{"id":121207,"date":"2021-10-08T08:49:26","date_gmt":"2021-10-08T06:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=121207"},"modified":"2021-10-12T09:54:16","modified_gmt":"2021-10-12T07:54:16","slug":"blutspende-es-geht-nicht-nur-um-ein-paar-schwule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/blutspende-es-geht-nicht-nur-um-ein-paar-schwule\/","title":{"rendered":"\u00abEs geht nicht nur um ein paar Schwule, die kein Blut spenden k\u00f6nnen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Gefordert wird die Beseitigung der pauschalen Ausschlussregelungen f\u00fcr homo- und bisexuelle M\u00e4nner und trans Personen bei der Blutspende. Ein Dutzend grosser \u00f6sterreichischer Unternehmen unterst\u00fctzt die Petition. Die \u00dcbergabe sollte an diesem Freitag stattfinden, musste aber verschoben werden.<\/h3>\n<p>Die Initiative entstand nach einem traurigen Anlass: Ein RBI-Mitarbeiter und sein Lebensgef\u00e4hrte erkrankten im vergangenen Jahr an Corona. Doch w\u00e4hrend der Mitarbeiter nach drei Wochen wieder auf dem Damm war, ging es seinem Partner immer schlechter. Er musste intensivmedizinisch behandelt werden und ben\u00f6tigte in einem letzten Therapieansatz Blutplasma-Infusionen mit COVID-Antik\u00f6rpern \u2013 damals ein sehr knappes Gut.<\/p>\n<p>Der RBI-Mitarbeiter hatte, weil er genesen war, eben jene Antik\u00f6rper. Doch aufgrund der bestehenden Richtlinien kam er nicht einmal in dieser verzweifelten Lage als Spender in Frage. Diese Regelung ist gleichzeitig so absurd und unbekannt, dass die diensthabende \u00c4rztin den RBI-Mitarbeiter nichtsahnend \u00fcberhaupt erst als Spender ins Gespr\u00e4ch brachte. Nachdem sie sich \u00fcber die Rechtslage informiert hatte, musste sie dem Partner schliesslich mitteilen, dass er tats\u00e4chlich nicht helfen durfte. Im Januar dieses Jahres starb sein Lebensgef\u00e4hrte.<\/p>\n<p>Der Fall hat viele betroffen gemacht und aufgew\u00fchlt. Jetzt haben sich der Initiative der RBI mehrere grosse \u00f6sterreichische Unternehmen angeschlossen, um die diskriminierende Blutspendepraxis zu beenden <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/raiffeisen-bank-microsoft-telekom-blutspende-ohne-diskriminierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Zu Anfang waren es Telekom Austria, Accenture \u00d6sterreich, Avanade \u00d6sterreich, IKEA Austria, Microsoft \u00d6sterreich und PwC \u00d6sterreich. Im Laufe der Woche sind noch SAP, die Wirtschaftsuni Wien, Austrian, Anyline und die Boston Consulting Group dazu gekommen.<\/p>\n<p>Ihr gemeinsames Ziel: Die Regelung soll sich k\u00fcnftig am Risikoverhalten der Spenderin bzw. des Spenders orientieren, nicht aber an deren sexueller Orientierung, erkl\u00e4rte RBI-CEO Johann Strobl vergangene Woche anl\u00e4sslich eines Pressetermins. Als Zeichen, dass man es ernst meinte, wurde draussen vorm Hauptgeb\u00e4ude die Regenbogenflagge gehisst.<\/p>\n<p>\u00abWir pl\u00e4dieren statt des pauschalen Ausschlusses f\u00fcr die gezielte Befragung aller Spender*innen nach ihrem individuellen Risikoverhalten. Damit wollen wir ein Zeichen gegen Diskriminierung und f\u00fcr mehr Inklusion und Chancengleichheit setzen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung von Blutspenden im Arbeitsumfeld geh\u00f6re laut Strobl f\u00fcr die RBI, aber auch f\u00fcr viele andere Unternehmen zur gesellschaftlichen Verantwortung. Darum stellen sie Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz regelm\u00e4ssig ihre R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung und laden ihre Mitarbeiter*innen zur Blutspende ein: Allein am Hauptsitz am Stadtpark sind es insgesamt 2500, weitere arbeiten bei den Verbundunternehmen. Dem Aufruf folgen auch stets grosse Teile der Belegschaft. Doch die eigenen Leute m\u00fcssen wieder weggeschickt werden: Schwule, Bi-M\u00e4nner, trans Personen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_121223\" aria-describedby=\"caption-attachment-121223\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-121223 size-large\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 425 262'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-425x262.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"262\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-425x262.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-300x185.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-768x473.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-561x346.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-265x163.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-531x327.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-364x224.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-728x449.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-608x375.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-758x467.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-78x48.jpg 78w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-156x96.jpg 156w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg-400x247.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/BkZ6yPyn.jpg.jpg 1100w\" data-sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-121223\" class=\"wp-caption-text\">Ronald Wiesinger (Foto: MANNSCHAFT)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Grund ist der vom Roten Kreuz verwendete standardisierte Anamnesebogen. Doch der widerspricht im Umgang mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten dem Ziel von RBI, Microsoft u.a., den Mitarbeiter*innen ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu erm\u00f6glichen. Da will man nicht mehr mitmachen.<\/p>\n<p>Ronald Wiesinger arbeitet bei RBI im Bereich Capitals Markets und engagiert sich nebenbei bei \u00abEmbrace\u00bb, dem LGBTIQ Netzwerk der RBI. \u00abVon allen, denen man es erz\u00e4hlt, glaubt niemand, dass es so eine Regel noch gibt: Dass man M\u00e4nner von der Blutspende ausschliesst, die Sex mit M\u00e4nnern haben, aber deren Blut v\u00f6llig gesund ist\u00bb, sagt der 53-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Bei Embrace engagieren sich 12 Leute in einem Kernteam. Rund 130 quere und nicht-quere Personen, die sich als Allies empfinden, unterst\u00fctzen das Netzwerk. Embrace geht auf die Initiative zweier Kollegen zur\u00fcck. \u00abLustigerweise zwei Nicht-\u00d6sterreicher, die bei RBI arbeiten und tolle Aufbauarbeit geleistet haben\u201c, erkl\u00e4rt Wiesinger. \u00abDas war am Anfang sicher schwer. Das Thema LGBTIQ war zu Anfang gar nicht pr\u00e4sent.\u00bb<\/p>\n<p>Heute ist das anders. Bei der RBI hat sich in den letzten Jahren viel bewegt, sagt Wiesinger. 2017 trat die AG der Charta der Vielfalt bei. Eine besondere Herausforderung ist die Situation in L\u00e4ndern wie Russland, aber auch beispielsweise in Ungarn, wo LGBTIQ Rechte von der Regierung immer weiter eingeschr\u00e4nkt werden. In Ungarn allerdings ist die diskriminierende Regel f\u00fcr MSM bereits gefallen<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ausgerechnet-brasilien-und-ungarn-streichen-blutspendeverbot\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Die RBI gibt es dort auch, Embrace noch nicht. \u00abAber das ist eins unserer Ziele, es dort zu gr\u00fcnden\u00bb, sagt Wiesinger.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach \u00d6sterreich. Jedes Jahr im Sommer werden die Blutreserven knapp. Das Rote Kreuz fuhr auch dieses Jahr wieder eine Kampagne, die die Menschen aufrief: Bitte geht spenden! \u00abUnd dann schliesst man da gesunde Menschen aus\u00bb, wundert sich Wiesinger. \u00abZumal ja jede Blutspende getestet werden muss, bevor sie verabreicht wird.\u00bb<\/p>\n<p>Ausserdem gebe es wohl gen\u00fcgend Heterosexuelle, die auch unsafen Sex praktizierten. \u00abMachen wir doch die Augen auf!\u00bb, sagt Wiesinger. Der betroffene Mitarbeiter, der als Spender f\u00fcr seinen eigenen Partner nicht in Frage kam, sei das konkrete Gegenbeispiel: Er war gesund, sie f\u00fchrten ein monogames Beziehungsleben. \u00abWelche Ehefrau kann sich denn darauf verlassen, dass ihr Mann keine aussereheliche Aff\u00e4re hat? Das ist doch absurd.\u00bb<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich d\u00fcrfe bei Blutprodukten keine Kompromisse bei der Sicherheit gemacht werden, erkl\u00e4rt Andrea Brunner von der AIDS-Hilfe Wien. \u00abRegelungen anderer L\u00e4nder zeigen jedoch, dass Sicherheit auch ohne pauschale R\u00fcckstellung von dadurch diskriminierten Personengruppen erreicht werden kann.\u00bb<\/p>\n<p>Beim Roten Kreuz sieht man das anders. Man trage die medizinische Verantwortung, \u00d6sterreich mit sicheren Blutkonserven fl\u00e4chendecken zu versorgen, heisst es in einem Statement gegen\u00fcber MANNSCHAFT. \u00abEs ist aber Aufgabe der Politik, gesellschaftliche und gesundheitliche Interessen abzuw\u00e4gen. Und in weiterer Folge ist es auch Aufgabe der Politik, diese Entscheidungen in Gesetze zu giessen.\u00bb<\/p>\n<p>Wissenschaftlicher Hintergrund f\u00fcr die R\u00fcckstellung von derzeit 12, k\u00fcnftig wohl vier Monaten f\u00fcr M\u00e4nner, die Sex mit M\u00e4nnern haben (MSM), sei der Schutz vor schweren, durch Blut \u00fcbertragbaren Infektionskrankheiten wie etwa HIV oder Hepatitis. Denn selbst bei modernsten Tests bleibe ein Restrisiko f\u00fcr \u00dcbertragung, da in einem fr\u00fchen Krankheitsstadium die Infektion noch nicht im Blut nachgewiesen, aber bereits \u00fcbertragen werden k\u00f6nne, so das Rote Kreuz. \u00abM\u00e4nner, die Sex mit M\u00e4nnern haben, weisen ein deutlich erh\u00f6htes Risiko einer HIV-Infektion auf. In \u00d6sterreich betreffen mehr als 50%, also jede zweite HIV-Neuinfektion, diese Gruppe.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Wenn man glaubt, man hat seine Arbeit getan, wenn man MSM ausschliesst \u2013 das stimmt nicht!<\/p><\/blockquote>\n<p>Wiesinger glaubt dagegen, dass die aktuelle Praxis die Blutsicherheit gef\u00e4hrdet. \u00abWenn man glaubt, man hat seine Arbeit getan, wenn man MSM ausschliesst \u2013 das stimmt nicht. Man muss das individuelle Risikoverhalten anschauen.\u00bb<\/p>\n<p>Er glaubt fest an einen Erfolg der Petition der zehn Unternehmen, auch weil der RBI-Vorstandsvorsitzende Strobl klar dahintersteht. \u00abDa hat sich viel bei uns in der Bank getan, nicht zuletzt durch die Blutspende-Initiative\u00bb, erkl\u00e4rt Wiesinger. \u00abDa geht es nicht nur um ein paar Schwule, die kein Blut spenden k\u00f6nnen. Es geht um etwas Gr\u00f6sseres.\u00bb<\/p>\n<p>Die \u00dcbergabe der Petition an Gesundheitsminister Wolfgang M\u00fcckstein sollte an diesem Freitag stattfinden, wurde aber auf kommenden Woche verschoben, da der Minister erkrankt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#Wien Grosse Unternehmen fordern ein Ende der Diskriminierung von #schwulen &#038; #bisexuellen M\u00e4nnern und #trans Personen bei der Blutspende. 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