{"id":130197,"date":"2022-02-09T02:00:12","date_gmt":"2022-02-09T01:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=130197"},"modified":"2022-02-11T11:56:13","modified_gmt":"2022-02-11T10:56:13","slug":"oscar-nominierungen-2022-erfreulich-queer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/oscar-nominierungen-2022-erfreulich-queer\/","title":{"rendered":"Oscar-Nominierungen 2022 &#8211; erfreulich queer!"},"content":{"rendered":"<h3>Bis zum 27. M\u00e4rz dauert es noch, bis die Oscars verliehen werden. Doch blickt man auf die gerade bekannt gegebenen Nominierungen, l\u00e4sst sich bereits jetzt sagen: die 94. Verleihung der Academy Awards \u2013 die in diesem Jahr unter dem Motto \u00abMovie Lovers Unite\u00bb steht \u2013 wird erfreulich queer werden.<\/h3>\n<p>Mit 12 und damit den meisten Nominierungen als Favorit ins Rennen geht der Film \u00abThe Power of the Dog\u00bb (zu sehen bei Netflix) von Jane Campion, die als erste Frau \u00fcberhaupt zum zweiten Mal in der Regie-Kategorie nominiert ist. In dem eindrucksvollen Film spielt Benedict Cumberbatch einen Rancher, der seine Homosexualit\u00e4t auf in jeder Hinsicht brutale Weise unterdr\u00fcckt, aber eine eigenwillig-undurchschaubare Beziehung zum Sohn (gespielt von Kodi Smit-McPhee) seiner neuen Schw\u00e4gerin entwickelt. Beide Schauspieler sind, genau wie Kirsten Dunst und ihre Film- und echter Ehemann Jesse Plemons, ebenfalls Oscar-Anw\u00e4rter. Und nat\u00fcrlich geht der Film, der auf dem gleichnamigen Roman des schwulen Schriftstellers Thomas Savage basiert und mit Iain Canning (\u00abThe King\u2019s Speech\u00bb) auch einen schwulen Produzenten hat, auch in der Hauptkategorie ins Rennen. Dort konkurriert er unter anderem mit dem Science Fiction-Epos \u00ab Dune\u00bb, Kenneth Branaghs autobiografischem \u00abBelfast\u00bb und Steven Spielbergs Remake von \u00abWest Side Story\u00bb (inkl. trans Figur).<\/p>\n<p>In den Schauspielkategorien sind mit Kristen Stewart f\u00fcr ihre Rolle als Lady Di in \u00abSpencer\u00bb und Ariana DeBose als Anita in \u00abWest Side Story\u00bb gleich zwei offen queere Schauspielerinnen nominiert. Bislang war in der Oscar-Geschichte nie mehr als eine queere Person in den vier Kategorien nominiert worden. Sollte eine der beiden gewinnen, w\u00e4re es das erste Mal, dass eine geoutete Person einen Schauspiel-Oscar bekommt. Wobei sich gegen diese Behauptung \u2013 je nach Auslegung \u2013 auch Einspruch erheben liesse. John Gielgud (Oscar 1981 f\u00fcr \u00abArthur\u00bb) etwa hatte zwar seine Homosexualit\u00e4t nie \u00f6ffentlich thematisiert, war aber bereits in den 1950ern beim Cruising in London verhaftet worden. Linda Hunt (Oscar 1983 f\u00fcr \u00abEin Jahr in der H\u00f6lle\u00bb) ist bereits seit den 1970ern mit ihrer heutigen Ehefrau liiert. Und Angelina Jolie (Oscar 1999 f\u00fcr \u00abDurchgeknallt\u00bb) hatte durchaus damals schon erw\u00e4hnt, dass sie auch mal Sex mit Frauen hatte.<\/p>\n<p>Ein Fall f\u00fcr die Oscar-Geschichtsb\u00fccher ist allerdings auch der d\u00e4nische Film \u00abFlee\u00bb von Jonas Poher Rasmussen, der von der Fluchtgeschichte eines jungen schwulen Afghanen handelt. Der Regisseur erz\u00e4hlt die wahre Geschichte seines guten Freundes Amin Nawabi (ein Pseudonym), der kurz davor steht, seinen Lebensgef\u00e4hrten in D\u00e4nemark zu heiraten, sowohl als animierten Dokumentarfilm. So gelang\u00ab Flee\u00bb das Kunstst\u00fcck gleich in drei Kategorien auf einmal nominiert zu werden: Bester internationaler Film, Bester Animationsfilm und Bester Dokumentarfilm.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt stellt das nicht-englischsprachige Kino in diesem Jahr bei den Oscar-Nominierungen eindrucksvoll seine St\u00e4rke unter Beweis. Der schwule japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi \u2013 der aktuell auch in der Wettbewerbs-Jury der Berlinale sitzt \u2013 ist mit seiner Murakemi-Verfilmung \u00abDrive My Car\u00bb (derzeit in den deutschen und Schweizer Kinos) nicht nur als Bester internationaler Film nominiert, sondern auch als Bester Film, f\u00fcr die Beste Regie sowie das Beste adaptierte Drehbuch. Und Pedro Almod\u00f3vars \u00abParallele M\u00fctter \u2013 Madres Paralelas\u00bb (in der Schweiz bereits im Kino, in Deutschland ab dem 10.3.) ist zweimal vertreten: die Filmmusik von Alberto Iglesias darf sich ebenso Chancen ausrechnen wie Pen\u00e9lope Cruz f\u00fcr ihre Hauptrolle als bisexueller Fotografin. Nicht nominiert wurde \u2013 wie erwartet \u2013 das Paragraph 175-Drama \u00abGrosse Freiheit\u00bb mit Franz Rogowski, das f\u00fcr \u00d6sterreich ins Rennen um den Besten internationalen Film ging.<\/p>\n<p>Keine Konkurrenz f\u00fcr Cruz ist \u00fcbrigens Lady Gaga: Der Popstar ging unerwartet leer aus und wurde f\u00fcr die Hauptrolle im Kinohit \u00abHouse of Gucci\u00bb \u00fcbergangen. Immerhin: ihr schwuler Hairstylist Frederic Aspiras ist f\u00fcr den Film in der Kategorie Best Makeup &amp; Hair nominiert. Zu den weiteren queeren Nominierten in diesem Jahr geh\u00f6rt auch der Kost\u00fcmbildner Paul Tazewell (\u00abWest Side Story\u00bb), der bislang vor allem am Broadway arbeitete. Und nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf &#8211; in der Kategorie Bester Animationsfilm \u2013 nat\u00fcrlich auch \u00abThe Mitchells vs. The Machines\u00bb (zu sehen bei Netflix), in dessen Zentrum mit grosser Selbstverst\u00e4ndlichkeit ein queeres M\u00e4dchen steht (das im Original von der queeren Schauspielerin Abbi Jacobson gesprochen wird).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Oscars Blickt man auf die Nominierungen, l\u00e4sst sich bereits jetzt sagen: die 94. 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