{"id":132144,"date":"2022-03-04T18:28:59","date_gmt":"2022-03-04T17:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=132144"},"modified":"2022-03-05T16:03:31","modified_gmt":"2022-03-05T15:03:31","slug":"nach-dem-coming-out-du-bestimmst-wie-dein-leben-gelebt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/nach-dem-coming-out-du-bestimmst-wie-dein-leben-gelebt-wird\/","title":{"rendered":"Nach dem Coming-out: Du bestimmst, wie dein Leben gelebt wird"},"content":{"rendered":"<h3>Heute ist der Begriff der Sichtbarkeit zu einem Synonym f\u00fcr Freiheit geworden. Es ist die M\u00f6glichkeit, ein offenes und angstfreies Leben zu leben. In der Vergangenheit war Sichtbarkeit aber das Gegenteil von Freiheit, so unser Autor in seinem Kommentar*.<\/h3>\n<p>Es gibt zwei unbewusste \u00dcberzeugungen, die viele schwule M\u00e4nner haben. Diese konkret zu benennen oder gar zu begr\u00fcnden, f\u00e4llt vielen nicht leicht. Es ist mehr ein Gef\u00fchl, das einen begleitet, oder ein Instinkt, den man zu haben glaubt. Diese \u00dcberzeugungen haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit und wirken bis heute nach. Man k\u00f6nnte sagen, dass sie Teil der kollektiven Geschichte der schwulen Community sind. Etwas, das tief in jedem einzelnen verankert ist, auch wenn man es pers\u00f6nlich gar nicht erlebt hat.<\/p>\n<p><strong>1. Schwul zu sein bedeutet, Konsequenzen in Kauf nehmen zu m\u00fcssen<\/strong><br \/>\nHeute ist der Begriff der Sichtbarkeit zu einem Synonym f\u00fcr Freiheit geworden. Es ist die M\u00f6glichkeit, ein offenes und angstfreies Leben zu leben. In der Vergangenheit war Sichtbarkeit aber das Gegenteil von Freiheit. Weil es keine selbstgew\u00e4hlte Sichtbarkeit war: Historisch gesehen wurde Homosexualit\u00e4t vor allem durch ihre Verfolgung sichtbar. So existierte Homosexualit\u00e4t in \u00d6sterreich \u00fcber 200 Jahre fast ausschliesslich in Verbindung mit strafrechtlichen Konsequenzen. Diese Tatsache wirkt bis heute nach. Wer nicht verfolgt werden wollte, hatte ein anderes Ziel: unsichtbar sein und bleiben.<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde, der schwule M\u00e4nner heute noch daran hindern k\u00f6nnte, sich zu outen, ist diese Erfahrung aus der kollektiven Vergangenheit: Die stille \u00dcberzeugung, dass Sichtbarkeit bedeutet, Konsequenzen in Kauf nehmen zu m\u00fcssen. Auch, wenn das gar nicht mehr der Fall ist. Und weil \u00c4ngste nun mal irrational sind, bleibe ich lieber versteckt und unsichtbar.<\/p>\n<p>Dieses historische Motiv wird von einer weiteren Erfahrung verst\u00e4rkt, die ganze Generationen traumatisiert hat: das Aufkommen von Aids in den Achtzigern. Nur wenige Jahre zuvor gab es in \u00d6sterreich erste Erfolge der Liberalisierung: 1971 wurde Homosexualit\u00e4t legalisiert. Schwule M\u00e4nner wollten damals gleiche Rechte und begannen, diese auch einzufordern. Kurz nach diesem grossen Erfolg der strafrechtlichen Emanzipation traten die ersten F\u00e4lle von AIDS auf. Die symbolische Interpretation lautet: Wenn ich sichtbar und gleichberechtigt sein will, werde ich \u00fcber kurz oder lang daf\u00fcr bestraft.<\/p>\n<p><strong>2. Schwul zu sein bedeutet, von anderen definiert zu werden<\/strong><br \/>\nSeit der sogenannten \u00abErfindung\u00bb des Wortes Homosexualit\u00e4t durch den Schriftsteller Karl Maria Kertbeny im Jahr 1869 haben die unterschiedlichsten Bereiche versucht, Homosexuelle f\u00fcr ihre Theorien zu vereinnahmen: F\u00fcr die Justiz war Homosexualit\u00e4t eine Straftat, f\u00fcr die Psychologie eine Krankheit, f\u00fcr die Kirche eine S\u00fcnde. Und sie alle hatten unterschiedliche Zug\u00e4nge, wie man nun mit dieser neuen Gattung der Homosexuellen umgehen soll: Einsperren, psychisch behandeln oder die Gef\u00fchle unterdr\u00fccken. Mit anderen Worten: Seit es den Begriff der Homosexualit\u00e4t gibt, waren es immer die anderen, die einem gesagt haben, wer man ist und wie man sein Leben leben muss. Die unbewusste \u00dcberzeugung lautet hier: Es sind immer die anderen, die mir sagen, wer ich bin. Es ist dieser intuitive Blick auf die Bed\u00fcrfnisse der anderen, der verhindert, ein Leben nach den eigenen Vorstellungen und W\u00fcnschen zu leben.<\/p>\n<p>Wozu nun der Blick auf die gemeinsame Geschichte? Er hilft, herauszufinden, wie man selbst zu sich und den anderen steht. Erst wenn man diese kollektiven \u00dcberzeugungen kennt, kann man sie korrigieren. Sie ist n\u00e4mlich nicht falsch. Denn: Schwul zu sein bedeutet nicht, von Haus aus Angst vor Konsequenzen haben zu m\u00fcssen. Und: Ich bin derjenige, der bestimmt, wie mein Leben gestaltet und gelebt wird. Und nicht die anderen.<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p># Comingout Heute ist der Begriff der Sichtbarkeit zum Synonym f\u00fcr Freiheit geworden: ein offenes u. angstfreies Leben leben. Fr\u00fcher war #Sichtbarkeit das Gegenteil von #Freiheit. #Kommentar (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/nach-dem-coming-out-du-bestimmst-wie-dein-leben-gelebt-wird\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1793,"featured_media":97931,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3270,4371],"tags":[5442,5461,5545],"wps_subtitle":"Seit es den Begriff der Homosexualit\u00e4t gibt, waren es immer die anderen, die einem gesagt haben, wer man ist","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132144"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1793"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=132144"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132173,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132144\/revisions\/132173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97931"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=132144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=132144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=132144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}