{"id":115004,"date":"2021-07-12T10:31:11","date_gmt":"2021-07-12T08:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=115004"},"modified":"2021-07-12T10:38:56","modified_gmt":"2021-07-12T08:38:56","slug":"was-haben-wir-uns-nur-gedacht-studio-54-gruender-wird-75","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/was-haben-wir-uns-nur-gedacht-studio-54-gruender-wird-75\/","title":{"rendered":"\u00abWas haben wir uns nur gedacht?\u00bb: \u00abStudio 54\u00bb-Gr\u00fcnder wird 75"},"content":{"rendered":"<h3>Gemeinsam mit einem Freund gr\u00fcndete Ian Schrager einst das legend\u00e4re \u00abStudio 54\u00bb. Rund drei Jahre lang tanzten die ber\u00fchmtesten Stars der 70er Jahre dort durch die N\u00e4chte. Alles endete mit Gef\u00e4ngnis f\u00fcr die Gr\u00fcnder. Jetzt wird Schrager 75 \u2013 und hat sich neu erfunden. Von Christina Horsten, dpa<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/erotische-zeichnungen-von-andy-warhol-erstmals-veroeffentlicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andy Warhol <\/a>und Calvin Klein tanzten, <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wie-queer-ist-liza-minnelli\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Liza Minnelli<\/a> und Diana Ross sangen &#8211; und mittendrin feierten Gr\u00fcnder Ian Schrager und Steve Rubell das letzte Hurra ihres \u00abStudio 54\u00bb. Am n\u00e4chsten Morgen gingen die beiden ins Gef\u00e4ngnis. \u00abWenn ich mir das aus heutiger Sicht anschaue, war das so grotesk\u00bb, erinnerte sich Schrager, der am 19. Juli 75 Jahre alt wird, j\u00fcngst in dem Dokumentationsfilm \u00abStudio 54\u00bb. \u00abWas haben wir uns nur dabei gedacht?\u00bb<\/p>\n<p>1977 hatten die aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammenden Schrager und Rubell, die sich im Studium angefreundet hatten, \u00abStudio 54\u00bb gegr\u00fcndet. \u00abWir hatten keine Ahnung, was das bedeuten w\u00fcrde, dass es nur 33 Monate halten und die Fantasie von jedem anregen w\u00fcrde.\u00bb Was die beiden Freunde wollten: nicht weniger als \u00abden ultimativen Nachtclub erfinden\u00bb, \u00abdas Universum ver\u00e4ndern\u00bb und dabei viel Geld verdienen. Nachdem sie sich einige Zeit lang die Szene New Yorks angeschaut und einen ersten Club im Stadtteil Queens betrieben hatten, wurde es das \u00abStudio 54\u00bb im damals eher heruntergekommenen Midtown Manhattan. \u00abWir haben alles auf diesen Club gesetzt. Wenn es ein Misserfolg geworden w\u00e4re, w\u00e4re es ein riesiger Misserfolg geworden.\u00bb<\/p>\n<p>Aber \u00abStudio 54\u00bb wurde schon mit der Er\u00f6ffnungsparty zum spektakul\u00e4ren Erfolg. \u00abIch war nie zuvor mit so vielen Prominenten in einem Raum\u00bb, erinnert sich der 1946 geborene Schrager, der anders als Rubell das Scheinwerferlicht immer eher mied und sich im Hintergrund hielt. Die Stars waren das eine &#8211; aber das wirklich besondere war die Mischung im Club: \u00abDie Vielfalt hat diese wilde Energie mit sich gebracht.\u00bb Insbesondere auch Homosexuelle wie Rubell selbst, von denen viele damals ihre sexuelle Orientierung eigentlich noch verheimlichten, f\u00fchlten sich im \u00abStudio 54\u00bb sicher genug, um sich auszuleben &#8211; Alkohol, Drogen und Sex inklusive.<\/p>\n<p>\u00abStudio 54\u00bb sei wie seine \u00aberste Liebe\u00bb gewesen, sagt Schrager in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. \u00abEs gab nat\u00fcrlich die Stars und die Beleuchtung und all das, aber f\u00fcr mich war es einfach diese Freiheit. Sobald du durch diese T\u00fcr durchgegangen warst, warst du frei &#8211; frei, zu tun und lassen, was du wolltest, und frei, zu sein, wer oder was auch immer du wolltest.\u00bb In der Er\u00f6ffnungsnacht habe ihn Rubell um f\u00fcnf Uhr morgens angerufen, um ihm zu sagen, dass die <em>New York Post<\/em> ein riesiges Foto der beiden zusammen mit Pop-Diva <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wie-queer-ist-cher\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cher<\/a> auf dem Titelblatt abgedruckt hatte. \u00abDa haben wir uns gef\u00fchlt, als h\u00e4tten wir es geschafft, als w\u00e4ren wir die K\u00f6nige der Welt.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin teilweise mit 400 000 Dollar in bar in meinem Kofferraum herumgefahren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nur die wenigsten wurden aber \u00fcberhaupt ins \u00abStudio 54\u00bb hineingelassen &#8211; und das f\u00fchrte zu viel \u00c4rger. \u00abEs gab eine Leidenschaft, hineingelassen zu werden, und Groll und Hass, wenn man es nicht wurde &#8211; aber das war uns egal, wir wollten einfach nur Erfolg\u00bb, sagt Schrager. Der steigt den beiden so zu Kopf, dass sie sich immer mehr Geld abzweigen und damit auch noch \u00f6ffentlich angeben. \u00abIch bin teilweise mit 400 000 Dollar in bar in meinem Kofferraum herumgefahren.\u00bb<\/p>\n<p>Die Steuerbeh\u00f6rden durchsuchen schliesslich den Club und finden neben Bargeld auch Drogen. Schrager und Rubell werden unter anderem wegen Steuerhinterziehung 1980 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. \u00abEs war das erste Mal im Leben von Steve und mir, dass wir uns aus etwas nicht herausreden konnten\u00bb, sagt Schrager. Am Morgen nach dem letzten Hurra im \u00abStudio 54\u00bb geht es dann wirklich ins Gef\u00e4ngnis f\u00fcr die beiden. \u00abIch war wie bet\u00e4ubt, unser Leben schien vorbei.\u00bb Aus dem Gef\u00e4ngnis heraus verkaufen sie den Club, der noch einige Jahre weiterbetrieben wird, aber 1986 schlie\u00dft und inzwischen als Theater genutzt wird. \u00abDas Studio zu verkaufen, war das h\u00e4rteste, was ich jemals gemacht habe.\u00bb<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tten eine ganze \u00abLitanei an Fehlern\u00bb gemacht und den \u00abErnst der Lage nicht erkannt\u00bb, sagt der zum zweiten Mal verheiratete dreifache Vater Schrager, der 2017 vom damaligen US-Pr\u00e4sidenten<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/obama-ziert-titelseite-von-out\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Barack Obama<\/a> begnadigt wurde, r\u00fcckblickend.<\/p>\n<p>Nach dem Ende ihrer verk\u00fcrzten Gef\u00e4ngnisstrafe er\u00f6ffnen Schrager und Rubell einen weiteren Nachtclub, das \u00abPalladium\u00bb. Vor allem aber investieren sie in Hotels &#8211; inzwischen Dutzende auf der ganzen Welt. Nach dem Tod von Rubell, der 1989 an den Folgen einer HIV-Infektion starb, macht Schrager damit alleine weiter. Mit seiner Hotelmarke \u00abPublic\u00bb will er \u00abLuxus f\u00fcr alle\u00bb schaffen und sieht in der Zeit der abklingenden Corona-Pandemie eine \u00abgoldene Chance\u00bb f\u00fcr seine Branche.<\/p>\n<p>Die New Yorker Club-Szene sieht Schrager derzeit dagegen als nicht herausragend an. \u00abEs gibt keine gute Club-Szene in New York dieser Tage &#8211; nicht so wie in Deutschland oder in anderen St\u00e4dten\u00bb, sagt der Unternehmer. \u00abIndem die Branche reguliert wurde und versucht wurde, alle zu sch\u00fctzen, hat man sie entmannt. Das kann nicht mehr funktionieren. Es gibt jetzt Menschen in New York, die wenn sie nach elf Uhr abends noch L\u00e4rm h\u00f6ren, die Polizei rufen.\u00bb Dabei sei das Nachtleben ein wichtiger Inkubator f\u00fcr kulturelle Ideen. \u00abWenn man das erstickt, ist das keine gute Idee. Ich weiss, dass es Probleme gibt und man damit umgehen muss &#8211; aber in New York wird damit nicht korrekt umgegangen.\u00bb Andere St\u00e4dte der Welt &#8211; darunter Berlin &#8211; h\u00e4tten dagegen aufgeholt.<\/p>\n<p>Das \u00abStudio 54\u00bb k\u00f6nne wiederbelebt werden &#8211; aber er w\u00e4re nicht mehr dabei. \u00abIch bin durch mit dem Business.\u00bb Ausserdem sei er dieser Tage auch keine Nachteule mehr. \u00abFr\u00fcher bin ich st\u00e4ndig ausgegangen &#8211; aber das ist vorbei. Inzwischen bin ich weit vor Mitternacht im Bett, vor zehn, und stehe fr\u00fch auf.\u00bb Deswegen sei auch keine grosse Party f\u00fcr seinen 75. Geburtstag geplant. \u00abIch war schon immer sch\u00fcchtern und introvertiert &#8211; und genau so jemanden habe ich auch geheiratet. Wir sind gl\u00fccklich einfach nur miteinander zu Hause\u00bb, sagt Schrager. Er sei auch mit 75 \u00abgenauso energiegeladen, intensiv, fokussiert, unheilbar neugierig auf alles und motiviert wie immer\u00bb. \u00abIch liebe meine Arbeit, ich liebe meine Familie und bin gl\u00fccklich mit allem, was ich habe. Mir ist egal, was andere Leute haben. Ich bin der reichste Mensch der Welt.\u00bb<\/p>\n<p>Knapp drei Jahre lebte die Legende, von April 1977 bis Januar 1980. Die Jahre bis zur endg\u00fcltigen Schliessung 1986 z\u00e4hlen nicht. Ein R\u00fcckblick in die glamour\u00f6se Vergangenheit bietet der Film \u00abStudio 54\u00bb \u2013 33 Monate voller Magie <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/studio-54-33-monate-voller-magie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Der amerikanische Modesch\u00f6pfer Halston feierte im \u00abStudio 54\u00bb mit Bianca Jagger und Andy Warhol feierte und pr\u00e4gte den Disco-Look mit. Mit einer f\u00fcnfteiligen Serie \u00fcber den Designer huldigt Netflix der Modewelt und dem New York der 70er und 80er <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/knutschen-koksen-kreationen-ewan-mcgregor-ist-halston\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ian Schrager gr\u00fcndete einst das legend\u00e4re #Studio54. Drei Jahre lang tanzten die ber\u00fchmtesten Stars der 70er Jahre durch die N\u00e4chte. F\u00fcr #Schwule wie Co-Gr\u00fcnder Rubell selbst war Club eine Art #SafeSpace. Jetzt wird Schrager 75. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/was-haben-wir-uns-nur-gedacht-studio-54-gruender-wird-75\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":115012,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[83],"tags":[5452,5468],"wps_subtitle":"F\u00fcr Homosexuelle wie Co-Gr\u00fcnder Rubell selbst war der Club damals eine Art Safe Space","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115004"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115004\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/115012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}