{"id":118890,"date":"2021-09-09T17:30:50","date_gmt":"2021-09-09T15:30:50","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=118890"},"modified":"2021-09-26T17:55:50","modified_gmt":"2021-09-26T15:55:50","slug":"karin-keller-sutter-durch-die-ehe-fuer-alle-entsteht-fuer-niemanden-einen-nachteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/karin-keller-sutter-durch-die-ehe-fuer-alle-entsteht-fuer-niemanden-einen-nachteil\/","title":{"rendered":"\u00abDurch die Ehe f\u00fcr alle entsteht f\u00fcr niemanden einen Nachteil\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Der Bundesrat und das Parlament empfehlen dem Volk die Ehe f\u00fcr alle zur Annahme. Ein Ja w\u00e4re auch ein Sieg f\u00fcr die Justizministerin Karin Keller-Sutter.<\/h3>\n<p><strong>Frau Bundesr\u00e4tin, die Ehe f\u00fcr alle besch\u00e4ftigt die Medien und die Bev\u00f6lkerung sehr. Weshalb?<\/strong><br \/>\nDas erstaunt mich nicht, das ist ein sehr emotionales Thema, es geht um die Liebe. Zugleich gehen die Wertvorstellungen bei der Ehe f\u00fcr alle auseinander. Wir merken aber, dass sich die Einstellung der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber gleichgeschlechtlichen Paaren in den letzten Jahren ver\u00e4ndert hat. Die Gesellschaft ist offener geworden <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/mehr-ja-zur-ehe-fuer-alle-regenbogenhaus-eroeffnet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(das zeigen auch die Umfragen \u2013 MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Das <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/die-10-krassesten-plakate-gegen-das-frauenstimmrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauenstimmrecht<\/a> wurde erst vor 50 Jahren angenommen, die Ehe f\u00fcr alle vielleicht am 26. September. Warum hinkt die Schweiz bei gesellschaftlichen Themen anderen L\u00e4ndern hinterher?<\/strong><br \/>\nSicherlich hat das auch mit unserem direktdemokratischen System zu tun. In anderen L\u00e4ndern verabschiedet die Regierung ein solches Gesetz, bei uns braucht es oftmals eine Volksabstimmung. Das sehe ich nicht als Nachteil, denn ich bin \u00fcberzeugt davon, dass der Wandel aus der Gesellschaft kommen muss. Wenn der Wandel reif ist, dann folgt die staatliche Gesetzgebung. Es ist daher wichtig, dass die Bev\u00f6lkerung diese Fragen diskutieren und mitbestimmen kann.<\/p>\n<p><strong>Sie bezeichnen sich als praktizierende Katholikin. K\u00f6nnen Sie die Ehe f\u00fcr alle mit Ihrem Glauben vereinen?<\/strong><br \/>\nEindeutig ja. Es geht bei der Ehe f\u00fcr alle um die Zivilehe und nicht um eine kirchenrechtliche Frage. F\u00fcr mich ist klar: Der Staat soll den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihr Privat- und Familienleben zu gestalten haben.<\/p>\n<p><strong>Die Gegner*innen begr\u00fcnden ihr Nein zur Ehe f\u00fcr alle mit dem Kindswohl. K\u00f6nnen Sie die Argumente der Gegner*innen nachvollziehen?<\/strong><br \/>\nIch respektiere, dass es unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Aber f\u00fcr mich ist klar, und das zeigen auch Studien, dass nicht die Familienkonstellation entscheidend ist f\u00fcr die Entwicklung eines Kindes, sondern die F\u00fcrsorge und die Zuwendung, die es erh\u00e4lt. Ob es einem Kind gut geht, h\u00e4ngt nicht von der sexuellen Orientierung der Eltern ab, sondern von der Qualit\u00e4t ihrer Beziehung.<\/p>\n<p><strong>Spielt die Ehe f\u00fcr alle auch in Ihrem privaten Umfeld eine Rolle?<\/strong><br \/>\nIch bin mit einem gleichgeschlechtlichen Paar befreundet. Bis jetzt hatten sie kein Interesse daran, ihre Partnerschaft eintragen zu lassen. Sollte die Vorlage vom Volk angenommen werden, werden sie aber vielleicht heiraten.<\/p>\n<p><strong>Die Nein-Sager*innen sind eher \u00e4lter, eher m\u00e4nnlich. Wie kann man diese W\u00e4hlergruppe zu einem Ja \u00fcberzeugen?<\/strong><br \/>\nMir ist wichtig, dass sich f\u00fcr die allermeisten Menschen mit der Abstimmung gar nichts \u00e4ndert. Niemandem entsteht dadurch einen Nachteil, traditionelle Familien soll und wird es weiterhin geben. Ich verweise aber auch auf die gesellschaftliche Realit\u00e4t: 40% der Ehen werden geschieden, 20% der Kinder leben in einer nichtklassischen Familie. Und schon heute leben gleichgeschlechtliche Paare zusammen und haben teilweise auch Kinder. Mit einem Nein zur Ehe f\u00fcr alle \u00e4ndert man an dieser Realit\u00e4t nichts.<\/p>\n<p><strong>Sie und der Bundesrat waren zu Beginn gegen den Zugang zur Samenspende f\u00fcr lesbische Ehefrauen und haben schliesslich eingelenkt. Werfen Ihnen die Gegner*innen nun Unbest\u00e4ndigkeit vor?<\/strong><br \/>\nDem Bundesrat und mir pers\u00f6nlich war es ein zentrales Anliegen, dass das verfassungsm\u00e4ssige Recht jedes Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung gewahrt bleibt. Am Ende hat das Parlament einen Kompromiss gefunden, der dieses Anliegen respektiert. Bei der gesetzlich geregelten Samenspende wird jede Spende beim Bundesamt f\u00fcr Justiz registriert. Sobald das Kind 18-j\u00e4hrig ist, erh\u00e4lt es Einsicht in dieses Register, wenn es das w\u00fcnscht. Damit bleibt das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstimmung sichergestellt.<\/p>\n<p><em>\u00abKinder mit einem Toten \u2013 Ehe f\u00fcr alle Nein\u00bb steht auf dem neuesten Plakat des Westschweizer Nein-Komitees \u00abDas Kind ist keine Ware\u00bb. Daneben das Bild einer Zombie-\u00e4hnlichen Figur. Ein Politikwissenschaftler spricht von \u00abganz \u00fcbler politischen Propaganda\u00bb <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/kein-zombie-plakat-in-genf-sbb-bittet-um-austausch-des-plakats\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesrat und das Parlament empfehlen dem Volk die #Ehef\u00fcralle zur Annahme. 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