{"id":104518,"date":"2021-02-13T09:40:43","date_gmt":"2021-02-13T08:40:43","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=104518"},"modified":"2021-02-13T09:49:44","modified_gmt":"2021-02-13T08:49:44","slug":"der-kampf-gegen-die-heteronormativitaet-fuehlt-sich-gut-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/der-kampf-gegen-die-heteronormativitaet-fuehlt-sich-gut-an\/","title":{"rendered":"Der Kampf gegen Heteronormativit\u00e4t f\u00fchlt sich gut an"},"content":{"rendered":"<h3>Seit einer guten Woche l\u00e4uft die #ActOut-Kampagne, und noch immer berichten selbst Lokalzeitungen \u00fcber das Massen-Coming-out der Schauspieler*innen und interviewen queere Darsteller*innen aus der Region. Jan Feddersen erinnert in seinem Samstagskommentar* an eine \u00e4hnliche Aktion vor \u00fcber 40 Jahren und erkl\u00e4rt: Der Kampf gegen Heteronormativit\u00e4t f\u00fchlt sich gut an, weil er erfolgreich sein kann.<\/h3>\n<p>Wir waren viele, und wir hatten ein Medium auf unserer Seite, das damals wirklich noch den Rang einer leitkulturstiftenden Illustrierten inne hatte: Der <em>Stern<\/em> ver\u00f6ffentlichte am 5. Oktober 1978 ein Cover, das mit \u00abWir sind schwul\u00bb betitelt war. 682 M\u00e4nner machten mit waren mit kleinen Passfotos im Heft gelistet, jeweils mit einem pers\u00f6nlichen Statement. Auf der Titelseite waren es Olaf Hellmich und Martin Sch\u00fctz, die den Mut aufbrachten \u2013 und ihren Stolz darauf mitnahmen \u2013, sich so pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_104519\" aria-describedby=\"caption-attachment-104519\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-104519 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 800'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul.jpg\" alt=\"Heteronormativit\u00e4t\" width=\"800\" height=\"800\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-300x300.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-425x425.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-50x50.jpg 50w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-768x768.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-192x192.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-384x384.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-110x110.jpg 110w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-220x220.jpg 220w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-561x561.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-364x364.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-728x728.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-608x608.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-758x758.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-440x440.jpg 440w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-48x48.jpg 48w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-96x96.jpg 96w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-311x311.jpg 311w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-313x313.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-400x400.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/stern-heft-nr41-5-oktober-1978-wir-sind-schwul-100x100.jpg 100w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-104519\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Stern (1978)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich war damals dabei, war jung, hatte nichts zu verlieren, meine Eltern wollten \u00fcber Schwules nicht reden, was mir letztlich egal war \u2013 und meine Energie, bei dieser Aktion dabei zu sein, nur befl\u00fcgelte: Na und? Sie wollen mich nicht anh\u00f6ren \u2013 dann zeige ich es ihnen: mich, f\u00fcr alle zu sehen, Nachbarn, Verwandte, Kollegen und Kolleginnen. So what?<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht mag unser Ding von damals trivial erscheinen: \u00abSchwul \u2013 na und?\u00bb, um einen damals popul\u00e4ren Coming-Out-Ratgeber von Thomas Grossmann zu zitieren? Klar, das war schon nichts Unbesonderes. Die Kultur des Schweigens \u00fcber Homosexuelles war ungef\u00e4hr noch so pandemisch wie es Corona nie werden wird. Homo? Nur eine Vokabel, die allenfalls im ver\u00e4chtlichmachenden Kontext ge\u00e4u\u00dfert wurde, es war noch alles in Hetero(m\u00e4nner)hand.<\/p>\n<p>Die G\u00fcltigkeit des Paragraphen 175 endete, aus dem Jahr 1978 gesehen, erst neun Jahre zuvor \u2013 wir waren keine Objekte, denen man unbedingt \u00abWokeness\u00bb oder \u00abWertsch\u00e4tzung\u00bb erbringen musste, wir mussten uns diese Aufmerksamkeit erst, gelegentlich robust, erk\u00e4mpfen. Rosa von Praunheim war ein Vork\u00e4mpfer sondergleichen, und <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schlagerstar-juergen-marcus-verstorben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">J\u00fcrgen Marcus<\/a>, ein in den siebziger Jahren popul\u00e4rer Schlagers\u00e4nger, war f\u00fcr uns kein Idol, kein k\u00e4mpferisches Vorbild, aber Friede seiner Seele, vielleicht im Himmel: H\u00e4tte er sich geoutet, h\u00e4tte er gleich einen Job im Outback allen Glamours sich suchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schwules? Das war riskant, und uns, die wir im Stern gelistet waren, war das egal. Okay, manche zogen ihre Unterst\u00fctzung in letzter Minute zur\u00fcck, sie wollten Lehrer werden, und ob die Staatsapparate jemals offen homosexuelle M\u00e4nner ertragen h\u00e4tte \u2013 nein, das wusste niemand. Also f\u00fcr sie galt: Bitte kein Risiko in einer Weise eingehen, die ein ganzes Leben zerst\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<blockquote><p>Man war als schwuler Mensch irgendwie kommunikativ kastriert<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber, wie erw\u00e4hnt: 682 \u2013 das ist die Zauberzahl, und diese hat, zumal die beiden Coverm\u00e4nner so aussergew\u00f6hnlich \u201anormal\u2018 aussahen, wie Nachbarn im Mietshaus oder der Eigenheimsiedlung, im Sportverein oder im Kollegenkreis, hat magische Bedeutung insofern, als wir, vermute ich, einen heftigen Schub in Sachen Sagbarkeit uns als Schwule verpassten. Bis dahin traute sich ja kaum jemand, etwa im Kollegenkreis, am Montag nach dem Wochenende vom Ausflug mit dem Freund zu erz\u00e4hlen oder davon, dass man Weihnachten lieber diesmal ohne die Eltern und Schwiegereltern verbringen m\u00f6chte. Nein, man war als schwuler Mensch irgendwie kommunikativ in den Erz\u00e4hlm\u00f6glichkeiten kastriert: Das geh\u00f6rte sich einfach nicht \u2013 nur um den Preis der Besch\u00e4mung w\u00fcrde man etwas \u00e4ussern.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"x47Y7nT2wb\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/actout-das-egal-scheint-noch-nicht-ganz-egal-zu-sein\/\">#Actout \u2013 \u00abDas Egal scheint noch nicht ganz egal zu sein\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;#Actout \u2013 \u00abDas Egal scheint noch nicht ganz egal zu sein\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/actout-das-egal-scheint-noch-nicht-ganz-egal-zu-sein\/embed\/#?secret=x47Y7nT2wb\" data-secret=\"x47Y7nT2wb\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Alte Zeiten, vielleicht manchmal heroische Zeiten. Hat sich seither viel ge\u00e4ndert? Jede Menge. Und doch nicht genug. Wir haben mit dem Schwung der Schwulenbewegung der achtziger Jahren (gesundheitlichen wie gesellschaftlichen) Aidskrise \u2013 bei allen Tr\u00e4nen f\u00fcr die an der Epidemie Gestorbenen \u2013 Stand halten k\u00f6nnen; wir haben Wesentliches in Gesetzesform bringen k\u00f6nnen, die Zerbr\u00f6selung der heteroprivilegierenden Ehe etwa zu unseren Gunsten, Antidiskriminierung \u2026 Und doch: Der Aktion #ActOut <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/offensiv-gegen-den-karriereknick-schauspielstars-outen-sich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a> ist nur Beifall zu spenden, laut, am besten lasse man auf alle, die bei dieser Aktion, \u00fcber 42 Jahre nach unserem <em>Stern<\/em>-Coming-out, mitmachten, die Schauspieler*innen, Rosen in H\u00fclle und F\u00fclle regnen. Denn ihre Performance zeigt: Deutschland besonders ist ein reaktion\u00e4res Landes, faktisch im kulturellen Gewebe noch durch und durch heteronormativ.<\/p>\n<p>Im Fussball der M\u00e4nner hat es bislang nur ein Promi geschafft, sich zu outen,<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/hitzlsperger-froh-ueber-coming-out-leben-hat-sich-verbessert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Thomas Hitzlsperger<\/a>, und das auch erst nach seiner aktiven Laufbahn. In Film, Funk und Fernsehen dominieren vor allem in den Castingagenturen, in den tonangebenden B\u00fcros der TV-Anstalten, bei den Produzent*innen Weltbilder, die uns nicht vorsehen, und wenn, dann nur als Klischees. Diese Aktion war ein Segen f\u00fcr uns und f\u00fcr diejenigen in der Heterowelt, die das heteronormative Zeug (ob ARD, ZDF, Sat1, Pro7 oder RTL) satt haben, auch. Der Kampf geht weiter. Und: Er f\u00fchlt sich gut an, weil er erfolgreich sein kann.<\/p>\n<p><em>*Die Meinung der Autor*innen von\u00a0<\/em><em>Kolumnen, Kommentaren oder Gastbeitr\u00e4gen <\/em><em>spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einer Woche l\u00e4uft die #ActOut-Kampagne, viele Zeitungen greifen das #Comingout der Schauspieler*innen und ihr Manifest auf. 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