{"id":138941,"date":"2022-05-21T09:48:02","date_gmt":"2022-05-21T07:48:02","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=138941"},"modified":"2022-05-21T09:54:54","modified_gmt":"2022-05-21T07:54:54","slug":"wegen-affenpocken-madrid-schliesst-schwulensauna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wegen-affenpocken-madrid-schliesst-schwulensauna\/","title":{"rendered":"Wegen Affenpocken \u2013 Madrid schliesst Schwulensauna"},"content":{"rendered":"<h3>Mit einem ersten in M\u00fcnchen best\u00e4tigten Fall haben die Affenpocken nun auch Deutschland erreicht, weitere L\u00e4nder melden Infektionen. Wegen der langen Inkubationszeit sei mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, sagt ein Experte. In Madrid wurde eine Schwulensauna geschlossen.<\/h3>\n<p>In Spanien sind nach Angaben der Gesundheitsbeh\u00f6rden inzwischen 30 F\u00e4lle best\u00e4tigt. Zudem gebe es mindestens weitere 23 Verdachtsf\u00e4lle, berichteten mehrere Medien \u00fcbereinstimmend. Als einen m\u00f6glichen Ansteckungsort h\u00e4tten die Beh\u00f6rden in Madrid eine Sauna identifiziert, die vor allem von jungen M\u00e4nnern und auch vielen Nicht-Spaniern frequentiert worden sei, berichteten der staatliche TV-Sender<a href=\"https:\/\/www.rtve.es\/noticias\/20220520\/espana-confirma-mas-casos-viruela-no-humana-analiza-si-son-del-mono\/2350118.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> RTVE<\/a> sowie andere Medien. Diese Sauna sei am Freitagnachmittag von den Beh\u00f6rden geschlossen worden. Aus Portugal wurden 23 F\u00e4lle best\u00e4tigt, wie die dortige Zeitung <em>P\u00fablico<\/em> berichtete. In Frankreich ist Beh\u00f6rdenangaben zufolge ein 29-J\u00e4hriger im Grossraum Paris betroffen, der zuvor nicht in ein Land gereist war, in dem das Virus zirkuliert.<\/p>\n<p>In Australien wurde der Erreger bei einem etwa 30 Jahre alten Mann best\u00e4tigt, der k\u00fcrzlich aus Grossbritannien zur\u00fcckgekehrt war, wie es von der zust\u00e4ndigen Gesundheitsbeh\u00f6rde hiess. In Grossbritannien stieg die Zahl erfasster F\u00e4lle unterdessen von 9 auf 20, wie der britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Freitag mitteilte. Das Land hat Pocken-Impfstoff eingekauft &#8211; wie viel und wer damit geimpft werden soll, blieb zun\u00e4chst unklar.<\/p>\n<p>Erstmals ist auch in Deutschland ein Fall von Affenpocken best\u00e4tigt worden <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/affenpocken-auch-in-deutschland-und-frankreich-nachgewiesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Betroffen sei ein aus Brasilien stammender 26-J\u00e4hriger, der von Portugal \u00fcber Spanien nach M\u00fcnchen gereist sei, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Freitag mit. Seit etwa einer Woche ist er demnach in der bayerischen Landeshauptstadt, zuvor war er schon in D\u00fcsseldorf und Frankfurt am Main. Es ist der erste jemals in Deutschland erfasste Fall von Affenpocken, zuvor wurde das Virus nach Angaben des Robert Koch-Instituts hierzulande noch nie nachgewiesen.<\/p>\n<p>Der 26-J\u00e4hrige habe sich \u00absehr verantwortungsbewusst direkt nach Symptombeginn in medizinische Betreuung begeben, um andere vor einer Infektion zu sch\u00fctzen\u00bb, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie der M\u00fcnchen Klinik Schwabing. Er habe mit leichten Schluckst\u00f6rungen und erh\u00f6hter Temperatur nur geringf\u00fcgige Symptome und brauche noch keine speziellen Medikamente. Der Patient werde weiter im Krankenhaus bleiben, da von einer drei bis vier Wochen andauernden Infektiosit\u00e4t ausgegangen werde.<\/p>\n<p>Gesundheitsbeh\u00f6rden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome, kann aber auch schwere Verl\u00e4ufe nach sich ziehen. In Einzelf\u00e4llen sind t\u00f6dliche Erkrankungen m\u00f6glich. \u00dcbertragen wird das Virus vor allem \u00fcber direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien, auch eine &#8211; wohl sehr seltene &#8211; \u00dcbertragung \u00fcber Tr\u00f6pfchen in der Luft ist auf k\u00fcrzere Distanzen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\u00abEs war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden\u00bb, teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu dem Fall mit. Durch die Meldungen aus anderen L\u00e4ndern seien \u00c4rzte und Patienten in Deutschland sensibilisiert. Er gehe nicht davon aus, dass es in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt eine grosse Dunkelziffer gebe, sagte er.<\/p>\n<p>\u00abAufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht \u00fcbertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann\u00bb, erkl\u00e4rte Lauterbach zudem. Von dem Erreger gebe es zwei Varianten &#8211; vorerst sei davon auszugehen, dass aktuell die weniger schwere Verl\u00e4ufe verusachende westafrikanische Variante kursiere, nicht die Kongo-Variante. Das Virus werde zur Kl\u00e4rung genauer analysiert.<\/p>\n<p>Der Charit\u00e9-Infektiologe Leif Sander sieht mit den inzwischen deutlich \u00fcber 100 F\u00e4llen weltweit, in denen der Verdacht auf Affenpocken vorliege oder bereits best\u00e4tigt sei, eine ungew\u00f6hnlich dynamische Situation. \u00abBei der langen Inkubationszeit rechne ich mit einer weiteren deutlichen Zunahme der F\u00e4lle\u00bb, schrieb er bei Twitter. Zu beachten sei dabei, dass Affenpocken nicht so ansteckend seien, dass mit einer breitfl\u00e4chigen Ausbreitung wie bei Corona zu rechnen sei. \u00abEs ist sehr ernst zu nehmen, aber wir sind vorbereitet.\u00bb<\/p>\n<p>Mit der zu beobachtenden H\u00e4ufung handle es sich bereits um eine Epidemie &#8211; es sei jedoch \u00absehr unwahrscheinlich, dass diese Epidemie lange dauern wird\u00bb, sagte Fabian Leendertz, Gr\u00fcndungsdirektor des Helmholtz Instituts f\u00fcr One Health (HIOH) in Greifswald und Leiter der Projektgruppe Epidemiologie hochpathogener Erreger am Robert Koch-Institut (RKI). Die F\u00e4lle seien \u00fcber Kontaktverfolgung gut einzugrenzen und es gebe Medikamente sowie wirksame Impfstoffe, die eingesetzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dringend n\u00f6tig seien mehr Daten, um verstehen zu k\u00f6nnen, ob und wie die erfassten F\u00e4lle zusammenh\u00e4ngen, so Leendertz. Wichtig sei auch die Entzifferung des Erbguts von Virenmaterial aus Proben von Betroffenen, um zu pr\u00fcfen, ob sich der Erreger ver\u00e4ndert hat &#8211; etwa in Richtung besserer \u00dcbertragbarkeit.<\/p>\n<p>Derzeit werden in immer mehr L\u00e4ndern F\u00e4lle der eigentlich selten auftretenden Affenpocken nachgewiesen. Am Freitag meldete auch Frankreich einen ersten Fall, zudem wurde das Virus in den USA, Kanada, und in Australien und damit weiteren Weltregionen entdeckt. In welchem Umfang sich der aus Afrika stammende Erreger bereits international verbreitet hat, ist offen. Er gehe bei der Vielzahl von F\u00e4llen davon aus, dass das Virus schon seit einer Weile unbemerkt im Umlauf war, sagte der Mediziner Norbert Brockmeyer, Pr\u00e4sident der Deutschen STI-Gesellschaft. STI steht f\u00fcr sexuell \u00fcbertragbare Infektionen.<\/p>\n<blockquote><p>Kliniken und Bev\u00f6lkerung m\u00fcssen f\u00fcr die Symptome sensibilisiert werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zu einer rigorosen Nachverfolgung aller Kontakte von Betroffenen aufgerufen. Kliniken und Bev\u00f6lkerung m\u00fcssten f\u00fcr die Symptome sensibilisiert werden. Ein Grossteil oder wom\u00f6glich sogar alle F\u00e4lle bisher betreffen M\u00e4nner, vielfach hatten sie den Angaben zufolge sexuelle Kontakte zu M\u00e4nnern (MSM)<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet f\u00fcr eine Ansteckung sind Brockmeyer zufolge Menschen, die sexuelle Kontakte zu vielen verschiedenen Menschen haben. Die Deutsche Aidshilfe warnte angesichts der F\u00e4lle bei schwulen M\u00e4nnern vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung. \u00abNat\u00fcrlich gibt es bei den Affenpocken oberfl\u00e4chliche \u00c4hnlichkeiten zu HIV damals &#8211; es ist wieder eine Erkrankung aus Afrika, die auch schwule M\u00e4nner betrifft. Aber in vielen anderen Punkten passt der Vergleich nicht\u00bb, sagte AIDS-Hilfe-Sprecher Holger Wicht <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/aids-hilfe-sieht-in-affenpocken-ausbruch-keinen-grund-zur-panik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Das Virus, das die Affenpocken ausl\u00f6st, sei im Unterschied zu HIV in den 80er Jahren l\u00e4nger bekannt, zudem heile die Erkrankung von selbst aus. \u00abUns ist sehr wichtig, dass hier nicht Panik und unangemessene \u00c4ngste entstehen.\u00bb Es gebe bei der Einsch\u00e4tzung der Krankheitsschwere noch Ungewissheiten &#8211; etwa dar\u00fcber, wie gut Immungeschw\u00e4chte &#8211; dazu k\u00f6nnen zum Beispiel auch langj\u00e4hrig unbehandelte HIV-Infizierte z\u00e4hlen &#8211; die Erkrankung verkraften.<\/p>\n<p>Die Krankheit tr\u00e4gt den Namen Affenpocken, nachdem der Erreger 1958 erstmals bei Affen in einem d\u00e4nischen Labor nachgewiesen wurde. Fachleute vermuten, dass das Virus eigentlich in H\u00f6rnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen und Menschen gelten als sogenannte Fehlwirte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Affenpocken Weitere L\u00e4nder melden Infektionen. Wegen der langen Inkubationszeit sei mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, sagt ein Experte. 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