{"id":141354,"date":"2022-06-21T07:58:11","date_gmt":"2022-06-21T05:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=141354"},"modified":"2022-06-22T13:58:19","modified_gmt":"2022-06-22T11:58:19","slug":"afrikanisch-queer-und-selbstbewusst-mehr-mut-zur-sichtbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/afrikanisch-queer-und-selbstbewusst-mehr-mut-zur-sichtbarkeit\/","title":{"rendered":"Afrikanisch, queer und selbstbewusst \u2013 Mehr Mut zur Sichtbarkeit"},"content":{"rendered":"<h3>Regenbogenfarben an Fenstern und Balkonen sind in afrikanischen St\u00e4dten noch selten. Doch es gibt immer mehr Schwule und Lesben, trans und nichtbin\u00e4re Menschen, die sich nicht mehr verstecken.<\/h3>\n<p>Von Kristin Palitza und Eva Krafczyk, dpa<\/p>\n<p>Farbe zeigen, laut werden, Diversit\u00e4t feiern und Rechte einfordern: F\u00fcr die queere Community ist der Juni als Pride Month der Monat erh\u00f6hter Sichtbarkeit. In Afrika ist das nicht \u00fcberall einfach, doch Fortschritte sind un\u00fcbersehbar: In 22 von Afrikas 54 L\u00e4ndern ist Homosexualit\u00e4t mittlerweile entkriminalisiert.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren Angola, Botsuana, Kap Verde, Gabun, Guinea-Bissau, Lesotho, Mosambik, S\u00e3o Tom\u00e9 und Pr\u00edncipe, die Seychellen und S\u00fcdafrika. \u00abImmer mehr kommen dazu. Der Trend geht weitgehend in die richtige Richtung\u00bb, sagt die amerikanische Organisation <a href=\"https:\/\/twitter.com\/LGBTMarriage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LGBT Marriage News<\/a>. Homosexualit\u00e4t werde allm\u00e4hlich akzeptiert, die Hoffnung wachse.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika ist der Vorreiter des Kontinents. Die Verfassung von 1994 war die erste der Welt, die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbot. S\u00fcdafrika war ausserdem das f\u00fcnfte Land weltweit \u2013 und das erste in Afrika \u2013, das die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte. Im vergangenen Jahr wurde ein S\u00fcdafrikaner, Louw Breytenbach, zum \u00abMr. Gay World\u00bb gek\u00fcrt.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"en\">Louw Breytenbach, 31 from Boksburg in Gauteng. Director of the National Arts Association of South Africa and owner of LALT House of Growth &#8222;Being selected as a Top 12 candidate brings a massive smile to my face.&#8220; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/unitedwithpurpose?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#unitedwithpurpose<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/mrgwsa21?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#mrgwsa21<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/mrgayworld?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#mrgayworld<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/HWTqedfzPH\">pic.twitter.com\/HWTqedfzPH<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Mr Gay World\u2122 South Africa (@MRGWSA) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MRGWSA\/status\/1390254261309743107?ref_src=twsrc%5Etfw\">May 6, 2021<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>\u00abS\u00fcdafrika ist auf jeden Fall das Vorbild f\u00fcr den Kontinent\u00bb, sagt Kaye Ally, die Gr\u00fcnderin der Organisation Pride of Africa, die jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen f\u00fcr die LGBTIQ-Community\u00a0 organisiert. Die Touristenmetropole Kapstadt gilt mittlerweile als schwule Hauptstadt Afrikas und ist ein beliebteste Reiseziel f\u00fcr queere Tourist*innen. Hier findet jedes Jahr das \u00abPride Festival\u00bb im Februar und M\u00e4rz statt, das \u00abMother City Queer Project\u00bb im Dezember und das \u00abOut in Africa Film Festival\u00bb im September und Oktober.<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/der-neffe-von-singapurs-premierminister-heiratet-in-suedafrika\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (In S\u00fcdafrika heiratete vor ein paar Jahren auch der Neffe von Singapurs Premierminister seinen Mann \u2013 MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Auch in S\u00fcdafrikas Hauptstadt Pretoria, der Wirtschaftsmetropole Johannesburg und in den Nachbarl\u00e4ndern Botsuana, eSwatini und Namibia finden allj\u00e4hrlich Pride-M\u00e4rsche statt. Dazu veranstaltet Johannesburg seit drei Jahren das \u00abRock the City LGBTI Festival\u00bb, bei dem auch die Mehrheit der auftretenden K\u00fcnstler zur queeren Community geh\u00f6rt. Veranstalter Tschepiso Leeu beschreibt das Festival als einen Ort \u00abder Freiheit, der ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl [schafft], das viele zu Hause, in der Schule, in der \u00d6ffentlichkeit oder bei der Arbeit nicht haben\u00bb.<\/p>\n<p>Das ostafrikanische Kenia geh\u00f6rt zu den L\u00e4ndern, in denen Homosexualit\u00e4t noch immer kriminalisiert wird. Doch in den vergangenen Jahren hat sich viel getan, betont der Journalist, Podcaster und Aktivist Kevin Mwachiru. Im Jahr 2014 hatte er ein Buch \u00fcber die queere Community seines Landes geschrieben. Der bezeichnende Titel: \u00abInvisible\u00bb, also unsichtbar. \u00abAber in den vergangenen zehn Jahren haben wir mehr Sichtbarkeit erlebt, mehr Menschen, die sich hervorgewagt haben, mehr Organisationen und Aktivisten\u00bb, sagt der Mann mit dem ansteckenden L\u00e4cheln. Mwachiru geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndern des Filmfestivals \u00abOut\u00bb, dem ersten in der Region mit Filmen von und \u00fcber LGBTIQ-Menschen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Der Syrer Adnan Al Mouselli ging nach S\u00fcdafrika und ist als Model t\u00e4tig. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Gratwanderung zwischen Selbstbehauptung und bedingungsloser Liebe zur Familie.<\/em> <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wenn-sich-die-welt-neu-formt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT+)<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Selbst Niederlagen k\u00f6nnen Kraft geben, erinnert sich Mwachiru an die Gerichtsentscheidung von 2019, als mehrere schwul-lesbische Organisationen vergeblich versuchten, die Strafbarkeit homosexueller Beziehungen anzufechten. \u00abDer Saal war voller Journalisten, voller Aktivisten, voller Menschen aus der Community\u00bb, so Mwachiru. \u00abEs war sehr \u00f6ffentlich, sehr machtvoll. Wir haben gezeigt: Wir sind hier, wir sind Kenianer, die gleiche Rechte fordern.\u00bb<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Die ehemalige BBC-Journalistin Chris Makena Njeri, die gegen ihren Willen geoutet wurde und sp\u00e4ter das Netzwerk \u00abBold\u00bb gr\u00fcndete, um queere Narrative in Afrika voranzutreiben. Nach dem Motto: \u00abWir sind hier. Wir sind k\u00fchn. Wir sind unaufhaltbar.\u00bb<\/p>\n<p>Die Akzeptanz habe sich erh\u00f6ht &#8211; auch wenn noch immer schwule oder lesbische Teenager oder solche mit Trans-Identit\u00e4t von ihren Familien im Fall eines Outings vor die T\u00fcr gesetzt werden. Eine Methodistenkirche in Nairobi hat ihre R\u00e4ume als sicheren Raum f\u00fcr queere Gl\u00e4ubige ge\u00f6ffnet &#8211; und selbst in der konservativen K\u00fcstenregion hat Mwachiru w\u00e4hrend des Ramadan ein Fastenbrechen f\u00fcr queere Muslime erlebt.<\/p>\n<p>Die Inselgruppen Kap Verde, Seychellen und Mauritius gelten als LGBTIQ-Oasen und aufgeschlossene Urlaubsziele \u2013 obwohl Einwohnern gegen\u00fcber oft weniger Toleranz ver\u00fcbt wird. Auch das westafrikanische Guinea-Bissau ist ein Zufluchtsort f\u00fcr queere Menschen geworden, seitdem die Regierung Homosexualit\u00e4t 1993 entkriminalisierte. Besonders LGBTIQ-Menschen aus umliegenden L\u00e4ndern wie Senegal, Guinea und insbesondere Gambia \u2013 wo Homosexualit\u00e4t noch mit lebenslanger Haft bestraft wird \u2013 suchen Schutz in Guinea-Bissau.<\/p>\n<blockquote><p>Es muss noch viel getan werden. Globale Partner wie die UNO m\u00fcssen afrikanische Staatschefs unter Druck setzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dennoch werden in vielen L\u00e4ndern Afrikas noch immer Hassverbrechen begangen. In Mauretanien, Somalia und im Norden Nigerias gilt nach Angaben des Internationalen Verbandes ILGA die Todesstrafe f\u00fcr Homosexualit\u00e4t. Insgesamt sei der gesetzliche Schutz f\u00fcr LGBTIQ in Afrika noch zu schwach, klagen Aktivisten. Homophobie gehe zu langsam zur\u00fcck und werde in einigen L\u00e4ndern als politisches Instrument eingesetzt. \u00abEs muss noch viel getan werden. Globale Partner wie die UNO m\u00fcssen afrikanische Staatschefs unter Druck setzen\u00bb, meint Ally.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt dem Internet und virtuellen R\u00e4umen sei zu verdanken, dass Schwule und Lesben, trans oder nichtbin\u00e4re Menschen in Afrika Zugang zu Informationen und Vernetzung haben, meint Mwachiru. \u00abMan kann online gehen und sehen: Ich bin nicht allein. Es gibt andere wie mich, und sie sind Afrikaner, sie haben eine braune Haut. Wir k\u00f6nnen queere afrikanische Identit\u00e4t erleben.\u00bb<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie habe das mit ihren digitalen R\u00fcckzugsr\u00e4umen sogar noch verst\u00e4rkt. Begeistert erz\u00e4hlt Mwachiru von einer virtuellen \u00abPride Afrique\u00bb: \u00abDas waren nicht nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen aus den grossen L\u00e4ndern. Wir hatten Teilnehmer aus (dem sudanesischen) Khartum, aus Mali. Es war aufregend, mit Menschen des ganzen Kontinents unsere Queerness zu feiern.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Nairobi #Kapstadt Regenbogenfarben an Fenstern und Balkonen sind in afrikanischen St\u00e4dten noch selten. 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