{"id":116501,"date":"2021-08-08T09:11:57","date_gmt":"2021-08-08T07:11:57","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=116501"},"modified":"2021-08-08T15:24:26","modified_gmt":"2021-08-08T13:24:26","slug":"ed-greve-der-mann-im-fahrstuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ed-greve-der-mann-im-fahrstuhl\/","title":{"rendered":"Durch die Gesellschaft behindert: Der Mann im Fahrstuhl"},"content":{"rendered":"<h3>Unerreichbare Tresen, Treppenabs\u00e4tze oder zu steile Rampen: Am Willen, sich in Berlin frei zu bewegen, mangelt es Ed Greve nicht. Wohl aber an der Infrastruktur im \u00f6ffentlichen wie im queeren Raum. F\u00fcr den 27-J\u00e4hrigen ist es nicht seine Behinderung, die umst\u00e4ndlich ist\u202f \u2013 es sind die Umst\u00e4nde, die behindern. Stefan Hochgesand hat ihn auf einer Ausfahrt begleitet.<\/h3>\n<p>Wenn Ed Greve ans Ende der Welt will, sind das nur wenige Schritte aus seiner Wohnung. Und statt Schritte sollte man wohl eher Meter oder Fahrtminuten sagen. Denn Ed Greve, 27, sitzt im Rollstuhl, seit er f\u00fcnf Jahre jung war. Wobei er findet, sein Rollstuhl solle besser Fahrstuhl heissen. Weil das Ger\u00e4t ja nicht einfach so dahinrollt \u2013 sondern er es gezielt per Joystick steuert. Und der Lift, den man gemeinhin Fahrstuhl nennt? Der sollte besser Aufzug heissen, sagt er. Ergibt Sinn. Fahrstuhl. Ed Greve rollt also nicht, sondern f\u00e4hrt innerhalb der High-Deck-Siedlung in Berlin-Neuk\u00f6lln zu einer Treppe.<\/p>\n<p>Die Siedlung erlangte in den letzten Jahren ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Bekanntheit durch die Berliner Gangster-Serie \u00ab4 Blocks\u00bb. Sie existiert aber schon seit den Siebzigern. Die High-Decks, nach denen sie benannt ist, sind, vereinfach gesagt, schwebende, also s\u00e4ulengest\u00fctze Fussg\u00e4ngerzonen, konzipiert f\u00fcrs soziale Miteinander der Menschen in der Siedlung. Hoch f\u00fchrt nicht bloss eine Treppe \u2013 sondern auch eine Rampe. Eine Rollstuhl-, pardon, Fahrstuhlrampe, sollte man meinen. Ed Greve versucht mit seinem kaum vier Jahren alten Ger\u00e4t der Marke Karma hochzufahren, um zu demonstrieren: Der Winkel ist zu steil \u2013 und allenfalls f\u00fcr Kinderw\u00e4gen praktisch, nicht aber f\u00fcr seinen elektrischen Fahrstuhl. Und schnell ist Ed Greve, unweit seiner Haust\u00fcre, am Ende der Welt. Vom sozialen Miteinander bleibt er ausgeschlossen.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIch bevorzuge den Ausdruck behindert werden.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Blockiert oder fetischisiert<\/strong><br \/>\nEd Greve hat Osteogenesis imperfecta, kurz: OI. Auch bekannt unter dem Namen Glasknochenkrankheit, der aber von den meisten Betroffenen abgelehnt wird. Wie redet man dar\u00fcber? Ist er behindert? Ist er ein Mensch mit Behinderung? \u00abIch bevorzuge den Ausdruck behindert werden\u00bb, sagt Ed Greve. \u00abWeil wir durch die Gesellschaft behindert werden. Nicht der Fahrstuhl hindert mich am Mobilsein\u00bb, sagt er, \u00absondern die Umst\u00e4nde\u00bb. Die Welt, die wir gebaut haben. Deshalb will Ed Greve sie umbauen: Er stellt sich zur Wahl. Am 26. September 2021 ist er, ein in Pforzheim aufgewachsener, queerer trans Mann, der behindert wird, Kandidat der Partei namens Die Urbane bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/4184524171617216\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Am 5. September ist er beim MANNSCHAFT-Talk \u00abDie quere Qual der Wahl\u00bb zu Gast<\/a><\/p>\n<p>Hauptberuflich arbeitet er beim Berliner Migrationsrat. \u00abWir brauchen Ver\u00e4nderung, jetzt\u00bb, sagt er, der nicht die klassische Parteikarriere durchlief. \u00abDas bin ich. Das ist meine Pers\u00f6nlichkeit. Mir geht das alles nicht schnell genug. Deswegen mache ich den Quereinstieg.\u00bb Schelmisch grinst er dabei.<\/p>\n<p>Mit 18 hatte Ed Greve sein Coming-out als Lesbe. Und mit 20 dann als trans Mann. \u00abViele Leute blockieren einen online, wenn sie von der Behinderung erfahren\u00bb, sagt er \u00fcbers queere Datingleben. \u00abOder sie haben extrem Mitleid.\u00bb Auch das: keine gute Ausgangsvoraussetzung f\u00fcr Dating auf Augenh\u00f6he. \u00abUnd dann gibts da noch die Leute mit Fetisch.\u00bb Eine Form, zum Objekt gemacht zu werden.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abViele Leute blockieren einen online, wenn sie von der Behinderung erfahren.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abWas uns hindert, Partys zu feiern oder zu daten, ist nicht unser K\u00f6rper\u00bb, sagt Ed Greve, \u00absondern die Einstellungen von Leuten, die sich darauf nicht einlassen.\u00bb Begehren werde durch unser Umfeld beeinflusst. Es erfordere viel Selbstreflexion, dem etwas entgegenzuhalten: \u00abWenn bei der Dragshow immer dieselben K\u00f6rper zu sehen sind, wird einem das auch antrainiert, dass das das Begehrenswerte sei.\u00bb Man k\u00f6nnte ja meinen, dass Queers durch ihre eigenen Diskriminierungserfahrungen davor gefeit w\u00e4ren, andere zu diskriminieren.<\/p>\n<p>Doch das h\u00e4lt Ed nicht bloss f\u00fcr einen Trugschluss \u2013 sondern sogar f\u00fcr gef\u00e4hrlich: \u00abDass es nicht so ist, k\u00f6nnen wir in allen Teilen der Gesellschaft beobachten\u00bb, sagt er. Das habe das Privilegiertsein so an sich: dass man es nicht merke, wenn man selber privilegiert sei. \u00abUnd selbst wenn jemand in der Theorie weiss, dass es Diskriminierung gibt, heisst das noch nicht, dass die Person sich solidarisch verh\u00e4lt.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_116503\" aria-describedby=\"caption-attachment-116503\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-116503\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 600 895'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2.jpg\" alt=\"ed greve\" width=\"600\" height=\"895\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2.jpg 600w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-201x300.jpg 201w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-402x600.jpg 402w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-561x837.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-265x395.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-531x792.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-364x543.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-2-400x597.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-116503\" class=\"wp-caption-text\">Ed Greve gibt zu, selbst nicht alle L\u00f6sungen parat zu haben. (Foto: Joseph Wolfgang Ohlert)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kurzerhand den Tresen umgebaut<\/strong><br \/>\nQueers k\u00f6nnen aber auch anders. Solidarisch. Ed Greve erz\u00e4hlt gerne die Geschichte davon, wie er 2014 seinen Bundesfreiwilligendienst im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg machte, bei Lambda, der queeren Jugendinitiative. Die betreiben ein Caf\u00e9 in ihrem Jugendhaus. Ed Greve kam nicht an den Tresen ran. Das Team hat nicht lange diskutiert oder gefackelt. \u00abDie haben prompt den halben Tresen zerlegt\u00bb, sagt Ed mit Begeisterung. \u00abDie eine H\u00e4lfte war weiterhin hoch, die andere niedrig. Jetzt ist es nachhaltig.\u00bb Der Tresen ist immer noch tief. \u00abF\u00fcr kleinw\u00fcchsige Menschen. F\u00fcr besonders junge Menschen. Das ist total praktisch.\u00bb So einfach kanns gehen. Doch viele queere Orte sind noch voller Barrieren. \u00abGerade bei den kleineren Clubs und Darkrooms erlebt man Vollkatastrophen\u00bb, sagt Ed. \u00abDa wird schon mal die Behindertentoilette als Garderobe verwendet. Nach dem Motto: Behinderte kommen ja eh nicht, und weil sie nicht kommen, m\u00fcssen wir auch nichts zug\u00e4nglich gestalten. Ein Teufelskreis.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Eine Checkliste f\u00fcr die queere Community<\/strong><br \/>\nEine Expertin f\u00fcr Barrieren an queeren Orten und daf\u00fcr, wie man sie einreisst, ist Anne Husem\u00f6ller. Sie lebt seit zw\u00f6lf Jahren in Berlin und weiss aus pers\u00f6nlicher Erfahrung, dass die allerwenigsten Orte rollstuhlgerecht sind. Und sie koordiniert in Berlin das Projekt \u00abInklusive LSBTIQ* Infrastruktur\u00bb bei \u00abRad und Tat \u2013 Offene Initiative lesbischer Frauen e.\u2009V.\u00bb. Das Projekt gibt es seit Herbst 2018, gef\u00f6rdert durch die Berliner Landesstelle f\u00fcr Gleichbehandlung \u2013 gegen Diskriminierung (LADS). Man kooperiert mit der Teilhabeberatung von \u00abexPEERienced \u2013 erfahren mit seelischen Krisen e.\u2009V.\u00bb, dem Berliner Behindertenverband e.\u2009V. und dem Migrationsrat \u2013 weshalb auch Ed Greve mit an Bord ist. \u00abIn unserem Projekt geht es darum, f\u00fcr Diskriminierungen zu sensibilisieren\u00bb, sagt Anne Husem\u00f6ller, \u00abund zu schauen, wie man in der queeren Infrastruktur dagegen angehen kann, mit Blick auf Barrierefreiheit.\u00bb<\/p>\n<p>Nur die wenigsten queeren Sexclubs etwa denken Barrierefreiheit mit. \u00abDa ist noch viel Luft nach oben!\u00bb Und zwar nicht nur bei queeren Clubs und Bars, sondern auch bei queeren Vereinen und Beratungsstellen. \u00abBisher gibt es kaum Kontakte zwischen queeren Orten und Selbstorganisationen von Menschen mit Behinderungen\u00bb, sagt Anne Husem\u00f6ller. \u00abDas Wissen und die Erfahrung sind da. Aber das Wissen wird nicht abgefragt, weil bisher der Austausch fehlt.\u00bb Auch das wollen sie mit dem Projekt verbessern: die Vernetzung von Queers und Menschen, die behindert werden.<\/p>\n<p>2019 hat Anne Husem\u00f6llers Team einen umfangreichen Kriterienkatalog erarbeitet. 20 Seiten Checkliste. Mit dem haben sie im Herbst 2019 eine Bestandsaufnahme queerer R\u00e4ume in Berlin begonnen, der bis heute weitergeht. Ein Barrierecheck. \u00abOft wussten die Verantwortlichen, wenn wir ihre R\u00e4ume \u00fcberpr\u00fcft haben, sogar, dass so einiges nicht rollstuhlgerecht ist bei ihnen. Damit steht und f\u00e4llt, ob Personen einen Zugang haben. Wenn da zehn Stufen sind, muss man baulich rangehen, damit Menschen an dem Angebot dort teilhaben k\u00f6nnen.\u00bb Dauerthemen f\u00fcr Husem\u00f6ller und ihr Team sind neben Rollstuhlzugang am Vordereingang und rollstuhlgerechten Toiletten aber auch: Werden queere Veranstaltungen gedolmetscht, etwa in deutsche Geb\u00e4rdensprache oder in Leichte Sprache? Gibt es eine inklusive Beschilderung f\u00fcr Menschen mit Sehbehinderung? Ein barrierefreies Internet und Dokumente?<\/p>\n<p><strong>Noch nicht barrierefrei, aber barrierearm<\/strong><br \/>\nDas alles ist eine Frage von Priorit\u00e4ten \u2013 aber auch von Geld. In dem schwimmen viele queere Orte nicht gerade. Deshalb hat die Berliner LADS, die auch das Projekt von Anne Husem\u00f6ller f\u00f6rdert, 2020 einen Inklusionsfonds eingerichtet. Mit Mitteln f\u00fcr gemeinn\u00fctzig queere Projekte. F\u00fcr Massnahmen zum Barriereabbau. Anne Husem\u00f6ller sieht es optimistisch: \u00abIn den letzten Jahren hat sich viel getan. Das ist merklich. In jedem der 26 Projekte wurden Mittel beantragt.\u00bb Damit meint sie die vom Staat als gemeinn\u00fctzig anerkannten queeren Projekte. Anders sieht es bei den queeren Bars und Clubs aus, die vom Inklusionsfonds in Berlin kein Geld bekommen.<\/p>\n<p>Der wichtigste queere Club in Berlin ist das <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wir-stellen-uns-darauf-ein-dass-wir-das-schwuz-im-herbst-wieder-oeffnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SchwuZ<\/a>. Eine feste Institution in der Szene. Seit 1977 ist das SchwuZ \u00f6fter umgezogen \u2013 zuletzt 2013 in eine alte Brauerei in Berlin-Neuk\u00f6lln. \u00d6fter sieht man auf dem Dancefloor im SchwuZ Menschen im elektrischen Rollstuhl \u2013 oder Fahrstuhl, wie Ed Greve sagen w\u00fcrde. Sie tanzen, eine grosse Freude! Marcel Weber ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im SchwuZ. \u00abDas SchwuZ hat mit der Auswahl der Location in Neuk\u00f6lln auf Barrierearmut geachtet\u00bb, sagt Marcel Weber. Im Eingangsbereich gibt es eigens einen Hublift. \u00abGanz barrierefrei sind wir aber leider immer noch nicht.\u00bb Das SchwuZ sei aber in stetigem Austausch mit Netzwerken, die von Menschen mit Behinderung gemacht werden. \u00abUm uns weiterzuentwickeln.\u00bb Gerade pr\u00fcft die k\u00fcnstlerische Leitung des Clubs, wie bei Kulturprogrammen eine \u00dcbersetzung in Geb\u00e4rdensprache funktionieren kann. \u00abUnd wie wie wir im Clubkontext den Bestellvorgang f\u00fcr Menschen mit Behinderung verbessern k\u00f6nnen durch verschiedene optische und akustische Angebote\u00bb, sagt Marcel Weber vom SchwuZ.<\/p>\n<p>Ed Greve sieht den guten Willen: \u00abDas SchwuZ ist einer der barrierefreieren Orte in Berlin\u00bb, sagt er. \u00abDer grundlegende Zugang ist da. Aber wer steht bei den Shows auf der B\u00fchne? Was ist mit den DJ-Pults? Wer k\u00f6nnte das Programm mitgestalten und nicht nur konsumieren? Wie ist das mit Flyern, Plakaten und Dekoration? Was bilden wir ab als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die queere Szene?\u00bb Ausserdem ein wichtiges Anliegen f\u00fcr Ed Greve: Wer kann an queeren Orten arbeiten? \u00abGerade bei Szeneorten ist ja das Prinzip\u00bb, sagt er, \u00abdass wir das f\u00fcreinander machen. Ich m\u00f6chte als queerer Mensch mit Behinderung in einen Raum gehen, von dem ich weiss, dass queere Menschen mit Behinderung ihn mitgestalten.\u00bb Marcel Weber vom SchwuZ macht auch diesbez\u00fcglich Hoffnung: Auch bei der Besetzung zuk\u00fcnftiger Stellen wolle man im SchwuZ noch st\u00e4rker mit den Netzwerken zusammenarbeiten \u2013 \u00abum Menschen mit Behinderung bei uns im Team zu haben\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Eine Ausstellung, die zwei Randgruppen vereint<\/strong><br \/>\nEs tut sich was in den queeren Szeneinstitutionen. Auch im Schwulen Museum* in Berlin, wo im Juni 2022 die Ausstellung <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/eine-lgbtiq-community-die-menschen-mit-behinderung-ausgrenzt-ist-peinlich\/\">\u00abQueering the Crip, Cripping the Queer\u00bb<\/a> er\u00f6ffnen soll. Co-kuratiert wird sie vom Autor und Professor Kenny Fries, einem queeren Mann mit Behinderung. International die erste Ausstellung, bei der Geschichte und Kunst im Kontext Disability und Queerness beleuchtet werden soll. Wobei Kenny Fries kritisch anmerkt, dass bei bisherigen Ausstellungen, etwa auch 2015 bei der fast schon staatstragend gross angelegten Ausstellung \u00abHomosexualit\u00e4t_en\u00bb vom Schwulen Museum* und dem Deutschen Historischen Museum das Thema Behinderung kaum vorkam: \u00abWenn man mich gefragt h\u00e4tte, h\u00e4tte ich viele queere K\u00fcnstler*innen mit Behinderung empfehlen k\u00f6nnen \u2013 f\u00fcr eine akkuratere Repr\u00e4sentation queerer Intimit\u00e4t.\u00bb Er sprach die Kuratorin daraufhin an \u2013 die die Ausstellung entsprechend erweiterte, als sie von Berlin nach M\u00fcnster zog.<\/p>\n<figure id=\"attachment_116505\" aria-describedby=\"caption-attachment-116505\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-116505\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 599'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker.jpg\" alt=\"kenny fries\" width=\"900\" height=\"599\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-768x511.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-561x373.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-265x176.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-531x353.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-364x242.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-758x504.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/KennyFries_Credit_Michael_R.Dekker-400x266.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-116505\" class=\"wp-caption-text\">Kenny Fries co-kuratiert die Ausstellung \u00abQueering the Crip, Cripping the Queer\u00bb (Bild: Michael R. Dekker)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Erfolg. Aus seinem Privatleben kennt Kenny Fries das, dass er in einer queeren Gruppe der einzige Mensch mit Behinderung ist \u2013 und umgekehrt ist er bei einem Disability-Treff oft als einziger queerer Mensch zugegen.\u00bb Mit der geplanten Ausstellung will er Menschen zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p>Kenny Fries kam vor sieben Jahren aus den USA nach Berlin. Er kann Vergleiche ziehen: \u00abIn Deutschland starrt man. Ich erlebe das mit meiner sichtbaren k\u00f6rperlichen Behinderung hier in Deutschland mehr als anderswo.\u00bb Als Historiker sieht Kenny Fries auch die dunkle Vergangenheit in Deutschland: \u00abIn vielen L\u00e4ndern gab es Sterilisation und andere Misshandlungen von Menschen mit Behinderung. Aber in keinem anderen Land gab es einen solchen Massenmord an behinderten Menschen wie in Deutschland.\u00bb Wenn es um die Gegenwart geht, sieht Kenny Fries grosse M\u00e4ngel in den Gesetzen zum Schutz von Menschen mit Behinderung hierzulande: \u00abDie USA sind Deutschland weit voraus, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung gleichen Zugang zu Bildung zu erm\u00f6glichen.\u00bb<\/p>\n<p>Ein Thema, das Kenny Fries auch umtreibt: Wie werden Menschen mit Behinderung in der Popkultur dargestellt, in Filmen und Serien? Denn auch das formt unser Weltbild. Um das zu \u00fcberpr\u00fcfen, hat Kenny Fries analog zum feministischen Bechdel-Test (der pr\u00fcft, ob Frauen etwa in einem Film angemessen repr\u00e4sentiert werden) seinen Fries-Test entwickelt. Leichte Fortschritte sieht Fries dahingehend, dass Menschen mit Behinderung gecastet werden. Fries verweist etwa auf Peter Dinklage, der Tyrion Lannister in \u00abGame of Thrones\u00bb spielt. Und auf Ryan O&#8217;Connell, der in der Netflix-Serie \u00abSpecial\u00bb als schwuler Mann mit Behinderung einen schwulen Mann mit Behinderung spielt \u2013 basierend auf seinem eigenen Drehbuch. \u00abAber nur selten sieht man mehr als eine einzige behinderte Figur \u2013 so als ob wir Menschen mit Behinderung nur alleine existieren w\u00fcrden \u2013 und nicht in Gemeinschaft.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abWir brauchen mehr Beteiligung von und f\u00fcr Menschen, die an den Rand gedr\u00e4ngt werden.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Noch nicht alle L\u00f6sungen auf Lager<\/strong><br \/>\nAuch Ed Greve sieht Nachholbedarf in Sachen Popkultur: \u00abMuss denn bei zwei Charakteren mit Behinderungen, die wir im Jahr auf Netflix sehen, der eine ein Arschloch sein und der andere ein Opfer?! Beide Klischees sind ein Problem.\u00bb Er vermisst die Zwischent\u00f6ne, die Nuancen \u2013 und erz\u00e4hlt davon, wie er als Kind oft von den vermeintlichen B\u00f6sewichten, auch in Disney-Filmen, fasziniert war: \u00abIch hatte oft das Gef\u00fchl, irgendwas wird da nicht erz\u00e4hlt \u2013 warum die b\u00f6se geworden sind. Die sind bestimmt gemobbt worden!\u00bb Ein spannendes neues Sachbuch zum Thema ist \u00fcbrigens Amanda Leducs \u00abEntstellt. \u00dcber M\u00e4rchen, Behinderung und Teilhabe\u00bb, just erschienen bei Nautilus. Darin geht Amanda Leduc der Frage nach, wie von Menschen mit Behinderung in traditionellen und modernen M\u00e4rchen erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Die Welt, die wir auf den Bildschirmen sehen, formt auch unsere Empathie. \u00abEs f\u00e4llt unserer Gesellschaft schwer\u00bb, sagt Ed, \u00abempathisch mit Menschen mit Behinderung zu sein \u2013 und entsprechend zu handeln. Fast jeder Laden k\u00f6nnte sich hundert Euro f\u00fcr eine Klapprampe leisten. Oder wenigstens ein Brett.\u00bb Es braucht also Aufkl\u00e4rung. Aber das geht Ed Greve, wie gesagt, nicht schnell genug: \u00abManche Betreiber*innen m\u00fcsste man gesetzlich zwingen, ihre Orte barrierearm zu gestalten, auch wenn sie es noch nicht verstehen.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_116504\" aria-describedby=\"caption-attachment-116504\" style=\"width: 604px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-116504\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 604 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3.jpg\" alt=\"ed greve\" width=\"604\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3.jpg 604w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-201x300.jpg 201w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-403x600.jpg 403w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-561x836.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-265x395.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-531x791.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-364x542.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/der-mann-im-fahrstuhl-ed-greve-3-400x596.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-116504\" class=\"wp-caption-text\">\u00abEine Queer-Pride reicht nicht aus\u00bb, sagt Greve (Foto: Joseph Wolfgang Ohlert)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kein Wunder also, dass Ed selber in die Politik will \u2013 um die Welt, die ihn und viele andere behindert, zu ver\u00e4ndern. \u00abWir brauchen mehr Beteiligung von und f\u00fcr Menschen, die an den Rand gedr\u00e4ngt werden.\u00bb Er gibt zu, nicht alle L\u00f6sungen parat zu haben \u2013 aber, auch durch seine Arbeit im Migrationsrat ist er \u00fcberzeugt davon, sagt er, dass die Zivilgesellschaft, etwa Verb\u00e4nde und Selbstorganisationen, schon die L\u00f6sungen habe \u2013 bloss von der Politik bisher zu wenig geh\u00f6rt werde. Auch das will er \u00e4ndern. \u00abDeswegen sehe ich das als Aufgabe von parlamentarischer Politik, in Kontakt zu bleiben mit Leuten, die L\u00f6sungen finden k\u00f6nnen \u2013 immer mit den Interessen derer im Blick, die gerade am weitesten weg sind von Zug\u00e4ngen.\u00bb Und damit meint er auch: Zugang zu Wohnungen, Zugang zu Bildung.<\/p>\n<p>Damit Queers das Jahr \u00fcber sichtbar sind, gibt es nicht zuletzt die Pride-Paraden. Ed erz\u00e4hlt begeistert vom Disability-Pendant, den \u00abBehindert-und-verr\u00fcckt-feiern-Paraden\u00bb, die es in Berlin vor wenigen Jahren gab. \u00abDas war von Anfang an eine intersektionale Bewegung\u00bb, schw\u00e4rmt er. \u00abAuch Menschen mit Behinderungen, die selber queer sind, waren dabei. Deshalb konnte man auf diesen Pride-Paraden viele Regenbogenflaggen sehen. Es gab immer Leute dabei, die eine Drag-Performance gemacht oder queere Themen verhandelt haben. Das kam von Queers mit Behinderung \u2013 weil Queer Pride nicht ausreicht.\u00bb Ed wird nachdenklich. \u00abEs gab da auch einen Ruhe\u00adwagen und Leute, die andere geschoben haben.\u00bb Und wenn er so dar\u00fcber spricht, ist man sich sicher, dass er selber einer ist, der vieles und viele anschieben will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unerreichbare Tresen, Treppen, steile Rampen: Am Willen, sich frei zu bewegen, mangelt es Ed Greve nicht. F\u00fcr den #trans Mann ist es nicht seine #Behinderung, die umst\u00e4ndlich ist\u202f\u2013 die Umst\u00e4nde behindern ihn. (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ed-greve-der-mann-im-fahrstuhl\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1835,"featured_media":116502,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[128,5467],"wps_subtitle":"Der queere trans Mann Ed Greve setzt sich in Berlin f\u00fcr mehr Barrierefreiheit im offenen Raum ein","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116501"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1835"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=116501"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":116606,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/116501\/revisions\/116606"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/116502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=116501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=116501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=116501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}