{"id":124336,"date":"2021-11-28T10:44:20","date_gmt":"2021-11-28T09:44:20","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=124336"},"modified":"2021-12-01T09:19:27","modified_gmt":"2021-12-01T08:19:27","slug":"40-jahre-aids-und-erste-therapien-ich-war-damals-wie-ein-impfverweigerer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/40-jahre-aids-und-erste-therapien-ich-war-damals-wie-ein-impfverweigerer\/","title":{"rendered":"40 Jahre AIDS und erste Therapien: \u00abIch war damals wie ein Impfverweigerer\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Der 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag und in diesem Jahr ein besonderer Anlass: Vor 40 Jahren machte sich das HI-Virus erstmals in grossem Ausmass bemerkbar. Wir schauen zur\u00fcck und sprechen mit zwei M\u00e4nnern, die mit dem Virus leben.<\/h3>\n<p>Die Stigmatisierung begann schon bei der Taufe. \u00abGay-Related Immune Deficiency\u00bb (GRID) nannten \u00c4rzt*innen den mysteri\u00f6sen Immundefekt, der 1981 erstmals in einem Bericht der US-amerikanischen Centers for Disease Control erw\u00e4hnt wurde. Vor allem junge, bis danhin gesunde M\u00e4nner litten pl\u00f6tzlich an schweren Krankheiten wie dem seltenen Kaposi-Sarkom. In den kommenden vier Jahrzenten w\u00fcrde sich das damals noch unbekannte Virus auf der ganzen Welt ausbreiten und \u00fcber 35 Millionen Todesopfer fordern.<\/p>\n<p>Bereits 1982 wurde der Begriff \u00abGRID\u00bb dank dem US-Biologen Bruce Voeller in AIDS abge\u00e4ndert (\u00abAcquired Immune Deficiency Syndrome\u00bb). Die Assoziation von HIV mit Homosexualit\u00e4t brannte sich jedoch ins kollektive Ged\u00e4chtnis ein \u2013 und das hatte in vielerlei Hinsicht verheerende Folgen. So passte sie etwa haargenau ins Narrativ konservativer Christ*innen, die in der \u00abSchwulenseuche\u00bb mit Genugtuung eine Strafe Gottes sahen. Ignoranz gegen\u00fcber dem Tabuthema HIV und in manchen F\u00e4llen ganz einfach Hass auf die Betroffenen f\u00fchrten dazu, dass diese wie Auss\u00e4tzige behandelt wurden. Die Politik reagierte vielerorts nur sehr langsam auf die AIDS-Krise, da sie ja angeblich \u00abnur\u00bb Schwule und andere Minderheiten wie Heroin\u00adabh\u00e4ngige betraf.<\/p>\n<p>Die gleichg\u00fcltige und zum Teil diskriminierende Haltung der Regierungen zwang die Betroffenen und ihre Verb\u00fcndeten dazu, sich selbst zu helfen. Vor allem Organisationen, die den Patient*innen medizinischen und sozialen Beistand boten, nahmen zu Beginn eine \u00e4usserst wichtige Rolle ein. Dazu geh\u00f6rten Gay Men\u2019s Health Crisis (gegr\u00fcndet 1982 in New York), der Terrence Higgins Trust (1982 in London) und AIDES (1984 in Paris). F\u00fcr mehr Aufkl\u00e4rung und Unterst\u00fctzung der Kranken gr\u00fcndete sich 1983 in Berlin die Deutsche Aidshilfe, 1985 in Z\u00fcrich die Aids-Hilfe Schweiz.<br \/>\nSchnell wuchs das Bed\u00fcrfnis, den Aktivismus zu politisieren und Druck auf die Regierenden aufzubauen. Besonders laut und erfolgreich war dabei der 1987 in New York gegr\u00fcndete Interessenverband ACT UP. Er bewirkte unter anderem eine Demokratisierung des Gesundheitssystems und beschleunigte das Erproben neuer Therapien.<\/p>\n<p><strong>Tabus brechen auf<\/strong><br \/>\nDer AIDS-Tod ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten wie derjenige von Rock-Ikone Freddie Mercury 1991 r\u00fcttelten die Gesellschaft auf (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/freddie-mercury-hat-sich-nie-in-eine-schublade-stecken-lassen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Das Virus konnte nicht l\u00e4nger ignoriert werden. Kino und Fernsehen tabuisierten HIV nicht mehr konsequent (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/40-jahre-aids-4-am-anfang-war-die-angst%e2%80%af-hiv-in-tv-und-film\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Der Film \u00abPhiladelphia\u00bb (1993) mit Tom Hanks in der Hauptrolle thematisierte die Diskriminierung von AIDS-Kranken in den USA.<\/p>\n<p>Parallel zu den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen half der medizinische Fortschritt \u00fcber die Jahre, die Lage zu verbessern: 1984 isolierten franz\u00f6sische Wissenschaftler*innen das HI-Virus, was fortan Tests erm\u00f6glichte. Als zudem klar wurde, wie das Virus \u00fcbertragen wird, konnten Safer-Sex-Kampagnen durchgef\u00fchrt werden (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/40-jahre-aids-4-am-anfang-war-die-angst%e2%80%af-hiv-in-tv-und-film\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Antivirale Medikamente wie AZT verl\u00e4ngerten ab 1990 zumindest das Leben der Patient*innen \u2013 allerdings auf Kosten von extremen Nebenwirkungen. Erst 1995 sorgte ein Medikamentencocktail daf\u00fcr, dass HIV f\u00fcr die meisten Betroffenen kein Todesurteil mehr war, sondern eine chronische Krankheit. Heute bestehen bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn gute Chancen auf eine normale Lebenserwartung. Mit einer erfolgreichen Therapie ist HIV selbst beim Sex nicht \u00fcbertragbar. Einen Weg zur Heilung gibt es jedoch weiterhin nicht.<\/p>\n<p>Aktuell leben in \u00d6sterreich rund 9000 Menschen mit dem HI-Virus, in der Schweiz \u00fcber 16\u2009000 Menschen und in Deutschland sind es knapp 100\u2009000 \u2013 weltweit sind es mehr als 37 Millionen. Das \u00abGemeinsame Programm der Vereinten Nationen f\u00fcr HIV\/AIDS\u00bb hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2025 95\u2009% aller Infizierten ihren Status kennen und wiederum 95\u2009% davon eine entsprechende medizinische Behandlung erhalten (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/40-jahre-aids-3-unaids-chefin-fordert-mehr-einsatz-gegen-diskriminierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>).<\/p>\n<hr \/>\n<h1>Das Virus im Schatten<\/h1>\n<figure id=\"attachment_124529\" aria-describedby=\"caption-attachment-124529\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-124529\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/max-krieg-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-124529\" class=\"wp-caption-text\">Mehrere negative Tests gaben Max eine \u00abtr\u00fcgerische Sicherheit\u00bb. (Bild: Pascal Triponez)<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Max lebt seit \u00fcber 25 Jahren mit HIV. Aus Angst erz\u00e4hlte er lange niemandem davon und verzichtete auf eine Therapie \u2013 mit schlimmen Folgen.<\/h3>\n<p>\u00abBist wirklich ein Idiot!\u00bb Dieser an sich selbst gerichtete Tadel ging Max Krieg Ende des Jahres 1999 durch den Kopf. Ein positiver HIV-Test. Er musste sich vier oder f\u00fcnf Jahre zuvor bei einer von zwei ungesch\u00fctzten aktiven Analpenetrationen angesteckt haben. Ausgerechnet Max, ein AIDS-Aktivist der ersten Stunde.<\/p>\n<p>Wir reisen noch weiter zur\u00fcck in die Vergangenheit: 1981 erf\u00e4hrt die europ\u00e4ische LGBTIQ-Community von den ersten AIDS-F\u00e4llen in den USA. Die Nachrichten ver\u00e4ngstigen und alarmieren vor allem schwule M\u00e4nner. Doch die meisten h\u00e4tten den Ernst der Lage damals noch nicht erkannt, erinnert sich der heute 75-j\u00e4hrige Max. \u00abViele dachten, es w\u00e4ren bloss die betroffen, die f\u00fcr promiskuitive Aktivit\u00e4ten nach Los Angeles oder New York reisten.\u00bb Es dauerte eine Weile, bis klar war, dass AIDS alle betrifft.<\/p>\n<p><strong>Als Kondomschmuggler im Einsatz<\/strong><br \/>\nMax, der in der N\u00e4he von Olten aufwuchs, lebte damals aus beruflichen Gr\u00fcnden in Lugano. Dort half er ab 1985 mit, die Aids-Hilfe Tessin aufzubauen. Er bet\u00e4tigte sich gar als internationaler Kondomschmuggler: In Italien waren die Pr\u00e4servative schwieriger zu bekommen, die Hemmschwelle, danach zu fragen, gross. Mit dem \u00abHot Rubber\u00bb produzierte die <a href=\"https:\/\/aids.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aids-Hilfe Schweiz<\/a> ausserdem ein speziell f\u00fcr den Analverkehr designtes Kondom. \u00abRegelm\u00e4ssig schmuggelte ich einige Kartons davon in eine Mail\u00e4nder Buchhandlung.\u00bb Auch organisierte Max anonyme HIV-Tests in Tessiner Spit\u00e4lern. Ein Angebot, das vom Bundesamt f\u00fcr Gesundheit unterst\u00fctzt wurde. Er selbst liess sich im Zuge von verdeckten Kontrollen dort mehrfach testen \u2013 immer mit negativem Resultat. \u00abDas gab mir f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre eine tr\u00fcgerische Sicherheit\u00bb, sagt Max. Seinen n\u00e4chsten Test w\u00fcrde er erst 1999 aufgrund von wiederkehrenden Zuckungen der Gesichtsmuskulatur machen.<\/p>\n<blockquote><p>Regelm\u00e4ssig schmuggelte ich einige Kartons mit Kondomen in eine Mail\u00e4nder Buchhandlung<\/p><\/blockquote>\n<p>Das positive Testresultat hielt er geheim \u2013 aus Angst vor Stigma\u00adtisierung und weil es ihm peinlich war, dass ausgerechnet ihm das passiert ist (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/dating-mit-hiv-sag-ichs-oder-sag-ichs-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Max fasste ausserdem einen verheerenden Entschluss: Er verzichtete auf die damalige Standardtherapie mit drei Medikamenten, obwohl sein CD4-Wert bereits auf 200 abgesunken war. CD4-Lymphozyten sind f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen den Abwehrzellen verantwortlich; gesunde Menschen haben davon 500 bis 1400 pro Mikroliter Blut. Ab 200 besteht ein hohes Risiko f\u00fcr schwere aidsdefinierende Krankheiten. Doch der Erfolg versprechende Medikamentencocktail passte seiner Ansicht nach nicht zu seinem Lebensstil. Max wollte seinem K\u00f6rper, in dem er sich ja eigentlich gesund f\u00fchlte, keine \u00abChemie\u00bb zumuten. Stattdessen experimentierte er mit alternativen Heilmethoden, was er r\u00fcckblickend sehr bereut. \u00abIch war damals wie ein Impfverweigerer von heute: Es gab ein Mittel, aber ich wollte es einfach nicht nehmen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abEs h\u00e4tte viel schlimmer kommen k\u00f6nnen\u00bb<\/strong><br \/>\nIm Jahr 2002 erlitt er dann einen Zusammenbruch. Sein CD4-Wert lag zeitweise bei 20. Danach startete er die Dreiertherapie und sie war erfolgreich. Zwei Jahre sp\u00e4ter kam es jedoch zu vor\u00fcbergehenden Verlusten der Sehkraft und schliesslich zu einem erneuten Zusammenbruch mit Einweisung ins Krankenhaus. Sein Chef wollte damals wissen, ob das etwas mit HIV zu tun habe \u2013 und Max gab ihm die ehrliche Antwort. Daraufhin versuchte man, ihn in die Invalidenrente auszulagern. Dank neuen Therapieerfolgen mit angepasster Medikation schaffte er es zur\u00fcck in die Berufst\u00e4tigkeit und konnte die Auslagerung verweigern. Heute lebt er so gut wie beschwerdefrei mit einem CD4-Wert von \u00fcber 400.<\/p>\n<p>Max, der seit 1989 in Bern wohnt, engagierte sich \u00fcber die Jahre unter anderem bei den Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern und bei <a href=\"https:\/\/www.pinkcross.ch\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pink Cross<\/a>. Ausserdem geht er nun offener mit seinem HIV-Status um. \u00abAlles auch aus Dankbarkeit f\u00fcr mein zweites Leben, denn es h\u00e4tte noch viel schlimmer kommen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<h1>Das Virus im Rampenlicht<\/h1>\n<figure id=\"attachment_124697\" aria-describedby=\"caption-attachment-124697\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-124697\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story.jpg\" alt=\"Wald thinking\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Michael-online-story-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-124697\" class=\"wp-caption-text\">Michael hat einen Weg gefunden offen mit der Diagnose umzugehen und dabei anderen zu helfen (Foto: zvg)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit Offenheit und Fitnessvideos gegen Vorurteile: Michael ist trotz HIV gesund, und das sollen alle erfahren.<\/strong><\/p>\n<p>Das Licht geht an und der Protagonist des Videos kommt gleich auf den Punkt: \u00abHi, ich heisse Michael, bin 20 Jahre alt und genau heute vor einem Jahr bekam ich die Diagnose HIV-positiv.\u00bb Der Clip, den der Linzer im vergangenen Jahr auf Facebook und Youtube gepostet hat, ist Aufkl\u00e4rung und Aufruf zum Handeln in einem.<\/p>\n<p>\u00abMir geht es gut\u00bb, sagt Michael Hofbauer, der als Programmierer von Industrierobotern arbeitet und sich selbst als \u00abFitnessfreak\u00bb und \u00abPartyanimal\u00bb bezeichnet. Er postet auf Instagram Reisebilder und Workoutvideos, in denen er sich gerne auch mal oben ohne zeigt. Es scheint, als wolle Michael dem Virus demonstrativ klarmachen, dass er sich von ihm nicht einschr\u00e4nken l\u00e4sst. Damit erkl\u00e4rt er zugleich der \u00d6ffentlichkeit, dass HIV-Betroffene heute ein gl\u00fcckliches, erf\u00fclltes und gesundes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Eine Tablette t\u00e4glich m\u00fcsse er noch einnehmen \u2013 ansonsten habe das Virus keinerlei Einfluss auf seinen Alltag.<\/p>\n<blockquote><p>Ein Gespr\u00e4chspartner zu haben ist Balsam f\u00fcr die Seele<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Diagnose bekam der heute 22-J\u00e4hrige am 18. Februar 2019. Sein damaliger Freund erhielt ein positives Testergebnis, woraufhin sich auch Michael testen liess. Da seine Infizierung nur kurz davor passiert war, stellte sich sein erster Test noch als negativ heraus. \u00abErst nach einigen Tagen, als sich das Virus genug vermehrt hatte, konnte man es nachweisen\u00bb, erkl\u00e4rt Michael. \u00abDann starteten wir sofort mit der Therapie.\u00bb Dass er so fr\u00fch handeln konnte, sei \u00abGl\u00fcck im Ungl\u00fcck\u00bb gewesen.<br \/>\n\u00abAber zuvor hatte ich zwei Wochen lang bangen m\u00fcssen, ob ich mich nun infiziert hatte oder nicht.\u00bb Diese Ungewissheit sei eine Qual gewesen. W\u00e4hrend dieser Zeit habe er viel \u00fcber sich und seine Situation nachgedacht, sich mit dem Thema HIV auseinandergesetzt \u2013 niemals aber mit seinem Schicksal gehadert. \u00abSolche Dinge k\u00f6nnen nun mal passieren. Man sollte, egal wie schlecht oder frustrierend es ist, das Beste daraus machen und sein Leben mit Freude weiterleben!\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abIch wusste zu wenig \u00fcber HIV\u00bb<\/strong><br \/>\nAls nach dieser Zeit der Ungewissheit der Bescheid kam, dass Michael HIV-positiv ist, war sein erstes Gef\u00fchl tats\u00e4chlich Erleichterung. Denn jetzt wusste er, woran er war, und konnte sich damit arrangieren. \u00abIch wusste davor definitiv zu wenig \u00fcber HIV\u00bb, sagt er heute r\u00fcckblickend. Das treffe auch auf unsere Gesellschaft zu. Deshalb habe er es sich zur Aufgabe gemacht, \u00fcber das Thema zu reden. Er will sich als Ansprechperson und Repr\u00e4sentant f\u00fcr Betroffene einsetzen und alle anderen \u00fcber HIV aufkl\u00e4ren. Wie konsequent und direkt Michael diese Aufgabe in Angriff nimmt, konnte man etwa an der diesj\u00e4hrigen Vienna Pride sehen. Dort hatte sich der Linzer folgenden Schriftzug auf seinen Oberk\u00f6rper geschrieben: \u00abFragen zu HIV? Frag doch einen Betroffenen.\u00bb<\/p>\n<p>Dank dieser Offenheit, mit der er letztlich auch Diskriminierung bek\u00e4mpfen m\u00f6chte, komme es immer wieder zu spannenden Gespr\u00e4chen. \u00abViele wollen wissen, wie denn heute der Verlauf dieser Infektion ausschaut und ob ich vielleicht daran sterben werde\u00bb, erz\u00e4hlt Michael. Er hat festgestellt, dass junge Menschen vorurteilsfreier mit dem Thema umgehen als \u00e4ltere. Das liege wohl daran, dass diese Generation die schlimmsten Jahre der AIDS-Krise miterlebt habe und davon gepr\u00e4gt wurde, vermutet er.<\/p>\n<p><strong>Einsatz gegen Ausgrenzung<\/strong><br \/>\nDiese Tendenz zeigt sich auch in den Reaktionen aus seinem Umfeld: W\u00e4hrend seine Freund*innen nach dem ersten Schrecken schnell verstanden haben, dass es Michael nicht schlecht gehen wird, brauchten seine Eltern l\u00e4nger, um den Schock zu verdauen. Sie mussten erst lernen, dass die Medizin Fortschritte gemacht hat und ihr Sohn weiterhin ein normales Leben f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Diese Art von Aufkl\u00e4rung w\u00fcnscht sich Michael. Und er findet, die Politik m\u00fcsse dabei mithelfen \u2013 etwa mit dem Finanzieren von Workshops an Schulen und in Firmen. Der Umgang mit HIV und chronischen Krankheiten sei zwar besser geworden, aber es sei noch nicht alles so, wie es sein sollte. Er selber biete durch den offenen Umgang mit seiner Infektion zwar weniger Angriffsfl\u00e4che, doch immer wieder vernehme er, wie HIV-positive Menschen von \u00c4rzt*innen oder Berufskolleg*innen diskriminiert w\u00fcrden. Selbst in der LGBTIQ-Community komme es zu Ausgrenzung. Das d\u00fcrfe man nicht akzeptieren.<\/p>\n<p>Michael will sich deshalb weiterhin engagieren \u2013 aufgeschlossen und unverkrampft. Bereits kleine Gesten k\u00f6nnen dabei grosse Wirkung zeigen. \u00abNur schon einen Gespr\u00e4chspartner zu haben, der zuh\u00f6rt und sie nicht verurteilt, ist Balsam f\u00fcr die Seele der Betroffenen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1. Dezember ist #WeltAIDSTag. Vor 40 Jahren machte sich das HI-Virus erstmals in grossem Ausmass bemerkbar. Wir schauen zur\u00fcck und sprechen mit zwei M\u00e4nnern, die mit #HIV  leben. 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