{"id":119831,"date":"2021-09-20T15:00:42","date_gmt":"2021-09-20T13:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=119831"},"modified":"2021-09-26T17:53:05","modified_gmt":"2021-09-26T15:53:05","slug":"manuela-ronzani-die-svp-politikerin-die-fuer-die-ehe-fuer-alle-mitkaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/manuela-ronzani-die-svp-politikerin-die-fuer-die-ehe-fuer-alle-mitkaempft\/","title":{"rendered":"Die SVP-Politikerin, die f\u00fcr die Ehe f\u00fcr alle mitk\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<h3>Nicht alle SVP-Politiker*innen sind gegen die Ehe f\u00fcr alle. Die St. Galler Stadtparlamentarierin Manuela Ronzani greift dabei auf das ureigene SVP-Argument zur\u00fcck: Der Staat soll sich aus den pers\u00f6nlichen Angelegenheiten seiner B\u00fcrger*innen raushalten.<\/h3>\n<p><strong>Manuela Ronzani, aus welchem Grund unterst\u00fctzen Sie die Ehe f\u00fcr alle?<br \/>\n<\/strong>Die Ehe ist f\u00fcr mich im Kern nichts anderes als die staatliche Anerkennung, dass zwei Menschen verbindlich f\u00fcreinander Rechten und Pflichten eingehen m\u00f6chten. Es ist ein zivilrechtliches Konstrukt. Bei einem homosexuellen Paar kommt aber im Moment der Staat und mischt sich in diese private Beziehung ein und verbietet es diesem Paar, zu heiraten. Der Staat wertet also Beziehungen und r\u00fcckt in die pers\u00f6nliche Lebensgestaltung vor, was ihn schlicht nichts angeht.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit der eingetragenen Partnerschaft besteht, die es gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt, eine \u00abehe\u00e4hnliche\u00bb Gemeinschaft zu f\u00fchren. Diese M\u00f6glichkeit <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/diskriminierung-bei-einbuergerung-ehe-fuer-alle-muss-kommen\/\">unterscheidet sich aber in einigen Punkten<\/a>, ist also nicht gleich, sondern nur \u00e4hnlich zur Ehe.<\/p>\n<p>Ich bin f\u00fcr die \u00abEhe f\u00fcr alle\u00bb, weil ich in einem Staat leben m\u00f6chte, der sich aus der pers\u00f6nlichen Lebensgestaltung raush\u00e4lt, der Beziehungen nicht wertet und gleiche Rechte und Pflichten f\u00fcr alle garantiert. Ein Ja zur \u00abEhe f\u00fcr alle\u00bb bedeutet auch mehr Rechtssicherheit f\u00fcr Kinder aus einer gleichgeschlechtlichen Beziehung.<\/p>\n<p><strong>Bringen Sie sich auch aktiv in den Abstimmungskampf ein?<br \/>\n<\/strong>Ja, ich bin Mitglied im \u00abSVP-Komitee Ehe f\u00fcr alle\u00bb und durfte w\u00e4hren des Abstimmungskampfes an einigen Podien teilnehmen und so f\u00fcr die\u00a0Ehe f\u00fcr alle mitk\u00e4mpfen. Von grossem Wert sind auch die Diskussionen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, die ich gerne f\u00fchre.<\/p>\n<p><strong>Bei der SVP St. Gallen stand auch mal eine Stimmfreigabe zur Debatte. Diese wurde aber mit dem Argument, die SVP habe immer eine Meinung, abgelehnt. Im Anschluss wurde eine deutliche Nein-Parole gefasst. \u00c4rgert Sie das?<br \/>\n<\/strong>Noch mehr \u00e4rgert mich, dass anstelle der Stimmfreigabe nicht die Ja-Parole gefasst wurde, da sich die SVP eigentlich daf\u00fcr einsetzt, dass sich der Staat aus der Privatsph\u00e4re der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger fernhaltet. Wir k\u00f6nnen die Nein-Parole der SVP St.Gallen aber auch als Chance sehen, denn so werden mehr Bef\u00fcrworter mobilisiert. Es kann gef\u00e4hrlich sein, wenn wir uns wegen der <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/umfragen-sehen-sieg-fuer-ehe-fuer-alle-weiter-vorn\/\">aktuellen Umfragen mit einem Ja-Trend<\/a> in Sicherheit\u00a0wiegen und dadurch einige denken, sie m\u00fcssen nicht abstimmen gehen, weil die\u00a0Ehe f\u00fcr alle sowieso angenommen wird.<\/p>\n<p><strong>Das Ja-Komitee sagt, man m\u00fcsse vor allem die \u00e4ltere Generation von der Ehe f\u00fcr alle \u00fcberzeugen. Sehen Sie in dieser Frage auch ein \u00abGenerationenproblem\u00bb?<br \/>\n<\/strong>Laut den neusten Umfragen des Forschungsinstituts gfs.bern gibt es einen klaren Trend, bei dem mit zunehmendem Alter der Befragten die Bef\u00fcrworter der Abstimmungsvorlage abnehmen.\u00a0Darum w\u00fcrde ich schon sagen, dass es sich auch um einen \u00abGenerationengraben\u00bb handelt. Unsere Gesetze sind Ausdruck des Zeitgeistes unserer Gesellschaft und es besteht eine wechselseitige Abh\u00e4ngigkeit zwischen Recht und Gesellschaft. Meine Hoffnung ist es, dass bei Annahme der Ehe f\u00fcr alle die gleichgeschlechtliche Liebe in unserer Gesellschaft mehr und mehr akzeptiert wird, also auch bei der \u00e4lteren Generation.<\/p>\n<p><strong>Die jSVP SG hat eine Stimmfreigabe beschlossen. Was h\u00e4tte es gebraucht, damit eine Ja-Parole gefasst worden w\u00e4re, sowie das die jSVP Aargau gemacht hat?<br \/>\n<\/strong>\u00dcber eine Ja-Parole der Jungen SVP Kt. St.Gallen h\u00e4tte ich mich gefreut. Leider hat es daf\u00fcr aber nicht gereicht.\u00a0Ich bin froh, ist es keine Nein-Parole geworden. Es ist ein demokratischer Entscheid, den es zu akzeptieren gilt.<\/p>\n<p><strong>Ich<\/strong><strong> habe einige SVP-M\u00e4nner, von denen ich weiss, dass sie f\u00fcr die Ehe f\u00fcr alle sind, angefragt, ob Sie mir ein Interview geben w\u00fcrden. Alle haben mit der Begr\u00fcndung, die Ehe f\u00fcr alle sei kein Kernthema der SVP, abgewinkt. Ist das nicht ein bisschen doppelz\u00fcngig? Immerhin hat sich zum Beispiel SVP-Nationalrat David Zuberb\u00fchler aus Herisau heftig daf\u00fcr ins Zeug gelegt, dass die n\u00f6tigen Unterschriften f\u00fcr ein Referendum gegen die Ehe f\u00fcr alle \u00fcberhaupt erst zusammengekommen sind.<br \/>\n<\/strong>Ich kenne die Beweggr\u00fcnde dieser SVP-M\u00e4nner nicht. Diejenigen SVP-M\u00e4nner, die ich kenne und f\u00fcr die \u00abEhe f\u00fcr alle\u00bb sind, h\u00e4tten Ihnen bestimmt gerne ein Interview gegeben (<em>lacht<\/em>).<\/p>\n<blockquote><p>Es geht den Staat nichts an, wen ich heiraten m\u00f6chte.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wie \u00fcberzeugen Sie einen noch Unentschlossenen von einem Ja zur Ehe f\u00fcr alle?<br \/>\n<\/strong>Es ist an der Zeit, die Unterscheidung, die unsere Rechtsordnung momentan noch macht, aufzuheben. Es geht den Staat nichts an, wen ich heiraten m\u00f6chte. Dass gleichgeschlechtliche Paare, die einen \u00abBund f\u00fcrs Leben\u00bb schliessen m\u00f6chten, weniger Rechte haben als verschiedengeschlechtliche Paare, ist eine Diskriminierung, die aufgehoben werden muss. Es gibt keinen rationalen Grund gegen die Ehe f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><strong>Ihre pers\u00f6nliche Prognose? Wird die Schweiz nach Irland das weltweit zweite Land sein, das die Ehe f\u00fcr alle \u00fcber die Abstimmungsurne eingef\u00fchrt hat?<br \/>\n<\/strong>Die Umfragen wie auch meine pers\u00f6nliche Wahrnehmung aus dem Abstimmungskampf stimmen mich positiv. Ich denke, dass die Ehe f\u00fcr alle vom Volk angenommen wird. Es ist gut, dass die Stimmb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrger \u00fcber dieses wichtige Thema abstimmen k\u00f6nnen und ein allf\u00e4lliges Ja dann auch demokratisch legitimiert ist und so die Akzeptanz in der Gesellschaft gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<hr class=\"strich\" \/>\n<h3 class=\"lavendeltitel\">Zur Person<\/h3>\n<p class=\"lavendel\">Manuela Ronzani ist 1990 geboren und sitzt seit 2017 f\u00fcr die SVP im 63-k\u00f6pfigen St.Galler Stadtparlament. Sie ist Rechtsstudentin und Mutter einer Tochter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht alle #SVP-Politiker*innen sind gegen die #EheF\u00fcrAlle. 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