{"id":120935,"date":"2021-10-04T14:26:28","date_gmt":"2021-10-04T12:26:28","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=120935"},"modified":"2021-10-06T09:51:09","modified_gmt":"2021-10-06T07:51:09","slug":"grosse-freiheit-maennliche-naehe-im-deutschen-nachkriegsknast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/grosse-freiheit-maennliche-naehe-im-deutschen-nachkriegsknast\/","title":{"rendered":"\u00abGrosse Freiheit\u00bb: M\u00e4nnliche N\u00e4he im Nachkriegsknast"},"content":{"rendered":"<h3>Im zweiten Spielfilm von Sebastian Meise (\u00abStillleben\u00bb) kommen sich ein schwuler Deutscher und ein heterosexueller \u00d6sterreicher im Gef\u00e4ngnis \u00fcber Jahrzehnte langsam n\u00e4her: \u00abGrosse Freiheit\u00bb<strong>.<\/strong><\/h3>\n<p>1968 landet Hans (Franz Rogowski) wieder im Knast \u2013 weil er einmal mehr gegen den Paragraphen 175 verstossen hat. Konkret: Er wurde auf einer \u00f6ffentlichen Toilette bei schwulen Sexkapaden gefilmt. Hinter Gittern trifft er Viktor (Georg Friedrich) wieder, den er w\u00e4hrend seines ersten Aufenthalts 1945 unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Zellengenossen kennengelernt hat, und der ihm bei der zweiten Gef\u00e4ngnisstrafe 1957 in seiner schwersten Zeit geholfen hat.<\/p>\n<p><strong>Gekonntes visuelles Spiel mit der absoluten Finsternis<br \/>\n<\/strong>Regisseur und Ko-Autor Sebastian Meise, dessen cineastischer Mentor kein geringerer als Michael Haneke (\u00abDas weisse Band\u00bb) ist, schildert anhand drei ineinander verschachtelter Zeitebenen die sich sachte entwickelnde, ungew\u00f6hnliche Freundschaft zweier v\u00f6llig unterschiedlicher M\u00e4nner, die sich im kaltherzigen Knastalltag menschliche W\u00e4rme geben. Meise schl\u00e4gt dabei ein gem\u00e4chliches Erz\u00e4hltempo ein, wodurch das Publikum umso intensiver am Geschehen teilnimmt. Besonders eindr\u00fccklich sind die Szenen im \u00abLoch\u00bb, der vor\u00fcbergehenden Einzelhaft zur Bestrafung, nicht zuletzt dank dem gekonnten visuellen Spiel mit der absoluten Finsternis, die in der Zelle herrscht.<\/p>\n<p>Gewohnt grossartig agieren Franz Rogowski (35) und Georg Friedrich (54), gegenw\u00e4rtig zwei der markantesten Charakterk\u00f6pfe des deutschsprachigen Kinos, in ihrem ersten gemeinsamen Film: Ihr so kraftvolles wie sensibles Spiel verleiht den Figuren eine Authentizit\u00e4t, die mitreisst. Sie sorgen auch haupts\u00e4chlich daf\u00fcr, dass \u00abGrosse Freiheit\u00bb als schonungsloser Knastfilm genauso einwandfrei funktioniert wie als subtiles Schwulendrama. Bei aller Melancholie, um nicht zu schreiben Tristesse, punktet das Werk zwischendurch auch mit leisem Humor \u2013 am allermeisten vielleicht in der Schlussszene, die an dieser Stelle nat\u00fcrlich nicht verraten sei.<\/p>\n<p>Jedenfalls hat sich \u00abGrosse Freiheit\u00bb den Jurypreis in der Kategorie \u00abUn Certain Regard\u00bb beim Festival von Cannes redlich verdient <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/grosse-freiheit-starker-film-beim-festival-cannes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CLQZoNZEOVU\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Bereits am Donnerstag er\u00f6ffnete das 29. Hamburger Filmfest mit \u00abGrosse Freiheit\u00bb. Bis zum 9. Oktober 2021 sind 110 neue Filme, darunter Sieger aus Venedig, Cannes und Locarno in der Hansestadt zu sehen.<\/p>\n<p><strong>\u00abGrosse Freiheit\u00bb (Kinostart A: 12. November, CH\/D: 18. November)<\/strong><br \/>\nA\/D 2021. Regie: Sebastian Meise. Mit Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zweiten Spielfilm von Sebastian Meise \u00abGrosse Freiheit\u00bb kommen sich zwei M\u00e4nner im Knast \u00fcber Jahrzehnte langsam n\u00e4her. 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