{"id":130076,"date":"2022-02-07T07:07:07","date_gmt":"2022-02-07T06:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=130076"},"modified":"2022-02-07T07:45:40","modified_gmt":"2022-02-07T06:45:40","slug":"deutsche-katholikinnen-fuer-reformen-aber-was-sagt-der-papst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/deutsche-katholikinnen-fuer-reformen-aber-was-sagt-der-papst\/","title":{"rendered":"\u00abKultur der Offenheit und Akzeptanz\u00bb statt Kultur der Angst?"},"content":{"rendered":"<h3>Die am Samstag zu Ende gegangene Synodalversammlung stand unter grossem Erwartungsdruck: Ver\u00e4ndert sich endlich etwas in der katholischen Kirche? Frauen als Diakoninnen, Segnungen homosexueller Paare &#8230; Der Wille ist da. Zumindest in Deutschland.<\/h3>\n<p>Von Eva Krafczyk und Christoph Driessen, dpa<\/p>\n<p>Schwester Philippa Rath ist eine Nonne, aber eine h\u00f6chst unangepasste. Seit vielen Jahren k\u00e4mpft sie gegen die \u00abklerikale M\u00e4nnerkirche\u00bb. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, und das hat dazu gef\u00fchrt, dass man jedesmal aufhorcht, wenn sie in der Synodalversammlung der deutschen Katholiken in der Frankfurter Messe das Wort ergreift. Schwester Philippa wird geh\u00f6rt.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir diese Texte verabschieden, wird die Kultur der Angst hoffentlich weichen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei den letzten beiden Synodalversammlungen hatte die 66 Jahre alte Benediktinerin vielfach Kritisches zu sagen. Doch am Samstag zeigte sie sich zufrieden. \u00abDie Angst br\u00f6ckelt jetzt endlich\u00bb, stellte sie fest. \u00abWenn wir diese Texte verabschieden, wird die Kultur der Angst hoffentlich weichen und zu einer Kultur der Offenheit und Akzeptanz.\u00bb<\/p>\n<p>Ist die katholische Kirche reformf\u00e4hig? Die am Samstag beendete dritte Synodalversammlung hat auf jeden Fall gezeigt: Die katholische Kirche in Deutschland ist reformwillig. Frauen als Diakoninnen, verheiratete Priester, Segnungen homosexueller Paare, Mitsprache von Gl\u00e4ubigen bei der Bischofswahl \u2013 all das soll nach dem Willen einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der Delegierten Wirklichkeit werden. \u00abEs passiert unglaublich viel\u00bb, freute sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg B\u00e4tzing.<\/p>\n<p>Kirchliche Sexualmoral und die Bewertung von Homosexualit\u00e4t standen am Samstag im Mittelpunkt einer lebhaften Diskussion der Vollversammlung des Synodalen Wegs der deutschen Katholiken. Dabei gab es in erster Lesung eine deutliche Mehrheit f\u00fcr einen Text, der Homosexualit\u00e4t als gleichwertige Identit\u00e4t w\u00fcrdigt. Keiner Person d\u00fcrfe die \u00dcbernahme von kirchlichen \u00c4mtern sowie der Empfang der Priesterweihe verwehrt werden, weil sie homosexuell veranlagt sei, heisst es in dem Text. Bei einer sp\u00e4teren Synodalversammlung muss dar\u00fcber noch verbindlich in zweiter Lesung abgestimmt werden.<\/p>\n<p>Ebenso wie bei einem Text zu ehelicher Liebe und Sexualit\u00e4t bedeutet das eine lehramtliche Neubewertung, das heisst eine Weiterentwicklung der katholischen Lehre. Sollte der Text beschlossen werden, empfiehlt die Synodalversammlung dem Papst, eine solche lehramtliche Neubewertung vorzunehmen. Wenn der Papst dies tun w\u00fcrde, h\u00e4tte dies nicht nur Auswirkungen auf den Katholizismus in Deutschland, sondern weltweit.<\/p>\n<p>Manchen Delegierten gingen die Texte zu weit, anderen nicht weit genug: Ein Diskriminierungsverbot d\u00fcrfe nicht nur f\u00fcr Homosexuelle gelten, sondern f\u00fcr alle sexuellen und Geschlechtsidentit\u00e4ten, forderten vor allem junge Delegierte. Eine lesbische Religionslehrerin w\u00fcrdigte den Text als ersten \u00abSchritt zu einer Kirche ohne Angst, eine wahre inklusive Kirche\u00bb.<\/p>\n<p>Schon seit 2019 l\u00e4uft bei den deutschen Katholiken der Reformprozess Synodaler Weg, eine Initiative sowohl der Bisch\u00f6fe als auch der sogenannten Laien, der normalen Gl\u00e4ubigen in den Gemeinden, die im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisiert sind. Die Synodalversammlung ist das zentrale Entscheidungsgremium dieses Reformprozesses. Sie tagte von Donnerstag bis Samstag schon zum dritten Mal in Frankfurt.<\/p>\n<p>Bereits bei den vorigen Konferenzen war deutlich geworden, dass der allergr\u00f6sste Teil der Delegierten dem Reformlager angeh\u00f6rt <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schwuler-priester-wolfgang-rothe-werde-nicht-mehr-schweigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Reformvorschl\u00e4ge konnten durchweg mit einer 80-Prozent-Mehrheit rechnen. Da die katholische Kirche aber keine Demokratie ist, kann nichts beschlossen werden, wenn es nicht auch von einer deutlichen Mehrheit der Bisch\u00f6fe mitgetragen wird. Die Bisch\u00f6fe waren bisher die \u00abBlack Box\u00bb des ganzen Prozesses &#8211; niemand wusste mit Sicherheit zu sagen, wieviele von ihnen eigentlich hinter den Reformen stehen.<\/p>\n<p>Hier gab es nun in den vergangenen Tagen einen wirklichen Fortschritt: Erstmals stimmten in einem Sondervotum auch nur die Bisch\u00f6fe \u00fcber die vorgelegten Texte ab. Dabei ergab sich immer eine Zwei-Drittel-Mehrheit f\u00fcr Reformen. Etwa ein Dutzend Bisch\u00f6fe stimmte dagegen. Die Ergebnisse wurden mit einem Stossseufzer der Erleichterung aufgenommen. Ihr sei \u00abein Stein vom Herzen gefallen\u00bb, gestand etwa Beate Gilles, die Generalsekret\u00e4rin der Deutschen Bischofskonferenz. H\u00e4tten sich die Bisch\u00f6fe quergestellt, h\u00e4tte dies das Ende des gesamten Reformprozesses bedeuten k\u00f6nnen. Denn die Laienvertreter*innen waren entschlossen, sich auf keinen Fall f\u00fcr eine reine Show-Veranstaltung zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Was von den Reformen letztlich umgesetzt wird, ist dennoch unklar. \u00abPapier ist unendlich geduldig\u00bb, sagte zum Abschluss die ZdK-Pr\u00e4sidentin Irme Stetter-Karp und \u00fcberreichte Bischof B\u00e4tzing Traubenzucker als Energieschub zum Handeln.<\/p>\n<blockquote><p>Liebe Bisch\u00f6fe, Sie k\u00f6nnen den Schmerz einstellen, der f\u00fcr mich verbunden ist mit diesem Arbeitsrecht!<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein besonders bewegender Augenblick war ein Appell von Mara Klein, einem diversen Mitglied der Synodalversammlung. Klein hat sich entschieden, nach dem Abschluss ihres Religionsstudiums das Lehrerreferendariat nicht anzutreten: \u00abIch k\u00f6nnte die Willk\u00fcr und Abh\u00e4ngigkeit nicht aushalten.\u00bb Mit brechender Stimme rief Klein die Bisch\u00f6fe dazu auf, das kirchliche Arbeitsrecht zu \u00e4ndern, das immer noch so viele Menschen diskriminiert: \u00abLiebe Bisch\u00f6fe, Sie k\u00f6nnen den Schmerz einstellen, der f\u00fcr mich verbunden ist mit diesem Arbeitsrecht!\u00bb<\/p>\n<p>Das Arbeitsrecht k\u00f6nnten die deutschen Bisch\u00f6fe eigenst\u00e4ndig reformieren, aber f\u00fcr vieles andere w\u00e4re die Zustimmung des Papstes n\u00f6tig. Wo der steht, machte sein Botschafter in Deutschland, Nikola Eterovic, deutlich. Der Apostolische Nuntius hatte kein einziges Wort der Ermutigung f\u00fcr die Delegierten mitgebracht, nur Mahnungen und Warnungen.<\/p>\n<p>Die Kirche umfasse 1,3 Milliarden Menschen, und nur 22,6 Millionen davon lebten in Deutschland, rief er in Erinnerung. Und dann zitierte er den antiken Kirchenlehrer Iren\u00e4us von Lyon, der gesagt habe: \u00abDie in Germanien gegr\u00fcndeten Kirchen glauben und \u00fcberliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in \u00c4gypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt.\u00bb Das sind Begriffe, die man hierzulande wohl eher mit Asterix verbindet, aber nicht unbedingt als Massstab f\u00fcr heutiges Handeln akzeptieren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Nuntius seine von fr\u00f6mmelnden Formulierungen durchsetzte Rede hielt, blickte er im Saal in die Gesichter der Delegierten, die teilweise Masken in den Regenbogenfarben trugen. Es waren zwei Welten, die hier aufeinandertrafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen als Diakoninnen, Segnungen #homosexueller Paare: Die Synodalversammlung stand unter grossem Erwartungsdruck: Ver\u00e4ndert sich die katholische #Kirche? 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