{"id":118464,"date":"2021-09-04T11:42:28","date_gmt":"2021-09-04T09:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=118464"},"modified":"2021-09-04T13:43:14","modified_gmt":"2021-09-04T11:43:14","slug":"konservative-katholiken-kommen-vom-synodalen-weg-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/konservative-katholiken-kommen-vom-synodalen-weg-ab\/","title":{"rendered":"Konservative Katholiken kommen vom \u00abSynodalen Weg\u00bb ab"},"content":{"rendered":"<h3>Ende des Monats treffen sich Kirchenleute und katholische Laien zur zweiten grossen Versammlung im Reformprozess \u00abSynodaler Weg\u00bb. Doch wenige Wochen vorher kommen nun scharfe Quersch\u00fcsse. Eine Bankrotterkl\u00e4rung? Von Britta Schultejans, dpa<\/h3>\n<p>Dass dieser Weg steinig sein w\u00fcrde, war von Anfang an klar. Doch nun sieht es nach rund zwei Jahren so aus, als f\u00fchre der Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland, der \u00abSynodale Weg\u00bb, nur im Kreis &#8211; zur\u00fcck auf Start. Denn kurz vor der zweiten grossen Synodalversammlung mit 230 Teilnehmern am 30. September in Frankfurt scheinen Liberale und Bewahrer sich so unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberzustehen wie eh und je.<\/p>\n<p>Angef\u00fchrt von dem konservativen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer schert nun eine Gruppe aus und kommt ab vom \u00abSynodalen Weg\u00bb. Am Freitag startete sie die Homepage <a href=\"http:\/\/www.synodale-beitraege.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.synodale-beitraege.de<\/a> \u2013 ganz explizit als Gegenentwurf zu dem konzipiert, was der \u00abSynodale Weg\u00bb bislang als Diskussionsergebnisse zusammengetragen hat. Voderholzer gilt &#8211; ebenso wie der K\u00f6lner Kardinal Rainer Maria Woelki &#8211; als entschiedener Gegner dieses Reformprozesses und meldet sich immer wieder kritisch dazu zu Wort.<\/p>\n<p>\u00abWir gehen den Synodalen Weg mit, kommen aber mehr und mehr zu der \u00dcberzeugung, dass er in den bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel f\u00fchren kann\u00bb, schreibt Voderholzer jetzt auf dieser Internetseite. \u00abDie Zusammensetzung der Foren der Synode und ihre Diskussionskultur erschweren einen angemessenen Dialog\u00bb, heisst es in einer Mitteilung, die sein Bistum dazu ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die den \u00abSynodalen Weg\u00bb gemeinsam mit dem Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert hat, kommentiert den Voderholzer-Vorstoss nicht. \u00abWir haben das zur Kenntnis genommen\u00bb, sagt DBK-Sprecher Matthias Kopp knapp. Die Sprecherin des ZdK, Britta Baas, sagt: \u00abMitglieder der Synodalversammlung &#8211; und Herr Voderholzer ist ja ein solches &#8211; k\u00f6nnen sich gem\u00e4ss der Satzung und der Gesch\u00e4ftsordnung des Synodalen Weges einbringen. Wenn Mitglieder diesen Weg nicht w\u00e4hlen, nehmen wir das zur Kenntnis, kommentieren das aber nicht weiter.\u00bb<\/p>\n<p>Die katholische Reformbewegung \u00abWir sind Kirche\u00bb wird gewohnt deutlicher und wirft dem Regensburger Bischof \u00abeinen gezielten Affront gegen den &#8218;Synodalen Weg&#8217;\u00bb und \u00abhinterh\u00e4ltige Kritik\u00bb vor. Sein Vorgehen sei dar\u00fcber hinaus auch \u00abein starker Affront gegen die anderen deutschen Bisch\u00f6fe\u00bb, sagt Sprecher Christian Weisner. Bischof Voderholzer und die anderen Leute, die hinter der Homepage stehen und Beitr\u00e4ge daf\u00fcr verfassten, haben aus seiner Sicht \u00abimmer noch nicht den Ernst der dramatischen Lage erkannt, die durch sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch sowie deren jahrzehntelange Vertuschung entstanden ist\u00bb.<\/p>\n<p>Der Reformprozess innerhalb der Kirche war vor dem Hintergrund des Skandals um massenhaften sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und dramatisch sinkender Mitgliederzahlen ins Rollen gekommen. In den rund 36 Seiten mit dem Titel \u00abVollmacht und Verantwortung\u00bb, die am Freitag auf der Homepage ver\u00f6ffentlicht wurden, gehen die Autoren beispielsweise davon aus, dass der Skandal um tausendfachen Missbrauch \u00abin keinem gesicherten Zusammenhang\u00bb steht mit der katholischen Sexualmoral oder der Machtstruktur innerhalb der Kirche.<\/p>\n<p>\u00abEine solche Verquickung der Interessen dient nicht dem ernsten Anliegen, mit dem der Synodale Weg begonnen wurde, und bringt die Gefahr neuer Entzweiungen mit sich, innerhalb der deutschen Kirche ebenso wie in ihrem Verh\u00e4ltnis zum Vatikan und zur Weltkirche.\u00bb Ihr Gegenvorschlag: \u00abDie Kirche als Institution, ihr Klerus und alle einzelnen Getauften in ihr m\u00fcssen sich von Gottes Wort auf einen Weg der echten Umkehr und geistlichen Erneuerung f\u00fchren lassen.\u00bb<\/p>\n<p>Angesichts dramatischer Zahlen von Kirchenaustritten sprechen sie sich zwar klar f\u00fcr \u00abstrukturelle Erneuerung angesichts sichtbarer M\u00e4ngel\u00bb aus, aber ebenso klar gegen eine Demokratisierung: \u00abGewaltenteilung im modernen Sinn\u00bb sei mit der \u00abKirchenleitung nicht zu vereinbaren\u00bb, heisst es beispielsweise in dem Text.<\/p>\n<p>Dass dieser Vorstoss in einer Diskussion, in der Voderholzer und seine Mitstreiter klar in der Minderheit sind, mehr ist als nur ein Zwischenruf von rechts, liegt daran, dass sie starke Verb\u00fcndete haben &#8211; und zwar nicht irgendwo, sondern in Rom. \u00abWir wissen uns im Einklang mit den r\u00f6mischen Stellungnahmen\u00bb, schreibt Voderholzer zur Begr\u00fcssung auf der neuen Homepage. Best\u00e4tigt wird er beispielsweise durch das h\u00f6chst umstrittene und eine Protestwelle ausl\u00f6sende kategorische Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften.<\/p>\n<blockquote><p>Drei der vier Synodalforen sind praktisch erledigt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abF\u00fcr den Synodalen Weg ist das sehr sch\u00e4dlich\u00bb, sagte der M\u00fcnsteraner Professor f\u00fcr Dogmatik, Michael Seewald, nach dieser Entscheidung im M\u00e4rz. \u00abIch frage mich ehrlich gesagt, \u00fcber was der Synodale Weg noch beraten will und was er noch beschliessen kann. Drei der vier Synodalforen sind praktisch erledigt.\u00bb<\/p>\n<p>Im Synodalen Weg geht es um vier Themenkomplexe: die Stellung der Frau in der Kirche, die kirchliche Sexualmoral, die priesterliche Ehelosigkeit (Z\u00f6libat) und den Umgang mit Macht. Drei der vier Themen seien vom Vatikan bereits abger\u00e4umt worden, sagte Seewald damals. So habe der Papst nach der sogenannten Amazonas-Synode trotz gegenteiliger Erwartungen noch einmal die Bedeutung des Z\u00f6libats betont. Bei der \u00d6ffnung des Priesteramts f\u00fcr Frauen sei auf keinen Fall mit einem Entgegenkommen Roms zu rechnen \u2013 und nun auch noch das Segnungsverbot f\u00fcr homosexuelle Paare.<\/p>\n<p>\u00abDa Voderholzer auch Mitglied der r\u00f6mischen Glaubenskongregation ist, ist die Initiative ein Zeichen daf\u00fcr, dass es wohl weiterhin Seilschaften zwischen Deutschland und dem Vatikan gibt, die jede Reform verhindern m\u00f6chten\u00bb, sagt Reformer Weisner. \u00abDamit zeigt sich wieder einmal, wie schlecht es um einen theologischen Austausch auf der H\u00f6he der Zeit zwischen Vatikan und den Katholikinnen und Katholiken in Deutschland bestellt ist.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Vor der Herbstvollversammlung in Fulda<\/strong><br \/>\nEr sieht nun die Mehrheit der deutschen Bisch\u00f6fe in der Pflicht: Sie m\u00fcssten sich jetzt auf ihrer f\u00fcr den 20. bis 23. September geplanten Herbstvollversammlung in Fulda \u00aberneut und mit aller Kraft zu diesem dringend notwendigen Reformprozess bekennen &#8211; wenn der nicht zur Farce werden soll\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konservative #Katholiken kommen vom #SynodalenWeg ab. Liberale und Bewahrer scheinen sich so unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberzustehen wie eh und je. 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