{"id":145838,"date":"2022-08-13T07:49:18","date_gmt":"2022-08-13T05:49:18","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=145838"},"modified":"2022-08-14T09:01:52","modified_gmt":"2022-08-14T07:01:52","slug":"die-pride-mir-zu-laut-zu-bunt-zu-aufdringlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-pride-mir-zu-laut-zu-bunt-zu-aufdringlich\/","title":{"rendered":"Die Pride \u2013 mir zu laut, zu bunt, zu aufdringlich"},"content":{"rendered":"<h3>Worin liegt die St\u00e4rke unserer Community? Unser Kommentar* von Peter F\u00e4sslacher, Moderator und Sendungsverantwortlicher bei ORF III und Stimme des Podcasts \u00abReden ist Gold\u00bb \u00fcber Liebe und Leben von LGBTIQ.<\/h3>\n<p>Ich bin kein Pride-Geher. F\u00fcr meinen Geschmack ist das alles zu laut, zu bunt, zu aufdringlich und einfach zu weit weg von mir selbst. Ich war bis jetzt nur einmal auf einer Parade \u2013 in Wien 2019. Und es war \u00fcberraschend okay.<\/p>\n<p>Heuer zog man \u00abVereint in Liebe\u00bb durch die Strassen. So lautete jedenfalls das Motto des diesj\u00e4hrigen Christopher Street Days in Berlin <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/vereint-in-liebe-berlin-feiert-den-christopher-street-day\/\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Ich denke mir: W\u00fcrde \u00abvereint\u00bb alleine nicht ausreichen? \u00abIn Liebe\u00bb kann man es immer noch versuchen. Schon auff\u00e4llig, dass bei Pride-Paraden h\u00e4ufig die Gemeinschaft betont wird. Gerne wird ein symbolisches \u00abWir\u00bb erschaffen, das Kraft geben und das R\u00fcckgrat st\u00e4rken soll. Aber f\u00fchlt sich jede*r diesem \u00abWir\u00bb auch zugeh\u00f6rig? Wer sind all diese Leute auf den Paraden mit ihren Regenbogenfahnen wirklich? Bin ich Teil von ihnen? Sind sie Teil von mir? Geh\u00f6re ich dazu? Auch dann, wenn ich denke, es nicht zu tun?<\/p>\n<p>Seit im Februar 2021 die Initiative #ActOut an die \u00d6ffentlichkeit getreten ist (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/offensiv-gegen-den-karriereknick-schauspielstars-outen-sich\/\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>), frage ich mich, warum diese Aktion eigentlich so eine grosse Resonanz gefunden hat. Ein Coming-out ist heute nichts Neues mehr. Auch dann nicht, wenn es 185 Schauspieler*innen gleichzeitig machen. Das Besondere an #ActOut war aber die Form, die daf\u00fcr gew\u00e4hlt wurde. Es war nicht das \u00abWas\u00bb, sondern das \u00abWie\u00bb, das interessant war. Hatte diese Aktion deshalb so eine Kraft, weil sie eine unbewusste Sehnsucht angesprochen hat, die viele Menschen in der Community haben? N\u00e4mlich: Die Sehnsucht nach einer positiven Gemeinschaftserfahrung?<\/p>\n<p>Wie stark Gemeinschaft sein kann, konnte man bei dieser Initiative beobachten: Wer als Journalist*in mit gewissen Teilnehmenden von \u00abAct Out\u00bb ein Einzelinterview f\u00fchren wollte, bekam eine Absage. Begr\u00fcndung: Zu einem Einzelinterview sei er*sie noch nicht bereit. Daf\u00fcr sei es noch zu fr\u00fch. Es war also die Kraft der Gruppe, die Halt und Sicherheit gegeben hat, sich \u00f6ffentlich zu zeigen.<\/p>\n<blockquote><p>Ist es nicht spannend, dass in \u00abqueer\u00bb zumindest akustisch das Wort \u00abwir\u00bb vorkommt?<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich glaube, dass es einen wesentlichen Unterschied gibt zwischen \u00abGemeinschaft\u00bb und \u00abSchicksalsgemeinschaft\u00bb. Es ist der Unterschied zwischen einer selbst gew\u00e4hlten Gemeinschaft und einer, der man ohnehin angeh\u00f6rt, ob man will oder nicht. Oder anders formuliert: Vielleicht ist es f\u00fcr statistische Minderheiten genau diese Transformation, die das pers\u00f6nliche Gemeinschaftsgef\u00fchl auf eine ganz neue Ebene hebt: Wenn man es schafft, aus der Schicksalsgemeinschaft \u2013 der man ohnehin angeh\u00f6rt \u2013 eine selbst gew\u00e4hlte Gemeinschaft zu machen. So wie die Teilnehmer*innen von #ActOut. Und auch alle Menschen, die auf der Pride gemeinsam feiern. Durch ihre eigene Entscheidung und freie Wahl, Teil dieser Aktion oder Veranstaltung sein zu wollen, machen sie f\u00fcr sich aus einer Schicksalsgemeinschaft eine Gemeinschaft. Immer wieder denke ich mir: Ist es nicht spannend, dass in \u00abqueer\u00bb zumindest akustisch das Wort \u00abwir\u00bb vorkommt?<\/p>\n<p>Ich habe \u00fcbrigens gelogen. Ich war nicht erst einmal auf einer Pride. 2021 war ich zuf\u00e4llig am CSD-Wochenende in Berlin und bin nach der Parade mit einem Freund zum Nollendorfplatz gefahren. Es waren viele Polizist*innen dort, um die Einhaltung der Coronamassnahmen zu kontrollieren. Immer wieder waren Lautsprecherdurchsagen zu h\u00f6ren, mit der Aufforderung, die Masken aufzusetzen. Aber nicht in einem aggressiven Ton oder um Macht zu demonstrieren, sondern \u00abdamit wir hier alle weiter feiern k\u00f6nnen und uns niemand vorwerfen kann, wir h\u00e4tten uns nicht an die Vorschriften gehalten\u00bb, so hat die Durchsage der Polizei gelautet. Es haben sich fast alle daran gehalten. Vielleicht lag es ja am \u00abWir\u00bb?<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Kommentar Zu laut, zu bunt, zu aufdringlich: MANNSCHAFT+-Kolumnist Peter F\u00e4sslacher kann mit der #Pride nicht viel anfangen. Und doch sei die Macht des Gemeinschaftsgef\u00fchls nicht zu untersch\u00e4tzen.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-pride-mir-zu-laut-zu-bunt-zu-aufdringlich\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1793,"featured_media":145840,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3270,4371,2527],"tags":[5442,5531,5503],"wps_subtitle":"Unser Kolumnist Peter F\u00e4sslacher kann mit CSDs nicht viel anfangen","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145838"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1793"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=145838"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145947,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145838\/revisions\/145947"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/145840"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=145838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=145838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=145838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}