{"id":116137,"date":"2021-08-02T16:52:30","date_gmt":"2021-08-02T14:52:30","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=116137"},"modified":"2021-08-02T16:52:30","modified_gmt":"2021-08-02T14:52:30","slug":"trans-athletin-hubbard-ohne-medaille-aber-mit-botschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/trans-athletin-hubbard-ohne-medaille-aber-mit-botschaft\/","title":{"rendered":"Trans Athletin Hubbard: Ohne Medaille, aber mit Botschaft"},"content":{"rendered":"<h3>Sportlich verl\u00e4uft der Abend f\u00fcr Laurel Hubbard entt\u00e4uschend. Nach drei ung\u00fcltigen Versuchen wird die trans Gewichtheberin aus Neuseeland Letzte. Doch ihre Olympia-Botschaft ist wichtiger als Medaillen.<\/h3>\n<p>Laurel Hubbard formte mit ihren H\u00e4nden ein Herz und verneigte sich zum Abschied. Eine gute halbe Stunde lang nur stand die neuseel\u00e4ndische Gewichtheberin an diesem denkw\u00fcrdigen Tag in der langen Historie Olympischer Spiele im Mittelpunkt. Als erste Olympia-Athletin, die offen ihre Geschlechtsidentit\u00e4t angepasst hat (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/trans-gewichtheberin-laurel-hubbard-will-nur-ich-sein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Als\u00a0trans Mensch. Als Person, die sich mit dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlt.<\/p>\n<p><strong>Nur der letzte Platz<br \/>\n<\/strong>Die heute 43-J\u00e4hrige lebte nach ihrer Geburt 35 Jahre lang mit einer m\u00e4nnlichen Zuschreibung. Nun trat sie in Tokio im Frauen-Wettbewerb in der Gewichtsklasse \u00fcber 87 Kilogramm an. Die Sportart Gewichtheben, zuletzt wegen all ihrer Skandale arg in Verruf geraten, interessierte pl\u00f6tzlich wieder die Sportwelt. Doch die von Hubbard erhoffte (und von manchen Kritiker*innen bef\u00fcrchtete) Medaille blieb ihr nach drei ung\u00fcltigen Versuchen verwehrt.<\/p>\n<p>Der olympische Zweikampf aus Reissen und Stossen ging f\u00fcr sie j\u00e4h zu Ende. Gold gewann die Chinesin Wenwen Li, Silber ging an Emily Jade Campbell aus Grossbritannien, Bronze an Sarah Elizabeth Robles aus den USA. Hubbard wurde Letzte.<\/p>\n<p><strong>\u00abSport ist f\u00fcr alle\u00bb<\/strong><br \/>\nAber am heutigen Montagabend war die Botschaft ohnehin wichtiger als die Medaille. \u00abSport ist etwas f\u00fcr alle Menschen, er ist inklusiv, er gew\u00e4hrt allen Zutritt\u00bb, sagte Hubbard sp\u00e4ter, als ihr noch ein wenig die Stimme zitterte. \u00abNat\u00fcrlich ist mir bewusst, welche Kontroversen meine Teilnahme an diesen Spielen umgaben.\u00bb Dass Hubbard antreten durfte, wurde als wichtiges Zeichen und starke Botschaft gewertet.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Internationale Olympische Komitee um Pr\u00e4sident Thomas Bach war es ein Zeichen der Offenheit und Inklusion. F\u00fcr manche Konkurrentin dagegen ein \u00abschlechter Witz\u00bb, wie es die Belgierin Anna Van Bellinghen formulierte, weil sie unfaire Bedingungen f\u00fcrchtete.<\/p>\n<p>Um 20.29 Uhr Ortszeit betrat Hubbard am Montagabend erstmals die B\u00fchne im Tokyo International Forum. Als w\u00e4hrend des f\u00fcnfmin\u00fctigen Countdowns vor dem Wettkampf \u00abEye of the Tiger\u00bb von Survivor und \u00abSmoke on the Water\u00bb von Deep Purple eingespielt wurden, verharrte die Kamera einen Moment l\u00e4nger bei Hubbard als bei den anderen Athletinnen. Sie l\u00e4chelte kurz, schloss die Augen.<\/p>\n<p><strong>Grosses mediales Interesse<\/strong><br \/>\n\u00abLet&#8217;s go\u00bb rief jemand aus den R\u00e4ngen des Auditoriums, das an einen Konzertsaal erinnert, als sie zur Hantelstange griff. Doch Hubbard liess bei 120 Kilogramm die Hantel hinter sich auf den Boden fallen. Der zweite Versuch bei 125 Kilo wurde f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt, auch beim dritten scheiterte sie. Um 20.39 Uhr war der sportliche Wettbewerb f\u00fcr Hubbard schon wieder beendet. Um kurz nach neun verabschiedete sie sich durch eine schwarze Metallt\u00fcr. Nach einem Medien-Auflauf, der ihr sichtlich unangenehm war. \u00abJeder wartet hier wohl auf dieselbe Person\u00bb, sagte einer der Helfer, der versuchte, Kameraleute, Fotografen und Reporter in Warteschlangen zu sortieren.<\/p>\n<p>An den ersten Kameras ging Hubbard noch vorbei, eine orangefarbene M\u00fctze auf dem Kopf, einen schwarzen Mund-Nasen-Schutz im Gesicht. Schliesslich griff sie doch noch zu einem Mikrofon, sagte sichtlich bewegt einige S\u00e4tze, beantwortete aber keine Fragen. In den vergangenen Jahren hatte sie praktisch keine Interviews gegeben, zitiert wurden immer wieder Aussagen von ihr aus dem Jahr 2017.<\/p>\n<p>\u00abIch bin, wer ich bin. Ich bin nicht da, um die Welt zu ver\u00e4ndern. Ich will nur ich sein und das machen, was ich mache\u00bb, sagte Hubbard damals im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen ihres Heimatlandes. Nun sprach sie ein paar Worte des Danks: an das IOC, die Gastgebernation Japan und den Gewichtheber-Weltverband.<\/p>\n<p><strong>Weg geebnet<\/strong><br \/>\nDas IOC\u00a0hat den Weg f\u00fcr\u00a0trans Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Jahren geebnet mit einem Richtwert f\u00fcr das Testosteronniveau einer zur Frau erkl\u00e4rten Person, das vor dem Wettkampf f\u00fcr mindestens zw\u00f6lf Monate bei h\u00f6chstens 10 Nanomol pro Liter Blut liegen soll. Ein neuer Rahmen f\u00fcr den Umgang mit trans Personen soll innerhalb der n\u00e4chsten zwei Monate abgesteckt werden.<\/p>\n<p>Den japanischen Gastgeber*innen dankte Hubbard f\u00fcr die Anstrengungen w\u00e4hrend der Coronavirus-Pandemie. \u00dcber den Weltverband IWF sagte sie: \u00abSie haben mich immer unterst\u00fctzt. Sie haben gezeigt, dass Gewichtheben offen ist f\u00fcr alle Menschen auf der Welt.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sportlich verl\u00e4uft der Abend f\u00fcr Laurel #Hubbard entt\u00e4uschend. Nach drei ung\u00fcltigen Versuchen wird die #trans #Gewichtheberin aus #Neuseeland Letzte. 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