{"id":148426,"date":"2022-09-09T18:49:30","date_gmt":"2022-09-09T16:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=148426"},"modified":"2022-09-09T20:26:02","modified_gmt":"2022-09-09T18:26:02","slug":"queere-solidaritaet-weniger-symbolik-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queere-solidaritaet-weniger-symbolik-bitte\/","title":{"rendered":"Queere Solidarit\u00e4t? Symbolik allein reicht nicht!"},"content":{"rendered":"<h3>Wie geht eigentlich Solidarit\u00e4t mit LGBTIQ? Taten sind st\u00e4rker als Worte und vor allem wichtiger als das Tragen bestimmter Textilien, meint unser Kommentator*.<\/h3>\n<p>Neulich las ich von einer kurzen Auseinandersetzung, deren ganz genaue Details hier keine Rolle spielen m\u00fcssen. Jedenfalls ging es um, so nenne ich es mal, Zumutbarkeiten. Konkret: Einer postete etwas zu einem Zeichner, dessen Bilder auch queere Ratgeberb\u00fccher illustrieren \u2013 und lobte ihn. Ein anderer erwiderte, ach, das ist doch nur naiver Kram, k\u00fcnstlerisch sei damit kein Blumenpott zu gewinnen. Der Angesprochene f\u00fchlte sich nun, den Zeichner zu verteidigen, und zwar mit einem aktivistisch get\u00f6nten Argument: Ja, das mag sein, dass es in der \u00e4sthetischen Weise der Zeichnungen ein gewisses Ungelenk gibt, aber die Geste z\u00e4hle &#8211; der Zeichner meine es doch gut, und das solle man bitte wertsch\u00e4tzen und zwar, \u00abdamit es uns weiterbringt\u00bb.<\/p>\n<p>Das heisst: Wir als Angeh\u00f6rige der sogenannten LGBTIQ-Szene sollen nicht mehr streiten, urteilen, kritisieren etc. &#8211; sondern nur noch wertsch\u00e4tzen, denn alles diene unserer, der guten, ja, besten Sache. Ich teile diese Ansicht nicht, zumal viele meiner Kommentare und Statements auch heftig kritisiert werden, ohne dass sich auch nur ein Queerchen um Wertsch\u00e4tzungsoptimierungen mir gegen\u00fcber m\u00fcht. Vor fast 30 Jahre schrieb ich in der Hamburger Ausgabe der <em>taz<\/em> eine Kritik \u00fcber ein Konzert des schwulen Chores, das ich k\u00fcnstlerisch eher so lala fand, okay, aber nicht berauschend, doch der Applaus fiel so rauschend und prasselnd aus, dass man denken konnte, da habe eine alte <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wie-queer-ist-barbra-streisand\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barbra Streisand<\/a> gl\u00fccklicher- und \u00fcberraschender Weise wieder die h\u00f6chsten T\u00f6ne wie zu ihren Jugendtagen getroffen. Mein Kommentar: Offenbar sei es inzwischen so, dass selbst ein (\u00ab \u2026 \u00bb \u2013 <em>schlimmes Wort, nicht mehr zitierbar<\/em>) nur die \u00dcberschrift \u00abschwul\u00bb br\u00e4uchte, um st\u00e4rksten Applaus zu ernten.<\/p>\n<p>Es war ein ungerechter Text, muss ich bald zugeben, unfair auch gegen\u00fcber der Idee selbst: Schwules nicht mehr diskret zu halten, sondern es zeigen. Denn damals ging es wirklich ja noch um schwule Sichtbarkeit, also um die explizite Betonung einer k\u00fcnstlerischen Darbietung als \u00abschwul\u00bb (oder \u00abqueer\u00bb, wie auch immer).<\/p>\n<p>Das hat sich ge\u00e4ndert, in jeder Hinsicht. In freien L\u00e4ndern, zu denen Deutschland, die Schweiz, \u00d6sterreich und Belgien ja z\u00e4hlen, in deren Metropolen zumal, ist LGBTIQ nicht zu \u00fcbersehen, schon gar nicht w\u00e4hrend der CSD-Saison. Klar, manches k\u00f6nnte noch sichtbarer sein, etwa schwule Fussballer, von denen es im Profigesch\u00e4ft in Deutschland niemanden gibt, der spielt, wie er eben spielt &#8211; und ausserdem keine Spielerliebste auf der Trib\u00fcne sitzen hat, sondern einen Liebsten. Da gibt es offenbar noch viel Furcht und Distanz.<\/p>\n<p>Nicht jedoch ist ein Weg zu empfehlen, der uns aus Australien \u00fcbermittelt wird: Sieben Spieler einer Rugby-Mannschaft aus Sydney weigerten sich, das von h\u00f6chster Ebene des Vereins verordnete Regenbogentrikot sich \u00fcberzustreifen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/australien-rugby-spieler-verweigern-tragen-von-regenbogen-trikot\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Die Spieler, die kein Rainbow-Jersey \u00fcberziehen wollten, beriefen sich im \u00dcbrigen auf religi\u00f6se, famili\u00e4re und kulturelle Bedenken. Das galt nicht als gute Geste, weil ein ehemaliger Spieler, Ian Roberts, selbst sp\u00e4t selbstgeoutet, diese textile Symbolik angeregt hatte. Der antwortet seinen Kumpels aus dem Sport in einem <a href=\"https:\/\/www.smh.com.au\/sport\/i-wore-my-manly-jersey-and-my-sexuality-with-pride-now-i-m-heartbroken-20220726-p5b4qq.html)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Offenen Brief<\/a>, ihm breche wegen der Weigerung, queere Solidarit\u00e4t zu \u00fcben, das Herz. Und so weiter und so fort.<\/p>\n<blockquote><p>Die sieben Spieler sind keine schlechten Menschen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich aber w\u00fcrde meinen: Die sieben (vermutlich heterosexuell orientierten) Spieler durften (und d\u00fcrfen) bekunden, das Dress nicht \u00fcberziehen zu wollen. Sie sind deshalb keine schlechten Menschen. K\u00f6nnte sein, dass sie aufrichtig sind: Keine Aktion mitzumachen, die sie nicht einsehen und nicht in ihren Herzen tragen. Mir ist es n\u00e4mlich lieber, dass die Solidarit\u00e4t mit queeren Anliegen nicht Teil einer Marketingshow ist, die die Aus\u00fcbenden nur mitmachen, weil es gerade cool ist oder angesagt: Charity ist imagef\u00f6rderlich, nicht wahr?<\/p>\n<p>Lieber w\u00e4re mir, und das erfahren wir aus Australien nicht weiter, in einem Rugby- oder (wie meist in Europa) Fussballteam spielen schwule M\u00e4nner mit. Dass sie im Team sind, nicht mit bl\u00f6den Spr\u00fcchen traktiert werden, dass sie sich also sicher f\u00fchlen. Sporttrikots braucht es dann nicht als Symbol des guten Willens: Er wird einfach gelebt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen LGBTIQ-Thema. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Kommentar Wie geht eigentlich Solidarit\u00e4t mit #LGBTIQ? Taten sind st\u00e4rker als Worte und vor allem wichtiger als das Tragen bestimmter Textilien, meint unser Autor. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queere-solidaritaet-weniger-symbolik-bitte\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1871,"featured_media":148427,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3270],"tags":[5442,5503,5543],"wps_subtitle":"Lieber keine lauten Zeichen, wenn sie Teil einer Marketingshow sind, findet unser Autor","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/148426"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1871"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=148426"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/148426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148434,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/148426\/revisions\/148434"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/148427"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=148426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=148426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=148426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}