{"id":113262,"date":"2021-06-18T12:16:26","date_gmt":"2021-06-18T10:16:26","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=113262"},"modified":"2021-06-21T16:33:42","modified_gmt":"2021-06-21T14:33:42","slug":"its-a-sin-omari-douglas-in-der-schule-haben-wir-nichts-ueber-aids-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/its-a-sin-omari-douglas-in-der-schule-haben-wir-nichts-ueber-aids-gelernt\/","title":{"rendered":"\u00abRassismus und Homophobie sind tief in der Gesellschaft verankert\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Nach einem erfolgreichen Start in Grossbritannien kommen wir auch hierzulande jetzt in den Genuss der Serie \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb. Wir videotelefonierten mit einem der Stars: Omari Douglas.<\/h3>\n<p>F\u00fcr seine fantastische <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tieftraurig-und-voller-lebensdurst-zum-start-von-its-a-sin\/\">neue Serie \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb<\/a>, die von einem jungen schwulen Freundeskreis im London der Achtzigerjahre handelt, pochte Russell T. Davies darauf (anders als etwa fr\u00fcher bei \u00abQueer as Folk\u00bb), die queeren Figuren im Zentrum auch mit queeren Schauspieler*innen zu besetzen. Und weil prominente geoutete Schauspieler*innen auch in Grossbritannien nicht wie Sand am Meer zu finden sind, entdeckte er f\u00fcr das Ensemble rund um <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/olly-alexander-ich-wollte-nicht-schwul-sein\/\">Popstar Olly Alexander<\/a> jede Menge toller Newcomer.<\/p>\n<p><strong>Omari, du bist 1994 geboren, also deutlich nach jener Hochzeit der AIDS-Krise, von der \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb erz\u00e4hlt. Welche Rolle spielten die Themen HIV und AIDS in deiner Jugend?<\/strong><br \/>\nIn der Schule haben wir eigentlich nichts dar\u00fcber gelernt, so viel kann ich sagen. Ich erinnere mich nicht einmal wirklich an Unterrichtsstunden, in denen es um sexuelle Gesundheit ging, Kondome und solche Sachen. Und definitiv hat uns niemand etwas dar\u00fcber erz\u00e4hlt, wie das mit <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/40-jahre-aids-1-hiv-positive-leben-weiter-mit-angst-und-stigma\/\">AIDS eigentlich alles anfing<\/a> und wie sich die Epidemie in Grossbritannien und dem Rest der Welt entwickelt hat. Insgesamt hatte ich immer das Gef\u00fchl, dass das Thema eher tabu war, vielleicht sogar schmuddelig, und definitiv mit vielen Missverst\u00e4ndnissen behaftet. Ich pers\u00f6nlich lernte AIDS erstmals eigentlich durch Erw\u00e4hnungen in der Popkultur kennen. Durch das Musical \u00abRent\u00bb zum Beispiel. Aber ein einigermassen komplettes Bild gerade der Geschichte dieser Krankheit habe ich definitiv erst, seit ich mich f\u00fcr die Rolle in \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb ernsthaft damit auseinandergesetzt habe.<\/p>\n<p><strong>Russell T. Davies, der Sch\u00f6pfer der Serie, hat vieles damals selbst miterlebt. Welche Recherchen hast du \u00fcber seine Drehb\u00fccher hinaus betrieben?<\/strong><br \/>\nIch wollte mich wirklich hineinversetzen in meine Figur Roscoe. Teile seiner Erfahrungen konnte ich nat\u00fcrlich nachvollziehen, schliesslich zog ich selbst mit 18 Jahren nach London und st\u00fcrzte mich ins schwule Leben. Aber das sah 2012 eben anders aus als in den Achtzigerjahren. W\u00e4hrend meines Schauspielstudiums war ich mal in einer Ausstellung \u00fcber Clubkultur im Victoria and Albert Museum, in der auch die Einfl\u00fcsse der queeren Community im Fokus standen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sah ich eine tolle Dokumentation \u00fcber die Rolle schwarzer Queers. Ich tauschte mich ausserdem mit schwarzen Schwulen aus, die mir von ihren eigenen Erfahrungen berichteten, dem Choreografen Les Child zum Beispiel oder Andy Polaris von der Band Animal Nightlife. Mit diesen Themen setzte ich mich sehr intensiv auseinander, weil Roscoe da als junger Typ im London der Achtziger nat\u00fcrlich ganz aktiv an vorderster Front dabei gewesen w\u00e4re. Die Bars und Clubs sind in der Serie so etwas wie seine sicheren H\u00e4fen: Die R\u00fcckzugsorte, an denen er ganz er selbst sein kann, w\u00e4hrend sich um ihn herum das kalte Klima der Thatcher-Jahre etabliert, das sowohl f\u00fcr Schwarze wie f\u00fcr Schwule ja eigentlich eine feindliche Umgebung darstellte.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZIuuO6ONxC8\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Wo du gerade vom Rassismus und der Homophobie der Thatcher-Jahre sprichst: Vollkommen verschwunden sind die nat\u00fcrlich auch heute nicht\u2009.\u2009.\u2009.<\/strong><br \/>\nNein, auf keinen Fall. Nat\u00fcrlich hat sich seither vieles getan, aber ich bin immer vorsichtig, wenn Leute jubeln, wie viel Fortschritt es in dieser Hinsicht gegeben hat. Da spielt oft Augenwischerei mit herein. Sicherlich ist vieles besser, wenn man bloss auf Gesetze und Politik blickt. Aber dabei wird dann oft \u00fcbersehen, dass Rassismus und Homophobie eben beide sehr tief verankert sind und sich heimt\u00fcckisch festsetzen in einer Gesellschaft. Entschuldige, dass ich da so negativ bin. Doch wer ein bisschen genauer hinsieht, kann ja erkennen, wie es immer wieder neue Wellen von Hass und Ablehnung gibt und selbst juristische Fortschritte regelm\u00e4ssig in Frage gestellt werden. Fortschritt in Sachen Menschenrechte ist halt leider keine schnurgerade Einbahnstrasse, sondern wie so vieles in der Menschheitsgeschichte eher zyklisch.<\/p>\n<p><strong>Dass du selbst in \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb \u00fcberhaupt erst deine erste grosse Fernsehrolle spielst, ist das auch ein Anzeichen daf\u00fcr, dass man es als schwuler schwarzer Schauspieler bis heute extraschwer hat?<\/strong><br \/>\nPuh\u2009.\u2009.\u2009. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gearbeitet h\u00e4tte. Ich habe explizit Musicaltheater studiert und hatte nach meinem Abschluss in diesem Bereich dann auch viele tolle Engagements. So oder so merke ich in j\u00fcngster Zeit, dass sich etwas tut, sowohl an den B\u00fchnen als auch beim Film. Es gibt langsam mehr Geschichten, in denen Menschen wie ich sich wiederfinden k\u00f6nnen, sei es mit Blick auf die Hautfarbe oder ihre sexuelle Identit\u00e4t. Es bieten sich mehr Chancen, mitzugestalten, welche Geschichten erz\u00e4hlt werden \u2013 und wundervolle Kolleg*innen wie Michaela Coel mit ihrer Serie \u00abI May Destroy You\u00bb zeigen, wie bahnbrechend solche neuen Perspektiven sein k\u00f6nnen. Gerade was schwarze Queerness in Film und Fernsehen angeht, ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Das bisschen Repr\u00e4sentation, das es in dieser Hinsicht bislang gab, wurde selten von jenen Menschen kreiert, die da Erfahrungen aus erster Hand haben. Der Weg ist noch weit, bis jemand wie ich als Selbstverst\u00e4ndlichkeit statt als Anomalie betrachtet wird.<\/p>\n<p><strong>Es ist in diesem Kontext auch nicht unwichtig, dass Davies bei \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb darauf pochte, die queeren Rollen auch mit queeren Schauspielern zu besetzen. Hast du das als etwas Besonderes empfunden?<\/strong><br \/>\nDefinitiv. Als jemand, der vom Musical kommt, bin ich es nat\u00fcrlich gewohnt, bei der Arbeit von anderen Schwulen umgeben zu sein. Und ich war sehr froh, jetzt nicht in einem Ensemble zu landen, wo ich weniger ich selbst sein konnte und wom\u00f6glich einen Eiertanz auff\u00fchren muss, weil ich nicht weiss, wer wie tickt. Stattdessen waren wir bei \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb quasi sofort eine eingeschworene Familie, in der ich mich komplett fallen lassen konnte. Wir hatten so viel Spass zusammen und waren so\u2009.\u2009.\u2009. ungezogen. Es war herrlich \u2013 und eine echte Hilfe dabei, die Arbeit an dieser ja auch sehr schweren, ernsten Thematik auszuhalten!<\/p>\n<figure id=\"attachment_113272\" aria-describedby=\"caption-attachment-113272\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-113272 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas.jpg\" alt=\"it's a sin\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/its-a-sin-omari-douglas-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-113272\" class=\"wp-caption-text\">In London grassiert die AIDS-Epidemie: Roscoe (Omari Douglas, links) und seine Freund*innen stehen einander bei. Im Cast von \u00abIt&#8217;s a Sin\u00bb mit dabei: Olly Alexander als Ritchie (Zweiter von links). (Bild: Starzplay)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zum Abschluss noch eine Frage \u00fcber Stephen Fry, mit dem du etliche gemeinsame Szenen hast. Hattest du kurz weiche Knie?<\/strong><br \/>\nWirklich nur ganz kurz, denn grossz\u00fcgiger und offenherziger als Stephen kann man kaum sein. Dass er verdammt klug ist, ist ja kein Geheimnis, aber ich bewundere vor allem die sanfte Art und Weise, wie er sein Gegen\u00fcber an dieser Weisheit teilhaben l\u00e4sst. Es war auch wahnsinnig spannend, mich mit ihm \u00fcber seine eigenen Erfahrungen aus jener Zeit zu unterhalten, gerade weil er anders als Russell niemand war, der in den Achtzigern viel feierte oder in der schwulen Community unterwegs war. Ich hatte wirklich vorab die Sorge, dass mich ein Partner wie er bei meinem ersten Fernsehjob total einsch\u00fcchtern w\u00fcrde. Aber am Ende war das Gegenteil der Fall.<\/p>\n<p><em>\u00abIt&#8217;s a Sin\u00bb ist ab 20 . Juni auf Starzplay zu sehen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem erfolgreichen Start in Grossbritannien kommen wir jetzt auch in den Genuss der Serie \u00abIt\u2019s a Sin\u00bb. 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