{"id":108474,"date":"2021-04-09T16:27:49","date_gmt":"2021-04-09T14:27:49","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=108474"},"modified":"2021-04-12T09:10:18","modified_gmt":"2021-04-12T07:10:18","slug":"geschlechtervielfalt-kinderzimmer-in-rosa-und-hellblau-das-ist-gender-gaga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/geschlechtervielfalt-kinderzimmer-in-rosa-und-hellblau-das-ist-gender-gaga\/","title":{"rendered":"Kinderzimmer in Rosa und Hellblau? DAS ist Gender-Gaga!"},"content":{"rendered":"<h3>Alle reden von Gender-Gaga, wenn es darum geht, die Geschlechtervielfalt \u00fcberall abzubilden. Niemand kommt jedoch auf die Idee, von Gender-Gaga zu sprechen, wenn wir M\u00e4dchenzimmer in Rosa und Knabenzimmer in Himmelblau ers\u00e4ufen. Dabei ist gerade Letzteres total gaga, meint Predrag Jurisic in seinem Samstagskommentar*.<\/h3>\n<p>1897 trugen die Fussballer von Juventus Turin rosa Trikots samt schwarzen Schleifchen um den Kragen \u2013 wie s\u00fcss! Rosa galt bis dahin als m\u00e4nnliche Farbe \u2013 als die kleine Schwester von Rot, die schon im alten Rom die Signalfarbe der M\u00e4nnlichkeit repr\u00e4sentierte. Die Farbe der M\u00e4dchen war das Himmelblau, weil die Jungfrau Maria diese Farbe trug. Entsprechend waren auch die Taufkerzen f\u00fcr M\u00e4dchen blau und solche f\u00fcr Jungs rot.<\/p>\n<p><strong>Doch dann kam die rosa Barbie oder?<\/strong><br \/>\nZwar kennen wir die Barbie in ihrer vor Rosa triefenden Welt nur zu gut. Doch es waren vielmehr Matrosen und Arbeiter, die ab den 1940er Jahren das Blau als m\u00e4nnliche Farbe etablierten, weil sie entsprechende Uniformen und Arbeiterklamotten trugen. Der Gender-Shift bei den Farben stammt also nicht unmittelbar von der Barbie, sie hat ihn sp\u00e4ter sicherlich verst\u00e4rkt. Die erste Barbie kam 1959 in einem schwarz-weiss gestreiften Kost\u00fcm der heutigen Juventus Turin Trikots.<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher ist es, dass sich jetzige Generationen von Eltern an sogenannten \u00abGender Reveal Partys\u00bb mit rosa und hellblauen Konfetti-Kanonen zu Tode bomben. Ist kein Witz, passiert wirklich. Und das nur, um ihrem Umfeld zu zeigen, ob das Geschlecht ihres Nachwuchses weiblich oder m\u00e4nnlich ist. Was hingegen zwischen diesen beiden Polen auch noch sein k\u00f6nnte, klammern sie in ihrem rosablauen Wahn v\u00f6llig aus \u2013 mit problematischen Folgen: Was, wenn das Kind trans oder intergeschlechtlich die durchgegenderte Welt erblickt und unter dem vorgelebten Gender-Druck dann leidet?<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"YxSeEUadlF\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ausgrenzung-und-morddrohungen-weil-alex-nicht-binaer-ist\/\">Ausgrenzung und Morddrohungen \u2013 weil Alex nicht-bin\u00e4r ist<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Ausgrenzung und Morddrohungen \u2013 weil Alex nicht-bin\u00e4r ist&#8220; &#8212; Mannschaft\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/ausgrenzung-und-morddrohungen-weil-alex-nicht-binaer-ist\/embed\/#?secret=YxSeEUadlF\" data-secret=\"YxSeEUadlF\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Klar, die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ist entweder m\u00e4nnlich oder weiblich und f\u00fchlt sich sp\u00e4ter auch ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugeh\u00f6rig. Wie sieht es jedoch aus, wenn eine Person trans oder inter ist? Das <a href=\"https:\/\/www.tgns.ch\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transgender Network Switzerland<\/a> geht von einer Zahl zwischen 0,5 und 3 Prozent von Transmenschen in der Bev\u00f6lkerung aus. Das w\u00e4ren aktuell zwischen 42&#8217;725 und 256&#8217;350 Menschen in der Schweiz, in \u00d6sterreich etwas mehr: 44&#8217;650 bis 267&#8217;900 Menschen. In Deutschland dagegen w\u00e4ren es bereits zwischen 415&#8217;500 und 2&#8217;493&#8217;000 Personen \u2013 also ganze Metropolen.<\/p>\n<p>Bei zwischengeschlechtlichen Menschen gibt es aus der Wissenschaft keine eindeutigen Zahlen, wie <a href=\"http:\/\/www.intersex.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">intersex.ch<\/a> festh\u00e4lt: \u00abBetroffenenorganisationen gehen von 1:500 bis 1:1000 Kindern aus, die irreversiblen kosmetischen Genitaloperationen und weiteren medizinisch nicht notwendigen Eingriffen ausgesetzt werden.\u00bb Das sind selbst in der Schweiz mehrere Kleinst\u00e4dte, die unter der Geschlechterfixierung leiden. Diese Geschlechterfixierung macht also gesunde Menschen krank. Und das bloss, weil es manche Gem\u00fcter nicht aus ihrem Schubladendenken schaffen \u2013 mit der Begr\u00fcndung: a) zu anstrengend und b) \u00abuh, neu, anders, Angst!\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Wenn mehr als zwei Geschlechter irritieren<\/strong><br \/>\n\u00abDas Fehlen von zwei Geschlechterkategorien f\u00fchrt zu grosser Verunsicherung: Geh\u00f6rt doch die Einteilung in Frau und Mann zu den grundlegendsten Kategorisierungen des Alltags. Was irritiert uns mehr, als wenn wir bei einer Person auf der Strasse nicht genau einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, ob diese m\u00e4nnlich oder weiblich ist?\u00bb, antwortet Adrian Knecht auf die Frage, warum vermeintlich aufgekl\u00e4rte junge Erwachsene dem rosablauen Wahn verfallen.<\/p>\n<p>Als Projektleiter bei der Aids-Hilfe St.Gallen-Appenzell ber\u00e4t er regelm\u00e4ssig Transmenschen sowie M\u00e4nner, die mit M\u00e4nnern Sex haben. \u00abDie Verunsicherung, was zwischen dem weiblichen und m\u00e4nnlichen Pol noch liegen k\u00f6nnte, wird also kompensiert. Und zwar durch die Manifestierung der bekannten Kategorien: Es reicht nicht mehr, auf der Geburtsanzeige das Geschlecht des Neugeborenen preiszugeben: \u00abEs ist ein M\u00e4dchen!\u00bb Es braucht vielmehr eine Party, die notabene im Farbeimer des vermeintlichen Geschlechts des Nachwuchses ertrinkt. Die Eltern stellen in der offenen Welt der vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten Sicherheit her. Allerdings nur f\u00fcr sich, nicht f\u00fcr das Kind.\u00bb<\/p>\n<p>Darum w\u00e4re es f\u00fcr die gesamte Gesellschaft hilfreich, neben dem weiblichen und m\u00e4nnlichen Geschlecht auch das diverse bzw. non-bin\u00e4re Geschlecht anzunehmen \u2013 ob beim Pass, bei einer Bewerbung oder beim Kreditantrag in einer Bank. Dann st\u00fcnde auch niemand mehr unter dem rosablauen Gender-Gaga, das derzeit Menschen aus- statt einschliesst.<\/p>\n<p><strong>\u00abDas Geschlecht bestimmt die Stellung in der Gesellschaft\u00bb<\/strong><br \/>\nAuch wenn am Anfang eines jungen Lebens bloss eine unschuldige Farbe steht, so ist sie der erste Schritt zu einer ganzen Kette, die das soziale Leben sp\u00e4ter pr\u00e4gt: Der Farbe folgen gegendertes Spielzeug, gegenderte Kleider und irgendwann mal gegenderte Berufe. \u00abDeshalb landet sp\u00e4ter auch die Mehrheit der Frauen in sogenannten \u2039K\u00fcmmerjobs\u203a, die obendrein schlechter bezahlt sind als viele m\u00e4nnlich dominierte Berufe\u00bb, stellt Viviane Probst, Kommunikationsfachfrau, immer wieder fest, wenn sie ihr Umfeld betrachtet. Auch st\u00f6rt sie sich daran, wie Eltern ihre Kinder erziehen: \u00abJungs werden dazu erzogen, sich durchzusetzen. Sie d\u00fcrfen laut und wild sein, sich Freiheiten herausnehmen. M\u00e4dchen dagegen m\u00fcssen h\u00fcbsch anzusehen zu sein \u2013 und leise, lieb und unauff\u00e4llig.\u00bb Das f\u00fchre zwangsl\u00e4ufig dazu, dass sich Frauen auf ihr Erscheinungsbild als einzige Qualit\u00e4tseigenschaft reduzieren lassen, w\u00e4hrend M\u00e4nner den Versorger spielen, der den Frauen etwas bieten muss. Dieses Ungleichgewicht besteht auch heute noch.<\/p>\n<p>\u00abUnd Hollywood, Disney und die Werbung zementieren dieses Bild auch noch: M\u00e4nner sind die Helden, Frauen die Prinzessinnen, die nur darauf warten, gerettet und versorgt zu werden. Emanzipation geht anders\u00bb, enerviert sich Viviane Probst.<\/p>\n<p>Adrian Knecht sieht das \u00e4hnlich: \u00abGeschlechterstereotypen bestimmen die M\u00f6glichkeiten und Grenzen f\u00fcr den kompletten Lebensentwurf.\u00bb Eltern minimieren so die Entfaltungsm\u00f6glichkeiten ihres Kindes, indem sie es auf das ihm bei der Geburt zugewiesene Geschlecht reduzieren: \u00abIch finde, es ist nicht unser Recht, die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Lebensentwurf von jungen Menschen einzuschr\u00e4nken, indem wir sie geschlechterstereotypisch behandeln.\u00bb Aus seiner Zeit als Flugbegleiter zeigt er an einem Beispiel, wie Erwachsene im Alltag oft unbewusst Kinder in bestimmte Rollen dr\u00e4ngen: \u00abEs ist nicht richtig, einen Jungen, der beim Boarding das Cockpit besucht, zu fragen \u2039Willst du auch mal Pilot werden?\u203a und in der gleichen Situation zu einem M\u00e4dchen zu meinen: \u2039Da hat\u2019s viele Kn\u00f6pfe, nicht wahr?\u203a Die Frage muss lauten: \u2039Was interessiert dich?\u203a und sie soll allen Geschlechtern gestellt werden.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"J4QkdJR5Cc\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/gruenen-politikerinnen-fuer-offenen-umgang-mit-homosexualitaet\/\">Gr\u00fcnes Politikerinnenpaar f\u00fcr offenen Umgang mit Homosexualit\u00e4t<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Gr\u00fcnes Politikerinnenpaar f\u00fcr offenen Umgang mit Homosexualit\u00e4t&#8220; &#8212; Mannschaft\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/gruenen-politikerinnen-fuer-offenen-umgang-mit-homosexualitaet\/embed\/#?secret=J4QkdJR5Cc\" data-secret=\"J4QkdJR5Cc\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Auch schon Gender-gaga? Dann tu was dagegen!<\/strong><br \/>\n\u00abDas Geschlecht bestimmt die Hobbies, die Vorlieben, die Berufswahl, das soziale Netz, die Stellung in der Gesellschaft und die Rolle in der Familie\u00bb, fasst Adrian Knecht zusammen. Deshalb ist es enorm wichtig, Geschlechterstereotypen sein zu lassen: Wenn wir als Gesellschaft die Gleichberechtigung aller Geschlechter erreichen wollen, m\u00fcssen wir bereits im Kinderzimmer ansetzen.<\/p>\n<p>\u00abUns stehen Tausende Pantonefarben zur Verf\u00fcgung. Warum w\u00e4hlen wir f\u00fcr die Kinderzimmer und Babykleider mal alles andere ausser Rosa und Himmelblau? Und warum \u00fcberlassen wir nicht den Kindern sp\u00e4ter die Wahl, ihre Lieblingsfarbe zu bestimmen?\u00bb Viviane Probst ist selbst Patentante und achtet beim Geschenkekaufen darauf, nicht in die Gender-Farbfalle zu tappen oder stereotypisierte Spielzeuge zu kaufen.<\/p>\n<p>Neben mehr Diversit\u00e4t bei den Farben spielt auch die Sprache eine wichtige Rolle im Alltag, wie Adrian Knecht betont: \u00abSprache schafft Realit\u00e4t. Unsere Kinder lernen die W\u00f6rter, die wir ihnen gegen\u00fcber benutzen. Was sprachlich nicht ausgedr\u00fcckt wird, existiert nicht. Sprache schr\u00e4nkt also ein. Sprache kann aber auch bereichern, wenn wir sie so vielf\u00e4ltig wie m\u00f6glich gestalten, anstatt sie zu limitieren.\u00bb<\/p>\n<p>Deswegen ist das Einschliessen aller Geschlechter beim Sprechen und Schreiben eine weitere gute M\u00f6glichkeit, f\u00fcr mehr Inklusion statt Exklusion zu sorgen. Besonders dann, wenn sich manche \u00fcber den Genderstern aufregen, weil er angeblich typografisch unsch\u00f6n sei oder ihnen beim Sprechen eine eigenartige Denkpause abn\u00f6tige. Doch manchmal w\u00e4ren gerade solche Denkpausen hilfreich, um das eigene Verhalten zu reflektieren. Darum tu auch du was gegen das rosablaue Gender-Gaga. Denn Gender ist mehr als nur eine Farbe oder ein prim\u00e4res Geschlechtsmerkmal.<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle reden von #GenderGaga, wenn&#8217;s darum geht, Geschlechtervielfalt \u00fcberall abzubilden. Gaga ist aber vor allem, wenn wir M\u00e4dchenzimmer in Rosa und Knabenzimmer in Himmelblau ers\u00e4ufen, kommentiert Predrag Jurisic. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/geschlechtervielfalt-kinderzimmer-in-rosa-und-hellblau-das-ist-gender-gaga\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":108475,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,3270],"tags":[5531,5493,5507],"wps_subtitle":"Gleichberechtigung erreichen wir nur ohne Geschlechterstereotypen","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108474"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/30"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108474\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/108475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=108474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=108474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}