{"id":133959,"date":"2022-03-27T07:56:12","date_gmt":"2022-03-27T05:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=133959"},"modified":"2022-03-28T18:22:30","modified_gmt":"2022-03-28T16:22:30","slug":"leben-und-leben-lassen-homosexualitaet-im-sport-enttabuisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/leben-und-leben-lassen-homosexualitaet-im-sport-enttabuisieren\/","title":{"rendered":"\u00abLeben und leben lassen\u00bb \u2013 Homosexualit\u00e4t im Sport enttabuisieren!"},"content":{"rendered":"<h3>Grosse queere Veranstaltungen werfen ihre Schatten voraus: Seit letzter Woche steht fest, dass die EuroGames 2025 in Lyon stattfinden <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/die-eurogames-2025-finden-in-lyon-statt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Im Jahr davor ist Wien Gastgeber der EuroGames.<\/h3>\n<p>Seit Ende Dezember 2021 steht fest: Wien hat sich als Ausrichterin der EuroGames 2024 gegen Birmingham durchgesetzt. Aufschlag Wien, der gr\u00f6sste \u00f6sterreichische Sportverein f\u00fcr LGBTIQ sowie die \u00f6sterreichische einzige LGBTIQ-Trainingsgruppe f\u00fcr Erwachsene im Schwimmsport, die Kraulquappen Wien, hatten sich beworben. \u00abDas Bundesministerium f\u00fcr Sport und Kultur, BMK\u00d6S, wie auch die Stadt Wien unterst\u00fctzen diese gr\u00f6sste LGBTIQ-Sportveranstaltung Europas mit einer finanziellen F\u00f6rderung in der H\u00f6he von jeweils 150.000 Euro, um diese im Sommer 2024 in Wien durchzuf\u00fchren\u00bb, sagt Gerhard Marchl, der Pr\u00e4sident vom Sportverein Aufschlag Wien. Mitte M\u00e4rz hatten die Veranstalter*innen Verein Fairplay VIDC, Sportverein Aufschlag sowie das Bundesministerium f\u00fcr Sport und Kultur (BMK\u00d6S) und EGLSF (European Gay and Lesbian Sport Federation) eingeladen, um zum Thema \u00abQueer im Sport oder was Sport gegen LGBTIQ-Feindlichkeit tun kann\u00bb im Haus des Sports in Wien zu diskutieren. Michael Berger vom ORF Sport hat die <a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/story.php?story_fbid=346952357387258&amp;id=100044471347851&amp;m_entstream_source=timeline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Veranstaltung<\/a> moderiert.<\/p>\n<p>Mit dabei war Oliver Egger, Obmann der Ombudsstelle \u00abFussball f\u00fcr Alle\u00bb, die die Vertreter*innen des \u00d6sterreichischen Fussballbunds, \u00d6FB, und der \u00d6sterreichischen Fussballbundesliga gegen Homophobie im Fussball installiert haben <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/fussball-fuer-alle-regenbogen-kapitaensbinden-genuegen-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT+)<\/a>. Egger ist der erste offen geoutete m\u00e4nnliche Fussballspieler \u00d6sterreichs. Er spielte im Nachwuchs von Sturm Graz, zurzeit ist er beim FC Gratkorn aktiv. \u00abEs war ein jahrelanger Prozess, bei dem ich mich sogar selbst verleugnet habe und auch meine gesamte Familie sowie meine Teamkollegen angelogen habe, weil ich nicht gewusst habe, wie ich mit meinem Schwulsein klarkommen soll\u00bb, sagt der Fussballspieler. Schliesslich habe er sich plakativ \u00f6ffentlich geoutet.<\/p>\n<p>Seit dem Tag seines Coming-outs, als er demonstrativ vor allen seinen Freund gek\u00fcsst und abgeschmust habe, laufe alles wie immer, mit R\u00fcckhalt von seinem Fussballverein und vom Pr\u00e4sidenten seines Vereins unterst\u00fctzt. Ein paar Unverbesserliche, die auf den R\u00e4ngen der Fanzone sitzen und stets homophobe Spr\u00fcche wie beispielsweise \u00abschwule Sau\u00bb oder \u00abschwuler Pass\u00bb br\u00fcllen, gebe es immer wieder, aber Homophobie muss verurteilt werden, sagt der 29-j\u00e4hrige Fu\u00dfballspieler, der vor allem Zivilcourage auf den Trib\u00fcnen einfordert, um diese homophoben Spr\u00fcche zu stoppen. Er f\u00fchle sich von seinem Team FC Gratkorn gest\u00e4rkt, das &#8211; auch durch seine Teammitgliedschaft \u2013 im Bereich der Homosexualit\u00e4t sensibilisiert wurde, sodass homophobe Aussagen von seinen Mitspielern auch nicht mehr zu h\u00f6ren seien, sagt Egger.<\/p>\n<p>Jennifer Klein hat schon vor einigen Jahren in Deutschland bei FC Hoffenheim Fussball gespielt. Sie wurde bereits f\u00fcnfzehn Mal f\u00fcr das \u00f6sterreichische Frauenfussball-Nationalteam von ihrer Bundestrainerin eingesetzt und spielt derzeit beim nieder\u00f6sterreichischen Bundesligaverein SKN St. P\u00f6lten Frauen. Sie ist ebenfalls geoutet, lebt mit ihrer Frau zusammen und sagt: \u00abEs ist traurig, wenn ich die Geschichte von Olli h\u00f6re.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abSport gilt als gesellschaftlicher Ansporn die Menschen zu sensibilisieren, egal egal ob sexistische, rassistische oder homophobe Spr\u00fcche oder Verhalten, auch im Sport gilt es aufzuzeigen und Stop zu sagen, wenn es diskriminierend ist\u00bb, sagt Klein.<\/p>\n<blockquote><p>Im Frauenfussball fordern wir allerdings kein Coming-out, weil jede Frau so im Team anerkannt ist, wie sie ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht nur in Deutschland, sondern auch beim \u00f6sterreichischen Frauenfussball seien die Spielerinnen und Fussballfans in der Fanzone schon viel weiter und toleranter. Homosexualit\u00e4t beim \u00f6sterreichischen Frauenfussballteam sei ganz normal und viel offener als beim M\u00e4nnerfussball gelebt. Allerdings sei die Fankultur beim Frauenfussball auch kleiner und famili\u00e4rer als beim M\u00e4nnerfussball, wodurch es den Frauen oft einfacher mache als lesbische Fussballspielerinnen zu leben, sagt Klein, \u00abIm Frauenfussball fordern wir allerdings kein Coming-out, weil jede Frau so im Team anerkannt ist, wie sie ist, nach dem Motto: Leben und leben lassen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Spielerinnen k\u00f6nnen miteinander in einem famili\u00e4ren Team reden und m\u00fcssen keine aussenstehende Beratungsstelle aufsuchen. Sie seien ein Team und haben alle dasselbe Ziel beim Fussballsport. So sollen die Menschen in der Gesellschaft vorangehen, wie es die Spielerinnen beim Frauenfussball bereits leben und infolge mehr angesehen werden sollten, sagt Klein. \u00abDas Miteinander ist wichtiger als die Differenzierung zwischen Geschlecht, Aussehen oder sexueller Orientierung.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abAlles was sich in der Gesellschaft abspielt, fokussiert sich im Sport, was auf weite Bereiche auch ein Abbild der Gesellschaft ist, vor allem bei den popul\u00e4ren Ballsportarten wie beim Fuss- oder Handball. Es ist daher wichtig auch im Sportbereich Bewusstsein zu schaffen, um f\u00fcr maximale Gleichstellung, Gleichberechtigung und vor allem f\u00fcr Antidiskriminierung Platz zu schaffen\u00bb, sagt der \u00f6sterreichische Bundesportminister und Vizekanzler der Gr\u00fcnen, Werner Kogler. In diesem Sinne sehe er die Sportler*innen als sogenannte Botschafter*innen der besseren Sache. Daf\u00fcr gebe es bereits Projekte und gef\u00f6rderte Initiativen auch in \u00d6sterreich: Zum Beispiel den Verein <a href=\"https:\/\/100prozent-sport.at\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abHundert Prozent Sport\u00bb<\/a>, der als Aussenstelle vom Sportministerium positioniert sei und die gleichgeschlechtliche Vielfalt als Schwerpunkt seiner Vereinsarbeit habe, sagt Kogler.<\/p>\n<p>Der Verein k\u00f6nne Beschwerden entgegennehmen und in die Verb\u00e4nde und Vereine hineinwirken. In \u00d6sterreich werde die Sportpolitik auf Bundesebene mit F\u00f6rderungen gesteuert, da Sport eine Landesangelegenheit sei. Aber langfristig seien diese finanziellen F\u00f6rdervergaben vorauszusetzen, damit sich auch im Sport in Richtung Gleichstellung mehr bewege, sagt der \u00f6sterreichische Bundessportminister, der schliesslich auch den Verein VIDC mit seiner antidiskriminierenden Arbeit im Bereich des Fussballsports als positives Vorzeigebeispiel der Initiativen gegen Homophobie erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Handball Ligen Austria, Christoph Edelm\u00fcller, stellte das Projekt \u00abAnti-Diskriminierung: Homosexualit\u00e4t im Burschen- &amp; M\u00e4nnerhandball\u00bb vor, das vom BMK\u00d6S, Bundesministerium f\u00fcr Kultur, \u00d6ffentlicher Dienst und Sport, gef\u00f6rdert wird. Dieses Projekt erziele Bewusstseinsbildung und Enttabuisierung des Themas Homosexualit\u00e4t, einerseits im Kinder- und Jugendbereich, andererseits bei den Mannschaften der ersten und zweiten Liga.<\/p>\n<p>\u00abSport ist mehr, lebt von der \u00d6ffentlichkeit und reflektiert auch wieder die \u00d6ffentlichkeit\u00bb, sagt Edelm\u00fcller. \u00abDie soziale Verantwortung ist auch von jedem Sportler und jeder Sportlerin wahrzunehmen im Zeichen der Vielfalt, was bei den Kleinen anf\u00e4ngt bis hinauf zu den Profi-Sportler*innen\u00bb. So sieht es auch der Handballspieler Edelm\u00fcller genauso wie der \u00f6sterreichische Vizekanzler und Bundessportminister Kogler. Es m\u00fcsse von der Basis kommen, um authentisch zu sein. Edelm\u00fcller setze bei seinem \u00f6sterreichischen Handballsportverein auch medienwirksame Zeichen der Vielfalt in der \u00d6ffentlichkeit, sowohl nach aussen wie auch nach innen. Beispielsweise tragen sie Regenbogenfarben in den Trikots oder halten Workshops zu dem Thema Homosexualit\u00e4t im Sport ab. \u00abHomophobe Spr\u00fcche und Ges\u00e4nge sind beim \u00f6sterreichischen Handballsportverein nicht mehr \u00f6ffentlich zu h\u00f6ren, dennoch findet auch hier Homophobie noch statt, was im Sportverein angesprochen werde, um daf\u00fcr ein Bewusstsein zu schaffen\u00bb, so der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Handballsportvereins Edelm\u00fcller.<\/p>\n<p>Sarah Townsend, die Vizepr\u00e4sidentin der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) lebt in Frankreich, delegiert als Mitglied der F\u00e9d\u00e9ration Sportive Gaie et Lesbienne, FARE, das Netzwerk \u00abFussball gegen Rassismus in Europa\u201c und leitet die \u00abErasmus und Sport\u00bb-Projekte. Beim Thema \u00abHomosexualit\u00e4t im Sport\u00bb habe sie in den letzten zehn bis zwanzig Jahren schon viele Fortschritte gemacht, sagt Townsend.<\/p>\n<p>\u00abSehr viele Spieler und Spielerinnen in den verschiedenen Sportarten haben sich durch unsere Netzwerkarbeit bereits geoutet und k\u00f6nnen nun auch sie selbst sein\u201c. Fussball sei die letzte Bastion und der gr\u00f6sste Sportbereich, wo sich die Spieler und Spielerinnen laufend outen, dadurch seien hier immer noch Probleme vorhanden bei der Fankultur. So werde zum Beispiel etwas Harmloses gesagt, was die Menschen stark treffe.<\/p>\n<p>\u00abVor allem bei den Basisfanklubs im Fussballsport passiert sehr gute Arbeit\u00bb, sagt Townsend, \u00abBeschwerden tragen wesentlich dazu bei, etwas weiterzugehen, zu ver\u00e4ndern und verbessern, sich mit der Politik und mit Institutionen, die vorwiegend im Fussballsport t\u00e4tig sind, zusammenzuarbeiten. Aber auch Bildung und Sprache sind daf\u00fcr wichtige Faktoren, um bereits ab der Schulzeit zu beginnen aufzukl\u00e4ren und homophobe Verhalten \u00f6ffentlich entgegenzuwirken.\u00bb<\/p>\n<p>Schliesslich seien auch Begriffe wie \u00abanders\u00bb oder \u00abnormal\u00bb zu \u00fcberdenken, was es im Zusammenhang mit Homosexualit\u00e4t bedeute, sagt Egger. Mit seiner pers\u00f6nlichen Lebensgeschichte mache er anderen Mut, indem er seine eigenen positiven Erfahrungen in beratenden Gespr\u00e4chen weitergebe. \u00abAllerdings bei der ,Ombudsstelle Fussball f\u00fcr alle&#8216; kommen vor allem M\u00e4nner, die einfach froh \u00fcber diese Initiative ,Fussball f\u00fcr alle&#8216; sind, um ungezwungen \u00fcber eigene Erfahrungen mit Homosexualit\u00e4t zu sprechen\u00bb, so Egger \u00fcber diese wichtige Basisarbeit gegen Homophobie im Sport, wodurch eine Art Safe Space entstanden ist, um mehr Mut zum Coming-out im Sportbereich zu schaffen. \u00abAlle Vereine und Verb\u00e4nde sind dadurch gefordert, darauf zu achten, wie homofreundlich sie und die eigenen Statuten und Strukturen des Vereins sind und wie queer offen und aufgeschlossen sie sind\u00bb, sagt Egger. Dort m\u00fcsse angesetzt werden.<\/p>\n<p>\u00abSport ist eine bestm\u00f6gliche Plattform um Grenzen aufzubrechen, weil Sport auch in die Breite wirkt\u00bb, sagt der \u00f6sterreichische Bundessportminister Kogler. Die Vizepr\u00e4sidentin der EGLSF Townsend sehe die Emanzipation auch als eines der wichtigsten Werte bei der Sportveranstaltung EuroGames, die auch im Bereich der Menschenrechte dem Sport eine sehr wichtige Rolle zuschreibe, um Herausforderungen und Gemeinschaften zu bilden und zusammenzukommen, sagt Townsend, dabei sollten auch in der Sprache Tabus gebrochen werden, um im Sport grunds\u00e4tzlich die Menschenrechte hochzuhalten.<\/p>\n<p>Als homosexuelle Sportler*innen sichtbarer zu werden, sei wichtig, um positive Vorbilder auch im Sport zu haben, damit sich Jugendliche orientieren k\u00f6nnen, das Gef\u00fchl zu bekommen, das Gleiche zu schaffen oder auch ein gewisses Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu bekommen, sagen die beiden FussballspielerInnen Jennifer Klein und Oliver Egger.<\/p>\n<p>Im Anschluss der Pressekonferenz im Haus des Sports \u00fcberreichte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Handballsportvereins Edelm\u00fcller dem \u00f6sterreichischen Bundessportminister ein mit Regenbogenfarben versehenes, signiertes Trikot seines Handballsportvereins. \u00abM\u00f6glichst viele Sportvereine sollen dazu angeregt werden, Zeichen der Toleranz und Akzeptanz von Homosexualit\u00e4t im Sport zu setzen und ihre Sporttrikots in Regenbogenfarben zahlreich sichtbar zu tragen und zu verbreiten\u00bb, sagt Edelm\u00fcller.<\/p>\n<p>Rund 19 verschiedene Sportarten und unterschiedliche Kategorien werden bei dieser zahlenm\u00e4ssig gr\u00f6ssten Sportveranstaltung der EGLSF ausge\u00fcbt. Die Veranstalter*innen der EuroGames erwarten bis f\u00fcnftausend Teilnehmer*innen, um in dieser sportlichen Umgebung zu interagieren. \u00abTrotz stattfindende sportliche Preisverleihungen und Wettk\u00e4mpfe, sei EuroGames mehr als nur eine Sportveranstaltung, es sei ein internationales, regenbogenfarben-buntes Zusammenkommen, das in unterschiedlichen Kategorien in einen Raum f\u00fcr alle, egal ob bin\u00e4r oder non-bin\u00e4r, gemeinsam Sport zu machen\u00bb, so Townsend abschliessend in Vorfreude auch auf die EuroGames 2024 in Wien.<\/p>\n<p><strong>In Bern sind die Spiele im Jahr 2023 zu Gast: Das Multisport-Event als Zeichen von Vielfalt und Inklusion soll gleichzeitig mit der Bern Pride stattfinden <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/eurogames-und-pride-finden-2023-in-bern-statt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit letzter Woche steht fest, dass die EuroGames 2025 in Lyon stattfinden. 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