{"id":115952,"date":"2021-07-31T18:52:53","date_gmt":"2021-07-31T16:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=115952"},"modified":"2021-08-06T09:19:15","modified_gmt":"2021-08-06T07:19:15","slug":"kirchenasyl-letzte-hoffnung-hinter-kirchenmauern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kirchenasyl-letzte-hoffnung-hinter-kirchenmauern\/","title":{"rendered":"Kirchenasyl \u2013 Letzte Hoffnung hinter Kirchenmauern"},"content":{"rendered":"<h3>Das Kirchenasyl geht zur\u00fcck auf die Antike. Auch heute bieten Gemeinden Gefl\u00fcchteten Schutz. Queers wie Diana aus Uganda werden zumindest eine Zeitlang davor bewahrt, in ihre Heimat zur\u00fcckkehren zu m\u00fcssen. Doch das Kirchenasyl hat viele Feinde.<\/h3>\n<p>Diana Namusoke wusste fr\u00fch, dass sie lesbisch ist. Mit 13 hatte sie ihre erste Freundin. In ihrer Heimat Uganda drohen Homosexuellen lange Gef\u00e4ngnisstrafen, in der Gesellschaft ist gleichgeschlechtliche Liebe stark tabuisiert. Die Kirche st\u00e4rkt die Vorbehalte, und die Medien schrecken nicht davor zur\u00fcck, Schwule und Lesben zwangszuouten, indem sie ihre Fotos und Adressen abdrucken.<\/p>\n<p>Ein paar Jahre lang konnte Diana ihre sexuelle Orientierung vor ihrer Familie verbergen. Doch als die Eltern es herausfanden, warfen sie die junge Frau raus\u202f\u2013 mit 16. Ihre Familie verlangte, dass sie heiratet aber das wollte Diana nicht. Sie wurde geschlagen und gefoltert. \u00abSie wollten mich umbringen\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 gelang ihr zusammen mit einer Bekannten die Flucht nach Deutschland. Beim ersten Kontakt mit dem Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) gab sie an, lesbisch zu sein. Bei der n\u00e4chsten Anh\u00f6rung aber traute sie sich nicht mehr, dar\u00fcber zu sprechen. Denn mittlerweile lebte sie in einem Heim, zusammen mit Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen. \u00abDie Atmosph\u00e4re war homophob; ich hatte Angst.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Gefl\u00fcchtete aus Uganda kommen nach Bayern<\/strong><br \/>\nZudem fehlten ihr Ansprechpartnerinnen. Die fand sie schliesslich bei der M\u00fcnchner Lesbenberatungsstelle LeTRa. Dort k\u00fcmmert man sich (Stand April) um<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ich-wollte-normal-sein-um-zu-ueberleben\/\"> bis zu 180 lesbische, bisexuelle oder queere Frauen (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Sie kommen aus Nigeria, Tansania oder Russland, meist aber aus Uganda: Nach der Verteilungsquote, die von einer Bund-L\u00e4nder-Kommission ermittelt wird, landen ugandische Gefl\u00fcchtete in Bayern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_115954\" aria-describedby=\"caption-attachment-115954\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/kirchenasyl-hamburg.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-115954\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/kirchenasyl-hamburg.jpg\" alt=\"kirchenasyl\" width=\"900\" height=\"600\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-115954\" class=\"wp-caption-text\">Hamburg: Afrikanische Fl\u00fcchtlinge haben in der Kirche St. Pauli ihre Schlafpl\u00e4tze auf dem Kirchenboden vorbereitet. (Bild: Foto: Axel Heimken\/dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Unterst\u00fctzt durch LeTRA und mit anwaltlicher Hilfe reichte Diana im April 2018 einen Asylfolgeantrag ein. Doch obwohl sie als lesbische Frau einer sogenannten vulnerablen Gruppe angeh\u00f6rt, lehnte das BAMF ihren Asylantrag ein halbes Jahr sp\u00e4ter ab. Man glaubte ihr nicht, dass sie lesbisch ist. Sowas kommt beim BAMF nicht selten vor.<\/p>\n<p>Diana war nun akut abschiebegef\u00e4hrdet. LeTRa versuchte, f\u00fcr sie einen Platz im Kirchenasyl in Bayern zu finden. Leider vergeblich. Denn Diana war keine Gefl\u00fcchtete nach dem Dublin-Verfahren, wo nach sechs Monaten die Frist zur \u00dcberstellung in das f\u00fcr das Asylverfahren zust\u00e4ndigen Land abl\u00e4uft. In Bayern findet man aber in der Regel nur Kirchenasyle f\u00fcr Dublin-F\u00e4lle, Ausnahme sind protestantische Kirchen, sagt Sara Schmitter von LeTRa. \u00abIn der katholischen Kirche ist alles total hierarchisch strukturiert: Da gibt es dann eine Person, die zentral entscheidet. Und die nimmt nur Dublin-F\u00e4lle, wegen der k\u00fcrzeren Fristen, weil hier das Ende absehbar ist.\u00bb<\/p>\n<p>Es kommt aber auch vor, dass Schmitter bei der \u00c4btissin eines Klosters vorspricht und derart homophobe Kommentare zu h\u00f6ren bekommt, dass sie selber entscheidet: Hier kommt ein Asyl nicht in Frage. Ohnehin sagt die LeTRa-Mitarbeiterin: \u00abGefl\u00fcchtet und lesbisch \u2013 das ist in der bayrischen Pampa nicht lustig.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abEntscheidendes Kriterium: Eine m\u00f6gliche Abschiebung bedeutet eine Gefahr f\u00fcr das Leben einer Person.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Oft hilft die Berliner Heilig-Kreuz-Kirche<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Diana fand man schliesslich im Herbst 2018 Asyl in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg. Dort ist Ute Gniewoss seit 2016 Pfarrerin. Vorher war sie 24 Jahre in einer Kirchengemeinde im Brandenburg, wo sie immer wieder Gefl\u00fcchteten Asyl bot. Auch in Berlin hat sie schon einige Menschen vor dem staatlichen Zugriff gesch\u00fctzt, immer in Abstimmung mit dem Kirchgemeinderat. \u00abDie Heilig-Kreuz-Kirche hat da eine Tradition, eine gewachsene Bereitschaft, was mich froh macht, weil es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist.\u00bb<\/p>\n<p>Auch das erste moderne Kirchenasyl \u2013 der Schutz vor Abschiebung in Gefahrensituationen \u2013 wurde hier im Jahr 1983 gew\u00e4hrt. Zwar k\u00f6nnte der Staat von seinem Zugriffsrecht Gebrauch machen, um die Abschiebung zu vollziehen, doch grunds\u00e4tzlich toleriert er das Kirchenasyl, jedenfalls in Deutschland. Aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_115955\" aria-describedby=\"caption-attachment-115955\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-115955 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss.jpg\" alt=\"Kirchenasyl\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ute-Gniewoss-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-115955\" class=\"wp-caption-text\">Pfarrerin Ute Gniewoss hilft Gefl\u00fcchteten seit \u00fcber 30 Jahren (Foto: Kriss Rudolph)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Bedarf ist viel gr\u00f6sser als das, was Gemeinden leisten k\u00f6nnen, sagt Gniewoss. \u00abWir w\u00fcrden auch nicht alle nehmen. Das entscheidende Kriterium ist, dass eine m\u00f6gliche Abschiebung eine Gefahr f\u00fcr das Leben dieser Person ist oder ihr zumindest schweren Schaden zuf\u00fcgen w\u00fcrde.\u00bb<br \/>\nDie Beh\u00f6rden werden stets von der Kirche informiert, daf\u00fcr wird ein Dossier mit Gutachten erstellt. In Dianas Fall wurde es an die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde in Augsburg geschickt, die schrieben zur\u00fcck, dass das BAMF zust\u00e4ndig sei, erz\u00e4hlt Gniewoss. \u00abDann schickten wir alles dorthin, aber das BAMF teilte uns wiederum mit, nicht sie seien zust\u00e4ndig, sondern die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde \u2013 und das wars.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Ungebrochen hoher Bedarf an Kirchenasyl<\/strong><br \/>\nAuch in Westfalen wird Gefl\u00fcchteten immer wieder Kirchenasyl gew\u00e4hrt. Helge Hohmann, Beauftragter f\u00fcr Zuwanderungsarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, erinnert sich u.\u2009a. an einen schwulen Gefl\u00fcchteten aus dem Libanon. \u00abWir haben immer parallel etwa 20 Kirchenasyle laufen, \u00fcbers Jahr sind es 30 bis 40\u00bb, sagt Hohmann. Der Bedarf sei ungebrochen hoch.<br \/>\nDen Innenminister*innen ist das Kirchenasyl ein Dorn im Auge. Gem\u00e4ss einem Beschluss der Innenministerkonferenz von Juni 2018 sollten Personen im Kirchenasyl in bestimmten Fallkonstellationen als \u00abfl\u00fcchtig\u00bb im Sinne der Dublin-Verordnung behandelt werden \u2013 etwa wenn das BAMF feststellt, dass kein H\u00e4rtefall vorliege, aber die betroffene Person das Kirchenasyl nicht verl\u00e4sst. Der Beschluss wurde im Juni 2020 vom Bundesverwaltungsgericht gekippt.<br \/>\nDie AfD will es Kirchenasyl ganz abschaffen, scheiterte damit aber 2018 in Sachsen-Anhalt. Der innenpolitische Fraktionssprecher Hagen Kohl nannte das Kirchenasyl \u00abunzeitgem\u00e4ss\u00bb, sprach von einer Dem\u00fctigung des Rechtsstaates.<\/p>\n<p><strong>Kirche vor Gericht<\/strong><br \/>\nImmer wieder gehen Beh\u00f6rden gegen Kirchen oder gegen Gefl\u00fcchtete vor. Die Stadt G\u00f6ttingen k\u00fcrzte die Leistungen einer gefl\u00fcchteten Nigerianerin mit dem Argument, die in Italien bereits als Fl\u00fcchtling anerkannte alleinerziehende Mutter sei nur nach Deutschland eingereist, um hier finanzielle Leistungen zu erschleichen; ausserdem habe sie durch den Gang ins Kirchenasyl ihre Abschiebung sabotiert. Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen sprach ihr Anfang Mai ungek\u00fcrzte Asylleistungen zu. Etwa zeitgleich musste sich ein M\u00f6nch der Benediktinerabtei M\u00fcnsterschwarzach bei W\u00fcrzburg, der einem Fl\u00fcchtling Kirchenasyl gew\u00e4hrt hatte, vom Gericht verantworten. Er wurde im April freigesprochen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_115956\" aria-describedby=\"caption-attachment-115956\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-115956\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-265x177.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-531x354.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Benediktinerabtei-Muensterschwarzach-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-115956\" class=\"wp-caption-text\">Auch die Benediktinerabtei M\u00fcnsterschwarzach bietet Asyl (Foto: dpa)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In \u00d6sterreich und der Schweiz gibt es nur selten F\u00e4lle von Kirchenasyl. Wie uns Pfarrerin Verena M\u00fchlethaler von der reformierten Kirche Z\u00fcrich erkl\u00e4rt, habe das auch damit zu tun, dass keine Vereinbarung dar\u00fcber zwischen Kirche und Staat bestehe wie in Deutschland. Zwar habe es ein paar erfolgreiche Kirchenasyle in den letzten Jahren gegeben. Doch das Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) habe schon mehrmals Menschen, die in einem Kirchenasyl waren, als \u00abuntergetaucht\u00bb bezeichnet \u2013 was die Dublin-\u00dcberstellungsfrist von einem halben Jahr auf eineinhalb Jahre verl\u00e4ngert. \u00abWir prozessieren dagegen in zwei F\u00e4llen, die nun beim Bundesverwaltungsgericht liegen. Denn unserer Ansicht ist das nicht zul\u00e4ssig, da wir ja auch in einem Kirchenasyl den Beh\u00f6rden die Adresse von Anfang an bekannt geben.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Ausschaffung trotz Kirchenasyl<\/strong><br \/>\nZudem sei es auch schon vorgekommen, dass die Polizei Gefl\u00fcchtete trotz Kirchenasyls abgeholt und ausgeschafft habe. Die Pfarrerin erinnert sich an einen schwulen Iraker, den man vor einem halben Jahr aufgenommen habe. Die Schweiz wollte ihn wegen des Dublin-Abkommens nach Tschechien zur\u00fcckschicken. Dorthin wollte er aber auf keinen Fall, denn dort sei er wohl auch l\u00e4nger im Gef\u00e4ngnis gewesen, da er in dem Land eben kein Asylantrag habe stellen wollen. \u00abNach einer Woche aber schon bekamen wir einen Brief, dass der Mann sich bereit machen m\u00fcsse zur Abholung und \u00dcberstellung nach Tschechien\u00bb, so M\u00fchlethaler. \u00abDarauf beschloss er, sein Gl\u00fcck in Deutschland zu suchen, und ist nun dort.\u00bb<\/p>\n<p>Auch in \u00d6sterreich gibt es Kirchenasyl mehr nur dem Begriff nach, sagt uns Pfarrer Alois D\u00fcrlinger aus dem Salzburger Land. In Sankt Veit im Pongau nahm der Pfarrgemeinderat im November 2014, ein gutes halbes Jahr vor der grossen Fluchtbewegung, die ersten zw\u00f6lf M\u00e4nner im Messnerhaus auf; etwa ein halbes Jahr wurde zus\u00e4tzlich der Pfarrhof ge\u00f6ffnet. Die Zahl der Fl\u00fcchtlinge stieg daraufhin auf 25 und sp\u00e4ter sogar auf 50. \u00abWir waren das gr\u00f6sste di\u00f6zesane Quartier\u00bb, erinnert sich D\u00fcrlinger, der in der Folge vom Erzbischof zum Assistenten und Sprecher in Asyl- und Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten ernannt wurde.<\/p>\n<p>Damals half D\u00fcrlinger, der oft \u00abFl\u00fcchtlingspfarrer\u00bb genannt wird, auch einem schwulen Mann aus Afrika. Es gab damals nur Mehrbettzimmer, erinnert sich der Pfarrer. \u00abEs war ein h\u00f6chst prek\u00e4re Situation\u00bb, die anderen M\u00e4nner kamen vor allem aus arabischen L\u00e4ndern. Im Vertrauen wandte sich der Mann an den Pfarrer, der sorgte dann daf\u00fcr, dass er in eine Einzelunterbringung kam. \u00abEs war das Mindeste, dass man ihm beistand\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Kein Kontakt mehr in die Heimat<\/strong><br \/>\nZur\u00fcck nach Deutschland. Diana hatte mit dem Kirchenasyl grosses Gl\u00fcck: Fast zweieinhalb Jahre hatte sie in der Berliner Gemeinde Asyl. Hier bekam sie Deutschunterricht, lernte Fahrradfahren und probierte deutsche Rezepte aus. \u00abIch kann jetzt K\u00fcrbissuppe und H\u00fchnersuppe kochen\u00bb, erz\u00e4hlt sie mit einem L\u00e4cheln. Auch ihren 50. Geburtstag hat sie im vergangenen Juni hier gefeiert. Zu ihrer Familie hat sie keinen Kontakt mehr, auch Freund*innen hat sie in Uganda keine mehr. \u00abDeutschland ist mein Zuhause\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>Zwei Jahre k\u00f6nnen lang sein, vor allem wenn man Angst hat, vor die T\u00fcr zu gehen, Angst, die Polizei k\u00f6nnte sie aufgreifen, eine Gefl\u00fcchtete ohne Papiere. Darum wurde Diana immer von Leuten aus der Kirche begleitet; alle Aktivit\u00e4ten fanden an sicheren Orten statt. Und sie hat in ihrer Zeit in Berlin an Selbstvertrauen gewonnen, sagt die Pfarrerin stolz. Und Diana findet: \u00abDie Kirche hat einen wundervollen Job getan.\u00bb<\/p>\n<p>Anfang M\u00e4rz kam endlich die gute Nachricht: Das Bayerische Verwaltungsgericht Augsburg entschied, dass ihr abgelehnter Asylfolgeantrag vom BAMF \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcsse. Nun stand fest: Diana kann das Kirchenasyl bald verlassen und nach M\u00fcnchen ziehen und mit ihrer Freundin ein neues Leben aufbauen. Ihr Ziel: weiter Deutsch lernen und sich einen Job im Altenheim suchen.<\/p>\n<p><strong>Vorerst kein Happy End<\/strong><br \/>\nIhre Geschichte schien ein gutes Ende erreicht zu haben. Doch dann wurde sie nach ihrer R\u00fcckkehr nach Bayern \u2013 trotz Abschiebeschutz \u2013 ins Aufnahmezentrum gebracht, ausgerechnet am 26. April, dem Tag der lesbischen Sichtbarkeit. Wegen eines Coronafalls kam sie dort in Quarant\u00e4ne und konnte keinen Schritt mehr vor die T\u00fcr setzen. \u00abEine Tortur\u00bb, sagt Sara Schmitter von LeTRa. \u00abEs h\u00e4tte nicht schlechter laufen k\u00f6nnen f\u00fcr Diana.\u00bb<\/p>\n<p>Warum sie ins Ankerzentrum gebracht wurde, wollten wir von der Regierung von Oberbayern wissen. Der Pressesprecher Wolfgang Rupp teilte uns dazu mit, es liege zum Fall von Diana \u00abeine wirksame Verteilentscheidung auf den Regierungsbezirk Schwaben\u00bb vor. Darum habe die Regierung von Oberbayern die Betroffene \u00abzust\u00e4ndigkeitshalber dorthin verwiesen\u00bb. Eine Antwort, verfasst in grauem Beh\u00f6rdendeutsch, das kaum vermuten l\u00e4sst, dass sich dahinter ein menschliches Schicksal verbirgt.<\/p>\n<p>LeTRA-Mitarbeiterin Sara erkl\u00e4rt den Fall so: \u00abEs gibt Menschen, die Gefl\u00fcchtete abstrafen wollen, die im Kirchenasyl waren, weil sie sich so lange dem Rechtsstaat entzogen haben. Nicht das erste Mal, dass wir in Bayern sowas erleben.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im #Kirchenasyl bieten Gemeinden #Gefl\u00fcchteten Schutz. Queers wie Diana aus #Uganda werden zumindest eine Zeit davor bewahrt, in ihre Heimat zur\u00fcckkehren zu m\u00fcssen. Doch das Kirchenasyl hat viele Feinde. (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kirchenasyl-letzte-hoffnung-hinter-kirchenmauern\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":115953,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4371],"tags":[5434,5512,674],"wps_subtitle":"Wer gefl\u00fcchtet ist und lesbisch, hat es in Bayern oft nicht leicht","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115952"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115952"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115952\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":116060,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115952\/revisions\/116060"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/115953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115952"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}