulturelle Events organisieren. \u00abIch will das, was London mir geschenkt hat, Rom weitergeben.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/giorgia-meloni-regenbogenfamilien-nicht-normal-italien-rueckt-nach-rechts\/\">Regenbogenfamilien \u00abnicht normal\u00bb: Italien r\u00fcckt unter Meloni nach rechts<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Eleonora, die Nachdenkliche<\/strong><br \/>\nEine dieser lesbischen Frauen, von denen Ahmed eben gesprochen hat, ist Eleonora. Als sie f\u00fcr ein Praktikum zu Riccio kam, sei sie sozusagen noch ein Kind gewesen. Ihre Mutter habe ihr den Ort empfohlen: \u00abDa kommen lauter interessante Leute raus, schau es dir doch mal an.\u00bb Eleonora versteht heute, was ihre Mutter wohl damit meinte. \u00abSie hatte schon alles verstanden, noch bevor ich mir selbst dar\u00fcber bewusst werden konnte\u00bb, sagt sie etwas sarkastisch. Sie wird w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs noch oft S\u00e4tze bilden, die einiges offenlassen \u2013 aber dank Mimik und Gestik trotzdem unmissverst\u00e4ndlich sind. Typisch r\u00f6misch halt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_153422\" aria-describedby=\"caption-attachment-153422\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-153422\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio.jpg\" alt=\"friseursalon rom\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/eleonora-riccio-capriccio-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153422\" class=\"wp-caption-text\">Eleonora und ihre Freundin verheimlichten lange ihre Beziehung vor Freund*innen und Familie. (Bild: Cesare Macri)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Vergleich zu Ahmed f\u00e4llt Eleonora schon mehr auf: Nasenpiercing, rot-schwarz kariertes Hemd, milit\u00e4rische Erkennungsmarke um den Hals, Tattoos. Sie w\u00e4hlt ihre Worte bedacht. \u00abAlessandra ist meiner Meinung nach ein Monster ihres Fachs\u00bb antwortet sie auf die Frage, was ihr an ihrem Arbeitsplatz gefalle. Nat\u00fcrlich habe sie irgendwann auch gesp\u00fcrt, dass ihr das vorwiegend queere Umfeld entspreche: \u00abDas erste Mal durch diese T\u00fcre zu gehen, ist mir ziemlich eingefahren. Ich begann zu verstehen, wie diese spezifische Welt aussieht.\u00bb Ihr eigenes Lesbischsein habe sie mit 18 realisiert, was anfangs nicht einfach gewesen sei. Nach einem Prozess der Selbstakzeptanz outete sie sich ohne grossen Gegenwind der Eltern. Es sollten allerdings noch Jahre vergehen, bis es auch Geschwister und Freund*innen erfahren w\u00fcrden. \u00abMeine Frau und ich haben beide kleinere Br\u00fcder, die wir aus irgendeinem Grund schonen wollten, was sich schlussendlich als Paranoia herausstellte.\u00bb Sie h\u00e4tten so cool reagiert, als h\u00e4tten sie\u2019s schon immer gewusst.<\/p>\n<blockquote><p>Zwei Freundinnen fallen weniger auf als zwei Freunde.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Hier bleiben und k\u00e4mpfen<\/strong><br \/>\nVor ihrem (gemeinsamen) Freundeskreis haben sie und ihre Frau, damals Freundin, es gut verstecken k\u00f6nnen: \u00abZwei Freundinnen, die sich nahestehen und nahekommen, fallen weniger auf als zwei Freunde. Da denkt man nicht sofort an Homosexualit\u00e4t.\u00bb Erst nach fast zehn Jahren Beziehung h\u00e4tten sie die Bombe platzen lassen, und k\u00fcndigten gleich noch ihre Hochzeit an.<\/p>\n<p>Es brauche Orte wie das Riccio, nicht nur hier, sondern \u00fcberall in <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tag\/italien\/\">Italien<\/a>, um Horizonte zu erweitern. Denn die Gesellschaft sei f\u00fcr vieles noch nicht bereit, auch wenn es manchmal so wirke. Weshalb sie nie mit dem Gedanken gespielt habe, Rom zu verlassen? Sie sei hier zu fest verwurzelt. \u00abUnd zwischenmenschliche Beziehungen voll auszuleben und auszukosten ist f\u00fcr mich etwas vom Sch\u00f6nsten, das man erleben kann.\u00bb<\/p>\n<p>Ausserdem m\u00fcsse der Kampf hier gewonnen werden. Es sei einfach, nach Nordeuropa zu gehen, um ein gutes Leben zu f\u00fchren; einige ihrer Freund*innen h\u00e4tten das getan und seien daran, Kinder grosszuziehen, ohne wie in Italien darum k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. \u00abAber ausgerechnet jetzt das Schiff verlassen, so kurz vor dem Ziel?\u00bb Das w\u00e4re, wie sich geschlagen zu geben, und auch schade, zumal die neue, offene Generation eine grosse Hilfe sei. \u00abDiese ist so viel weiter als die vorherige \u2013 heute sind irgendwie alle bisexuell, nicht-bin\u00e4r usw\u2009.\u2009.\u2009. eine echte Herausforderung f\u00fcr die \u00c4lteren, aber wunderbar. Es geht in die richtige Richtung.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_153423\" aria-describedby=\"caption-attachment-153423\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-153423\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio.jpg\" alt=\"Friseursalon Rom\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ahmed-riccio-capriccio-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153423\" class=\"wp-caption-text\">\u00abDiese Art Menschen sieht man bei uns in \u00c4gypten nicht.\u00bb Ahmed verliess seine Heimat, als er 16 Jahre alt war. (Bild: Cesare Macri)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ahmed, der Freundliche<\/strong><br \/>\nIm Vergleich zu anderen Pers\u00f6nlichkeiten, die im Salon ein und ausgehen, ist Ahmed eine eher unscheinbare, geradezu n\u00fcchterne Erscheinung: Fade Cut, schwarzes Shirt, Cargohosen, Sneakers, wie sie viele andere 22-J\u00e4hrige tragen w\u00fcrden. Dies passt auch zu seinem eher introvertierten, freundlichen Blick, den er hat, wenn er mit einem spricht. Als er 16 war, verliess er <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tag\/aegypten\/\">\u00c4gypten<\/a>, wo seine Mutter und seine \u00e4ltere Schwester noch leben \u2013 sein Vater ist gestorben, als Ahmed sechs war \u2013 um an der sizilianischen K\u00fcste anzukommen und in Italien ein neues, besseres Leben zu beginnen. \u00abZum letzten Mal gesehen habe ich meine Familie vor drei Jahren.\u00bb Und das n\u00e4chste Mal? \u00abSo schnell wie m\u00f6glich\u00bb, sagt er und muss kurz strahlen.<\/p>\n<p>Als er nach seiner Ankunft nach Rom gekommen sei, habe er erstmal drei Monate in einem Wohnheim verbracht. Den Betreuer*innen habe er bald er\u00f6ffnet, dass er sich w\u00fcnsche, Friseur zu werden. Diese h\u00e4tten sich an die Arbeit gemacht und ihm schnell ein Angebot bei Riccio vermittelt, wo er seit mittlerweile sechs Jahren arbeitet. Dies f\u00fcr f\u00fcnf Stunden am Tag, weil er daneben eine Sprachschule besucht. \u00abFranco und Alessandra haben mich anfangs sehr unterst\u00fctzt, ich sch\u00e4tze mich deshalb sehr gl\u00fccklich. Sie sind auf eine Art meine italienische Familie, und auch das restliche Team f\u00fchlt sich mittlerweile danach an.\u00bb Ihm gefalle, dass alle so verschieden und ungew\u00f6hnlich seien \u2013 der eine trage gerne R\u00f6cke, die andere sei lesbisch. \u00abAls Teenie f\u00fchlte sich das alles im ersten Moment schr\u00e4g an, weil man diese Art Menschen bei uns in \u00c4gypten nicht sieht.\u00bb Auf diesen inneren Konflikt und dessen \u00dcberwindung angesprochen, meint er knapp und nonchalant: \u00abSolange Menschen mich gut behandeln, d\u00fcrfen sie von mir aus machen, was sie wollen.\u00bb<\/p>\n<p>In seiner Freizeit ist Ahmed oft auf einem Fussballfeld anzutreffen und hat, wie viele junge Migrant*innen, sowohl italienische wie \u00e4gyptische Freund*innen. Und auch diese seien tolerant anderen Identit\u00e4ten und Lebensformen gegen\u00fcber, da sie sich an sie gew\u00f6hnt h\u00e4tten. \u00abEinzig eine Beziehung fehlt mir noch, weil ich mich k\u00fcrzlich getrennt habe. Aber sobald die Richtige kommt\u2009.\u2009.\u2009.\u2009\u00bb Und da ist es wieder, das nette L\u00e4cheln, das nun auch etwas verschmitzt ist.<\/p>\n<h3 class=\"lavendeltitel\">DDL Zan<\/h3>\n<p class=\"lavendel\">\u00abDDL Zan\u00bb setzt sich aus der italienischen Abk\u00fcrzung f\u00fcr Gesetzesentwurf (\u00abdisegno die legge\u00bb) und des Nachnamens des italienischen Politikers Alessandro Zan zusammen. Der 48-J\u00e4hrige vertritt die Mitte-links-Partei Partito Democratico in der grossen Kammer des italienischen Parlaments und ist Aush\u00e4ngeschild der LGBTIQ-\u00adOrganisation Arcigay. Zan hatte ein Gesetz zur Bek\u00e4mpfung von Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Geschlecht, Geschlechtsidentit\u00e4t, sexueller Orientierung und einer Behinderung eingereicht. Die DDL Zan hatte im November 2020 in der Abgeordnetenkammer die n\u00f6tige Stimmenmehrheit erhalten, scheiterte aber bei der Abstimmung im Senat im Oktober 2021.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">F\u00fcr viele LGBTIQ in Italien sind Gewalt und Diskriminierung allt\u00e4glich, so die Organisation \u00abAll Out\u00bb. Gem\u00e4ss ILGA Europe landet das Land auf dem letzten Platz im Ranking der Rechtslage in Westeuropa. Neben dem mangelnden Schutz vor Diskriminierung gibt es in Italien keine Ehegleichstellung und gleichgeschlechtliche Paare d\u00fcrfen weder Kinder adoptieren noch die Fortpflanzungsmedizin beanspruchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rom \u2013 Der Salon Riccio Capriccio steht in der Gay Street, wenige hundert Meter vom Kolosseum entfernt. Er wurde 1996 von #trans Frau Alessandra gegr\u00fcndet und ist mittlerweile eine lokale Institution. (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queerer-friseursalon-in-rom\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2100,"featured_media":153416,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2,262,4371],"tags":[464,5535],"wps_subtitle":"Zu Besuch im Riccio Capriccio in der Gay Street","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153410"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2100"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153410"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153578,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153410\/revisions\/153578"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/153416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}