{"id":117901,"date":"2021-08-27T20:17:32","date_gmt":"2021-08-27T18:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=117901"},"modified":"2021-08-31T09:38:03","modified_gmt":"2021-08-31T07:38:03","slug":"ich-trau-mich-schon-gar-nichts-mehr-zu-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ich-trau-mich-schon-gar-nichts-mehr-zu-sagen\/","title":{"rendered":"\u00abIch trau mich schon gar nichts mehr zu sagen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Peter F\u00e4sslacher ist Moderator und Sendungsverantwortlicher bei ORF III und Stimme des Podcasts <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/02\/06\/podcast-schwul-schluss-mit-dem-schweigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abReden ist Gold\u00bb<\/a> \u00fcber Liebe und Leben von LGBTIQ. In seinem Kommentar* erkl\u00e4rt er, warum Worte f\u00fcr manche so verletzend sein k\u00f6nnen. Der Text stammt aus der <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lgbtiq-news-starte-mit-der-neuen-mannschaft-in-deinen-sommer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sommer-Ausgabe der MANNSCHAFT<\/a>.<\/h3>\n<p>Die bunte Blumenwiese der queeren Identit\u00e4ten ist ein Feld voller Tretminen. Oft gen\u00fcgt eine interessierte Nachfrage, ein falsch verwendetes Pronomen, eine undurchdachte Formulierung &#8211; und schon findet man sich in einem Gewitter der Emp\u00f6rung wieder: Wie man so etwas nur sagen k\u00f6nne? Wie man so etwas nicht wissen k\u00f6nne? Also das geht nun endg\u00fcltig zu weit! Die Z\u00fcndschnur jener, die sich in solchen Momenten diskriminiert f\u00fchlen, ist oftmals nicht nur kurz \u2013 sie ist de facto nicht vorhanden. Aber warum eigentlich?<\/p>\n<p>Diskussionen \u00fcber Identit\u00e4t werden oft mit einer ziemlichen Aggression gef\u00fchrt. Mit dem Ergebnis: Je aggressiver man auf eine empfundene Diskriminierung reagiert, desto \u00e4ngstlicher wird das Umfeld. Jede*r hat pl\u00f6tzlich Angst, etwas Falsches zu sagen. Bitte alles, nur keinen Shitstorm! Das Resultat l\u00e4sst sich in einem Satz zusammenfassen, den man in vielen Varianten h\u00f6ren kann: \u00abIch trau\u2018 mich mittlerweile ja schon gar nichts mehr zu sagen!\u00bb<\/p>\n<p>Dabei hat die Kultur der \u00fcberdimensionalen Emp\u00f6rung einen sehr pers\u00f6nlichen Ursprung: Oft wurde man viele Jahre \u2013 oder Jahrzehnte \u2013 diskriminiert und musste das Unrecht, das einem widerfahren ist, still ertragen und aushalten. Es auszusprechen h\u00e4tte zum Teil massive Konsequenzen haben k\u00f6nnen. Damals musste man in Momenten der Diskriminierung schweigen. Heute ist das anders. Es ist m\u00f6glich, halbwegs gefahrlos zu sprechen und Verletzungen zu benennen. Eine grossartige Entwicklung!<\/p>\n<p>Bringt man nun die eigenen Gef\u00fchle zum Ausdruck, entl\u00e4dt sich aber oft nicht nur die Wut, die dem Moment geb\u00fchrt, sondern die gesammelte Wut von vielen Jahren, die nie ausgesprochen werden konnte und durfte. So wird ein vergleichsweise kleiner Moment der empfundenen Diskriminierung zum Symbol einer gesamten Diskriminierungsgeschichte, die nie gew\u00fcrdigt wurde. Die Folge: Eine Explosion an Emotionen. Eine mehr als verst\u00e4ndliche Reaktion, die Aussenstehende aber oft \u00fcberrumpelt. Erschrocken vom Ausmass der Emp\u00f6rung, ziehen sich die anderen innerlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Es entsteht also folgende Dynamik: Man treibt die anderen in eine Sprachlosigkeit, in der sie verstummen, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Man macht mit den anderen unbewusst genau das, was einem selbst widerfahren ist: N\u00e4mlich zu verstummen, aus Angst vor einer m\u00f6glichen Konsequenz. Aus diesem Grund haben viele schwule M\u00e4nner lange geschwiegen und nicht \u00fcber die eigenen Gef\u00fchle gesprochen.<\/p>\n<p>Es ist die Wiederholung der eigenen traumatischen Erfahrung \u2013 diesmal aber mit dem Unterschied, dass man selbst als Sieger*in vom Feld geht. Diesmal sind es n\u00e4mlich die anderen, die sich nicht mehr zu sagen trauen, was sie denken oder f\u00fchlen. Es ist die Revanche, die anderen sp\u00fcren zu lassen, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man zur\u00fcckgewiesen wird und sich nicht angstfrei ausdr\u00fccken und zeigen kann.<\/p>\n<p>Manchmal k\u00f6nnte man sogar den Eindruck bekommen, dass es so etwas wie Vorfreude auf bevorstehende Zur\u00fcckweisungen gibt. Um die aufgestaute Wut endlich entladen und sich verbal wehren zu k\u00f6nnen. Belohnt wird man daf\u00fcr mit vielen Likes, Retweets und Kommentaren. Mit anderen Worten: \u00d6ffentliche Wut braucht einen Grund. Das macht sie elegant und nachvollziehbar. Und sollte es zu wenig Gr\u00fcnde geben, muss man sich eben welche suchen. Oder einfach nur ein bisschen warten. Irgendjemand wird schon bald wieder etwas Falsches sagen. Ganz bestimmt. Und dann kann man explodieren.<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(MANNSCHAFT+) Etwas Falsches gesagt -und schon kommt der #Shitstorm. Peter F\u00e4sslacher schreibt in seinem Kommentar, wieso Worte manche so sehr verletzen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ich-trau-mich-schon-gar-nichts-mehr-zu-sagen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1793,"featured_media":117903,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3270,4371],"tags":[5461,5515],"wps_subtitle":"Etwas Falsches gesagt \u2013 und schon kommt der Shitstorm","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117901"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1793"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117901"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117901\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":118014,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117901\/revisions\/118014"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}