{"id":117142,"date":"2021-08-15T14:28:29","date_gmt":"2021-08-15T12:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=117142"},"modified":"2021-08-15T14:37:45","modified_gmt":"2021-08-15T12:37:45","slug":"kardinal-woelki-muessen-uns-aktiv-gegen-benachteiligung-von-homosexuellen-einsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kardinal-woelki-muessen-uns-aktiv-gegen-benachteiligung-von-homosexuellen-einsetzen\/","title":{"rendered":"\u00abM\u00fcssen uns aktiv gegen Benachteiligung Homosexueller einsetzen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Kardinal Woelki ist der profilierteste Konservative bei den deutschen Katholiken. Frauen als Priester? \u00abNicht realistisch.\u00bb Segen f\u00fcr homosexuelle Paare? \u00abNicht m\u00f6glich.\u00bb Ein \u00abRechtskatholik\u00bb will er deshalb noch lange nicht sein. Interview: Christoph Driessen, dpa<\/h3>\n<p>Der K\u00f6lner Kardinal Rainer Maria Woelki wird am Mittwoch (18. August) 65 Jahre alt. Im dpa-Interview blickt er auf sein Leben zur\u00fcck, \u00e4ussert sich zur derzeitigen Krise des Erzbistums, verteidigt seine konservativen Positionen und erl\u00e4utert, warum er trotz aller Kritik weitermachen will.<\/p>\n<p><strong>Herr Kardinal, Sie werden am Mittwoch 65 Jahre alt. Ist das ein besonderer Einschnitt f\u00fcr Sie?<br \/>\n<\/strong>Es ist ein Geburtstag, der einen daran erinnert, dass das Leben nicht unendlich weitergeht. Es beginnt die letzte Wegstrecke.<\/p>\n<p><strong>Sie sind 1956 in K\u00f6ln geboren worden und dann in einer Siedlung aufgewachsen, die von der Kirche f\u00fcr Vertriebene angelegt worden war. Das war eine geschlossene katholische Welt, oder?<br \/>\n<\/strong>Ich w\u00fcrde sagen, es war eine Welt, in der der Glaube eine Rolle spielte. Ich habe das als etwas erlebt, das meinem Leben Orientierung gegeben hat &#8211; und die Freiheit, meinen Weg zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es dann dazu, dass Sie Priester wurden?<br \/>\n<\/strong>Es mag vollkommen unglaubw\u00fcrdig erscheinen, aber der Gedanke, Priester zu werden, war bei mir schon im dritten Schuljahr pr\u00e4sent. Warum? Weil ich werden wollte wie mein Kaplan. Ich habe das grosse Gl\u00fcck gehabt, nie schlechte Erfahrungen mit einem Priester gemacht zu haben. Das ist ja nicht selbstverst\u00e4ndlich, wie wir heute wissen.<\/p>\n<p><strong>Sie sind dann 1985 zum Priester geweiht worden und wurden sp\u00e4ter Geheimsekret\u00e4r des konservativen K\u00f6lner Kardinals Joachim Meisner. Seitdem gelten Sie als Meisner-Z\u00f6gling.<br \/>\n<\/strong>Naja, das sind so Bilder, die vor allem medial geschaffen sind und so wunderbar in Endlos-Schleife wiederholt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Das finden Sie nicht fair?<br \/>\n<\/strong> Ich war schon Mitte 30, als ich Kardinal Meisner kennenlernte, und da war ich l\u00e4ngst von anderen Menschen gepr\u00e4gt worden. Ich habe ihm viel zu verdanken. Aber wir hatten auch unterschiedliche Auffassungen, wie das nun einmal so ist bei erwachsenen Menschen.<\/p>\n<p><strong>Kardinal Meisner ist im Gercke-Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit F\u00e4llen des sexuellen Missbrauchs belastet worden. Er hat demnach vor allem die mutmasslichen T\u00e4ter gesch\u00fctzt, um die Opfer hat er sich nicht gross gek\u00fcmmert. Haben Sie davon nichts mitbekommen?<br \/>\n<\/strong>Die Aufgabe des Sekret\u00e4rs ist es, das B\u00fcro zu organisieren, die Post zu erledigen, Vortr\u00e4ge vorzubereiten&#8230; F\u00e4lle, bei denen es um sexuellen Missbrauch ging, wurden vom Erzbischof mit dem Personalchef und vielleicht noch mit dem Generalvikar besprochen. Der Sekret\u00e4r hat daran nicht teilgenommen. Kardinal Meisner war der Bischof, ich war der Kaplan. Allein schon von seinem Amtsverst\u00e4ndnis her hat er mit mir nicht \u00fcber solche Fragen gesprochen.<\/p>\n<p><strong>Als Sie dann sp\u00e4ter Nachfolger von Meisner wurden, verbanden Reformkatholiken mit Ihnen grosse Hoffnungen. Die haben Sie bitter entt\u00e4uscht.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Reformkatholiken, Linkskatholiken, Rechtskatholiken &#8211; ich mag solche Schubladen nicht, denn das polarisiert. Das macht Menschen kaputt, das macht die Gesellschaft kaputt, das macht die Kirche kaputt.<\/p>\n<p><strong>Aber Tatsache ist doch nun mal, dass es in der Kirche unterschiedliche Positionen gibt. Es gibt diejenigen, die sich im Reformprozess Synodaler Weg f\u00fcr die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder f\u00fcr den Segen f\u00fcr homosexuelle Paare <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/vatikan-verbietet-segensfeiern-fuer-gleichgeschlechtliche-paare\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a> einsetzen. Und es gibt die, die das nicht wollen.<br \/>\n<\/strong>In der Kirche ist immer miteinander gestritten worden. Das zeigt, dass die Kirche lebendig ist. Es gibt dann aber auch die Autorit\u00e4t des Lehramts.<\/p>\n<p><strong>Damit meinen sie: Eine offene Diskussion, sch\u00f6n und gut, aber am Ende muss auch jemand entscheiden, und das sind die Bisch\u00f6fe. Aber die sind sich ja auch nicht einig. Georg B\u00e4tzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagt zum Beispiel, dass die katholische Lehre weiterentwickelt werden muss, etwa wenn es um die Position der Frauen geht.<br \/>\n<\/strong>Im K\u00f6lner Generalvikariat hiess es nicht umsonst \u00fcber mich: \u00abBei dem musst du entweder Priester oder Frau sein, wenn du was werden willst.\u00bb Ich bin sehr daf\u00fcr, Frauen in der Kirche an Leitung und Entscheidung zu beteiligen. Das tue ich &#8211; und das tue ich nicht aus opportunistischen Gr\u00fcnden. Nat\u00fcrlich entwickelt sich der Glaube weiter. Aber dass Frauen zum Priesteramt zugelassen werden, das ist theologisch gesehen einfach nicht realistisch.<\/p>\n<p><strong>Dann nehmen wir einen anderen Punkt: die Segnung von homosexuellen Paaren. Auch da sind Sie dagegen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/kardinal-woelki-befuerwortet-segnungsverbot-fuer-homosexuelle-paare\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<br \/>\n<\/strong>Sie wissen, dass katholische und auch viele evangelische Christen in der Welt die Heilige Schrift so lesen, dass es nicht m\u00f6glich ist, eine solche Beziehung zu segnen wie man die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau segnet. Dieser Auffassung schliesst sich auch die j\u00fcngste Erkl\u00e4rung der Glaubenskongregation mit der Unterschrift des Heiligen Vaters an. Ich stelle mich als Kardinal dahinter. Deswegen w\u00e4re es unwahrhaftig, mit dem Segnen einer homosexuellen Beziehung gleichzeitig ein \u00f6ffentliches Zeichen gegen die Lehre der Kirche zu setzen. Aus meiner Sicht w\u00e4re es sehr wichtig, das Thema Homosexualit\u00e4t nicht auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen zu reduzieren. Wir m\u00fcssen uns als Kirche aktiv gegen die Verfolgung und Benachteiligung von Homosexuellen einsetzen \u2013 besonders international, wo es f\u00fcr Homosexuelle zum Teil um Leben und Tod geht.<\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte das in keiner Weise als Diffamierung homosexueller Menschen verstanden wissen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das ist in der Tat so &#8211; und wenn der Vatikan wie neulich geschehen offiziell wiederholt, dass homosexuelle Partnerschaften nicht gesegnet werden d\u00fcrfen, dann untergr\u00e4bt das die Position von Homosexuellen in diesen L\u00e4ndern noch weiter.<br \/>\n<\/strong>Ich sehe in der Erkl\u00e4rung eine St\u00e4rkung des katholischen Eheverst\u00e4ndnisses und m\u00f6chte das in keiner Weise als Diffamierung homosexueller Menschen verstanden wissen. Die Glaubenskongregation hat das auch selbst deutlich gemacht.<\/p>\n<p><strong>Im M\u00e4rz wurde das schon angesprochene Missbrauchsgutachten ver\u00f6ffentlicht. Ende Mai hat der Papst dann zwei Apostolische Visitatoren entsandt, um die Situation im Erzbistum zu \u00fcberpr\u00fcfen. Sie haben dazu gesagt, Sie verst\u00fcnden das als Hilfestellung des Vatikans und s\u00e4hen das positiv. Ist das wirklich so?<br \/>\n<\/strong>Der Vatikan war hier nat\u00fcrlich in einer schwierigen Situation. In dem Gutachten sind Personen beschuldigt worden wie der Erzbischof von Hamburg und zwei K\u00f6lner Weihbisch\u00f6fe, die sich dann auch an den Vatikan gewandt und ihren R\u00fccktritt angeboten haben. Ich finde es legitim, dass man in einer so herausfordernden Situation sagt: Da wollen wir mal von aussen drauf schauen und uns selbst ein Urteil bilden.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie das Gespr\u00e4ch mit den Visitatoren erlebt?<br \/>\n<\/strong>Die beiden Bisch\u00f6fe haben in einer empathischen Weise meine Sicht der Dinge erfragt.<\/p>\n<p><strong>Wissen Sie, wann mit Entscheidungen des Vatikans zu rechnen ist?<br \/>\n<\/strong>Nein.<\/p>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngig davon: W\u00e4re es nicht besser f\u00fcr das Erzbistum, wenn Sie zur\u00fccktreten und so einen Neuanfang erm\u00f6glichen w\u00fcrden?<br \/>\n<\/strong> Davonzulaufen, ist doch keine L\u00f6sung. In einer Familie oder unter Freunden geht man nicht einfach auseinander, wenn es schwer wird. Man ringt und versucht, L\u00f6sungen zu finden. Die Herausforderungen w\u00fcrden auch bei einem anderen Erzbischof dieselben bleiben.<\/p>\n<p><strong>Aber wie wollen Sie ein normales Arbeitsverh\u00e4ltnis mit dem Di\u00f6zesanrat, dem Di\u00f6zesanpastoralrat, den Stadt- und Kreisdechanten wiederherstellen? Alle haben signalisiert, dass sie sich eine Zukunft mit Ihnen kaum noch vorstellen k\u00f6nnen.<br \/>\n<\/strong>Diese Fragestellung m\u00f6chte ich so nicht stehen lassen. Die Situation ist sehr viel differenzierter. Es ist nicht so, als ob alle sagen w\u00fcrden: \u00abWir wollen mit dem nicht zusammenarbeiten.\u00bb Im Di\u00f6zesanpastoralrat nicht und auch nicht bei den einzelnen Gruppen. Ich habe ausserdem Hunderte von Briefen erhalten, die mich auffordern, weiterzumachen. Das ist das eine. Und das andere ist: Es geht hier letztlich nicht um uns, es geht darum, dass wir unserer Verantwortung f\u00fcr die Kirche gerecht werden. Wir handeln nicht im Sinne Christi, wenn wir uns gegenseitig blockieren oder mit irgendwelchen Unterstellungen schachmatt setzen.<\/p>\n<p><strong>Verraten Sie uns am Schluss noch, wie Sie Ihren Geburtstag feiern?<br \/>\n<\/strong>Ich feiere ihn an dem Tag selbst mit den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und dann feiere ich ihn noch bewusst einfach und bescheiden im ganz kleinen Kreis &#8211; mit Familie und ganz wenigen Freundinnen und Freunden.<\/p>\n<p><em>Rainer Maria Woelki wuchs im K\u00f6lner Arbeiterstadtteil M\u00fclheim auf, seine Eltern waren Vertriebene aus Ostpreussen. Auf die Priesterweihe 1985 folgte ein schneller Aufstieg in der Kirchenhierarchie: 1990 wurde er Geheimsekret\u00e4r des K\u00f6lner Erzbischofs Joachim Meisner, 2003 Weihbischof, 2011 Erzbischof von Berlin und 2014 Erzbischof von K\u00f6ln. Er gilt als einflussreichster Kritiker des Synodalen Wegs, des derzeitigen Reformprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kardinal #Woelki ist der profilierteste Konservative bei den deutschen #Katholiken. Frauen als Priester? \u00abNicht realistisch.\u00bb Segen f\u00fcr #homosexuelle Paare? \u00abNicht m\u00f6glich.\u00bb Ein #Interview zum 65. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kardinal-woelki-muessen-uns-aktiv-gegen-benachteiligung-von-homosexuellen-einsetzen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":107393,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[5512],"wps_subtitle":"Den Segen f\u00fcr homosexuelle Paare lehnt Woelki aber weiter ab","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117142"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117142"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117147,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117142\/revisions\/117147"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107393"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}