{"id":117072,"date":"2021-08-13T17:08:49","date_gmt":"2021-08-13T15:08:49","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=117072"},"modified":"2021-08-16T10:16:50","modified_gmt":"2021-08-16T08:16:50","slug":"kokon-jungen-frauen-mut-zu-sich-selbst-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kokon-jungen-frauen-mut-zu-sich-selbst-machen\/","title":{"rendered":"\u00abKokon\u00bb will jungen Frauen Mut zu sich selbst machen"},"content":{"rendered":"<h3>Lena Urzendowsky ist Star der Amazon-Serie \u00abWir Kinder vom Bahnhof Zoo\u00bb. Vor drei Jahren schon drehte sie die Coming-Of-Age-Geschichte \u00abKokon\u00bb, die ebenfalls in einem schwierigen Berliner Milieu spielt. Dabei sei ihre eigene Jugend \u00e4usserst positiv verlaufen, sagt sie. Von Ulrike Cordes, dpa<\/h3>\n<p>\u00abIch bin schon verliebt \u2013 in Romy. Glaubst du, ich bin jetzt lesbisch deswegen?\u00bb, fragt die 14-j\u00e4hrige Nora, als ein Junge sie auf einer Party k\u00fcsst. Um genau solche Fragen geht es in der Coming-Of-Age-Geschichte \u00abKokon\u00bb der Berliner Filmemacherin Leonie Krippendorff (\u00abLooping\u00bb), die hier Drehbuch und Regie verantwortet. Um sexuelles Erwachen und sexuelle Orientierung, Ich-Findung und Gruppendruck, Verhaltensformen zwischen jungen Frauen und M\u00e4nnern. Wobei letztere oft als machohaft und ichbezogen wegkommen. Realisiert wurde das betont stimmungsvolle Geschehen im flirrend heissen Sommer 2018 im Multikulti-Milieu rund um das Kottbusser Tor im Hauptstadt-Kiez Kreuzberg.<\/p>\n<p>Das ZDF zeigt den Film in der Reihe \u00abShooting Stars \u2013 Junges Kino im Zweiten\u00bb am Dienstag zu sp\u00e4ter Stunde &#8211; um 23.00 Uhr. Alles dreht sich dabei um die Entwicklung der sensiblen Nora (Lena Urzendowsky, \u00abWir Kinder vom Bahnhof Zoo\u00bb), die mit ihrer Schwester Jule (Lena Klenke, \u00abLoving Her\u00bb) als Tochter einer alleinerziehenden und trinkfreudigen Mutter aufw\u00e4chst. Doch w\u00e4hrend es bei Jule und deren bester Freundin Aylin (Elina Vildanova) vor allem um Aussehen und Selbstdarstellung in den sozialen Medien geht, wirkt Nora einsam und unsicher. Bis sie in den Bann der wilden Romy (Jella Haase, \u00abFack ju G\u00f6hte\u00bb) ger\u00e4t, mit der sie erste K\u00fcsse, Nacktheit und wachsendes Selbstbewusstsein erf\u00e4hrt. Und die sie am Ende &#8211; ungewollt &#8211; auf ihren eigenen Weg entl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Als Symbol der Wandlung der Heldin von seelischer Verpuppung hin zu befreiter Lebenslust blendet der Film immer wieder eine m\u00fchsam im Einweckglas kriechende Raupe ein, die schliesslich als grosser bunter Schmetterling auf Noras Arm mit den Fl\u00fcgeln schl\u00e4gt. Ein reichlich eindeutiges Symbol &#8211; wie Krippendorffs feministisch get\u00f6nte Geschichte auch sonst nicht unter Mangel an \u00fcberdeutlichen, ja p\u00e4dagogischen Hinweisen leidet. So ist es etwa meist die weibliche Solidarit\u00e4t, die den M\u00e4dchen weiterhilft. W\u00e4hrend m\u00e4nnliche Wesen entweder als Testosteron-geladene Halbw\u00fcchsige mit zotigen Spr\u00fcchen um sich werfen oder sp\u00e4ter als V\u00e4ter vor famili\u00e4ren Problemen das Weite suchen.<\/p>\n<p>Sehenswert wird der Film, dessen Crew auch hinter der Kamera \u00fcberwiegend weiblich besetzt war, jedoch durch das aussergew\u00f6hnlich anr\u00fchrende und wahrhaftig wirkende Spiel der jungen Darstellerinnen, die sich seit diesem Film alle l\u00e4ngst einen Namen gemacht haben. Zerbrechlichkeit und St\u00e4rke, Trauer und Gl\u00fcck ihrer Figur vermag zumal Lena Urzendowsky, beim Dreh 18 Jahre alt, auf ganz besonders liebenswerte Weise zu vermitteln. Ihr gelingt auch das Kunstst\u00fcck, intime Momente wie die erste Regelblutung oder Selbstbefriedigung nicht allzu peinlich oder voyeuristisch erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/31_ZH8_4nVs\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erkl\u00e4rt die Schauspielerin, die mit 17 einen Grimme-Preis f\u00fcr \u00abDas weisse Kaninchen\u00bb erhalten hat, dass sie in ihre Rollengestaltung nur wenig eigenes inneres Erleben einfliessen lassen konnte. \u00abIch bin in einem sehr anderen Kontext gross geworden\u00bb, sagt die Berlinerin, deren Bruder Sebastian (36, \u00abDer Turm\u00bb) ebenfalls ein Star geworden ist.<\/p>\n<p>Urzendowsky erinnert sich: \u00abIch bin ohne Fernseher und Handy gross geworden. Mein erstes Kastenhandy hatte ich mit 10, damit ich mich vom Schulweg aus mal melden konnte. Von den sozialen Medien habe ich daher nur wenig mitgekriegt. Und auf dem Gymnasium fand ich zum Gl\u00fcck schnell eine Freundesgruppe, bei der ich nie in besonderem Masse verpflichtet gef\u00fchlt habe, mich anzupassen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch die innere St\u00e4rke, die sie den Beruf der Schauspielerin wagen liess, h\u00e4tten ihr wohl ihre Eltern vermittelt. \u00abDie haben mir fr\u00fch gezeigt, wie unterschiedlich die Welt ist &#8211; und dass man eigentlich immer eine Nische findet. Dadurch hatte ich nicht den Druck, mich genau an den Ort anpassen zu m\u00fcssen, an dem ich gerade war.\u00bb Die 21-J\u00e4hrige, die Philosophie an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t studiert, sinniert: \u00abWer kennt sich schon gut genug, um genau zu wissen, an welchen Ort er hingeh\u00f6rt und an welchen nicht. Manchmal braucht es ja seine Zeit, bis man sich versteht.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Die Coming-of-Age-Geschichte \u00abKokon\u00bb mit Lena Urzendowsky in der Hauptrolle sowie Jella Haase und Lena Klenke zeigt das ZDF am Dienstag, 17. August um 23.00 Uhr in der Reihe \u00abShooting Stars \u2013 Junges Kino im Zweiten\u00bb. Regie f\u00fchrte Leonie Krippendorff nach ihrem eigenen Drehbuch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lena Urzendowsky ist Star der Serie \u00abWir Kinder vom Bahnhof Zoo\u00bb. 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