{"id":146106,"date":"2022-08-15T11:43:11","date_gmt":"2022-08-15T09:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=146106"},"modified":"2022-08-16T11:51:12","modified_gmt":"2022-08-16T09:51:12","slug":"rom-die-homophobe-giorgia-meloni-koennte-ministerpraesidentin-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/rom-die-homophobe-giorgia-meloni-koennte-ministerpraesidentin-werden\/","title":{"rendered":"Rom: Die homophobe Giorgia Meloni k\u00f6nnte Ministerpr\u00e4sidentin werden"},"content":{"rendered":"<h3>Vor 100 Jahren \u00fcbernahm Mussolini die Macht in Italien. Im Jahr 2022 hat eine Postfaschistin beste Chancen, Ministerpr\u00e4sidentin zu werden. Wie denkt diese Giorgia Meloni? Und wie kann es sein, dass diese Frau in Italien so erfolgreich ist?<\/h3>\n<p>Von Manuel Schwarz, dpa<\/p>\n<p>Rom (dpa) &#8211; Italien steht vor einem Rechtsruck. 100 Jahre nach der Machtergreifung der Faschisten unter Benito Mussolini haben die rechtsextremen Fratelli d&#8217;Italia (Br\u00fcder Italiens) um Parteichefin Giorgia Meloni im Herbst beste Chancen auf die Regierungs\u00fcbernahme. Am Wochenende pr\u00e4sentierten sie ihr Wahlkampf-Logo &#8211; \u00abein Symbol, auf das wir stolz sind\u00bb, sagte Meloni. In dem Emblem lodert eine Flamme in den Farben gr\u00fcn-weiss-rot &#8211; es ist seit Jahrzehnten das Kennzeichen der Postfaschisten in Italien. Meloni war gebeten worden, auf das Feuer zu verzichten, auch Holocaust-\u00dcberlebende appellierten an sie. Sie \u00e4nderte es nicht.<\/p>\n<p>Nicht nur das Wappen, sondern auch Aussagen und Ansichten Melonis zeigen, in welche Richtung es gehen k\u00f6nnte in Rom nach dieser Wahl am 25. September. Homophob, migrantenfeindlich und europaskeptisch trat Meloni immer wieder auf.<\/p>\n<p>Zum Beispiel erkl\u00e4rte sie im Oktober 2019 bei einer Kundgebung ihrer Mitte-Rechts-Partei: \u00abGott, Vaterland und Familie &#8230; Sie wollen, dass wir Elternteil 1 und Elternteil 2 werden, LGBT-Geschlechter, x-B\u00fcrger, von Codes, aber wir sind keine Codes, wir sind Menschen, und wir werden unsere Identit\u00e4t verteidigen. Ich bin Giorgia, ich bin eine Frau, ich bin Mutter, ich bin Christin.\u00bb Darauf folgten Ausfl\u00fcge in die Welt der M\u00e4rchen, sie redeten von Ogern, die Kindern stehlen, und erkl\u00e4rte: \u00abIch meine, ich glaube nicht an einen Staat, der den legitimen Wunsch eines Homosexuellen, ein Kind zu adoptieren, \u00fcber das Recht des Kindes auf einen Vater und eine Mutter stellt.\u00bb<\/p>\n<p>Das Portal <a href=\"https:\/\/www.gay.it\/giorgia-meloni-10-frasi-comunita-lgbtq\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>gay.it<\/em><\/a> f\u00fchrt mehrere Vorf\u00e4lle auf, etwa als Meloni sich im Februar 2020 zu einer Lesung zweier Drag Queens f\u00fcr kleine Kinder in Rom \u00e4usserte mit den Worten: \u00abFinger weg von den Kindern!\u00bb. Ein Gesetz zum Schutz von LGBTIQ scheitert im Parlament in Rom, vor allem die rechten Parteien waren dagegen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/italienisches-anti-homophobie-gesetz-im-parlament-gescheitert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Derzeit schl\u00e4gt Meloni zwar etwas moderatere T\u00f6ne an \u2013 Kritiker*innen sehen darin aber nur eine Ablenkung.<\/p>\n<p>In einem Italien, das das Jahrhundertverbrechen des Faschismus nie richtig aufgearbeitet hat, und wo viele heute offen ihre Bewunderung f\u00fcr den \u00abDuce\u00bb Mussolini \u00e4ussern, sind Melonis Ansichten popul\u00e4r. Laut Umfragen stehen die Fratelli d&#8217;Italia (FdI) bei bis zu 25 Prozent.<\/p>\n<p>Meloni bezeichnet sich nicht als Faschistin, die 45-J\u00e4hrige will \u00fcber das Thema am liebsten gar nicht reden. Es ist aber brisant, gerade jetzt durch die Enth\u00fcllung des FdI-Wahlabzeichens. Die Flamme als Symbol der Rechten gibt es seit 1946. Viele erinnert sie an das Grab Mussolinis, auf dem eine Lampe als ewiges Licht brennt.<\/p>\n<p>Vor der Ruhest\u00e4tte des \u00abDuce\u00bb in dessen Geburtsort Predappio stehen bis heute Verehrer, Nostalgiker und Interessierte Schlange. Auf dem steinernen Sarg in der Familienkrypta liegen frische Blumen, man kann in ein G\u00e4stebuch schreiben, in einer Box werden Spenden gesammelt.<\/p>\n<p>\u00abDie Sorge, dass nun Faschisten an die Macht kommen, ist real\u00bb, sagt Gianfranco Miro Gori. Er ist Vertreter der Partisanenvereinigung ANPI in Forl\u00ec in der N\u00e4he von Predappio in der Region Emilia-Romagna. \u00abIn Italien gibt es diese Nostalgie des Faschismus, weil wir anders als die Deutschen jene Epoche nie richtig aufgearbeitet haben\u00bb, erkl\u00e4rt der Aktivist der Deutschen Presse-Agentur. \u00abBei uns musste nie jemand sagen: Ich war Faschist, ich lag falsch, ich trage eine Mitschuld.\u00bb<\/p>\n<p>Ein Pendant zu den N\u00fcrnberger Prozessen gab es nicht, im Gegenteil: Um schnell vom Kriegs- in einen Friedensalltag \u00fcberzugehen, wurden die alten Faschisten fast alle in die neue Verwaltung \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, erinnert Gori, seien auch Melonis Verb\u00fcndete Matteo Salvini und Silvio Berlusconi mitverantwortlich an der fortschreitenden Etablierung des (Post-)Faschismus. Ex-Ministerpr\u00e4sident Berlusconi von der Partei Forza Italia hatte einmal behauptet, dass Mussolini kein Diktator war und auch Gutes geleistet habe. Lega-Chef Salvini sagte noch im Herbst 2021, dass es gar keine Faschisten mehr gebe.<\/p>\n<p>Rechtspopulistin Meloni bem\u00fcht sich um moderatere T\u00f6ne, seit nach dem Sturz der Regierung von Mario Draghi klar ist, dass am 25. September in Italien gew\u00e4hlt wird. Europa und die Welt m\u00fcssen sich um Italien keine Sorgen machen, sagte sie vorige Woche in dem Videoclip.<\/p>\n<p>\u00abIch glaube ihr kein Wort\u00bb, schimpfte Auschwitz-\u00dcberlebende Edith Bruck in einem Interview der Zeitung \u00abLa Repubblica\u00bb. Melonis Beteuerungen seien nur \u00abFassade, um Ministerpr\u00e4sidentin zu werden\u00bb. Liliana Segre war ebenfalls im KZ Auschwitz und sitzt heute in Rom als Senatorin auf Lebenszeit im Parlament. Die 91-J\u00e4hrige appellierte vorige Woche an Meloni, die faschistische Flamme aus dem Fratelli-Emblem zu streichen, um zumindest ein Zeichen zu setzen.<\/p>\n<p>Meloni distanzierte sich in einem Videoclip von der Unterdr\u00fcckung der Demokratie und den antij\u00fcdischen Gesetzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts &#8211; den Faschismus insgesamt verurteilte sie aber nicht.<\/p>\n<p>Mitte Juni war Meloni bei einer Veranstaltung der rechtsextremen spanischen Partei Vox aufgetreten und hatte unter dem Jubel der Zuh\u00f6rer gebr\u00fcllt, was sie alles ablehne, von Einwanderern \u00fcber LGBTIQ-Gruppen und Gender-Ideologien bis hin zu Br\u00fcsseler B\u00fcrokraten.<\/p>\n<p>Der Ton der Rede und Melonis ideologische Verankerung lassen viele erschaudern. Die Politikwissenschaftlerin Sofia Ventura stellt fest, \u00abdass FdI eine &#8222;emotionale&#8220; Verbindung mit der faschistischen oder postfaschistischen Historie h\u00e4lt\u00bb. Den Rassisten und Antisemiten Giorgio Almirante, der 1946 erstmals die Flamme als neofaschistisches Symbol benutzt hatte, nannte Meloni einmal \u00abeinen der aussergew\u00f6hnlichsten M\u00e4nner\u00bb der italienischen Nachkriegshistorie. \u00abEr war Anf\u00fchrer von Generationen, der wichtigste politische Vater.\u00bb<\/p>\n<p>Im fr\u00fcheren Wohnhaus Mussolinis in Forl\u00ec sitzt Domenico Morosini, er hat das Geb\u00e4ude um die Jahrtausendwende von der Familie des Duce abgekauft und in eine Art privates Museum umgewandelt. Die R\u00e4ume sind voll von Fotos, B\u00fcsten und Kleidungsst\u00fccken Mussolinis und seiner Familie. \u00abIch bin kein Faschist, sondern Mussolinist\u00bb, sagt der 82-J\u00e4hrige. Zur Begr\u00fcssung streckt er kurz den Arm nach oben.<\/p>\n<p>Im Garten hat Morosini einen kleinen Shop aufgebaut. Zu kaufen gibt es Ansteckpins mit Bildern Mussolinis oder anderen Motiven, etwa dem Emblem der Waffen-SS. In Predappio sind ganze L\u00e4den voll mit Devotionalien des Faschismus und Nationalsozialismus, von T-Shirts \u00fcber B\u00fcsten, Geschirr bis hin zu Babyartikeln. An der Wand h\u00e4ngt eine Hakenkreuz-Fahne, auf einem Regal stehen Statuen von Mussolini und Hitler. Faschistische Symbole oder Gesten sind in Italien erlaubt.<\/p>\n<p>Was die Rechten bei einem Wahlsieg aus Italien machen, das wird sich zeigen. Eine Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni macht vielen Angst.<\/p>\n<p><strong>Gewalt und Diskriminierung von LGBTIQ sind in Italien allt\u00e4glich: Im Gegensatz zu vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gibt es keinen rechtlichen Schutz vor Hassverbrechen. Untersuchungen der EU-Grundrechteagentur FRA <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/05\/14\/17-mai-studie-ueber-lgbtiq-diskriminierung-zeigt-klaren-handlungsbedarf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a> zeigten, dass es zwei von drei italienischen LGBTIQ (62%) vermeiden, mit Partner*in in der \u00d6ffentlichkeit H\u00e4ndchen zu halten.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Italien Vor 100 Jahren \u00fcbernahm #Mussolini die Macht. Nun hat eine Postfaschistin beste Chancen, Ministerpr\u00e4sidentin zu werden: Giorgia Meloni \u00e4ussert sich immer wieder homofeindlich. #LGBTIQ <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/rom-die-homophobe-giorgia-meloni-koennte-ministerpraesidentin-werden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":146107,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[464,5544,5461],"wps_subtitle":"Derzeit schl\u00e4gt die Europaskeptikerin moderatere T\u00f6ne an","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146106"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=146106"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146116,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146106\/revisions\/146116"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/146107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=146106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=146106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=146106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}