{"id":140444,"date":"2022-06-09T12:59:36","date_gmt":"2022-06-09T10:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=140444"},"modified":"2022-06-10T17:33:29","modified_gmt":"2022-06-10T15:33:29","slug":"schwule-vaeter-muessen-in-den-medien-die-heile-welt-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/schwule-vaeter-muessen-in-den-medien-die-heile-welt-zeigen\/","title":{"rendered":"\u00abSchwule V\u00e4ter m\u00fcssen in den Medien die heile Welt zeigen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Sozialanthropologin Carole Ammann forscht \u00fcber queere Elternschaft in den Niederlanden und in der Schweiz. Dabei geht es um Diversit\u00e4t, Stigmatisierung, den medialen Diskurs und das allt\u00e4gliche Leben als Eltern.<\/h3>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/niederlande-wollen-sexuelle-identitaet-in-der-verfassung-schuetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Niederlande<\/a> und die Schweiz haben historisch gesehen einen unterschiedlichen Umgang mit LGBTIQ-Rechten. Man k\u00f6nnte sogar sagen, dass die Schweiz einen R\u00fcckstand von rund 20 Jahren aufzuholen hat \u2013 zumindest bei der Ehe ist dies der Fall. W\u00e4hrend die Niederlande n\u00e4mlich bereits 2001 als erster Staat \u00fcberhaupt die Ehe f\u00fcr alle einf\u00fchrte, d\u00fcrfen in der Schweiz gleichgeschlechtliche Paare erst <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/jetzt-ist-es-amtlich-ehe-fuer-alle-ab-juli-2022-in-der-schweiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ab Juli 2022 heiraten<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Unerforschte queere V\u00e4ter<\/strong><br \/>\nDieser Vorsprung macht sich in der Gesellschaft und deren Institutionen bemerkbar. \u00abIn den Niederlanden steht aktuell die Debatte zur Mehrelternschaft an\u00bb, sagt Sozialanthropologin Carole Ammann. Bis zu vier Personen sollen einst zur Elternschaft geh\u00f6ren. Ein Diskurs, der in der Schweiz momentan undenkbar ist.<\/p>\n<p>Carole Ammann hat Geschichte, Politikwissenschaft und Afrikanistik in Bern und Basel studiert und in der Sozialanthropologie promoviert. W\u00e4hrend ihres Mobilit\u00e4tsstipendiums an der Uni <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wieder-homohass-in-amsterdam-paar-erneut-angegriffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amsterdam<\/a> wollte sie eigentlich das Thema Elternschaft in den Niederlanden und in Guinea unter die Lupe nehmen. Wegen der Pandemie musste sie dann jedoch auf die Reise nach Westafrika verzichten und vertiefte daf\u00fcr die Forschung vor Ort.<\/p>\n<p>Ihr sei aufgefallen, dass es generell kaum wissenschaftliche Studien \u00fcber queere V\u00e4ter gebe. F\u00fcr ihr Forschungsprojekt sprach sie deshalb mit knapp zwanzig queeren Eltern, die sich nicht als Frauen identifizieren. Seit ihrer R\u00fcckkehr an die Uni Luzern f\u00fchrt sie auch in der Schweiz solche Gespr\u00e4che. Dabei werden deutliche Unterschiede bemerkbar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_140445\" aria-describedby=\"caption-attachment-140445\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-140445\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 300 332'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca.jpg\" alt=\"Carole Ammann\" width=\"300\" height=\"332\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca-271x300.jpg 271w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca-265x293.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca-43x48.jpg 43w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/personen_ca-87x96.jpg 87w\" data-sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-140445\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Carole Ammann (Foto: C. A.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00abIn den Niederlanden ist Co-Parenting sichtbarer und verbreiteter\u00bb, sagt Carole. Regenbogenfamilien (die dort \u00fcbrigens \u00abpinke Familien\u00bb heissen) seien auch st\u00e4rker institutionalisiert. So gibt es etwa eine etablierte Organisation, die Wunscheltern zusammenf\u00fchrt. Ausserdem sei die rechtliche Situation besser geregelt, wohingegen sich ein queerer Vater in der Schweiz oft in einer vulnerablen Position bef\u00e4nde. Zum Beispiel bei der Mehrelternschaft, wenn er zwar der biologische Vater ist, juristisch aber nicht zu den Eltern geh\u00f6rt. Hier zeigt Caroles Forschung also Handlungsbedarf, die rechtliche Situation der gelebten Realit\u00e4t anzupassen.<\/p>\n<p><strong>M\u00fctter im medialen Fokus<\/strong><br \/>\nMit ihrer Arbeit will sie jedoch auch die Diversit\u00e4t queerer Elternschaft aufzeigen. Realit\u00e4t seien viele verschiedene Kombinationen, inklusive nicht-bin\u00e4rer Personen und trans Menschen. \u00abDie Medien scheinen sich jedoch meist auf Frauenpaare zu fokussieren, wenn es um Regenbogenfamilien geht\u00bb, sagt Carole, die sich mit entsprechenden Berichterstattungen besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>Sie hat festgestellt, dass vor allem queere Eltern, die sich nicht als Frauen identifizieren, in den Medien eine heile Welt pr\u00e4sentieren m\u00fcssen. \u00abDie Aussage zielt oft in die Richtung, dass das Kind nicht leide und dass ihm die Mutter nicht fehle\u00bb, so Carole. Regenbogeneltern w\u00fcrden generell aus ihrem Umfeld den Druck versp\u00fcren, sich auf keinen Fall trennen zu d\u00fcrfen. Diese Beobachtungen machte sie in beiden L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>\u00abDie Forschung zeigt allerdings, dass es Kindern aus Regenbogenfamilien gleich gut geht wie Kindern von Heteroeltern. Die Beziehungsqualit\u00e4t ist entscheidend, nicht die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentit\u00e4t der Eltern.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Vermeintlicher Safe Space<\/strong><br \/>\nEin wichtiges Thema in den Gespr\u00e4chen stellt die Stigmatisierung dar. Oft erleben queere V\u00e4ter diese in Form von pers\u00f6nlichen Fragen oder gar negativen Reaktionen. Eine weitere Art der erlebten Stigmatisierung, quasi am anderen Ende des Spektrums, sind \u00fcbertrieben euphorische Reaktionen, wenn die Regenbogenfamilie von jemandem als solche erkannt wird.<\/p>\n<p>\u00abAls noch schlimmer wahrgenommen wird allerdings die Stigmatisierung innerhalb der LGBTIQ-Community\u00bb, berichtet Carole. Dies w\u00fcrden vor allem Menschen erleben, die sich innerhalb der Minorit\u00e4t wiederum als Minorit\u00e4t f\u00fchlen. Diese Diskriminierung sei f\u00fcr die Betroffenen besonders gravierend, da die Community eigentlich als Safe Space dienen sollte. Es sei so ziemlich der letzte Ort, wo sie Stigmatisierung erwarten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch schwule V\u00e4ter, die einst in einer Heterobeziehung waren, w\u00fcrden von Anfeindungen innerhalb der Community berichten. Man akzeptiere sie nicht als \u00abrichtige Schwule\u00bb, weil sie mit einer Frau in einer Beziehung gewesen waren und mit ihr ein Kind gezeugt hatten.<\/p>\n<p><strong>Weitere Gespr\u00e4che in der Schweiz<br \/>\n<\/strong>Carole selbst ist \u00fcbrigens nicht Teil der LGBTIQ-Community. Sie habe jedoch eine kritische Haltung gegen\u00fcber der Norm der heterosexuellen, nuklearen Kleinfamilie. Als sie 2013 selber zum ersten Mal Mutter wurde, habe sich das Interesse am Thema Elternschaft noch vergr\u00f6ssert.<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte sie in der Schweiz ihre Forschung fortsetzen und sucht daf\u00fcr weitere Gespr\u00e4chspartner. Das Schwierige an der Sache: Carole ist vor allem interessiert an Menschen, die schwer zu finden sind. \u00abPersonen, die nicht in der Community vernetzt sind und nicht zur Mittelschicht geh\u00f6ren.\u00bb Auch mehr Daten zu trans oder non-bin\u00e4ren Eltern und queeren V\u00e4tern mit Migrationsgeschichte w\u00e4ren wichtig.<\/p>\n<p><strong>Kontakt Carole Ammann: carole.ammann@unilu.ch<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Luzern: Sozialanthropologin Carole Ammann forscht \u00fcber #queere Eltern in den #Niederlanden und in der #Schweiz. Dabei geht es um #Diversit\u00e4t, #Stigmatisierung und den medialen Diskurs. 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