{"id":115156,"date":"2021-07-14T13:36:40","date_gmt":"2021-07-14T11:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=115156"},"modified":"2021-07-14T14:00:29","modified_gmt":"2021-07-14T12:00:29","slug":"wirbel-um-anti-lgbtiq-kommentar-distanzierung-bleibt-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wirbel-um-anti-lgbtiq-kommentar-distanzierung-bleibt-aus\/","title":{"rendered":"Wirbel um Anti-LGBTIQ-Kommentar: Distanzierung bleibt aus"},"content":{"rendered":"<h3>Am 4. Juli postete das Facebook-Konto von Supermarket-Gesch\u00e4ftsleiter Sandro Bohnenblust einen LGBTIQ-feindlichen Kommentar. Eine Kl\u00e4rung des Vorfalls ist auch zehn Tage sp\u00e4ter nicht in Sichtweite, wohl aber die eine oder andere Erkenntnis.<\/h3>\n<p>Die Ausgangslage: Der Club Supermarket in Z\u00fcrich ist seit \u00fcber 20 Jahren ein beliebter Treffpunkt f\u00fcr die House- und Technoszene, auch f\u00fcr die LGBTIQ-Community. Am 4. Juli setzte das Facebook-Konto von Gesch\u00e4ftsleiter Sandro Bohnenblust folgenden Kommentar auf Facebook ab: \u00ab\u00abLBTQ bedeutet sexuelles Chaos und Verderben der Familienstruktur. Seit 250 Jahren f\u00fchren solch degenerierte Moralvorstellungen statistisch zu h\u00f6herer Armut, mehr \u00fcbertragbaren Krankheiten, Zerst\u00f6rung von sozialer Stabilit\u00e4t, Kinder mit niederem Selbstwertgef\u00fchl .. usw! Welche Ideologie steckt dahinter?\u00bb<\/p>\n<p>Es dauerte nicht lange, bis sich Screenshots in den Sozialen Medien verbreiteten und ein regelrechter Shitstorm seinen Lauf nahm. Mitglieder der LGBTIQ-Community dr\u00fcckten ihre Entr\u00fcstung auf, k\u00fcndigten an, den Club fortan zu boykottieren. Die Boulevardzeitung <em><a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/schweiz\/zuerich\/zuercher-club-betreiber-attackiert-angeblich-lgbt-gemeinde-ich-wurde-gehackt-id16652461.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blick<\/a><\/em> griff noch am selben Tag die Geschichte auf und holte Bohnenblust ans Telefon. Dieser beteuerte seine Unschuld, das Facebook-Konto sei gehackt worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_115175\" aria-describedby=\"caption-attachment-115175\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-115175\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 453 688'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust.jpg\" alt=\"bohnenblust\" width=\"453\" height=\"688\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust.jpg 453w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-198x300.jpg 198w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-395x600.jpg 395w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-364x553.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-63x96.jpg 63w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/facebook-bohnenblust-400x608.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 453px) 100vw, 453px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-115175\" class=\"wp-caption-text\">Der Kommentar wurde vom Facebook-Konto von Sandro Bohnenblust ver\u00f6ffentlicht. (Bild: Screenshot\/Facebook.com\/baumann.bastian)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Erkl\u00e4rung scheint bei vielen aus der LGBTIQ-Community nicht so richtig zu greifen, wie aus den sozialen Medien zu entnehmen ist. Auch heute, zehn Tag nach dem mittlerweile gel\u00f6schten Kommentar, ist die Skepsis innerhalb der Z\u00fcrcher Ausgeh-Community gross. Eine <a href=\"https:\/\/act.campax.org\/petitions\/queerfeindliche-posts-des-supermarket-geschaftsfuhrers-wir-fordern-aufklarung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Petition<\/a> fordert eine l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung des Falls bis zum 15. Juli und z\u00e4hlt inzwischen knapp 1850 Unterschriften.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberpr\u00fcfung von Bohnenblusts Behauptungen eines Hackerangriffs d\u00fcrfte schwierig sein, wenn nicht unm\u00f6glich. Eine Anfrage von MANNSCHAFT an Facebook blieb bis heute unbeantwortet. Eine l\u00fcckenlose Kl\u00e4rung des Sachverhalts scheint unwahrscheinlich, f\u00fcr Bohnenblust gilt die Unschuldsvermutung. Es bleiben die folgenden Erkenntnisse:<\/p>\n<p><strong>1. Ein klares Bekenntnis zur LGBTIQ-Community fehlt<\/strong><br \/>\nBohnenblust streitet ab, den LGBTIQ-feindlichen Kommentar auf Facebook verfasst zu haben. Was jedoch fehlt, ist eine klare Distanzierung zum hetzerischen Inhalt des Posts. Ein klares Bekenntnis zur queeren Community oder wenigstens eine Wertsch\u00e4tzung von LGBTIQ-Clubg\u00e4sten h\u00e4tten Bohnenblusts Aussagen mehr Glaubw\u00fcrdigkeit geschenkt. Die Anfrage von MANNSCHAFT vom 7. Juli an den Club Supermarket mit der Frage, ob ein solches Statement geplant sei, blieb unbeantwortet. Auch nach der zweiten E-Mail vom 13. Juli gab es f\u00fcr MANNSCHAFT keine Stellungnahme. Gegen\u00fcber den Mainstreammedien, in diesem Fall<em><a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/story\/shitstorm-gegen-zuercher-club-ich-wurde-gehackt-510353272241\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> 20 Minuten<\/a><\/em>, sagt Bohnenblust lediglich: \u00abWir besch\u00e4ftigen etwa auch Personen aus der LGBTIQ-Community.\u00bb<\/p>\n<p><strong>2. Der Sachverhalt bleibt unklar<\/strong><br \/>\nAls Bohnenblust am 4. Juli auf Facebook den hetzerischen Kommentar dementiert, weisen User*innen daraufhin, dass seine Schreibweise zwei Gemeinsamkeiten mit der Schreibweise des angeblichen Hackers, der angeblichen Hackerin aufweisen. So schreibt Bohnenblust ebenfalls \u00abLBTQ\u00bb statt LGBTIQ oder LGBT und verwendet statt den standardm\u00e4ssigen drei Auslassungspunkten nur zwei. User*innen forderten Bohnenblust auf, Belege f\u00fcr die Meldung des gehackten Kontos an Facebook zu posten. Darauf kommentierte er nur: \u00abTelefongespr\u00e4ch!\u00bb Gegen\u00fcber dem <em><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/auf-homophobe-aeusserungen-folgte-der-shitstorm-395535885357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tages-Anzeiger<\/a> <\/em>dementierte Bohnenblust, mit Facebook telefoniert zu haben.<\/p>\n<p><strong>3. Es ist nicht die einzige Kontroverse um den Club Supermarket<\/strong><br \/>\nEin Bekenntnis zu queeren Clubg\u00e4sten gab es zwar nicht vom Supermarket, sondern von der Bar &amp; Club Kommission Z\u00fcrich (BCK), eine Interessensgemeinschaft von Kulturbetrieben, die im Z\u00fcrcher Nachtleben t\u00e4tig sind. \u00abOhne LGBTIQ-Community w\u00fcrde Z\u00fcrich nicht tanzen\u00bb, heisst es auf Facebook. Und: \u00abSolch menschenfeindliche und diskriminierende Aussagen sind nicht tolerierbar.\u00bb<\/p>\n<p>Nur: Der Supermarket Club ist seit dem 12. Juni nicht mehr Mitglied in der BCK. Grund f\u00fcr den Austritt sind Meinungsverschiedenheiten zum Covid-Zertifikat. Dieses erm\u00f6glicht geimpften, genesenen und negativ getesteten Personen ein Zutritt zu Clubs ohne Einschr\u00e4nkungen. In den Sozialen Medien sprach sich Bohnenblust mehrmals gegen Clubeintritte mit Zertifikat aus. Der Club Supermarket umgeht die Zertifikatspflicht so gut es geht mit Partys tags\u00fcber und im Freien. Bohnenblust engagierte sich f\u00fcr das Covid-Referendum und sammelte Unterschriften. Gegen\u00fcber dem<em> Tages-Anzeiger<\/em> sagte er: \u00abMich st\u00f6rt die Politisierung der Clublandschaft. Politik interessiert mich n\u00e4mlich nicht.\u00bb Ferner sei es sein Einsatz f\u00fcr das Covid-Referendum, der zu Hackerangriffen nicht nur auf sein Facebook-Konto, sondern auch auf die Website des Supermarkets gef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p><strong>4. Langj\u00e4hrige Partner wenden sich ab<\/strong><br \/>\nNach Bekanntwerden des hetzerischen Kommentars auf Facebook postete Bohnenblust ein Statement auf seinem Facebookprofil, das eine Freundin f\u00fcr ihn geschrieben hatte. Dieses entfernte er jedoch umgehend wieder. \u00abEs hat den Shitstorm schlimmer gemacht\u00bb, sagt er gegen\u00fcber dem <em>Tages-Anzeiger.<\/em> Alex Flach, langj\u00e4hriger Promoter des Supermarket, beendete gem\u00e4ss der Zeitung seine Zusammenarbeit mit dem Club. \u00abDas Statement ist das Widrigste, das ich je in meiner Bubble gelesen habe.\u00bb<\/p>\n<p>Bohnenblust sagt jedoch, dass die Trennung schon vor Monaten erfolgt sei. Auch mehrere DJs sagten ihre Auftritte im Supermarkt ab. Diskriminierung sei nicht der Weg des Dialogs und lasse einer konstruktiven Diskussion keinen Raum, so eine der Begr\u00fcndungen. Es gibt jedoch auch DJs, die zu Bohnenblust stehen. \u00abDie Aussage, jemand habe in seinem Namen Posts ver\u00f6ffentlicht, klang f\u00fcr mich glaubw\u00fcrdig\u00bb, so DJ Andaloop gegen\u00fcber dem <em>Tages-Anzeiger<\/em>.<\/p>\n<p>Eine klare Aufl\u00f6sung des Fall Bohnenblusts scheint auch zehn Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung des LGBTIQ-feindlichen Kommentars nicht in Sicht. Was f\u00fcr die queere Community bleibt sind offene Fragen, Ungereimtheiten und ein fahler Nachgeschmack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. Juli postete das Facebook-Konto von #Supermarket-Gesch\u00e4ftsleiter Sandro #Bohnenblust einen #LGBTIQ-feindlichen Kommentar. 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