{"id":113379,"date":"2021-06-21T09:14:50","date_gmt":"2021-06-21T07:14:50","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=113379"},"modified":"2021-07-15T18:20:49","modified_gmt":"2021-07-15T16:20:49","slug":"nava-ebrahimi-der-cousin-ueber-die-flucht-eines-schwulen-taenzers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/nava-ebrahimi-der-cousin-ueber-die-flucht-eines-schwulen-taenzers\/","title":{"rendered":"\u00abDer Cousin\u00bb \u2013 \u00dcber die Flucht eines schwulen T\u00e4nzers"},"content":{"rendered":"<h3>Transparenz wird gross geschrieben in Klagenfurt. Die \u00f6ffentliche Diskussion einer Jury \u00fcber die G\u00fcte von Texten ist das Markenzeichen des Bachmannpreises. Dieses Mal ist das Votum knapp: Am Ende gewinnt \u00abDer Cousin\u00bb von Nava Ebrahimi. <em>Von Matthias R\u00f6der, dpa<\/em><\/h3>\n<p>Auf der Flucht aus dem Iran in Richtung Kanada werden Mutter und Sohn in Thailand festgenommen und landen im Gef\u00e4ngnis. \u00abDiese sechs Monate wurden zum Sperrgebiet, zum Tschernobyl der Familiengeschichte, die ohnehin an Boden verlor\u00bb, schreibt Nava Ebrahimi. Bei einer Begegnung mit seiner Cousine tanzt der schwule Kian auf einer B\u00fchne in New York endlich bisher Ungesagtes. Was passierte dem jungen Mann nach der Ausreise mit gef\u00e4lschten Papieren in einem M\u00e4nnergef\u00e4ngnis in Bangkok? (Danial fl\u00fcchtete mit 15 Jahren aus dem Iran und landete nach einer langen Odyssee in der Schweiz \u2013 <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/dragqueen-gigi-lou-in-der-falschen-welt-geboren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT+)<\/a>.<\/p>\n<p>Mit ihrem Text \u00abDer Cousin\u00bb hat die 1978 in Teheran geborene Schriftstellerin, die in K\u00f6ln aufgewachsen ist und seit vielen Jahren in Graz lebt, die Jury des Bachmannpreises \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung, einer der wichtigsten Preise der deutschsprachigen Literaturszene, ging damit an eine von vorneherein hochgehandelte und bereits etablierte Autorin. Sie sei eine der spannendsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, so die Jury.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IHlkemtkuJs\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Der komplizierte und schwierige Text behandle auch eine der aktuellen Kernfragen, n\u00e4mlich wie viel Show brauche es, damit Botschaften \u00fcberhaupt noch wahrgenommen w\u00fcrden, so Laudator und Juror Klaus Kastberger.<\/p>\n<p>Es war ein enges Rennen um den Hauptpreis: Mit vier zu drei Stimmen bevorzugte die siebenk\u00f6pfige Jury Ebrahimi vor der Berliner Autorin Dana Vowinckel. Vowinckel hat in \u00abGew\u00e4sser im Ziplock\u00bb einen Blick auf die orthodoxe j\u00fcdische Szene geworfen. Juror Philipp Tingler aus Z\u00fcrich war begeistert von den geschilderten Sinneseindr\u00fccken wie dem \u00abKrachen der Z\u00e4hne der Grossmutter auf dem Joghurtl\u00f6ffel\u00bb. Ohnehin bewege sich Vowinckel mit ihrem Thema in einem Feld, das aktuell mehr denn je auf Neugierde stosse, befand Kastberger. Die 1996 geborene Schriftstellerin erhielt mit dem Deutschlandfunk-Preis den am zweith\u00f6chsten dotierten Preis (12 500 Euro).<\/p>\n<p>Necati \u00d6ziri aus Berlin geh\u00f6rt ebenfalls zu den grossen Gewinnern. Er schreibt unter anderem f\u00fcr das Schauspielhaus Z\u00fcrich, das Maxim Gorki Theater, das Residenztheater M\u00fcnchen und das Nationaltheater Mannheim. F\u00fcr die 45. Tage der deutschsprachigen Literatur las er einen Brief eines todkranken Sohnes an seinen Vater vor. \u00abMorgen wache ich auf und dann beginnt das Leben\u00bb ist eine Anklage, eine Abrechnung, eine verzweifelte Verfluchung, wie Juror Michael Wiederstein sagte. Der Vater hatte seine in Deutschland lebende Familie verlassen, um in der T\u00fcrkei an einer letztlich gescheiterten Revolution teilzunehmen. Der Lohn f\u00fcr \u00d6ziri: Der Kelag-Preis (10 000 Euro) und der BKS-Bank-Publikumspreis (7500 Euro).<\/p>\n<p>Ein stiller See, ein Boot und abgr\u00fcndige Gedanken, das sind die Grundelemente der Geschichte von Timon Karl Kaleyta. Der in Bochum geborene Musiker und Sachbuchautor schildert in \u00abMein Freund am See\u00bb wie w\u00e4hrend einer Bootsfahrt ein Mitfahrer pl\u00f6tzlich daran denkt, seinen Freund Julian am Ruder zu ermorden. Das Urteil der Jury war in der Diskussion h\u00f6chst zwiesp\u00e4ltig. W\u00e4hrend die einfache Sprache Kastberger im positiven Sinne an die \u00abSendung mit der Maus\u00bb erinnerte, fand Jurorin Vea Kaiser den Text und dessen Beschreibungen handwerklich \u00abwahnsinnig, wahnsinnig arm\u00bb. Nichtsdestotrotz: Am Ende bekam Kaleyta den mit 7500 Euro dotierten 3sat-Preis.<\/p>\n<p>Wie immer bezog der Bachmannpreis seinen Reiz aus der \u00f6ffentlichen Diskussion der sieben Literaturexperten, die diesmal nicht online zusammengeschaltet waren, sondern wieder live im Studio diskutierten. Extrem selten sind sie sich einig. Dieses Mal sei es aber gelungen, trotz der teils v\u00f6llig unterschiedlichen Zug\u00e4nge \u00abgegenseitig Respekt und Wertsch\u00e4tzung\u00bb zu entwickeln und die Perspektive des anderen zu verstehen, sagte die Jury-Vorsitzende Insa Wilke.<\/p>\n<p>Eher unfair behandelt sah sich Autorin Heike Gei\u00dfler aus Leipzig, die schon 2008 am Wettlesen teilgenommen hatte. Mindestens drei Juroren h\u00e4tten sich bei ihrer Kritik nicht wirklich auf ihren Text eingelassen. \u00abUnd das geht nicht\u00bb, sagte Gei\u00dfler im Deutschlandfunk. \u00abDas muss man machen, erst recht, wenn man so prominent ist, und man f\u00e4llt auf, wenn man es nicht tut.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr 2022 hoffen die Veranstalter*innen wieder auf echte Live-Bedingungen. Dieses Mal waren die Lesungen der 14 Teilnehmer*innen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz coronabedingt aufgezeichnet worden und die Autor*innen zur Diskussion online zugeschaltet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6ffentliche Diskussion der Jury \u00fcber die G\u00fcte von Texten ist das Markenzeichen beim #Bachmannpreis. Diesmal ist das Votum knapp: Am Ende gewinnt \u00abDer Cousin\u00bb von #NavaEbrahimi. Ein schwuler Fl\u00fcchtling tanzt darin sein Schicksal <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/nava-ebrahimi-der-cousin-ueber-die-flucht-eines-schwulen-taenzers\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":113380,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4382],"tags":[5437,1030,5434,2918],"wps_subtitle":"Nava Ebrahimi erh\u00e4lt den Bachmannpreis","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113379"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113379"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113379\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/113380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=113379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}