{"id":110960,"date":"2021-05-19T11:09:02","date_gmt":"2021-05-19T09:09:02","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=110960"},"modified":"2021-06-11T14:46:39","modified_gmt":"2021-06-11T12:46:39","slug":"lesbisches-begehren-und-psychoanalyse-aufraeumen-mit-dem-klischee-der-stillen-sexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/lesbisches-begehren-und-psychoanalyse-aufraeumen-mit-dem-klischee-der-stillen-sexualitaet\/","title":{"rendered":"Lesbisches Begehren: Aufr\u00e4umen mit dem Klischee \u00abstiller\u00bb Sexualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h3>\u00abDie Psychoanalyse legte \u2026 ein destruktives Potenzial in die Lesbe, fasste sie als aggressiv, rachs\u00fcchtig, phallisch auf \u2026 und schloss sie von ihren Institutionen aus,\u00bb heisst es in der Ank\u00fcndigung des neuen Buchs <a href=\"https:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/catalog\/product_info.php\/products_id\/3038\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abVom L\u00e4rmen des Begehrens\u00bb<\/a>. Es will daran etwas \u00e4ndern.<\/h3>\n<p>Lesbische Sexualit\u00e4t war bisher in der Psychoanalyse ein Randthema und galt als \u00abstill\u00bb. Daran wollen die Psycholog*innen und Geschlechterforscher Victoria Preis, Aaron Lahl und Patrick Henze-Lindhorst etwas \u00e4ndern. Sie veranstalteten Anfang 2020 ein Symposium, das nachwies, dass lesbische Sexualit\u00e4t nicht weniger \u00abl\u00e4rmt\u00bb als ihr schwules Pendant. Bei der Tagung an der <a href=\"https:\/\/www.ipu-berlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internationalen Psychoanalytischen Universit\u00e4t<\/a> (IPU) in Berlin ging es teils hoch her, mit heftigen Diskussionen im und Protesten vom Publikum. Viele Aspekte der Kontroverse fanden Eingang in die nun vorliegende Essaysammlung. MANNSCHAFT sprach mit den Herausgeber*innen. <strong>\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_110965\" aria-describedby=\"caption-attachment-110965\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-110965 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1024 683'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019.jpg\" alt=\"Lesbisches Begehren und Psychoanalyse\" width=\"1024\" height=\"683\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019.jpg 1024w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-728x486.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-608x406.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-758x506.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Copyright-Doris-Belmont-2019-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-110965\" class=\"wp-caption-text\">Die Herausgeber*innen Patrick Henze-Lindhorst (l.), Victoria Preis und Aaron Lahl<br \/>(Foto: Doris Belmont)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>M\u00fcssen Lesben wegen ihres sexuellen Begehrens h\u00e4ufiger zum Psychiater als Schwule?<br \/>\n<\/strong><em>Victoria Preis:<\/em> Ich kenne keine Zahlen dazu, nehme aber an, dass der Grund, als Lesbe oder Schwuler psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe aufzusuchen, mit erlebter Diskriminierung oder Ungleichbehandlung zu tun hat oder mit einer psychischen St\u00f6rung, die nicht unbedingt mit dem Begehren zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><em>Patrick Henze-Lindhorst:<\/em> Ja, sollte eine Lesbe zum Psychiater gehen, um ihre Homosexualit\u00e4t loszuwerden, dann ist es Aufgabe jedes Psychiaters und jedes Psychotherapeuten, diesem Wunsch nicht zu entsprechen. Das Begehren selbst kann kein Symptom sein, auch die sexuelle Orientierung nicht, entsprechend kann man h\u00f6chstens den Wunsch behandeln, das Begehren loszuwerden. Und das unterscheidet sich bei Schwulen, Lesben und Heterosexuellen in keiner Weise.<\/p>\n<p><strong>Sigmund Freud konstatierte 1920, dass weibliche Homosexualit\u00e4t \u00abweit weniger l\u00e4rmend\u00bb sei als ihr m\u00e4nnliches Pendant. Woran liegt das? Und trifft das nach wie vor zu?<br \/>\n<\/strong><em>Aaron Lahl:<\/em> Freuds Aussage ist wahr und falsch zugleich. Wahr ist sie, insofern es schon zu seinen Zeiten, aber auch heute noch, eine geringere \u00f6ffentliche Wahrnehmung der weiblichen Homosexualit\u00e4t gab und gibt. Falsch ist sie, insofern das nat\u00fcrlich mit den spezifischen gesellschaftlichen Mechanismen der Unterdr\u00fcckung der lesbischen Sexualit\u00e4t zu tun hat, auf die Freud nicht reflektiert, und die er ein St\u00fcck weit sogar selbst reproduziert. Seine Bemerkung hat etwas von der bekannten patriarchalen Abwehr lesbischer Sexualit\u00e4t durch Verniedlichung. Hinter dem Klischee der angeblich stillen lesbischen Sexualit\u00e4t steckt jedenfalls h\u00e4ufig die Fantasie, dass erst der Mann das explosive Triebpotential in die Sexualit\u00e4t bringen w\u00fcrde \u2013 eine Fantasie, der wiederum die Angst zugrunde liegt, dass der Phallus nicht der Mittelpunkt der Sexualit\u00e4t sein k\u00f6nnte&#8230; Aber um kurz auf deine Frage zu antworten: Unser Buch, das Symposium, das dem Buch vorausging, aber auch schon Freuds Text zur weiblichen Homosexualit\u00e4t selbst zeugen von einem l\u00e4rmenden lesbischen Begehren.<\/p>\n<blockquote><p>Dahinter steckt die Fantasie, dass erst der Mann das explosive Triebpotential in die Sexualit\u00e4t bringen w\u00fcrde<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Durch die Transbewegung hat sich das Verst\u00e4ndnis dessen, was \u00ablesbisch\u00bb ist, stark ver\u00e4ndert. Was bedeutet das f\u00fcr einen Band wie euren, der sich laut Untertitel explizit mit \u00ablesbischer Sexualit\u00e4t\u00bb besch\u00e4ftigen will? Weitet sich das Spektrum, wird es diverser, offener? Ist das ein Vorteil oder Nachteil? Wo kracht es?<br \/>\n<\/strong><em>Patrick Henze-Lindhorst: <\/em>Ob sich die Definition von \u00ablesbisch\u00bb wegen der Transbewegung wirklich ver\u00e4ndert hat \u2013 da w\u00fcrde ich ein Fragezeichen ranmachen. Auch wichtig ist ja, dass es mindestens zwei bedeutsame Richtungen in der Transbewegung gibt, die teils zusammenarbeiten und zum Teil in grossem Konflikt zueinander stehen. Und in diesen Bewegungen sind auch einige Lesben aktiv. Das Wissen darum, dass auch trans Frauen Lesben sein k\u00f6nnen, hat sich verbreitet \u2013 und das hat zum Teil zu Ablehnung von trans Frauen gef\u00fchrt. Insofern ja: wenn man sich heute mit lesbischer Sexualit\u00e4t besch\u00e4ftigt, macht es Sinn, die historischen <em>und<\/em> die aktuellen Konflikte um Weiblichkeit, Lesbischsein und schliesslich um Trans* zu ber\u00fccksichtigen. Das haben wir versucht.<\/p>\n<p><em>Aaron Lahl:<\/em> Eine Tendenz, Geschlecht und Sexualit\u00e4t als ein weiteres Spektrum zu betrachten, hat \u00fcbrigens tats\u00e4chlich auch in die Psychoanalyse Einzug gehalten. Das kann man etwa daran beobachten, dass immer mehr im Plural von \u00abSexualit\u00e4ten\u00bb oder \u00abHomosexualit\u00e4ten\u00bb gesprochen wird. Ilka Quindeau geht in ihrem Beitrag f\u00fcr unser Buch dann noch einen Schritt weiter, wenn sie daf\u00fcr pl\u00e4diert, auf Kategorien wie weiblich und m\u00e4nnlich oder heterosexuell und homosexuell im psychoanalytischen Denken zu verzichten und von einem \u00fcbergreifenden Modell <em>einer<\/em> Sexualit\u00e4t mit unterschiedlichen Polen oder Dimensionen auszugehen. Ein solches, wenn man so will, queeres Einheitsmodell hat nat\u00fcrlich einiges f\u00fcr sich und kann an einigen Punkten auch gut an Freud anschliessen, der ja eine konstitutionelle Bisexualit\u00e4t aller Menschen postulierte, worunter sowohl ein bisexuelles Begehren als auch eine Bigeschlechtlichkeit zu verstehen ist. Was allerdings den Verzicht auf Kategorien wie Homo\/Hetero angeht, widersprechen wir Quindeau durch Titel und Thema unseres Buches. \u00c4hnlich wie bei unserem Vorg\u00e4ngerbuch zur schwulen Sexualit\u00e4t (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/der-anal-aggressive-hammerschlag-komplex-oder-die-alte-furcht-und-der-alte-hass\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete dar\u00fcber<\/a>) werfen wir durchaus die Frage nach einer Spezifik des lesbischen Begehrens auf.<\/p>\n<figure id=\"attachment_110966\" aria-describedby=\"caption-attachment-110966\" style=\"width: 780px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-110966 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 780 1104'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021.jpg\" alt=\"Lesbisches Begehren und Psychoanalyse\" width=\"780\" height=\"1104\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021.jpg 780w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-212x300.jpg 212w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-768x1087.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-561x794.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-364x515.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-728x1030.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-608x861.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-758x1073.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-34x48.jpg 34w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-68x96.jpg 68w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2021-400x566.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 780px) 100vw, 780px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-110966\" class=\"wp-caption-text\">Das 300-seitige Buch \u00abVom L\u00e4rmen des Begehrens\u00bb ist im Mai 2021 bei Psychosozial-Verlag erschienen (Foto: Phsychosozial-Verlag)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was hat eigentlich Psychoanalyse mit dem Alltag von Lesben oder LGBTIQ allgemein zu tun? Warum lohnt es sich f\u00fcr Aussenstehende, einen Blick auf die Geschichte einer queeren Psychoanalyse zu werfen?<br \/>\n<\/strong><em>Victoria Preis:<\/em> Die Psychoanalyse hat insofern etwas mit dem Alltag von Lesben oder LGBTIQ zu tun, als sie diese einerseits lange diskriminierte und andererseits als Subjekttheorie und Psychotherapieverfahren von einigen gesch\u00e4tzt wird. Aber das Verh\u00e4ltnis ist ein sehr zwiesp\u00e4ltiges. Gerade weil die lesbische Sexualit\u00e4t von der Psychoanalyse vernachl\u00e4ssigt wurde, wegen der vergangenen Homosexuellenfeindlichkeit und wegen des bekannten Patriarchalismus hat die Psychoanalyse manchmal nicht den besten Ruf. Anderseits ist die Psychoanalyse auch <em>die<\/em> (psychologische) Theorie, die etwas zum Begehren und zur sexuellen Orientierung sagen kann, weshalb sie an anderer Stelle auch eine gewisse Popularit\u00e4t geniesst.<\/p>\n<p><strong>Ihr seid ein Herausgeber*innenteam von drei. Wor\u00fcber wurde bei der Vorbereitung der Konferenz und des vorliegenden Bandes gestritten und debattiert?<br \/>\n<\/strong><em>Victoria Preis:<\/em> Im Vorfeld haben wir festgestellt, wie wenig psychoanalytische Arbeiten v.a. im deutschsprachigen Raum zur lesbischen Sexualit\u00e4t existieren. Die letzten umfassenden Arbeiten lagen fast 30 Jahre zur\u00fcck. Es gab kaum Beitr\u00e4ge, die sich explizit mit lesbischer Sexualit\u00e4t und ihren Konflikten befassen. Das schien uns als eine Schwierigkeit. Schliesslich haben wir einige Theoretikerinnen von \u00abdamals\u00bb angefragt und manche haben auch zugesagt. Grosse Debatten gab es zwischen uns nicht, daf\u00fcr dann aber auf der Tagung.<\/p>\n<p><em>Patrick Henze-Lindhorst: <\/em>Wir drei haben ja mit dem Buch gemeinsam ein Thema verfolgt, das wir inhaltlich mitreissend finden. In seiner historischen Form, in Hinblick auf die Metapsychologie \u2013 also sozusagen die Theorie der Psychoanalyse \u2013 und auch mit Bezug auf aktuellere Diskussionen. Wie bei unserem letzten Buch spielten unsere eigenen sexuellen Orientierungen und Vorlieben h\u00f6chstens vermittelt eine Rolle. In unserem Band gibt es dazu unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen. Etwa, dass zu viele Heteras bei unserem Symposium zu lesbischer Sexualit\u00e4t Anfang 2020 vorgetragen h\u00e4tten. Oder aber, dass man fachunkundiges Publikum zu einer psychoanalytischen Tagung, bei der es um Sexualit\u00e4t geht, nicht einladen sollte.<\/p>\n<blockquote><p>Probandinnen hatten Probleme bei der Verarbeitung der Penislosigkeit und biologischen Zeugungsunf\u00e4higkeit des lesbischen Paares<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Ihr sprecht in der Einleitung vom \u00abturbulenten\u00bb Verlauf des Symposiums. Was war dabei turbulent?<br \/>\n<\/strong><em>Aaron Lahl:<\/em> Einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Turbulenzen war sicherlich der Er\u00f6ffnungsvortrag von Manuela Torelli. Torelli, die selbst lesbische Analytikerin ist, hat f\u00fcr ihre Dissertation Interviews mit lesbischen Frauen \u00fcber ihre sexuellen Probleme gef\u00fchrt und diese tiefenhermeneutisch ausgewertet. Sie kommt zu kontroversen Schl\u00fcssen, beispielsweise dass ihre Probandinnen Probleme bei der Verarbeitung der Penislosigkeit und damit biologischen Zeugungsunf\u00e4higkeit des lesbischen Paares h\u00e4tten, oder dass sie Aggressionen auf M\u00e4nner projizieren, was sexuelle Leidenschaftslosigkeit zur Folge habe. Das klang in den Ohren vieler nach einer Pathologisierung lesbischer Sexualit\u00e4t. Sicherlich ist das ein Missverst\u00e4ndnis; es hat aber auch damit zu tun, dass Torelli nicht deutlich gemacht hat, dass es ihr um sexuelle Probleme lesbischer Frauen ging und nicht um lesbische Sexualit\u00e4t per se. Wir hatten die Hoffnung, dass ihr Vortrag eine Debatte lostritt, was leider nicht funktioniert hat. Ich denke, in unserem Buch wird der Anspruch einer fruchtbaren Debatte besser eingel\u00f6st, was auch damit zu tun hat, dass wir die Teilnehmer*innen (auch und gerade die unzufriedenen) dazu eingeladen haben, Kommentare und Beitr\u00e4ge zu schreiben.<\/p>\n<p><strong>Muss jemand selbst lesbisch sein, um sich mit dem Thema lesbische Sexualit\u00e4t und Psychoanalyse zu besch\u00e4ftigen?<br \/>\n<\/strong><em>Patrick Henze-Lindhorst: <\/em>Zu dieser Frage gibt es sicher unterschiedliche Auffassungen. Ich denke, ich spreche f\u00fcr uns drei, wenn ich sage, dass man nicht lesbisch sein muss, um \u00fcber lesbische Sexualit\u00e4t zu sprechen \u2013 dass aber eine Auseinandersetzung mit dem Thema ohne die Erfahrungen und das geteilte Wissen von Lesben keine besonders gelungene oder zumindest keine hinreichend informierte w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>U.a. gibt\u2019s ein Gespr\u00e4ch mit Manuela Kay, die sagt \u00abZum gepflegten Lesbentum geh\u00f6ren auch gepflegte H\u00e4nde\u00bb. Es geht um Ver\u00e4nderungen in der lesbischen Szene, um Verklemmtheit, um lesbische Orte und Organe. Was sind Kays Kernaussagen \u2013 und wie unterscheiden sich diese von Diskursen, die Lesben einer nachfolgenden Generation f\u00fchren? (Wie l\u00e4uft \u00fcberhaupt der Generationenaustausch bei Lesben?)<br \/>\n<\/strong><em>Patrick Henze-Lindhorst: <\/em>Die lesbischen Generationen werden oft unterschieden in eine lesbisch-feministische und eine <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/irrwege-der-aktuellen-queeren-szene-till-randolf-amelung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">queer-feministische Generation<\/a>. Im aktivistisch-politischen Konflikt werden die \u00c4lteren gerne allesamt als <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/so-demontiert-judith-butler-j-k-rowling-und-die-terfs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">radikalfeministische TERFS<\/a> und die letzteren als postmodern-beliebige Queer-Aktivist_innen ohne Geschichtsbewusstsein pauschalisiert. Das ist selbstverst\u00e4ndlich \u00fcberspitzt, aber darin trifft sich beidseitig ein Kern des Konflikts, das Schwanken zwischen identit\u00e4tspolitischen und universalistischen Positionen, auch auf pers\u00f6nlicher Ebene.<\/p>\n<figure id=\"attachment_110967\" aria-describedby=\"caption-attachment-110967\" style=\"width: 808px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-110967 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 808 1156'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373.jpg\" alt=\"Psychoanalyse und m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t\" width=\"808\" height=\"1156\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373.jpg 808w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-210x300.jpg 210w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-419x600.jpg 419w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-768x1099.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-561x803.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-364x521.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-728x1042.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-608x870.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-758x1084.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-34x48.jpg 34w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-67x96.jpg 67w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Cover-2019-rotated-e1621413386373-400x572.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-110967\" class=\"wp-caption-text\">Das Buch \u00abPsychoanalyse und m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t\u00bb erschien 2019 beim Psychosozial-Verlag (Foto: Psychosozial-Verlag)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das ist jetzt der zweite Band einer Reihe, nach \u00ab(Homo)Sexualit\u00e4t und Psychoanalyse\u00bb, wo es eher um m\u00e4nnlicher Homosexualit\u00e4t ging. Wird die Reihe \u2013 auch mit dazugeh\u00f6rigem Symposium \u2013 weitergehen? Was ist als n\u00e4chstes dran?<br \/>\n<\/strong><em>Victoria Preis:<\/em> Vorerst ist keine Fortf\u00fchrung geplant. Die beiden Veranstaltungen passen thematisch gut zusammen. F\u00fcr uns passt es jetzt gut, die Reihe an dieser Stelle abzuschliessen. Nat\u00fcrlich gibt es weitere wichtige Themen um Sexualit\u00e4t, denen wir uns widmen k\u00f6nnten. Aber wir wollen uns alle derzeit erst mal auf andere Dinge \u2013 Promotionen und psychoanalytische Weiterbildung \u2013 konzentrieren.<\/p>\n<blockquote><p>Psychoanalyse ist in sich ja divers, ich habe den Eindruck, dass Offenheit und Neugier bestehen<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wie waren die Reaktionen aus dem Establishment der Psychoanalyse auf eure Symposien und B\u00fccher? Ist man da offen f\u00fcr Anregungen?<br \/>\n<\/strong><em>Victoria Preis:<\/em> Insgesamt w\u00fcrde ich sagen, dass unsere Tagungen und B\u00fccher gut aufgenommen wurden. Das ist nat\u00fcrlich nicht zu verallgemeinern, da die Psychoanalyse in sich ja divers ist, aber ich habe den Eindruck, dass Offenheit und Neugier bestehen. Die Tagungen haben z.B. in der Internationalen Psychoanalytischen Universit\u00e4t (IPU) stattgefunden, was ja eine psychoanalytische Institution ist.<\/p>\n<p><strong>Im Essay-Band gibt es Beitr\u00e4ge von vielen Autor*innen. War es schwierig, diese zu finden? Oder gibt\u2019s unendlich viele mehr, so dass es schwer war, auszuw\u00e4hlen?<br \/>\n<\/strong><em>Patrick Henze-Lindhorst: <\/em>Insbesondere nach der Tagung hatten viele Leute \u2013 aktivistisch wie psychoanalytisch ausgerichtet \u2013 Lust, an unserem Sammelband mitzuwirken. Vor allem, dass da eine rege Diskussion stattfand, hat uns und einige Autor_innen motiviert, etwas beizutragen. Und so haben wir sehr engagierte Texte gewinnen k\u00f6nnen, die historische und theoretische Einsichten erm\u00f6glichen \u2013 und auch Lust auf die aktuellen Diskussionen machen. <img data-expand=\"600\" class=\"lazyload\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1 1'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/b63f052051f446ebb1bf11a7d13403b6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesbische Sexualit\u00e4t war bisher in der Psychoanalyse ein Randthema und galt als \u00abstill\u00bb. Daran wollten Victoria Preis, Aaron Lahl und Patrick Henze-Lindhorst etwas \u00e4ndern. In ihrem neuen Buch zeigen sie, dass lesbische Sexualit\u00e4t nicht weniger \u00abl\u00e4rmt\u00bb als ihr schwules Pendant.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/lesbisches-begehren-und-psychoanalyse-aufraeumen-mit-dem-klischee-der-stillen-sexualitaet\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":110962,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4382,4397],"tags":[5467,5478,5545],"wps_subtitle":"Drei Psycholog*innen und Geschlechterforscher*innen haben ein Buch herausgegeben, das Beitr\u00e4ge aus einem Symposium b\u00fcndelt, bei dem es ziemlich laut zuging","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110960"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/35"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110960\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/110962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=110960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=110960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}