{"id":138020,"date":"2022-05-10T10:40:41","date_gmt":"2022-05-10T08:40:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=138020"},"modified":"2022-05-12T10:05:50","modified_gmt":"2022-05-12T08:05:50","slug":"adrineh-simonian-von-der-opernbuehne-ins-pornofilmgeschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/adrineh-simonian-von-der-opernbuehne-ins-pornofilmgeschaeft\/","title":{"rendered":"Adrineh Simonian \u2013 Von der Opernb\u00fchne ins Pornofilmgesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<h3>Adrineh war Operns\u00e4ngerin und beschloss mit 40 Porno-Regisseurin zu werden und gr\u00fcndete <a href=\"https:\/\/arthousevienna.at\/cinema\/queer-porn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arthouse Vienna<\/a>. Ihre Filme, auch im Bereich queer und BDSM, sind experimentell, k\u00fcnstlerisch, und feministisch.<\/h3>\n<p>\u00abDiese musische Welt war lange Zeit meine Welt\u00bb, sagt Adrineh, die als Operns\u00e4ngerin in der Wiener Volksoper ihren Traumberuf aus\u00fcbte, aber diesen im Juni 2014 mit ihrem letzten B\u00fchnenauftritt beendete. Da war die Mezzosopranistin Anfang 40.<\/p>\n<p>Die im Jahr 1973 in Teheran geborene Armenierin ist als Vierj\u00e4hrige nach Wien gekommen und aufgewachsen. Das letzte Mal war sie 1979, also vor der iranischen Revolution, in Teheran und seit Anfang der 1990er Jahre ist sie \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerin. Zehn Jahre hat sie Geige gespielt, danach Klavier spielen gelernt und habe sie sich mit dem Gesang musisch weitergebildet, bis sie dann 15 Jahre als Operns\u00e4ngerin in der Wiener Volksoper erfolgreich war.<\/p>\n<p>Mit \u00abFemporn\u00bb-Filmen hat Adrineh etwas Neues ausserhalb des Opernbetriebs beruflich aufgebaut und erfolgreich umgesetzt. Begonnen hat es in ihrer Arbeitspause in der Kantine der Wiener Volksoper, als sie eines Tages per Zufall ein Gespr\u00e4ch unter Chors\u00e4nger*innen geh\u00f6rt habe, wie sie \u00fcber Pornografie laut diskutierten. Beim Wort Porno wurde es pl\u00f6tzlich sekundenlang still in der Kantine. Warum ist Pornografie f\u00fcr viele so faszinierend und gleichzeitig verrucht?<\/p>\n<p>Seit inzwischen rund zehn Jahren besch\u00e4ftige sie sich mit dem Thema Pornografie in der Kunstgeschichte. Dabei sehe sie ihre Arbeit als Operns\u00e4ngerin auch als sogenanntes Fundament f\u00fcr ihre Arbeit als Pornfilmregisseurin, weil sie dadurch viel mit sich selbst besch\u00e4ftigt war, um mit Emotionen umzugehen und bereits daf\u00fcr viel Selbstreflexion betrieb, sagt sie im Gespr\u00e4ch mit MANNSCHAFT.<\/p>\n<p>\u00abDer Mainstream in der Pornografie ist vor allem von M\u00e4nnern gemacht und dessen Phantasien sind im Vordergrund zu sehen, w\u00e4hrend die Rolle der Frau untergeordnet positioniert ist, jedoch bei der Fempornografie handelt es sich darum auf die Lust der Frau einzugehen. Sie auch im sexuellen Akt gleichberechtigt wie den Mann wahrzunehmen und zu zeigen.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr die Pornfilmregisseurin sei aber nicht der klassische Geschlechtsakt an sich in ihren Filmen entscheidend, sondern die menschliche Situation mit der Psychologie in der Sexualit\u00e4t. Schliesslich vergleicht sie ihre Filme aus der Fempornografie mit einem Museumsbesuch: \u00abAuch die Bilder des K\u00fcnstlers Schiele sind durchaus auch pornografisch dargestellt, aber niemand hat die Idee sich vor einem Schielebild sich einen runter zu holen, also sich zu befriedigen, weil es anregend ist\u00bb, sagt Adrineh. Daher sei f\u00fcr ihre Fempornos auch kein Masturbieren oder sexuelles Entladen der Gel\u00fcste notwendig, vielmehr stellen sich die Menschen mit ihren Emotionen dar.<\/p>\n<p>Bei ihren Filmen, die vor allem Kurzfilme und mittlerweile schon mehr als 50 Exemplare gez\u00e4hlt sind, inszeniert die Filmregisseurin jedoch nicht. \u00abEs gibt also keinen klassischen Ablauf wie bei den Mainstream-Pornografiefilmen vom Oralsex, Penetration bis zum Spritzen\u00bb, sagt sie. In der Fempornografie bedeutet pornografisch, sich langsam fallen zu lassen, sich zu sp\u00fcren, um zu versuchen diese Qualit\u00e4ten anderen Menschen weiterzugeben. Nicht die Schnelllebigkeit, sondern Sexualit\u00e4t ohne Zeitdruck zu erleben, sei als eine Art Auszeit zu geniessen und die N\u00e4he zum\/zur Partner*in aufzubauen, die Zuschauer*innen darauf aufmerksam zu machen, den Menschen mit Respekt zu betrachten \u2013 egal ob Cellulitis, Operationsnarben, oder einfach ein paar Kilos mehr zu sehen seien.<\/p>\n<p>Ihre feministische Perspektive in der Fempornografie sehe die Regisseurin vor allem, weil diese Filme in erster Linie von ihr als Frau produziert sind, aber auch weil der Zugang auf M\u00e4nner und Frauen in der Fempornografie gleichgestellt sei. Ein wichtiger Unterschied zum Mainstream sei aber dabei, auf das Zusammenspiel zweier Menschen einzugehen, aufeinander zu achten, mit Respekt umzugehen. Aber auch von Seiten der Regisseurin sei es wichtig, auf Augenh\u00f6he mit den Darsteller*innen zu verweilen sowie den sozialen und gesundheitlichen Schutz stets zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Adrineh ist der Geschlechtsakt nicht nur mechanisch, sondern etwas Emotionales; sie vergleicht es mit der Musik, die sie emotional h\u00f6re. Sie erlebt die Sexualit\u00e4t als Konversion ohne Worte, wie auch eine Sinfonie als Konversion ohne Worte zu h\u00f6ren ist und in beiden F\u00e4llen werden Emotionen ausgel\u00f6st. \u00abEs geht vor allem um den n\u00f6tigen Respekt und um die Menschen, die hier in der Porno-Industrie arbeiten, nicht zu stigmatisieren\u00bb, sagt die Femporn-Filmregisseurin.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re den die Corona-Lockdowns eine gute Gelegenheit gewesen, um mit Fempornografie Geld zu verdienen, weil viele zuhause waren. Aber die Stigmatisierung der fempornografischen Filme existiere immer noch, damit seien auch die Probleme mit notwendigen Zahlungsanbietern wesentlich gegeben. Schliesslich habe Adrineh ihr gesamtes Unternehmen selbst\u00e4ndig aufgebaut, also aus eigener Tasche, bezahlt, da auch diverse Banken ihr keine finanziellen Kredite erteilt haben.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich ist es absurd\u00bb, sagt sie, die fr\u00fcher als Operns\u00e4ngerin bei den Bankinstituten finanzielle Geldmittel leichter und schneller bewilligt bekommen habe als derzeit als Regisseurin im Femporno-Bereich. Aber mittlerweile seit einem halben Jahr habe Adrineh auch mit einem Zahlungsanbieter erfolgreich gut verhandelt, sodass ihre Filme mittlerweile als Stream online angeboten und abonniert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seit neustem hat die 48-j\u00e4hrige Filmregisseurin personelle Verantwortung f\u00fcr rund 20 Mitarbeiter*innen. Zudem plant sie mit ihrem Team f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr ihren ersten Spielfilm zu drehen, um auch in Spielfilml\u00e4nge ihre feministische Vorstellung von Pornografie k\u00fcnstlerisch sichtbar zu machen. Unter dem Arbeitstitel \u00abMetamorphose\u00bb bleibt es noch spannend abzuwarten, wer oder was sich in diesem Film verwandeln wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adrineh war Operns\u00e4ngerin und beschloss mit 40, #Porno-Regisseurin zu werden und gr\u00fcndete Arthouse Vienna. 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