{"id":109339,"date":"2021-04-24T10:57:46","date_gmt":"2021-04-24T08:57:46","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=109339"},"modified":"2023-12-06T22:54:57","modified_gmt":"2023-12-06T21:54:57","slug":"richard-dawkins-und-der-transphobe-tweet-canceln-aufklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/richard-dawkins-und-der-transphobe-tweet-canceln-aufklaeren\/","title":{"rendered":"Richard Dawkins und der transphobe Tweet: Canceln? Aufkl\u00e4ren!"},"content":{"rendered":"<h3>Richard Dawkins verliert wegen eines transphoben Tweets seinen Titel als \u00abHumanist des Jahres\u00bb. Weshalb man den ber\u00fchmten Evolutionsbiologen nicht gleich \u00abcanceln\u00bb sollte, schreibt Silvan Hess in seinem Samstagskommentar.*<\/h3>\n<p>Es tut immer weh, wenn ein Mensch, den man aufrichtig bewundert, mal so richtigen Bockmist von sich gibt. Vor allem, wenn er es eigentlich besser wissen sollte. Richard Dawkins: Evolutionsbiologe, bekanntester Verfechter des \u00abNeuen Atheismus\u00bb, Oxford-Professor und gem\u00e4ss <em>Prospect<\/em>-Magazin seit 2013 \u00abder wichtigste Denker der Welt\u00bb. Ein Mann, der wissenschaftliche Texte in Poesie verwandelt und mit bewundernswerter Geduld und rhetorischem Geschick mit starrsinnigen Kreationist*innen debattiert. Ein Meister der langen Form, der auf Twitter mit wenigen Zeichen viele seiner Fans irritiert und entt\u00e4uscht hat.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"iM9uh03RCj\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/rachel-levine-us-senat-bestaetigt-erstmals-trans-frau-fuer-hohes-regierungsamt\/\">US-Senat best\u00e4tigt erstmals trans Frau f\u00fcr hohes Regierungsamt<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;US-Senat best\u00e4tigt erstmals trans Frau f\u00fcr hohes Regierungsamt&#8220; &#8212; Mannschaft\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/rachel-levine-us-senat-bestaetigt-erstmals-trans-frau-fuer-hohes-regierungsamt\/embed\/#?secret=iM9uh03RCj\" data-secret=\"iM9uh03RCj\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Verletzender Vergleich<\/strong><br \/>\nIm Tweet vom 10. April vergleicht Richard Dawkins trans Menschen mit Rachel Dolezal. Die B\u00fcrgerrechtsaktivistin gab sich als Afroamerikanerin aus, behauptete, dass ihr Vater schwarz w\u00e4re. Als 2015 publik wurde, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater weiss sind, sagte Dolezal, sie w\u00fcrde sich jedoch \u00abals schwarz identifizieren\u00bb. Nicht diese Aussage ist das Problem bei Dolezal, sondern der Umstand, dass sie gelogen hat \u2013 vermutlich, um ihre Laufbahn als einflussreiche \u00abafroamerikanische\u00bb B\u00fcrgerrechtsaktivistin zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Und hier wird klar, weshalb Dawkins\u2019 Vergleich f\u00fcr die trans Community so verletzend ist: Trans Menschen wollen nicht einfach eine Geschlechtsangleichung, weil es ihnen gerade danach ist. Oder weil sie sich davon einen Vorteil erhoffen. Im Gegenteil entscheiden sie sich f\u00fcr eine Transition gerade <em>trotz<\/em> den bestehenden Vorurteilen und Diskriminierungen in der Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Schier unverzeihliche Wissensl\u00fccke<\/strong><br \/>\nDawkins tweetet weiter: \u00abEinige M\u00e4nner entscheiden sich, sich als Frauen zu identifizieren, und einige Frauen entscheiden sich, sich als M\u00e4nner zu identifizieren. Man wird verunglimpft, wenn man leugnet, dass sie wortw\u00f6rtlich das sind, als was sie sich identifizieren.\u00bb Dann endet er den Tweet mit einer Aufforderung: \u00abDiskutiert.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet lazyload\" data-expand=\"600\" data-script=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\"  data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">In 2015, Rachel Dolezal, a white chapter president of NAACP, was vilified for identifying as Black. Some men choose to identify as women, and some women choose to identify as men. You will be vilified if you deny that they literally are what they identify as.<\/p>\n<p>Discuss.<\/p>\n<p>&mdash; Richard Dawkins (@RichardDawkins) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RichardDawkins\/status\/1380812852055973888?ref_src=twsrc%5Etfw\">April 10, 2021<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ich kann es kaum glauben, dass ich das \u00fcber Richard Dawkins schreiben muss: Diese Aussage ist ignorant. Trans Personen <em>entscheiden<\/em> sich nicht daf\u00fcr, ein Mann oder eine Frau zu sein, sie <em>sind<\/em> es! F\u00fcr den \u00abwichtigsten Denker der Welt\u00bb eine schier unverzeihliche Wissensl\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>Parallelen zu Rowling<\/strong><br \/>\nDiese Geschichte weist einige Parallelen zum Twitter-Debakel vom J. K. Rowling auf. Auch sie f\u00fcr Hunderttausende ein Vorbild, auch sie twittert sich v\u00f6llig unmotiviert transphob ins Abseits (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schon-wieder-j-k-rowling-erzuernt-trans-menschen-mit-tweet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Doch man darf nicht die Intention aus den Augen verlieren \u2013 und da gibt es zwischen den beiden doch signifikante qualitative Unterschiede.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet lazyload\" data-expand=\"600\" data-script=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\"  data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">\u2018People who menstruate.\u2019 I\u2019m sure there used to be a word for those people. Someone help me out. Wumben? Wimpund? Woomud? <\/p>\n<p>Opinion: Creating a more equal post-COVID-19 world for people who menstruate <a href=\"https:\/\/t.co\/cVpZxG7gaA\">https:\/\/t.co\/cVpZxG7gaA<\/a><\/p>\n<p>&mdash; J.K. Rowling (@jk_rowling) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/jk_rowling\/status\/1269382518362509313?ref_src=twsrc%5Etfw\">June 6, 2020<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Rowling ging es um Provokation und um billige Lacher aus der rechten Ecke. Dawkins indes stellt mit seinem Imperativ \u00abdiscuss\u00bb seine Ansichten zur Debatte. Diese vermeintliche Absicht wird nat\u00fcrlich von der Entschiedenheit seiner Aussage unterwandert. Die Aufforderung zur Diskussion erscheint dann eher wie ein Schutzwall, der ihn vor Transphobie-Anschuldigungen bewahren sollten. Das hat nicht funktioniert.<\/p>\n<p>In einem zweiten Tweet zwei Tage sp\u00e4ter schrieb Dawkins, dass es nicht seine Absicht sei, trans Personen herabzusetzen. Er wolle sich auch nicht mit republikanischen Fanatiker*innen zusammenschliessen, die dieses Thema instrumentalisierten.<\/p>\n<p><strong>Aufkl\u00e4ren statt canceln!<\/strong><br \/>\nAnfang Woche verk\u00fcndete die American Humanist Association, dass Dawkins aufgrund des Tweets vom 10. April nicht l\u00e4nger den Titel \u00abHumanist des Jahres 1996\u00bb tr\u00e4gt. Die konservativen Medien frohlocken schadenfroh: \u00abAtheisten canceln Dawkins!\u00bb<\/p>\n<p>Nein, man sollte Richard Dawkins f\u00fcr diesen Tweet nicht \u00abcanceln\u00bb. Dazu fehlt schon eine eindeutig b\u00f6sartige Absicht. Aber der 80-j\u00e4hrige Herr Professor muss Lernbereitschaft signalisieren \u2013 und zwar schnell und deutlich. Sonst steht er auf einer Stufe mit den Fakten-Verweiger*innen, die er in seinem Lebenswerk so oft angeprangert hat.<\/p>\n<p>Einige Weggef\u00e4hrt*innen nehmen Dawkins \u00f6ffentlich in Schutz; beispielsweise der Philosoph Sam Harris. Aus Kollegialit\u00e4t? Oder muss Richard Dawkins zwecks Aufrechterhaltung seines Heldenstatus einfach immer recht haben? Das w\u00e4re das Gegenteil von kritischem Denken und damit das Gegenteil von dem, was Dawkins ein Leben lang lehrte.<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard #Dawkins verliert wegen eines transphoben Tweets seinen Titel als \u00abHumanist des Jahres\u00bb. 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