{"id":126464,"date":"2021-12-19T08:24:59","date_gmt":"2021-12-19T07:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=126464"},"modified":"2022-01-01T05:42:09","modified_gmt":"2022-01-01T04:42:09","slug":"eldorado-kadewe-grosse-lesbische-liebesgeschichte-zur-primetime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/eldorado-kadewe-grosse-lesbische-liebesgeschichte-zur-primetime\/","title":{"rendered":"\u00abEldorado KaDeWe\u00bb: Grosse lesbische Liebesgeschichte zur Primetime"},"content":{"rendered":"<h3>Die 1920er Jahre in Berlin &#8211; gab es das nicht schon als Serie? Mit \u00abEldorado KaDeWe\u00bb l\u00e4uft kurz nach Weihnachten etwas Neues im Ersten. Es geht um das KaDeWe und lesbische Liebe. Wie passt das zusammen? Von Caroline Bock, dpa<\/h3>\n<p>Fritzi Jandorf, Tochter des Kaufhaus-Direktors, m\u00f6chte einen Herrenanzug. Verk\u00e4uferin Hedi hilft beim Anziehen und in der Umkleidekabine knistert es zwischen beiden. Schon in den ersten Szenen der Serie \u00abEldorado KaDeWe\u00bb wird das grosse Thema ausgerollt, das so noch nicht um 20.15 Uhr im deutschen Fernsehen zu sehen war: Es geht um lesbische Liebe und die Welt homosexueller Frauen &#8211; und das nicht <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lesbische-sichtbarkeit-ausgerechnet-bei-rosamunde-pilcher\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Rosamunde-Pilcher-Stil<\/a>.<\/p>\n<p>Die Serie \u00fcber das legend\u00e4re Berliner Luxusgesch\u00e4ft Kaufhaus des Westens (KaDeWe) spielt in den 1920er Jahren, zwischen Exzessen im brodelnden Nachtleben, Inflation und dem vielzitierten \u00abTanz auf dem Vulkan\u00bb, bevor die Nazis gew\u00e4hlt wurden. Das ist zurzeit ein beliebtes Fernseh-Zeitalter, siehe \u00abBabylon Berlin\u00bb und bald \u00abTorstra\u00dfe 1\u00bb. Regie bei \u00abEldorado KaDeWe\u00bb f\u00fchrt Julia von Heinz (\u00abUnd morgen die ganze Welt\u00bb). Die Prognose ist nicht gewagt, dass sie mit ihrem Serien-Erstling Preise gewinnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nach dem Start in der ARD Mediathek am 20. Dezember laufen alle sechs Folgen auf einen Schwung am 27. Dezember den ganzen Abend lang im Ersten &#8211; ein Angebot f\u00fcr einen Serienmarathon. Nicht nur dieser Programmplatz ist ungew\u00f6hnlich. In der historischen Szenerie sieht man immer wieder das Berlin von heute &#8211; elektrische Roller, moderne Autos, Street Art. Das ist gewollt. Ein Gegenwartskonzept, das zeigen soll, dass die Themen der Serie noch heute aktuell sind: Judenhass, Emanzipation, sexuelle Selbstbestimmung und Freiheit. Dazu passt der von Musikerin Inga Humpe (2Raumwohnung) gepr\u00e4gte Soundtrack.<\/p>\n<p>Das Konzept hat optisch den Vorteil, dass der Blick weg davon geht, ob alles m\u00f6glichst echt aussieht. Daran kranken deutsche Serien manchmal. Verglichen mit internationalen Hits wie \u00abThe Crown\u00bb wirken hiesige historische Produktionen dann aufgebaut und k\u00fcnstlich, sie entwickeln vor lauter Klappern der Pferdehufe erst gar keinen Sog.<\/p>\n<figure id=\"attachment_126469\" aria-describedby=\"caption-attachment-126469\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/KaDeWe_Serie-70475837.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-126469 size-large\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 425 283'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/KaDeWe_Serie-70475837-425x283.jpg\" alt=\"KaDeWe\" width=\"425\" height=\"283\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-126469\" class=\"wp-caption-text\">Berliner Luxuskaufhaus wird zum Erz\u00e4hlort der Serie (Foto: Wolfgang Kumm\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00abEldorado KaDeWe\u00bb (Untertitel: \u00abJetzt ist unsere Zeit\u00bb) ist als Serie manchmal derb und tr\u00e4gt auch mal dick auf, nicht alles ist perfekt. Aber sie macht vieles gut, auch weil sie nicht zu viele Str\u00e4nge in der Handlung hat. Die Geschichte verbindet vier Menschen wie ein Kleeblatt. Da ist der Juniorchef Harry Jandorf (Joel Basman), ein zu Drogen und Exzessen neigender, sprudelnder Kerl, den sein Trauma aus dem Ersten Weltkrieg in Gestalt eines Kameraden mit abgerissenen Beinen verfolgt. Sein Konterpart ist Georg Karg (Damian Th\u00fcne), der sch\u00fcchterne wie vermeintlich vern\u00fcnftige Buchhalter.<\/p>\n<p>Beide wollen das KaDeWe retten, in Zeiten der Wirtschaftskrise, als ein Brot 86 000 Reichsmark kostet. Ein Weg: reiche Kunden aus dem Ausland (so wie heute). Wird das Kaufhaus so \u00fcberleben? Wird Konkurrent Tietz (gespielt von Comedian Oliver Polak) zum Zuge kommen? Sowohl Harry Jandorf als auch Georg Karg gab es wirklich. Ebenso wahr ist, dass der Hertie-Konzern in den 1920er Jahren das KaDeWe \u00fcbernahm und 1933 von den Nazis enteignet wurde. Auch die lesbische Szene in der Reichshauptstadt inklusive eigener Zeitschriften und das Lokal \u00abEldorado\u00bb existierten wirklich.<\/p>\n<p>Ausgedacht sind die Jandorf-Tochter Fritzi und die Verk\u00e4uferin Hedi. Fritzi (Lia von Blarer) verk\u00f6rpert den Typus \u00abDie Neue Frau\u00bb der Weimarer Republik: eigenst\u00e4ndig und eigensinnig, mit Hosen und Pagenkopf. Hedi (Valerie Stoll) wohnt in bitterer Armut in einem Hinterhof, mit ihrer Schwester M\u00fccke (Neele Buchholz), die das Down-Syndrom hat. Die Ehe mit R\u00fcdiger (Tonio Schneider) soll Hedi ein besseres Leben bringen. Doch die Liebe zu Fritzi stellt alles auf den Kopf. Die (noch) unbekannten Schauspielerinnen Lia von Blarer und Valerie Stoll sind dabei eine echte Entdeckung.<\/p>\n<p>Im Berlin nach dem Ersten Weltkrieg lebten deutlich mehr Frauen als M\u00e4nner. Die Erz\u00e4hlung der Serie spiegelt das, und es passt zur heutigen Debatte, die mehr Frauen im Fernsehen einfordert. Lesbische Liebe zu zeigen, ist dabei keine Avantgarde, die Serie <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/start-von-feel-good-und-the-l-word-generation-q\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abThe L Word\u00bb<\/a> oder Kinofilme wie \u00abBlau ist eine warme Farbe\u00bb und fr\u00fchere Vorl\u00e4ufer waren wegweisend.<\/p>\n<blockquote><p>Neuartig ist, dass wir zur Primetime jetzt mal eine grosse lesbische Liebesgeschichte erleben d\u00fcrfen, ohne dass hier gesagt wird: Das ist anders und das ist problematisch.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abEldorado KaDeWe\u00bb ist da keine Revolution, aber verbindet Unterhaltung mit gesellschaftlicher Relevanz, setzt auf Diversit\u00e4t. Julia von Heinz sagt: \u00abNeuartig ist, dass wir zur Primetime jetzt mal eine grosse lesbische Liebesgeschichte erleben d\u00fcrfen, ohne dass hier gesagt wird: Das ist anders und das ist problematisch. Sie wird uns erz\u00e4hlt wie uns sonst viele Liebesgeschichten an Weihnachten in grosser Form erz\u00e4hlt werden.\u00bb In den intimen Szenen zwischen den Frauen geht es nicht um Bl\u00fcmchensex. \u00abDas war uns wichtig.\u00bb<\/p>\n<p>Bei den Szenen waren nur wenige Leute im Raum, wie von Heinz erz\u00e4hlt. Sie habe nach dem Prinzip der \u00abIntimacy Coaches\u00bb gearbeitet, das sind Fachleute, die daf\u00fcr sorgen, dass keine Grenzen \u00fcberschritten werden. Eine ihrer Beobachtungen am Rande der Serie: \u00abBei uns sind w\u00e4hrend der Dreharbeiten Frauen zu Paaren geworden, die vorher nicht wussten, dass sie lesbisch sind. Dieser Raum hat sich einfach ge\u00f6ffnet.\u00bb<\/p>\n<p>Gedreht wurde die Serie in Budapest und in Berlin, und dort auch im Eingangsbereich des echten KaDeWe am Wittenbergplatz. Von Heinz verspricht eine ganz lange \u00abBinge-Nacht\u00bb, also eine Serie zum Hintereinander-Weg-Gucken. \u00abMan schaltet um 20.15 Uhr ein: Dann wird es sehr emotional. Es wird immer spannender und um 1.30 Uhr ist man fertig mit dieser Serie und hat wirklich viel erlebt, zusammen mit meinen vier Hauptfiguren.\u00bb Und das lohne sich.<\/p>\n<p><strong>Die letzen Versuche der ARD, lesbische Frauen im \u00abTatort\u00bb zu zeigen, gingen eher daneben<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/beim-naechsten-tatort-bitte-weniger-klischees-beim-lesbischen-paar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1920er Jahre in #Berlin: Mit \u00abEldorado KaDeWe\u00bb l\u00e4uft kurz nach Weihnachten etwas Neues im Ersten. Es geht um das #KaDeWe und lesbische Liebe. 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