{"id":136334,"date":"2022-04-26T05:34:04","date_gmt":"2022-04-26T03:34:04","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=136334"},"modified":"2022-04-26T06:11:06","modified_gmt":"2022-04-26T04:11:06","slug":"ein-zweites-zuhause-im-queeren-jugendzentrum-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ein-zweites-zuhause-im-queeren-jugendzentrum-wien\/","title":{"rendered":"Ein \u00abzweites Zuhause\u00bb im queeren Jugendzentrum Wien"},"content":{"rendered":"<h3>In Wien soll ein queeres Jugendzentrum entstehen. Wenn alles gut l\u00e4uft, k\u00f6nnte es schon in der Pride-Saison 2023 Wirklichkeit werden.<\/h3>\n<p>\u00abEin queeres Jugendzentrum f\u00fcr Wien soll Schutz bieten, Vielfalt st\u00e4rken und Raum geben\u00bb, ist auf der Einladung zur Fachkonferenz der WASt, Wiener Antidiskriminierungsstelle, im Rathaus zu lesen. Bereits im Jahr 2020 hat die HOSI-Jugend, also die Jugendgruppe der Homosexuellen Initiative Wien, zum ersten Mal ein queeres Jugendzentrum \u00f6ffentlich gefordert (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/queeres-jugendzentrum-in-wien-gefordert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete ).<\/a><\/p>\n<p>\u00abWir sehen in diesem Bereich dringenden Bedarf in Wien\u00bb, sagt Ann-Sophie Otte, die HOSI-Obfrau, am Freitag im Rathaus. Dabei seien sie mit den ehrenamtlichen Strukturen an ihre Grenzen gestossen, was auch von allen anderen Institutionen, Organisationen und Vereinen in der LGBTIQ-Community in Wien best\u00e4tigt werde. Darum haben alle der Forderung nach einem ersten queeren Jugendzentrum zugestimmt. Schliesslich haben noch vor der letzten Gemeinderatswahl 2020 die politischen Vertreter*innen mit den Stimmen der Wiener Landesparteien die Gr\u00fcnen, SP\u00d6 und NEOS im Gemeinderat diese Forderung mehrheitlich beschlossen\u00a0(<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wien-bekommt-ein-queeres-jugendzentrum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete ) <\/a>Unmittelbar danach habe die WASt eine Studie an das Institut f\u00fcr H\u00f6here Studien, IHS, in Auftrag gegeben, um die Wichtigkeit und den Bedarf eines solchen Jugendzentrums zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Die IHS-Studie beinhaltet eine Datenerhebung, um herauszufinden, ob so ein queeres Jugendzentrum in Wien \u00fcberhaupt gebraucht werde, was wenig \u00fcberraschend mit den Ergebnissen der Studie bejaht wurde. Karin Sch\u00f6npflug, wissenschaftliche Mitarbeiterin des IHS: \u00abUnsere Bedarfserhebung f\u00fcr ein queeres Jugendzentrum in Wien best\u00e4tigt, dass die Zeit f\u00fcr ein solches Projekt reif ist, weil die bestehenden R\u00e4ume nicht ausreichend sind, aber Bed\u00fcrfnisse und Nachfrage steigen. Ein queeres Jugendzentrum ist von offener Jugendarbeit mit profundem Wissen der Mitarbeiter*innen f\u00fcr queere Thematiken getrieben\u00bb, sagt sie. Gute Konzepte seien besonders wichtig f\u00fcr die Arbeit mit Jugendlichen ab zw\u00f6lf Jahren, mit trans und inter Jugendlichen, mit Eltern und den Jugendlichen ohne elterliche Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Ein queeres niederschwelliges und barrierefreies Jugendzentrum sei f\u00fcr diese Zielgruppe ein wichtiges Angebot von Raum zur Freizeitgestaltung mit intersektionalen Ans\u00e4tzen und interdisziplin\u00e4ren Methoden. \u00abEs ist ein sichtbarer Ort der offenen Begegnung nach aussen und ein Safe Space nach innen, um sich zur\u00fcckzuziehen oder sich weiterzubilden\u00bb, sagt Sch\u00f6npflug. Aber auch Zivilcourage, Empowerment, Aufkl\u00e4rungsarbeit und Demokratiepolitik sind wesentlich, um ein queeres Jugendzentrum erfolgreich umzusetzen. Auch Obfrau Otte war erfreut \u00fcber den relativ schnellen Prozess bis zum Beschluss im Gemeinderat. Zwei Jahre sp\u00e4ter haben die politischen Vertreter*innen der Stadt schliesslich bei der j\u00fcngsten Fachkonferenz im April 2022 aufgrund der vorgelegten Ergebnisse der Studie entschieden, auch Wien brauche ein queeres Jugendzentrum.<\/p>\n<p>\u00abSolche Prozesse in der Stadt brauchen stets viel Zeit, obwohl wir als LGBTIQ-Community die Dringlichkeit und schnelle Finanzierung dieses Projekts in naher Zukunft schon viel fr\u00fcher erkannt und bejaht haben\u00bb, sagt Otte, f\u00fcr die es nicht schnell genug geht, bis das erste queere Jugendzentrum er\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>\u00abDie geografische Lage eines solchen queeren Jugendzentrums sollte m\u00f6glichst in der N\u00e4he der vielen LGBTIQ-Vereine, Organisationen und Beratungsstellen sein, wie zum Beispiel im 4., 5. oder 6. Bezirk in Wien ans\u00e4ssig sein\u00bb, sagt Otte. Zum Beispiel in der N\u00e4he der AIDS-Hilfe, der Rosa Lila Villa oder dem Gugg, Vereinszentrum der HOSI, wodurch f\u00fcr viele der Zugang niederschwelliger werde. Finanziell d\u00fcrfe es aber keine negativen Konsequenzen f\u00fcr bereits gef\u00f6rderte LGBTIQ-Vereine geben, was sich die Community auch nicht leisten k\u00f6nne. Viele Vereine seien derzeit auch nur gering gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>\u00abDas erste queere Wiener Jugendzentrum sollte daher durch einen eigenen Budgetf\u00f6rdertopf aus dem Bildungsbereich der Stadt Wien finanziert werden. Schliesslich handelt es sich auch um Jugend- und Bildungsarbeit\u00bb, meint die HOSI-Obfrau und verweist darauf, dass der zust\u00e4ndige Bildungsstadtrat Wiederkehr bereits finanzielle F\u00f6rderung f\u00fcr das queere Jugendzentrum \u00f6ffentlich in Aussicht gestellt habe, aber konkrete Zahlen gebe es dazu noch keine.<\/p>\n<p>\u00abDie Finanzierung ist nat\u00fcrlich stark abh\u00e4ngig von den \u00d6ffnungszeiten des Jugendzentrums, wo qualifiziertes Fachpersonal optimal mindestens f\u00fcnf bis sechs Tage in der Woche, besonders am Wochenende und am Samstagabend anwesend sein soll\u00bb, sagt Sch\u00f6npflug. Daf\u00fcr brauche es aber auch mindestens sechs bis sieben Personen.<\/p>\n<p>In der queeren Jugendarbeit brauche es gezielte Beratungsstunden, zudem sei es wichtig, sich mit den bereits existierenden LGBTIQ-Organisationen und Vereinen gut zu vernetzen, sagt Otte, f\u00fcr die die ehrenamtliche Lobbyarbeit der queeren Organisationen dennoch nicht zu ersetzen sei.<\/p>\n<blockquote><p>97 % der Jugendlichen sind klar daf\u00fcr<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abSchliesslich haben wir 120 T\u00e4tigkeitsberichte von bereits bestehenden Jugendeinrichtungen, wie von Wiener Jugendzentren und offene Jugendarbeiten, der letzten f\u00fcnf Jahre, mit dem Fokus auf Aktivit\u00e4ten im Bereich LGBTIQ angeschaut\u00bb, sagt Sch\u00f6npflug. In jenen Vereinen, wo mehr queere Jugendarbeiter*innen t\u00e4tig seien oder entsprechende queere Fortbildungen absolviert werden, seien auch mehr und regelm\u00e4ssig queere Themen pr\u00e4sent, sagt sie. Rund 175 Jugendliche, im Alter bis zu 25 Jahren, wurden befragt, ob sie ein queeres Jugendzentrum notwendig finden und wie es erreichbar sein m\u00fcsste. Rund 97 Prozent der Befragten best\u00e4tigen die Dringlichkeit eines Jugendzentrums eindeutig mit Ja, genauso wie sie eine gute Anbindung zu \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln wie S- oder U-Bahn bevorzugen.<\/p>\n<p>Vor allem wollen sie andere queere Jugendliche in diesem Jugendzentrum kennenlernen und entsprechende queere Beratung zu bekommen. Sch\u00f6npflug spricht von einem \u00abzweiten Zuhause durch ein queeres Wiener Jugendzentrum\u00bb. Denn sichere R\u00e4ume in Wien f\u00fcr queere Jugendliche fehlen schlicht.<\/p>\n<p>Man hat auch Gespr\u00e4che mit Jugendlichen aus den f\u00fcnf queeren Jugendzentren in Deutschland, in Berlin, K\u00f6ln, M\u00fcnchen, Karlsruhe und Hannover, gef\u00fchrt. Die Vertreter*innen aus K\u00f6ln, M\u00fcnchen und Karlsruhe wurden von der WASt auch zu ihrer Fachkonferenz nach Wien eingeladen: \u00abJedes dieser queeren Jugendzentren in Deutschland hat etwas Besonderes, was nachahmungsw\u00fcrdig ist, wie zum Beispiel der Umgang mit unterschiedlichen sozialen Schichten und unterschiedlichem interkulturellen Publikum\u00bb, sagt Sch\u00f6npflug. In Karlsruhe etwa werde der inhaltliche Schwerpunkt auf trans Identit\u00e4t und Coming-out gesetzt sowie zielgruppenspezifische Aktivit\u00e4ten f\u00fcr junge Frauen und in Zukunft auch f\u00fcr queere Erwachsene.<\/p>\n<p>\u00abJe vielf\u00e4ltiger und kompetenter das Betreuungspersonal ist, desto besser wird so ein queeres Jugendzentrum auch in Wien funktionieren\u00bb, glaubt Sch\u00f6npflug. Wichtig sei dabei auch viele fachlich gut ausgebildete Jugendsozialarbeiter*innen daf\u00fcr zu gewinnen, die m\u00f6glichst selbst queer leben und m\u00f6glichst mehrsprachig sind.<\/p>\n<p>Nun sollen aber erstmal bestehende oder neue R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr das geplante Jugendzentrum seien seitens der Stadt angeboten werden. Bis zum Sommer werden die politischen Entscheidungstr\u00e4ger*innen eine offene Ausschreibung an potentielle Projekttr\u00e4ger*innen aussenden.<\/p>\n<p>\u00abBereits im Fr\u00fchjahr oder sp\u00e4testens zur Pride im Sommer des Jahres 2023 k\u00f6nnten die Tore des ersten queeren Wiener Jugendzentrums ge\u00f6ffnet werden\u00bb, hofft Sch\u00f6npflug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In #Wien soll ein #queeres Jugendzentrum entstehen. 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