{"id":107765,"date":"2021-03-26T16:19:35","date_gmt":"2021-03-26T15:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=107765"},"modified":"2021-04-04T10:44:56","modified_gmt":"2021-04-04T08:44:56","slug":"kunstpause-das-leben-auf-der-buehne-stillstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kunstpause-das-leben-auf-der-buehne-stillstand\/","title":{"rendered":"Kunstpause: Das Leben auf der B\u00fchne im Stillstand"},"content":{"rendered":"<h3>Lockdowns zwingen queere Performer*innen dazu, sich und ihre Arbeit neu zu erfinden. Drei von ihnen erz\u00e4hlen von Alltagssorgen, aber auch von neu gewonnener Freiheit, kurz: davon, wie sich ihr Leben durch die Pandemie ver\u00e4ndert hat.<\/h3>\n<p>Milky Diamond hat es sich gerade bequem gemacht im Haus ihrer Grosseltern, wo sie nach selbstauferlegter Quarant\u00e4ne ein paar Tage verbringt. Zum Gespr\u00e4ch bereit ist die Dragqueen erst, nachdem sie sich den x-ten Kaffee gemacht hat \u2013 \u00ababer immer nur koffeinfrei! Fr\u00fcher konnte ich &#8217;ne ganze Kanne Kaffee trinken, aber das geht nicht mehr. Es macht mich totally crazy.\u00bb<\/p>\n<p>Ihrem unverwechselbaren Look konnte die Pandemie nichts anhaben; egal wie lang sie ihre Haare (und Per\u00fccken) privat oder beruflich gerade tr\u00e4gt \u2013 die rechte H\u00e4lfte davon ist stets platinblond, die linke schwarz. \u00c4hnlichkeiten mit Cruella De Vil sind nicht ganz zuf\u00e4llig, war diese doch Milkys Lieblingscharakter als Kind. Mit diesem Markenzeichen ist die 27-j\u00e4hrige den queeren Z\u00fcrcher Nachtschw\u00e4rmer*innen ans Herz gewachsen, oder, wie sie selbst sagen w\u00fcrde, zur \u00abQueen of the Scene\u00bb geworden. Und vielleicht sogar etwas dar\u00fcber hinaus, denn seit ihren geheimnisvollen Auftritten in den Clips des angesagten Synthpopmusikers Crimer haben sie wohl auch einige heterosexuelle Indiefans \u00fcber einen Bildschirm flimmern sehen.<\/p>\n<p>Ob nun als Moderatorin der \u00abHeaven Drag Race\u00bb und des \u00ablila.\u00bb-Festivals, Performerin in der Heldenbar oder im Showrestaurant Samigo \u2013 an <a href=\"http:\/\/milkydiamond.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Milky<\/a> kommt das queere Partyvolk nicht so schnell vorbei. Es sei denn, die Schweiz befindet sich gerade im Lockdown. \u00dcber die wichtige Funktion des Feierns f\u00fcr <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lockdown-feiern-hat-fuer-viele-queers-eine-enorm-wichtige-ausgleichsfunktion\/\">Queers spricht Partyveranstalter Kilian Flade (MANNSCHAFT+).<\/a><\/p>\n<p>Und somit sind wir schon mitten im Thema unseres Gespr\u00e4chs. Besonders frustrierend f\u00fcr Milky sei es gewesen, \u00abLate Night Drag\u00bb so gut wie ganz abzublasen\u202f\u2013 eine hybride Mischung aus Theater, Performance und Late-Night-Show. \u00abWenn du monatelang ein St\u00fcck vorbereitest, ohne es dann richtig auf die B\u00fchne bringen zu k\u00f6nnen\u2009.\u2009.\u2009. das tut schon weh\u00bb, sagt sie mit ernstem Tonfall. Unter anderem auch, weil man als Kulturschaffende*r f\u00fcr Vorbereitungen oft nicht hinreichend entlohnt werde. Zwar seien die Crewmitglieder nach zwei erfolgreichen Auftritten im August noch guter Dinge gewesen, da sie davon ausgingen, die restlichen Sommershows einfach auf den Herbst verschieben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_100079\" aria-describedby=\"caption-attachment-100079\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-100079 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 533'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie.jpg\" alt=\"B\u00fchne Stillstand\" width=\"800\" height=\"533\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/3C8FC3C9-AD15-43CC-968A-EB5FC9AEFF23-Kopie-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-100079\" class=\"wp-caption-text\">Odette Hella&#8217;Grand und Milky Diamond kurz vor dem Auftritt (Bild: Tatjana R\u00fcegsegger)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als jedoch die Infektionszahlen wieder stiegen und \u00f6ffentliche Veranstaltungen auf 50 Personen begrenzt wurden, h\u00e4tten die Veranstalter*innen absagen m\u00fcssen, da es sich unter diesen Umst\u00e4nden finanziell nicht rentiert h\u00e4tte. Zwei der vier geplanten Show-Gagen h\u00e4tten die Performer*innen zwar immerhin bekommen, \u00fcber den Rest w\u00fcssten sie allerdings noch nicht Bescheid. \u00abAber ich will mich nicht \u00fcber die Lockdowns an sich beschweren. Menschenleben gehen klar vor.\u00bb Im Dezember war sie im Community-Musical \u00abQueer Xmas zu sehen (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/queerxmas-eine-etwas-andere-weihnachtsgeschichte\/\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>), das online gestreamt wurde.<\/p>\n<p>Ausserdem sei Milky in finanzieller Hinsicht privilegiert im Vergleich zu anderen K\u00fcnstler*innen. Sie arbeite zwar so gut wie nur in Drag, allerdings nicht selbstst\u00e4ndig, sondern meistens vom jeweiligen Betrieb beziehungsweise von Veranstalter*innen angestellt. Das erm\u00f6gliche ihr momentan, Kurzarbeitsgeld zu beziehen. Zudem habe sie k\u00fcrzlich den \u00abFonds Respekt\u00bb erhalten, eine finanzielle Nothilfe von queeren Dachverb\u00e4nden. \u00dcberhaupt seien bis jetzt private Gelder schneller geflossen als \u00f6ffentliche; ob sie das Covid-19-Arbeitsstipendium der Stadt Z\u00fcrich erhalten wird, weiss Milky noch nicht.<\/p>\n<h4>Mehr Zugang durch Kreativit\u00e4t<\/h4>\n<p>Ihre Schilderungen \u2013 die man durchaus als Kritik lesen kann \u2013 decken sich mit jener anderer Kulturschaffender. Auch der Stand-up-Comedian und Performer <a href=\"http:\/\/rollingeddie.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eddie Ramirez<\/a> findet klare Worte: \u00abIm Allgemeinen merkt man in dieser Zeit schon, wie wenig Wert die Politik auf Kultur legt\u00bb, sagt er. Diese Tendenz sei zwar davor schon da gewesen, aber nun habe sie sich extrem versch\u00e4rft. Dabei seien k\u00fcnstlerische Werke wichtiger denn je. \u00abGute Filme, B\u00fccher und Musik bringen uns alle besser durch die Pandemie \u2013 aber deren Herstellung f\u00f6rdern will man nicht. Dieses Denken finde ich v\u00f6llig falsch. Und megaschade.\u00bb Er kenne Leute im Kulturbereich, die ihren Job verloren oder einfach finanziell zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten, vor allem selbstst\u00e4ndig Erwerbende.<\/p>\n<blockquote><p>In dieser Zeit merkt man schon, wie wenig Wert die Politik auf Kultur legt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Eddie ist wie Milky fester Bestandteil der queeren Szene, aber nicht nur; er hatte schon mehrere Comedyauftritte im Schweizer Fernsehen und wurde dabei unter anderem vom Enfant terrible Dominic Deville eingeladen. Er bezeichnet sich selbst als Schwarze, non-bin\u00e4re, behinderte Person und in den sozialen Medien selbstironisch als \u00abrollingeddie\u00bb. Er versteht deshalb auch etwas von intersektionaler Diskriminierung und macht diese immer wieder zum Inhalt seiner Stand-up-Texte: \u00abF\u00fcr alle, die gerade im Radio mith\u00f6ren und sich fragen, wie ich wohl aussehe: Ich bin eine Art Latino-Hobbit im Rollstuhl.\u00bb Daneben ist er mit dem Theaterduo \u00abCriptonite\u00bb im Theater Gessnerallee (eine Sommertour ist geplant, falls es die Umst\u00e4nde erlauben) und hostet regelm\u00e4ssig ein Open-stage-Programm im Z\u00fcrcher Dali\u2019s, das nach ihm benannt ist (\u00abComeddie\u00bb).<\/p>\n<figure id=\"attachment_107770\" aria-describedby=\"caption-attachment-107770\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-107770 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 600 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez.jpg\" alt=\"B\u00fchne Stillstand\" width=\"600\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez.jpg 600w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-200x300.jpg 200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-400x600.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-561x842.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-364x546.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/eddie-ramirez-64x96.jpg 64w\" data-sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-107770\" class=\"wp-caption-text\">Theaterauftritt zwischen den Lockdowns: Eddie Ramirez in \u00abStar Magnolia\u00bb. (Bild: Cristiano Remo)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der 31-J\u00e4hrige ist gerade frisch in eine neue Wohnung gezogen und hat seit knapp 20 Minuten Internet, als wir miteinander skypen. Obwohl der Umzug l\u00e4nger so geplant gewesen sei, sei er mittlerweile froh, dass er hier weniger Miete zahle. \u00abIch versuche momentan besonders sparsam zu leben, da die Situation schon um einiges l\u00e4nger andauert als gedacht und man drum schlecht vorausplanen kann\u00bb, meint er nachdenklich, \u00abobwohl ich auch sagen muss, dass zum Gl\u00fcck nach wie vor einzelne Auftr\u00e4ge reinkommen.\u00bb Eddie konnte w\u00e4hrend des Lockdowns dank Streaming eine Criptonite-Show im Dezember auff\u00fchren, und momentan arbeitet er an einem Audiowalk, einer Art erz\u00e4hlerischer Stadtf\u00fchrung. Nebenbei wird er als Experte hinzugezogen, wenn es darum geht, Kunst und Kultur f\u00fcr Menschen mit Behinderung zug\u00e4nglich zu machen, wobei es da um viel mehr als nur Rampen f\u00fcr Rollst\u00fchle geht. \u00abPerformances zu streamen er\u00f6ffnet gerade in Sachen Zugang und Reichweite ganz neue M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr unseren Auftritt hatten wir live Untertitel und einen Kanal mit Audiodeskription\u00bb, sagt er zufrieden. \u00abAufgrund des Streams hatten wir auch Publikum aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und den USA \u2013 ein voller Erfolg also.\u00bb Ganz auf Streaming umstellen w\u00fcrde er allerdings nicht wollen; gerade Formen wie Stand-up-Comedy lebten von den direkten Reaktionen des Publikums.<\/p>\n<h4>Die grosse Erleichterung<\/h4>\n<p>Eine K\u00fcnstlerin, die sich im Streaming gar nicht wiederfindet, ist die Luzerner Singer-Songwriterin <a href=\"http:\/\/pinkspider.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pink Spider<\/a>: \u00abIch hab mitgekriegt, dass die Band Pegasus w\u00e4hrend des Lockdowns ein Konzert gestreamt hat, ohne Livepublikum und mit Plexiglas zwischen den Musikern\u00bb, erz\u00e4hlt sie. \u00abEs war zwar sch\u00f6n zu sehen, wie sie sich freuten, wiedermal auf einer B\u00fchne zu stehen \u2013 aber f\u00fcr mich w\u00e4r das nichts. Lieber gar nicht performen als unter diesen Umst\u00e4nden.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Lieber gar nicht performen als unter diesen Umst\u00e4nden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die 44-J\u00e4hrige, die eigentlich Val\u00e9rie Kolosz\u00e1r heisst, lebt eher zur\u00fcckgezogen in einem alten Holzhaus bei Luzern. Genau wie ihre Musik erinnert die Einrichtung \u2013 mittendrin Gitarre und Ukulele\u202f\u2013 an amerikanische Folkmusiker*innen, die als lonely Wolves an Texten und T\u00f6nen t\u00fcfteln. Und das kommt nicht von ungef\u00e4hr: Pink Spider verbrachte einen Teil ihrer Jugend in den USA und begann dort auch ein Studium in Meeresbiologie. \u00dcber verschiedene Umwege (unter anderem eine Frauenband und ein 8-Spur-Kassettenger\u00e4t) kam sie dann zum Songwriting. 2008 ver\u00f6ffentlichte sie ihr Deb\u00fctalbum \u00abLooking for Trouble\u00bb, 2014 folgte dann \u00abThe Hunch\u00bb, das vom Magazin 041 zum Album des Jahres gek\u00fcrt wurde und ihr ferner zum Luzerner Anerkennungspreis verhalf. Seither sind nochmal zwei EPs dazugekommen.<\/p>\n<p>Die Pandemie f\u00fchrte allerdings zu einer Schaffenspause. \u00abEhrlich gesagt finde ichs recht befreiend, dass ein gewisser kreativer Leistungsdruck wegf\u00e4llt\u00bb, sagt sie grinsend. \u00abVielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht mehr 30 bin und darum keinen Druck mehr versp\u00fcre, die Welt zu erobern.\u00bb Musikerin zu sein, bedeute viel Zeit und Energie zu investieren in das ganze Drum und Dran: sich ein Netzwerk aufbauen, ein Publikum finden, die eigene Musik vertreiben\u2009.\u2009.\u2009. Das habe sie mit den Jahren etwas ausgelaugt. Sie nutze diese Zeit, um sich Dingen zu widmen, die sie davor auf die lange Bank geschoben habe; beispielsweise habe sie einen Naturheilkurs absolviert und informiere sich gerade \u00fcber Ausbildungen in diesem Bereich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_107771\" aria-describedby=\"caption-attachment-107771\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-107771 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 600 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider.jpg\" alt=\"B\u00fchne Stillstand\" width=\"600\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider.jpg 600w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-200x300.jpg 200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-400x600.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-561x842.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-364x546.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pink-spider-64x96.jpg 64w\" data-sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-107771\" class=\"wp-caption-text\">Pink Spider steht lieber ohne Plexiglasscheiben auf der B\u00fchne. (Bild: RabbitRiot)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Allerdings scheint es bei Val\u00e9rie dann doch irgendwann in den Fingern zu jucken \u2013 wenn eine Anfrage f\u00fcr einen Auftritt kommt, wie f\u00fcr n\u00e4chsten Sommer auf einem kleinen Landfestival, sagt sie nicht nein. Und im Verlauf des Gespr\u00e4chs kommt ihr dann doch ein musikalisches Projekt in den Sinn, das sie im Lockdown umgesetzt hat: Als alte Super-8-Aufnahmen ihres 2009 verstorbenen Vaters digitalisiert worden seien, habe sie das dazu inspiriert, sich etwas Filmschnitt beizubringen und die Bilder mit ihrem Song \u00abSweet Relief\u00bb zu untermalen. \u00abDas war eine Art Nostalgietrip und hat mir geholfen, gewisse Ereignisse zu verarbeiten. Ausserdem wars sch\u00f6n, mal etwas f\u00fcr meine Familie zu machen\u00bb, sagt sie. \u00abDieser Song, den es davor schon gab, hat perfekt dazu gepasst. Es geht ums Loslassen und gleichzeitig um das Gewinnen von Gelassenheit.\u00bb<\/p>\n<h4>Eine w\u00fcrdige B\u00fchne<\/h4>\n<p>Die Tatsache, dass das Virus und die mit ihm verbundenen Einschr\u00e4nkungen auch Entspannung bringen k\u00f6nnen, best\u00e4tigt auch Milky Diamond. \u00abEhrlich gesagt fand ichs eigentlich ganz sch\u00f6n, runterfahren zu k\u00f6nnen\u00bb, in ihrer Stimme ist die Entspannung h\u00f6rbar. \u00abNormalerweise arbeite ich durch, bis auf ein, zwei Wochen im Sommer: Per\u00fccken herstellen, Shows vorbereiten, auftreten und dann das Ganze wieder von vorn.\u00bb Im Gegensatz zu einigen Kolleginnen sei sie w\u00e4hrend des Lockdowns nie richtig depressiv geworden, aber mittlerweile, nach fast einem ganzen Jahr, vermisse sie die Auftritte schon. Den Zuschauer*innen direkt in die Augen schauen und ihnen ein Gef\u00fchl vermitteln zu k\u00f6nnen\u2009.\u2009.\u2009. Und auf einer B\u00fchne zu stehen, die einer Dragqueen w\u00fcrdig sei. \u00abIch will keine mehr sehen, die in einer schlecht ausgeleuchteten K\u00fcche performt. Wir verdienen eine bessere Stage!\u00bb \u00dcbers Internet mache sie darum eigentlich nur Gespr\u00e4chsrunden oder Make-up-Tutorials.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"U1vEbT4qeG\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wenn-die-sonnenbrille-zur-geheimwaffe-wird\/\">Wenn die Sonnenbrille zur Geheimwaffe wird<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Wenn die Sonnenbrille zur Geheimwaffe wird&#8220; &#8212; Mannschaft\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/wenn-die-sonnenbrille-zur-geheimwaffe-wird\/embed\/#?secret=U1vEbT4qeG\" data-secret=\"U1vEbT4qeG\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Einen weiteren Vorteil dieser ungew\u00f6hnlichen Zeit sieht sie darin, dass viele Menschen sich in Dankbarkeit \u00fcben f\u00fcr Dinge, die sonst selbstverst\u00e4ndlich erscheinen. Das gilt auch f\u00fcr sie selbst; ihr sei bewusst geworden, wie sehr sie sich auf Familie und Freund*innen verlassen k\u00f6nne, wenn andere Kontakte und Inputs wegfielen.<\/p>\n<h4>K\u00fcnstlerische Verarbeitung<\/h4>\n<p>Auch Eddie kann der Krise etwas abgewinnen, vor allem in kreativer Hinsicht: \u00abThemen wie Einsamkeit und Fernweh waren eine grosse Inspiration f\u00fcr unser letztes Criptonite-St\u00fcck\u00bb, meint er zufrieden. \u00c4hnliches beobachte er auch bei anderen Performer*innen, die Material basierend auf Lockdownerfahrungen und -lehren produzierten. \u00abDas kann nat\u00fcrlich auch einschr\u00e4nken, da man das Gef\u00fchl bekommen kann, andere Themen seien nicht mehr aktuell\u00bb, reflektiert er. \u00abIch merke es auch bei mir selbst; gewisse Jokes, die ich fr\u00fcher gebracht habe, f\u00fchlen sich recht weit weg an. Andererseits habe ich auch Mut gewonnen, eher in die Tiefe zu gehen und auch Ernsteres anzusprechen, als bei Comedy sonst \u00fcblich ist.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Bei der ganzen Diskussion um die Systemrelevanz war von uns Kulturschaffenden nie die Rede.<\/p><\/blockquote>\n<p>Val\u00e9rie aber wird zum Schluss wieder etwas melancholisch: \u00abBei der ganzen Diskussion um die Systemrelevanz war von uns Kulturschaffenden nie die Rede \u2013 dabei sollte doch jede Arbeit gleich viel wert sein\u00bb, sagt sie und f\u00fcgt an: \u00abDer Musiker Seven hat es in einem \u00f6ffentlichen Statement gut gesagt: K\u00fcnstler*innen seinen nur ein kleiner Teil der Leute, die es in der Kulturbranche brauche neben Logistik, Promotion, Technik, Catering, Licht, Putzequipen, Sicherheitsdienst\u2009.\u2009.\u2009. Wenn man sich deren Umsatz vor Augen f\u00fchre, m\u00fcsse man sie genauso retten wollen wie andere Wirtschaftszweige.\u00bb Der Gedanke an all diese Leute, an diesen Rattenschwanz, stimme sie nachdenklich. F\u00fcr sich selbst Kulturgelder beantragen wolle sie w\u00e4hrend der Krise nicht, da sie nebenbei eine Anstellung in der Gastronomiebranche habe und ihre Fixkosten dank Kurzarbeit decken k\u00f6nne. \u00abAndere habens n\u00f6tiger als ich.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lockdowns zwingen queere Performer*innen dazu, sich und ihre Arbeit neu zu erfinden. 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