{"id":128255,"date":"2022-01-15T13:21:12","date_gmt":"2022-01-15T12:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=128255"},"modified":"2022-01-17T14:12:00","modified_gmt":"2022-01-17T13:12:00","slug":"hauptmanns-einsame-menschen-mit-25-minuetiger-schwuler-sexszene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/hauptmanns-einsame-menschen-mit-25-minuetiger-schwuler-sexszene\/","title":{"rendered":"Hauptmanns \u00abEinsame Menschen\u00bb mit 25-min\u00fctiger schwuler Sexszene"},"content":{"rendered":"<h3>Der deutsche Dramatiker und Literaturnobeltr\u00e4ger Gerhart Hauptmann (1862-1946) ist sicher f\u00fcr vieles bekannt \u2013 aber nicht als Autor von queeren Klassikern. Das hat sich jetzt mit einer Neuproduktion seines fr\u00fchen Dramas \u00abEinsame Menschen\u00bb am Deutschen Theater Berlin ge\u00e4ndert.<\/h3>\n<p>Die meisten werden sich an Hauptmann als Pflichtlekt\u00fcre aus der Schule erinnern. Sein Sozialdrama \u00abDie Weber\u00bb von 1892 ist ein Meilenstein der deutschen Theatergeschichte. Auch das Sozialdrama \u00abVor Sonnenaufgang\u00bb (1889) und die Berliner Tragikom\u00f6die \u00abDie Ratten\u00bb (1911). Ein Jahr sp\u00e4ter gab\u2018s der Literaturnobelpreis f\u00fcr einen der bedeutendsten Vertreter des Naturalismus.<\/p>\n<p>Sein St\u00fcck \u00abEinsame Menschen\u00bb schrieb er schon um 1890 (das Programmheft des DT schreibt \u00ab1870\u00bb), darin geht es um einen jungen Intellektuellen namens Johannes Vockerat, der mit seiner Ehefrau und dem frisch geborenen Kind an den M\u00fcggelsee bei Berlin zieht, um sich auf dem Land dem Schreiben und Denken zu widmen. Das Problem: Mit seiner liebenden, aber eher einf\u00e4ltigen Ehefrau kann er sich nicht \u00fcber die Dinge austauschen, die ihn intellektuell besch\u00e4ftigen. Er f\u00fchlt sich in einem Korsett von Konventionen gefangen was Beruf, Karriere und Familie angeht. Von seiner Mutter \u2013 die in den ersten Wochen nach der Geburt des Sohnes im Haus hilft \u2013 und von seiner Ehefrau wird Johannes immer wieder ermahnt, doch endlich \u00abwas Vern\u00fcnftiges\u00bb zu machen, statt als Idealist zu leben und von einer anderen freieren Welt zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_128258\" aria-describedby=\"caption-attachment-128258\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-128258 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 280 396'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel.jpg\" alt=\"Gerhart Hauptmann\" width=\"280\" height=\"396\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel.jpg 280w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel-212x300.jpg 212w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel-265x375.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel-34x48.jpg 34w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Gerhart_Hauptmann_nobel-68x96.jpg 68w\" data-sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-128258\" class=\"wp-caption-text\">Portr\u00e4t von Gerhart Hauptmann, dass 1913 in Schweden ver\u00f6ffentlicht wurde anl\u00e4sslich der Verleihung des Literaturnobelpreises (Foto: Wiki Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Original tritt an dieser Stelle eine freigeistige Malerin aus der Schweiz ins Geschehen und verdreht \u00abHannes\u00bb den Kopf. Mit ihr kann er \u00fcber all das sprechen, was ihm am Herzen liegt, sie ist nicht Teil der erdr\u00fcckenden Gesellschaftskonventionen, die ihn umgeben, mit ihr erlebt er eine alternative Beziehung. Die von seiner Umwelt als Skandal angesehen wird und schliesslich dazu f\u00fchrt, dass er sie aufgibt bzw. aufgeben muss. Aus Verzweiflung geht Johannes ins Wasser und ertr\u00e4nkt sich. Denn er will nicht zur\u00fcckkehren in die geregelte Welt, wie sie vorher war.<\/p>\n<p><strong>Laptops, Handy und Cappuccino<\/strong><br \/>\nDie Regisseurin Daniela L\u00f6ffner hat an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin unl\u00e4ngst eine Neufassung von \u00abEinsame Menschen\u00bb pr\u00e4sentiert, bei der die Rolle der Schweizer Malerin mit einem jungen Mann namens Arno ersetzt wurde. Dieser ist jetzt ein 26-j\u00e4hriger Professor f\u00fcr feministische Literatur an der Stanford University in den USA und auf dem Weg zu einem Forschungssemester in Z\u00fcrich. Wie im Original wird diese durchreisende Figur zu den Vockerats eingeladen, mit ihnen den Sommer am M\u00fcggelsee zu verbringen. Ein Aufenthalt, der Wochen dauert und in dessen Verlauf sich Johannes-der-verheiratete-Familienvater (gespielt von Marcel Kohler) in den coolen Literaturwissenschaftler aus den USA (kongenial dargestellt von Enno Trebs) verliebt. Das Ganze spielt nicht mehr im 19. Jahrhundert, sondern im Hier und Jetzt, mit Laptops, Handy und Cappuccino.<\/p>\n<figure id=\"attachment_128259\" aria-describedby=\"caption-attachment-128259\" style=\"width: 998px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-128259 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 998 603'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264.jpg\" alt=\"Einsame Menschen\" width=\"998\" height=\"603\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264.jpg 998w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-300x181.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-425x257.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-768x464.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-561x339.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-265x160.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-531x321.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-364x220.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-728x440.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-608x367.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-758x458.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-79x48.jpg 79w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-159x96.jpg 159w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37370_einsame_menschen_0264-400x242.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 998px) 100vw, 998px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-128259\" class=\"wp-caption-text\">Die heutige Familie in Hauptmanns \u00abEinsame Menschen\u00bb: (v.l.n.r.) Judith Hofmann als Mutter Vockerat, Franziska Machens als befreundete Malerin, Enno Trebs als durchreisender Gast Arno, Linn Reusse als Ehefrau K\u00e4the und Marcel Kohler als ihr Mann Johannes (Foto: Arno Declair)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der beibehaltenen Grundkonstellation von Hauptmann erlebt man, wie eine durch und durch heteronormative Familie aufgebrochen wird und wie aus einer anf\u00e4nglich geistigen N\u00e4he zwischen zwei Menschen im Laufe von f\u00fcnf Akten eine zunehmende k\u00f6rperliche Anziehung wird. Die sich im Moment der \u00abKatastrophe\u00bb in einer 25-min\u00fctigen Sexszene auf offener B\u00fchne \u2013 mit Regen und bei v\u00f6lliger Nacktheit \u2013 entl\u00e4dt. Der amerikanische Theaterwissenschaftler David Savran tweetete begeistert:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"en\">Saw Daniela L\u00f6ffner&#8217;s miraculous Einsame Menschen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DT_Berlin?ref_src=twsrc%5Etfw\">@DT_Berlin<\/a>, German (sort of) realism at its most beautiful and provocative, with the most amazing&#8211;and hottest&#8211;gay sex scene I&#8217;ve ever seen on stage. Kudos to all the actors! <a href=\"https:\/\/t.co\/UQZkKQI6wB\">pic.twitter.com\/UQZkKQI6wB<\/a><\/p>\n<p>\u2014 David Savran (@DavidSavran) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DavidSavran\/status\/1478007767562653705?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 3, 2022<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Es ist sicher ein Novum in der deutschen Theatergeschichte, eine so explizite und so lange und so detailliert durchchoreografierte Sexszene auf der B\u00fchne zu sehen. Schonungslos und scheinbar endlos. Bemerkenswert ist auch, dass in diesem Update die Tatsache nicht skandaliert wird, dass es sich um eine homosexuelle Beziehung handelt, die die Ehe von Johannes und K\u00e4the Vockerat sprengt, sondern es darum geht, dass die Beziehung \u00fcberhaupt kaputt gemacht wird und der Familienvater schlussendlich K\u00e4the und den gemeinsamen Sohn allein zur\u00fcckl\u00e4sst. Weil eine offene Beziehung zu Dritt von den beteiligten Parteien abgelehnt wird, gleichwohl Johannes das Option vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Tradition als sichere Bank f\u00fcr junge Menschen<\/strong><br \/>\n\u00abAllerdings muss man zugestehen, dass junge Menschen heutzutage viel bewusster Konzepte wie Monogamie und Treue als Bindemittel w\u00e4hlen\u00bb, sagt Regisseurin L\u00f6ffner in einem Interview im Programmheft. Auf die Frage, warum es vielen nach wie vor so schwerfalle, sich von traditionellen Denk- und Lebensmustern zu l\u00f6sen, sagt sie: \u00abWeil wir die Kinder unserer Eltern sind, die wiederum die Verhaltensweisen ihrer Eltern in sich tragen. Weil wir oft erst sehr sp\u00e4t begreifen, dass wir niemandem etwas schuldig sind und uns niemand etwas schuldet. Tradition ist eine sichere Bank.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_128260\" aria-describedby=\"caption-attachment-128260\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-128260 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1000 581'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780.jpg\" alt=\"Einsame Menschen\" width=\"1000\" height=\"581\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780.jpg 1000w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-300x174.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-425x247.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-768x446.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-561x326.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-265x154.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-531x309.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-364x211.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-728x423.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-608x353.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-758x440.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-83x48.jpg 83w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-165x96.jpg 165w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/37384_einsame_menschen_0780-400x232.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-128260\" class=\"wp-caption-text\">Die Sexszene zwischen Johannes und Arno in \u00abEinsame Menschen\u00bb dauert bemerkenswerte 25 Minuten (Foto: Arno Declair)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor fast zehn Jahren hatte das US-amerikanische LGBTIQ-Magazin <em>Out<\/em> eine Geschichte \u00fcber junge schwule Paare, die alle darauf schworen, ausschliesslich in monogamen und auf gegenseitiger Treue basierenden Beziehungen leben zu <em>k\u00f6nnen<\/em>. <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/neue-studie-junge-schwule-fuer-mehr-monogamie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete dar\u00fcber, dass immer mehr junge Schwule auf Monogamie dr\u00e4ngen.)<\/a><\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnder des Leslie-Lohman Museums f\u00fcr LGBTIQ-Kunst in New York, Charles Leslie, sagte damals zu dieser <em>Out<\/em>-Geschichte im Buch \u00abThe Art of Looking\u00bb: \u00abMeine Antwort an all diese modernen Monogamisten ist: Warten wir einfach mal ab! Sie werden schon fr\u00fch genug feststellen, dass dieses Eins-auf-eins-Ideal nicht funktioniert, jedenfalls nicht so, wie sie es behaupten.\u00bb In seiner eigenen jahrzehntelangen Beziehung mit Fritz Lohman habe er es geschafft, eine andere Form des intensiven Zusammenlebens zu schaffen. Die aber \u2013 so die Botschaft des \u00abEinsame Menschen\u00bb-Updates \u2013 f\u00fcr viele aufgekl\u00e4rte moderne Menschen heute keine Option mehr zu sein scheint.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jaJUN47e-Kg\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Und so endet die Neuproduktion des Hauptmann-St\u00fccks nach wie vor mit dem Selbstmord von Johannes, nachdem Arno sich verabschiedet mit den Worten, er k\u00f6nne nicht die Verantwortung f\u00fcr die seelischen Qualen von K\u00e4the Vockerat \u00fcbernehmen. Diese Qualen w\u00fcrden, nach Meinung des Professors f\u00fcr feministische Literatur, weitergehen, wenn sie zu Dritt und mit Baby leben w\u00fcrden. Egal wie aufgekl\u00e4rt wir heute sein m\u00f6gen. <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/genuegen-zwei-zum-gluecklichsein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT fragte bei LGBTIQ-Paaren nach, ob monogame Beziehungen sie gl\u00fccklich machen.)<\/a><\/p>\n<p><strong>Nicht Homosexualit\u00e4t ist der Skandal, sondern Normabweichung<\/strong><br \/>\nAls im Deutschen Theater am Ende das Licht ausgeht und das St\u00fcck vorbei ist, herrscht Schweigen. Niemand klatscht, es ist eine fast ungl\u00e4ubige Stille. Als w\u00fcrde sich das Publikum fragen: Kann das wirklich passiert sein? Ist es m\u00f6glich, dass die Beziehung zwischen Johannes, Arno und K\u00e4the (gespielt von Linn Reusse) heute noch so endet? Dass wir immer noch keinen Weg gefunden haben, jenseits von normativen Beziehungsmustern gl\u00fccklich zu werden? Besonders in einem Fall wie diesem, wo nicht einmal die Mutter von Johannes (gespielt von Judith Hofmann) mit der Wimper zuckt, weil ihr Sohn sich mit einem anderen Mann einl\u00e4sst. Homosexualit\u00e4t ist kein Skandal mehr, aber das Ausbrechen aus einer eingegangenen Verpflichtung und einer standardisierten Beziehungsform von Eltern-mit-Kind schon.<\/p>\n<blockquote><p>Homosexualit\u00e4t ist kein Skandal mehr, aber das Ausbrechen aus einer eingegangenen Verpflichtung und einer standardisierten Beziehungsform von Eltern-mit-Kind schon<\/p><\/blockquote>\n<p>Bemerkenswert ist auch, dass die gesamte LGBTIQ-Presse \u00fcber die Produktion nicht berichtet hat \u2013 obwohl 25 Minuten schwuler Sex auf offener B\u00fchne nun wirklich keine Allt\u00e4glichkeit sind, auch nicht im Berliner Theaterleben.<\/p>\n<p>Das liegt vermutlich daran, dass im Programmheft zur Produktion zwar ein XXL-Foto von Johannes und Arno \u2013 k\u00fcssend und durchn\u00e4sst \u2013 zu sehen ist, man also von weiss, was irgendwann im Laufe der Auff\u00fchrung kommen wird. Dass aber die Worte \u00abschwul\u00bb, \u00abbisexuell\u00bb oder \u00abhomosexuell\u00bb nirgendwo auftauchen. Weder im \u00fcberarbeiteten Text des St\u00fccks, noch in den Ank\u00fcndigungen oder sonst wo. Trotzdem hat sich dieser zentrale Aspekt der Produktion inzwischen rumgesprochen, denn bei der j\u00fcngsten Vorstellung Mitte Januar war der Zuschauer*innenraum gef\u00fcllt mit M\u00e4nnergruppen und -paaren.<\/p>\n<p><strong>Meditatives Ritual<\/strong><br \/>\nInteressant an der Vorstellung ist auch, dass die sexuelle Anziehung zwischen Marcel Kohler und Enno Trebs mit einer fast beil\u00e4ufigen Nonchalance gespielt wird. Dadurch wirkt die 25-min\u00fctige Sexszene geradezu abstrahiert \u2013 wie ein meditatives Ritual, das nur vom Ger\u00e4usch des herabrieselnden Wassers begleitet. Das l\u00e4dt ein, die eigenen Gedanken schweifen zu lassen. Und eigene Begegnungen dieser Art Revue passieren zu lassen.<\/p>\n<p>Dadurch bekommt die Sexszene etwas extrem Erotisches und zugleich eine schockierende Sachlichkeit, bei der keinerlei \u00abechte\u00bb Erregung mitschwingt. Das zu sehen ist verbl\u00fcffend.<\/p>\n<p>Es gibt in Berlin derzeit andere neuere St\u00fccke, die sich mit dem aktuellen LGBTIQ-Leben besch\u00e4ftigen, etwa <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/small-town-boy-von-falk-richter-wird-4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Falk Richters Werke<\/a> am Gorki Theater <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/in-my-room-der-vater-das-unbekannte-wesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete \u00fcber Richters letztes LGBTIQ-Theaterst\u00fcck am Gorki: \u00abIn My Room\u00bb)<\/a>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26148\" aria-describedby=\"caption-attachment-26148\" style=\"width: 2048px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-26148 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 2048 1362'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008.jpg\" alt=\"Falk Richter\" width=\"2048\" height=\"1362\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008.jpg 2048w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008-400x266.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008-768x511.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/20152016_Spectacles_SmallTownBoy_008-1024x681.jpg 1024w\" data-sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26148\" class=\"wp-caption-text\">Falk Richters \u00abSmall Town Boy\u00bb am Maxim Gorki Theater (Foto: Gorki-Theater)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der grosse Unterschied zwischen Richters improvisatorischem Stil und Gerhart Hauptmann ist, dass der Literaturnobelpreistr\u00e4ger das klassische Handwerk des St\u00fcckaufbaus perfekt beherrscht und diese Trag\u00f6die-am-M\u00fcggelsee wie ein Schweizer Uhrwerk ablaufen l\u00e4sst. Alles ist genau vorhersehbar, jeder hat seinen exakten Platz im Geschehen. Es gibt kein Entkommen. Und trotzdem haut es den Zuschauenden am Ende um, wegen der Ausweglosigkeit der Situationen, die gnadenlos aufeinanderfolgen.<\/p>\n<p><strong>Warnung und Zensur<\/strong><br \/>\n\u00abEinsame Menschen\u00bb l\u00e4uft in den Kammerspielen des Deutschen Theaters noch bis Ende Februar, im eleganten B\u00fchnenbild von Wolfgang Menardi und mit Kost\u00fcmen von Carolin Schogs. Auf der Website werden Besucher*innen gewarnt: \u00abIn der Inszenierung gibt es explizit sexuelle Szenen.\u00bb<\/p>\n<p>In der Tat verliessen bei der von MANNSCHAFT besuchten Vorstellung diese Woche mehrere Leute den Saal nach der Sexszene. Als w\u00e4ren 25 Minuten M\u00e4nnersex-im-Regen unertr\u00e4glich und eine Zumutung. W\u00e4ren diese Leute auch gegangen, wenn man ebenso lange ein Mann-Frau-Paar nackt gesehen h\u00e4tte? Eine Frage, die sich auch stellt angesichts der Zensur von jeglichen homosexuellen Bebilderungen auf Facebook und Instagram, die als \u00abanst\u00f6ssig\u00bb eingestuft werden, nur weil sich zwei M\u00e4nner intensiv k\u00fcssen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schwuler-sexfilm-auf-akropolis-gedreht-als-lgbtiq-protestaktion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(wie diese Woche passiert im Kontext eines MANNSCHAFT-Artikels \u00fcber eine LGBTIQ-Protestaktion auf der Akropolis)<\/a>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_128161\" aria-describedby=\"caption-attachment-128161\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-medium wp-image-128161\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 300 191'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-300x191.jpg\" alt=\"Leo und Lance\" width=\"300\" height=\"191\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-300x191.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-425x271.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-768x489.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-561x357.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-265x169.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-531x338.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-364x232.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-728x464.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-608x387.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-758x483.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-75x48.jpg 75w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-151x96.jpg 151w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019-400x255.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG0019.jpg 959w\" data-sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-128161\" class=\"wp-caption-text\">Das von Meta beanstandete Vorschaubild zum Akoropols-Artikel (Foto: Leo und Lance aus dem gleichnamigen Film von William Higgins von 1983, Laguna Pacific\/Catalina; aus dem Buch \u00abPorn: From Andy Warhol to X-Tube\u00bb \/ Bruno Gm\u00fcnder Verlag)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wird die R\u00fcckkehr zu \u00abtraditionellen Werten\u00bb \u2013 die von <em>Out<\/em> im Zusammenhang mit Monogamie zelebriert wurde und die L\u00f6ffner als Suche nach einer \u00absicheren Bank\u00bb beschreibt \u2013 von Mark Zuckerbergs Meta-Plattformen bef\u00f6rdert?<\/p>\n<p>Dar\u00fcber lohnt es nachzudenken. Genauso wie es lohnt, sich \u00abEinsame Menschen\u00bb in der brillanten Aktualisierung von Daniela L\u00f6ffner (und von den Dramaturg*innen Sima Djabar Zadegan und Juliane Koepp) anzuschauen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutschestheater.de\/programm\/spielplan\/einsame_menschen\/5737\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Weitere Informationen und Auff\u00fchrungstermine finden sich hier.<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im @DT_Berlin kann man ein #LGBTIQ-Update von Gerhart Hauptmanns Drama \u00abEinsame Menschen\u00bb sehen, mit rekordverd\u00e4chtiger 25-min\u00fctiger schwuler Sexszene. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/hauptmanns-einsame-menschen-mit-25-minuetiger-schwuler-sexszene\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":128257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4381],"tags":[63,5466,5486,5461,5523],"wps_subtitle":"Im Deutschen Theater Berlin kann man ein LGBTIQ-Update von Gerhart Hauptmanns 1890er-Jahre Drama sehen","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128255"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/35"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=128255"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128300,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128255\/revisions\/128300"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/128257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=128255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=128255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=128255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}