{"id":152124,"date":"2022-10-20T15:00:08","date_gmt":"2022-10-20T13:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=152124"},"modified":"2022-10-21T15:20:07","modified_gmt":"2022-10-21T13:20:07","slug":"pronomen-sind-politisch-tagung-befasst-sich-mit-er-sie-und-they","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/pronomen-sind-politisch-tagung-befasst-sich-mit-er-sie-und-they\/","title":{"rendered":"Pronomen sind politisch \u2013 Tagung befasst sich mit er, sie &#038; they"},"content":{"rendered":"<h3>Mit den grammatischen Eigenschaften von Personalpronomen haben sich die allermeisten Leute wohl zuletzt im Deutschunterricht bewusst befasst. Dabei sind die W\u00f6rtchen hochpolitisch \u2013 mit ihnen lassen sich unterschiedliche Geschlechtsidentit\u00e4ten ausdr\u00fccken.<\/h3>\n<p>Von Gregor Bauernfeind, dpa<\/p>\n<p>Sie geh\u00f6ren zu den k\u00fcrzesten W\u00f6rtern der deutschen Sprache. Und doch herrscht um sie immer wieder grosse Aufregung. Die Rede ist von Personalpronomen: \u00abEr\u00bb, \u00absie\u00bb und \u00abes\u00bb kennen viele noch als \u00abF\u00fcrw\u00f6rter\u00bb aus dem Deutschunterricht &#8211; hochpolitisch wird es aber, wenn etwa von \u00abthey\/them\u00bb die Rede ist. Mit Pronomen wie diesen lassen sich unterschiedliche Identit\u00e4tskonzepte von non-bin\u00e4ren Menschen ausdr\u00fccken. Gerade vielen J\u00fcngeren ist die richtige Bezeichnung ein wichtiges Anliegen, Kritikern treiben die \u00abGender Pronouns\u00bb dagegen regelm\u00e4ssig die Zornesr\u00f6te ins Gesicht.<\/p>\n<p>In Bielefeld haben jetzt Wissenschaftler*innen den nur scheinbar unscheinbaren Personalpronomen eine ganze Konferenz gewidmet.<\/p>\n<p>\u00abEs ist eigentlich eine unauff\u00e4llige Wortgruppe. Aber sehr, sehr bedeutsam\u00bb, sagt Mona K\u00f6rte, Professorin f\u00fcr Literaturwissenschaft und Organisatorin der Tagung mit dem Titel \u00abPersonalpronomen: Grammatik im Wandel?\u00bb. Wer einen genaueren Blick auf Texte zu Personalpersonen werfe &#8211; von Humboldt \u00fcber Grimm bis ins 20 Jahrhundert hinein &#8211; stelle fest, \u00abdass diese Theorietexte das Ph\u00e4nomen gar nicht zu b\u00e4ndigen helfen, sondern im Gegenteil eher Verwirrung stiften. Und das hat uns sehr interessiert.\u00bb<\/p>\n<p>Vor allem bei j\u00fcngeren Menschen ist es in den vergangenen Jahren g\u00e4ngiger geworden, in E-Mail-Signaturen oder auf Profilen in sozialen Medien ihre Personalpronomen anzugeben. Die Bewegung stammt aus den USA. Bei vielen nicht-bin\u00e4ren Menschen &#8211; die sich nicht oder nur teilweise in die Kategorie Frau oder Mann einordnen &#8211; hat sich \u00abthey\/them\u00bb etabliert. Aber auch viele \u00abCisgender\u00bb &#8211; so werden jene Menschen genannt, bei denen das bei der Geburt festgestellte Geschlecht mit der sp\u00e4ter entwickelten Identit\u00e4t \u00fcbereinstimmt &#8211; geben etwa \u00abshe\/her\u00bb oder \u00absie\/ihr\u00bb an. Sie wollen damit zeigen, dass sie die Geschlechtsidentit\u00e4t anderer respektieren. So soll von Nicht-Bin\u00e4ren der Druck genommen werden, sich immer wieder erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/sehr-geehrte-damen-und-herren-vom-umgang-mit-schwierigen-woertern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00abSehr geehrte Damen und Herren\u00bb \u2013 Vom Umgang mit schwierigen W\u00f6rtern. Ein neues Buch versucht sich an einem \u00dcberblick\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00abDie Anforderungen, dem Zwang zu gen\u00fcgen, sich in die bin\u00e4re Ordnung einzuf\u00fcgen &#8211; das wird von vielen Menschen verst\u00e4rkt als Zumutung erlebt\u00bb, erkl\u00e4rt die auf der Konferenz vertretene Professorin f\u00fcr Geschlechtersoziologie, Tomke K\u00f6nig, die Anf\u00e4nge der Bewegung. Je vielf\u00e4ltiger die geschlechtlichen Lebensweisen w\u00fcrden, umso lauter werde auch die Kritik an der alten bin\u00e4r-hierarchischen Ordnung. \u00abBoykott dem bin\u00e4ren Komplott!\u00bb &#8211; so dr\u00fcckt es die Band Drangsal in einem Songtext aus.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pvH9mvDxNcs\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Personalpronomen seien derzeit \u00abhochgradig politisch aufgeladen\u00bb, sagt K\u00f6rte. \u00abWir nehmen die politische Debatte nur zum Anlass, um uns dann tats\u00e4chlich wissenschaftlich \u00fcber diese interdisziplin\u00e4ren Ans\u00e4tze zu verst\u00e4ndigen.\u00bb So waren auf der Tagung am Mittwoch und Donnerstag neben der Sprachwissenschaft auch Philosophie, Biologie, Soziologie oder Tierethik vertreten. Es ging etwa um die \u00abKonstruktion von Identit\u00e4t in der r\u00f6misch-antiken Lebenswelt\u00bb oder die Verwendung von Pronomen in Tierenzyklop\u00e4dien.<\/p>\n<p>Das Thema zu kontextualisieren und zu historisieren, tue der politischen Debatte gut, ist sich K\u00f6rte sicher. Dort spiele Wissenschaft n\u00e4mlich kaum eine Rolle, sagt sie. \u00abUnsere Tagung ist ein Ansatz, ein Versuch in diese Richtung.\u00bb Interessant sei, \u00abdass die Wissenschaft bei den Pronomen nicht einhegt und befriedet\u00bb. Sie mache vielmehr deutlich, dass Pronomen in ihrer Variabilit\u00e4t, ihren Schattierungen und Nuancen schon sehr lange ein Thema seien.<\/p>\n<p>Im Englischen haben sich weitgehend die Pronomen \u00abthey\/them\u00bb etabliert, im Deutschen gibt es dagegen bislang kaum ad\u00e4quate Anreden abseits der m\u00e4nnlichen und weiblichen Formen, die auch allgemein verst\u00e4ndlich sind. \u00abIch beobachte, dass sich eher das Nennen des Namens durchsetzt\u00bb, sagt K\u00f6nig. \u00abUnd das finde ich eine sehr gute L\u00f6sung, weil wir dann keine neuen Worte erfinden m\u00fcssen.\u00bb Ein Beispielsatz: \u00abSteffi putzt sich die Z\u00e4hne, bevor Steffi ins Bett geht.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Wichtig w\u00e4re, dass niemand diskriminiert wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bef\u00fcrchtungen von \u00abSprachverunstaltung\u00bb weist K\u00f6nig zur\u00fcck. \u00abWichtiger w\u00e4re, dass niemand diskriminiert wird\u00bb, sagt sie. Es gehe gar nicht nur um Repr\u00e4sentation, sondern auch um \u00abVerantwortung, die ich daf\u00fcr habe, respektvoll und anerkennend meinem Gegen\u00fcber zu begegnen, f\u00fcr den respektvollen Umgang miteinander.\u00bb<\/p>\n<p>\u00dcber die Sprachkritik hinaus werden immer wieder &#8211; etwa in Kreisen, die Geschlecht f\u00fcr naturgegeben halten &#8211; Grundsatzdebatten \u00fcber den sogenannten \u00abGenderwahn\u00bb gef\u00fchrt. Das Thema polarisiert, wie das Beispiel von Kim de l&#8217;Horizon zeigt. Wie der <em>K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/em> berichtete, erreichen de l&#8217;Horizon nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises am Montag neben Gl\u00fcckw\u00fcnschen auch queerfeindliche Angriffe <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/nach-auszeichnung-mit-buchpreis-kim-de-lhorizon-wird-bedroht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Kim de l&#8217;Horizon definiert sich als nicht-bin\u00e4r. Im Instagram-Profil steht: \u00abkeine pronomen oder dey\/dem\u00bb.<\/p>\n<p>Aber warum provoziert die Verwendung von Pronomen wie \u00abthey\/them\u00bb eigentlich so sehr? Geschlechtersoziologin K\u00f6nig erkl\u00e4rt, die Emp\u00f6rung sei nicht \u00fcberraschend. In diesen Debatten gehe es nicht nur um den Erhalt oder die \u00dcberwindung der Differenz zwischen den Geschlechtern, sondern um Lebensweisen, die f\u00fcr unsere Gesellschaft bislang wesentlich (konstitutiv) gewesen seien, allen voran die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Bielefeld Sie geh\u00f6ren zu den k\u00fcrzesten W\u00f6rtern der deutschen Sprache \u2013 Personalpronomen: #Er #Sie etc. F\u00fcr #nichtbin\u00e4re Personen gibt es #They und #Them. Jetzt widmen Wissenschaftler*innen diesen Pronomen eine ganze Konferenz <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/pronomen-sind-politisch-tagung-befasst-sich-mit-er-sie-und-they\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":152125,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,83],"tags":[5545],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152124"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152124"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152124\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":152171,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152124\/revisions\/152171"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/152125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}