{"id":110940,"date":"2021-05-19T09:22:08","date_gmt":"2021-05-19T07:22:08","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=110940"},"modified":"2021-05-19T09:54:19","modified_gmt":"2021-05-19T07:54:19","slug":"lgbtiq-organisationen-finanziell-und-personell-in-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/lgbtiq-organisationen-finanziell-und-personell-in-not\/","title":{"rendered":"LGBTIQ Organisationen finanziell und personell in Not"},"content":{"rendered":"<h3>Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat am Dienstag die ausf\u00fchrlichen Ergebnisse der von ihr in Auftrag gegebenen Befragungsstudie \u00abLGBTIQ-Communitystrukturen in der Coronapandemie\u00bb ver\u00f6ffentlicht. Viele Organisationen und Initiativen konnten ihre T\u00e4tigkeiten und Angebote nur eingeschr\u00e4nkt fortf\u00fchren.<\/h3>\n<p>Die bundesweite Befragung unter LGBTIQ-Organisationen und -Initiativen ist im Rahmen des Projektes \u00abAuswirkungen der Coronapandemie auf LGBTIQ\u00bb entstanden. Durchgef\u00fchrt wurde die Studie von Ska Salden (Dipl.-Psych., wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in Sigmund-Freud-Universit\u00e4t) und Frede Macioszek (Schwules Museum Berlin).<\/p>\n<p>255 Initiativen aus allen 16 deutschen Bundesl\u00e4ndern haben an der Befragung teilgenommen. Diese Initiativen bieten unter anderem Gruppen- und Selbsthilfeangebote f\u00fcr LGBTIQ an, beraten und begleiten LGBTIQ zum Beispiel bei Coming-outs, Transitionen, Diskriminierungserfahrungen oder rechtlichen Fragen und f\u00fchren Bildungsveranstaltungen an Schulen durch.<\/p>\n<p>Das Projekt \u00abAuswirkungen der Coronapandemie auf LGBTIQ\u00bb war im September mit einem \u00f6ffentlichen Appell der Bundesstiftung an Staat und Gesellschaft gestartet. Ende 2020 und Januar 2021 fanden verschiedene Fachgespr\u00e4che zum Thema statt. Deren Ergebnisse wurden in der Brosch\u00fcre \u00abAuswirkungen der Coronapandemie\u00bb im Februar 2021 dokumentiert. Mit den jetzt ver\u00f6ffentlichten Ergebnissen der Befragungsstudie wurde ein weiterer wichtiger Projektbaustein umgesetzt.<\/p>\n<p>Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Befragungsstudie im \u00dcberblick: Knapp 90 Prozent der Initiativen beschrieben die Auswirkungen der Pandemie als negativ, 18 Prozent sogar als extrem negativ. Sie konnten ihre T\u00e4tigkeiten und Angebote in der Coronapandemie nur eingeschr\u00e4nkt fortf\u00fchren. Die Digitalisierung von Angeboten und die Entwicklung von Hygienekonzepten sorgten bei vielen Initiativen f\u00fcr einen stark erh\u00f6hten Arbeitsaufwand.<\/p>\n<p>Schon vor der Pandemie wurden in den Initiativen viele Angebote durch ehrenamtliche Arbeit gew\u00e4hrleistet. In der Pandemie haben die Kapazit\u00e4ten der Ehrenamtlichen bei 43 Prozent der Initiativen abgenommen, da Individuen durch die Pandemie einer erh\u00f6hten Belastung ausgesetzt waren und weniger M\u00f6glichkeiten hatten als zuvor, sich ehrenamtlich zu engagieren.<\/p>\n<p>Bei knapp einem Drittel derjenigen Initiativen, die vor der Pandemie finanzielle Ressourcen hatten, hat sich die finanzielle Situation verschlechtert, 15 Prozent k\u00f6nnen die finanziellen Folgen noch nicht absch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Die befragten Initiativen nahmen bei den Nutzer*innen ihrer Angebote ebenfalls eine Verschlechterung der Gesamtsituation dar. 93 Prozent der befragten Initiativen gingen davon aus, dass sich der psychische Zustand ihrer Nutzer*innen verschlechterte, 67 Prozent davon, dass sich der k\u00f6rperliche Zustand verschlechterte. Die Befragten berichteten ausserdem von einer wahrgenommenen Zunahme von Gewalterfahrungen ihrer Nutzer*innen sowohl im Privaten als auch im \u00f6ffentlichen Raum. Die \u00f6ffentlichen Gewalterfahrungen betrafen insbesondere Personen, die mehrfach diskriminiert werden. Der Bedarf an den Angeboten der Initiativen d\u00fcrfte also eigentlich gr\u00f6sser als kleiner geworden sein.<\/p>\n<p>Die Initiativen berichten teilweise auch von positiven Begleiterscheinungen der Pandemie, insbesondere durch die notwendige Digitalisierung. Sie konnten digital mehr Nutzer*innen erreichen und sich besser vernetzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass digitale Angebote auch viele LGBTIQ ausschliessen und viele Initiativen und Nutzer*innen nicht die notwendige technische Ausstattung hatten. Die Angaben der Initiativen machten deutlich, dass digitale Angebote Pr\u00e4senzangebote nicht ersetzen, sondern nur erg\u00e4nzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Initiativen nannten vielf\u00e4ltige Forderungen und Empfehlungen an Politik und Verwaltung, um ihre Arbeit und die Situation ihrer Nutzer*innen wieder verbessern zu k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlen insbesondere Forderungen, die Finanzierung der Initiativen langfristig sicherzustellen, Schutzr\u00e4ume f\u00fcr LGBTIQ zu erm\u00f6glichen, die Gesundheitsversorgung und Selbstbestimmung von LGBTIQ zu gew\u00e4hrleisten, Sexarbeit zu erm\u00f6glichen, sicheren Wohnraum insbesondere f\u00fcr obdachlose und\/oder gefl\u00fcchtete LGBTIQ zur Verf\u00fcgung zu stellen, niedrigschwellig Informationen zur Coronapandemie und den Massnahmen zur Verf\u00fcgung zu stellen und zu verbreiten sowie LGBTIQ Lebensrealit\u00e4ten in politische Regulierungen einzuschliessen.<\/p>\n<p>Hier kann man den <a href=\"https:\/\/mh-stiftung.de\/wp-content\/uploads\/Befragungsbericht_LSBTIQ-Community_Coronapandemie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungsbericht<\/a> der Befragungsstudie nachlesen.<\/p>\n<p>Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell hat zum IDAHOBIT im Namen der Europ\u00e4ischen Union auf die coronabedingt verschlimmerte Lage von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, von trans und inter Menschen hingewiesen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/idahobit-eu-pandemie-steigert-gewalt-gegen-lgbtiq\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesstiftung #MagnusHirschfeld hat die Ergebnisse der Befragungsstudie zu #LGBTIQ-Communitystrukturen in der #Coronapandemie ver\u00f6ffentlicht. 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