{"id":126217,"date":"2021-12-15T08:52:17","date_gmt":"2021-12-15T07:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=126217"},"modified":"2021-12-15T09:54:28","modified_gmt":"2021-12-15T08:54:28","slug":"markiert-neue-zeitrechnung-james-webb-all-teleskop-soll-starten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/markiert-neue-zeitrechnung-james-webb-all-teleskop-soll-starten\/","title":{"rendered":"\u00abJames Webb\u00bb-All-Teleskop \u2013 Homophobie-Vorw\u00fcrfe gegen Namensgeber"},"content":{"rendered":"<h3>Jahrzehntelange Planung, Kostenexplosionen, Verschiebungen und dann auch noch eine Namens-Kontroverse wegen schwulenfeindlichen Verhaltens: Der Entstehungsweg von \u00abJames Webb\u00bb war lang und steinig, aber jetzt soll das gr\u00f6sste und leistungsf\u00e4higste Weltraumteleskop endlich starten. Von Christina Horsten und Oliver Pietschmann, dpa<\/h3>\n<p>Seit Jahrzehnten arbeiten und fiebern Astronomen und Weltraum-Ingenieure auf der ganzen Welt auf diesen Tag hin: Am kommenden Mittwoch soll das \u00abJames Webb Space Telescope\u00bb (JWST) nach zahlreichen Verschiebungen nun wirklich ins All starten &#8211; und dabei handele es sich nicht einfach nur um ein weiteres Weltraumteleskop, sondern um den unumstrittenen Star der Flotte, wie Nasa-Managerin Jane Rigby sagt. \u00abWebb hat dermassen transformative F\u00e4higkeiten, dass ich davon ausgehe, dass es eine neue Zeitrechnung markieren wird &#8211; es wird eine Zeit davor und eine Zeit danach geben.\u00bb<\/p>\n<p>Das JWST ist eine rund zehn Milliarden Dollar teure Kooperation der Weltraumagenturen der USA, Kanadas und Europas und soll mit dem Start vom Weltraumbahnhof Kourou in Franz\u00f6sisch-Guayana das gr\u00f6sste und leistungsf\u00e4higste Teleskop werden, das jemals ins All gebracht wurde. Es soll Nachfolger des \u00abHubble\u00bb-Teleskops werden, das seit mehr als 30 Jahren im Einsatz ist, 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und unter anderem mit Hilfe eines 25 Quadratmeter grossen Spiegels neue Bilder aus dem fr\u00fchen Universums liefern. Das Teleskop soll die ersten nach dem Urknall entstandenen Galaxien beobachten.<\/p>\n<p>Der bisherige Weg des gigantischen Teleskops war allerdings so lang und steinig, dass das Fachmagazin \u00abNature\u00bb schon vom \u00abteuersten astronomischen Risiko der Geschichte\u00bb schreibt. Ende der 80er Jahre kam erstmals die Idee eines solchen Teleskops auf, seitdem wird geplant und gebaut. Immer wieder passierten dabei kleinere Missgeschicke, die Planung verz\u00f6gerte sich, die urspr\u00fcnglich auf rund 500 Millionen Dollar gesch\u00e4tzten Kosten schnellten in die H\u00f6he. 2007 hatte das JWST ganz urspr\u00fcnglich einmal starten sollen &#8211; aber der Start verschob sich immer wieder nach hinten, zuletzt, weil sich ein Klemmband ungeplant l\u00f6ste.<\/p>\n<p>Zudem gibt es eine Kontroverse um den Namen, der auf den zweiten Direktor in der Geschichte der Nasa zur\u00fcckgeht. Webb stand in den 60er Jahren der Nasa vor &#8211; zu Zeiten, in denen die Beh\u00f6rde die ersten Menschen ins All schickte, aber auch zu Zeiten, in denen ein Mitarbeiter entlassen wurde unter dem Verdacht, dass er schwul sein k\u00f6nnte. Zahlreiche Wissenschaftler haben bereits eine Umbenennung gefordert, aber der derzeitige Nasa-Chef Bill Nelson lehnt das bislang ab. \u00abWir haben zum derzeitigen Zeitpunkt keine Hinweise gefunden, die eine Namens\u00e4nderung notwendig machen.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Clifford Norton wurde wegen \u00abSchwulen-Aktivit\u00e4ten\u00bb festgenommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/forms\/d\/e\/1FAIpQLSc8JmMhcQgg434B3RxyNuar4wd2O31hNxQPLtKQyhmgUYB4CA\/viewform\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Petition<\/a> zur Umbenennung weist indes auf Beweise zur Entlassung des NASA-Mitarbeiters Clifford Norton hin, was unter Webbs F\u00fchrung geschah. Norton wurde wegen \u00abSchwulen-Aktivit\u00e4ten\u00bb festgenommen, von der Polizei verh\u00f6rt und von der NASA zu seinen sexuellen Aktivit\u00e4ten befragt. Die NASA entliess Norton wegen \u00abunmoralischen Verhaltens\u00bb und aufgrund von Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen, die ihn \u00abf\u00fcr eine weitere Anstellung bei der Regierung ungeeignet\u00bb machten. Obwohl es keine Beweise daf\u00fcr gibt, dass Webb zu diesem Zeitpunkt von dem Vorfall wusste, sagt die Kosmologin Chanda Prescod-Weinstein von der Uni New Hampshire gegen\u00fcber <em>National Public Radio<\/em> (<em>NPR)<\/em>, dass ihn das nicht entlastet.<\/p>\n<p>\u00abEntweder war er ein v\u00f6llig inkompetenter Administrator und wusste nicht, dass sein Sicherheitschef Mitarbeiter in NASA-Einrichtungen verh\u00f6rte, oder er wusste genau, was vor sich ging, und er war in gewisser Weise daran beteiligt, die Verh\u00f6re von jemandem \u00fcber sein Schwulsein zu beaufsichtigen\u00bb, glaubt Prescod-Weinstein.<\/p>\n<p>Viele Wissenschaftler*innen hoffen indes darauf, dass ein erfolgreicher Start all diese Kontroversen nun endlich in den Hintergrund r\u00fccken l\u00e4sst &#8211; und den Weg frei macht f\u00fcr nie da gewesene Forschungsm\u00f6glichkeiten. Sie hoffen auf einen Blick zur\u00fcck in die Fr\u00fchzeit des Weltalls nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren: Auf Bilder von Sternen, die \u00e4lter sind als unser Sonnensystem und vielleicht nicht mehr existieren &#8211; und m\u00f6glicherweise sogar auf Hinweise auf eine zweite Erde.<\/p>\n<p>Nach dem Start an Bord einer \u00abAriane\u00bb-Tr\u00e4gerrakete soll der Weg bis zum Zielorbit etwa vier Wochen dauern, zudem braucht das Herunterk\u00fchlen und Entfalten des riesigen Spiegels und eines Tennisplatz-gro\u00dfen Sonnenschutzes \u00fcber rund 130 Einzelmechanismen und somit Monate. Bis zu ersten Untersuchungen werden wohl ungef\u00e4hr sieben Monate vergehen, erste Bilder werden fr\u00fchestens f\u00fcr den Sommer erwartet. W\u00e4hrend \u00abHubble\u00bb im optischen und ultravioletten Bereich arbeitet, untersucht \u00abJames Webb\u00bb im infrarotnahen. Damit k\u00f6nne das Teleskop, sagte einmal der Astrophysiker John Mather, sogar \u00abvon der Erde aus eine Biene auf dem Mond aufsp\u00fcren\u00bb.<\/p>\n<p>Die Lebensdauer von \u00abJames Webb\u00bb ist erstmal auf zehn Jahre angelegt, dann geht ihm quasi der Treibstoff aus. Dass das Teleskop so weit weg fliegt, birgt dabei auch ein Risiko: W\u00e4hrend \u00abHubble\u00bb in 500 Kilometern H\u00f6he mit Shuttle-Fl\u00fcgen mehrfach repariert und gewartet wurde, geht das beim \u00abJames Webb Space Telescope\u00bb in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung nicht mehr.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberwiege aber erstmal die Aufregung zum Start, sagt Astronomin Heidi Hammel, die seit Jahrzehnten an der Entwicklung des Teleskops mitarbeitet. \u00abEs gibt nicht viele Dinge im Leben, wo man an der Schwelle zu etwas so Grossem steht. Da sind viele Emotionen mit im Spiel.\u00bb<\/p>\n<p>Jon Carmichael will der erste Schwule im All werden:Die Mission wurde vom US-Milliard\u00e4r Jared Isaacman bei SpaceX gebuch<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/inspiration4-jon-carmichael-will-der-erste-schwule-im-all-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">t (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Nach dem britischen Verteidigungsministerium hat sich Anfang des Jahres auch der Geheimdienst MI6 f\u00fcr seinen Umgang mit Homosexuellen entschuldigt. Bis vor 30 Jahren durften sie hier nicht mitspionieren <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/britischer-geheimdienst-mi6-sorry-fuer-lgbtiq-ausschluss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewige Planung, Kostenexplosionen u. eine Namens-Kontroverse wegen #homofeindlichen Verhaltens: Der Entstehungsweg von \u00abJames Webb\u00bb war steinig. 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