{"id":102538,"date":"2021-01-25T08:59:08","date_gmt":"2021-01-25T07:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=102538"},"modified":"2021-01-25T09:11:54","modified_gmt":"2021-01-25T08:11:54","slug":"kurz-vorm-abnippeln-berliner-clubs-in-der-corona-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kurz-vorm-abnippeln-berliner-clubs-in-der-corona-pandemie\/","title":{"rendered":"\u00abKurz vorm Abnippeln\u00bb: Berliner Clubs in der Corona-Pandemie"},"content":{"rendered":"<h3>Die Berliner Clubs ziehen ein Publikum aus aller Welt an, aber seit fast einem Jahr ist es damit wegen Corona vorbei. Wie ist die Stimmung? Und wie wird sich das Nachtleben nach der Pandemie ver\u00e4ndern? Von Caroline Bock, dpa<\/h3>\n<p>Die Corona-Pandemie geht ins zweite Jahr, und schon jetzt steht fest, dass in Berlin beispielsweise das LesBiSchwule Parkfest im Volkspark Friedrichshain ausf\u00e4llt, zum zweiten Mal in Folge. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat einstimmig entschieden, dass aufgrund der Corona-Pandemie im Fr\u00fchjahr und Sommer 2021 im Bezirk keine grossen Veranstaltungen oder Feste im \u00f6ffentlichen Strassenland oder Gr\u00fcnanlagen stattfinden k\u00f6nnen. In diesem Jahr werde das Bezirksamt die erforderlichen Genehmigungen (Sondernutzungsgenehmigungen und Allgemeinverf\u00fcgungen) f\u00fcr das 2. und 3. Quartal nicht erteilen, heisst es in einer<a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-friedrichshain-kreuzberg\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2021\/pressemitteilung.1043586.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Mitteilung der Stadt<\/a>.<\/p>\n<p>Und was ist mit den Clubs? Musikh\u00f6ren, das geht zuhause auch. Aber Pamela Schobe\u00df vermisst die gl\u00fccklichen Gesichter, bei den G\u00e4sten und den Musikern. Seit M\u00e4rz ist ihr Berliner Club Gretchen mehr oder weniger dicht. \u00abWir sind die Ersten, die geschlossen wurden, und wir sind die Letzten, die wieder \u00f6ffnen d\u00fcrfen\u00bb, sagt Schobe\u00df, die auch f\u00fcr die Szene spricht. \u00abWir wissen \u00fcberhaupt nicht, wann es weitergeht und wie es weitergeht.\u00bb<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat im Nachtleben in Deutschland das Licht aus-, oder besser: angeknipst. Darunter leidet die Szene, die in Berlin um 100 bis 150 Adressen z\u00e4hlt. Sie hat international einen legend\u00e4ren Ruf, befindet sich derzeit aber im Lockdown. Die \u00abGeneration Easyjet\u00bb, die zum Feiern \u00fcbers Wochenende einfliegt, ist aus dem Stadtbild verschwunden. Eine weitere symboltr\u00e4chtige Ver\u00e4nderung: Das Kitkat, sonst ein Ort f\u00fcr Leute, die lockerem Sex nicht unbedingt abgeneigt sind, wurde zur Corona-Teststation umfunktioniert.<\/p>\n<p>Das Berliner Nachtleben, es war einmal. Die langen Schlangen vor den Clubs, Leute, die bangen, ob sie es am finster blickendem T\u00fcrsteher vorbei schaffen. Die N\u00e4chte auf dem \u00abTechno-Strich\u00bb an der Warschauer Strasse. Der Moscow Mule in der dunklen Neuk\u00f6llner Bar. Damit ist es seit zehn Monaten vorbei.<\/p>\n<p>Viele Clubs k\u00e4mpfen ums \u00dcberleben, die weiter laufende Miete ist f\u00fcr einige ein Damoklesschwert. Zwischenzeitlich waren Veranstaltungen drau\u00dfen m\u00f6glich, auch in den Parks wurde gefeiert. Um sich gegen die Krise zu stemmen, werden DJ-N\u00e4chte ins Netz verlegt, Wein wird als Benefiz-Aktion verkauft. Auch der Berliner Senat macht sich f\u00fcr die Szene stark. Wann Clubs wieder \u00f6ffnen k\u00f6nnen, ist unklar.<\/p>\n<p>Konstantin Krex vom Kater Blau sagt: \u00abDie Situation ist bitter, weil man nicht machen kann, was man liebt. Und weil es keine verl\u00e4ssliche Perspektive gibt. Man guckt von der Seitenlinie zu, wie sich die Schulden anh\u00e4ufen.\u00bb Wenn man null Einnahmen habe, aber einen Grossteil der Ausgaben seit Krisenbeginn einfach weiterlaufe: \u00abDann hapert es an so ziemlich allem.\u00bb Ein anderer Clubbetreiber, der seinen Namen nicht nennen m\u00f6chte, fasst es so zusammen: \u00abkurz vorm Abnippeln\u00bb.<\/p>\n<p>Der Technopionier Dimitri Hegemann (\u00abTresor\u00bb) sagt: \u00abWir wirtschaften genau und kalkulieren sehr hart. Wir gehen von weiteren Hilfsprogrammen aus und hoffen, dass im Juli die Sonne wieder scheint.\u00bb Marcel Weber vom schwul-lesbischen Club SchwuZ erz\u00e4hlt, dass sie dank eines sehr fr\u00fchzeitig aufgenommenen Kredits wohl gut durch die Krise k\u00e4men, ausserdem h\u00e4tten sie die \u00dcberbr\u00fcckungshilfen des Bundes <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/es-wird-dieses-jahr-keine-silvesterparty-bei-uns-geben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Wie es nach der Pandemie weiter gehen k\u00f6nnte? Ein Club erwartet, dass die Eintrittspreise wegen des Spardrucks steigen werden und dass das Nachtleben kommerzieller wird. Ob sich auch das Lebensgef\u00fchl infolge der Pandemie ver\u00e4ndern wird, bleibt ebenfalls erstmal offen. Einige halten es f\u00fcr denkbar, dass das Distanzgef\u00fchl aus dem Corona-Alltag bleiben wird. Oder Leute wom\u00f6glich neue Hobbys gefunden und entdeckt haben, dass man ein Wochenende auch ohne Kater mit Natur und Yogakurs bestreiten kann. Schliesslich gibt es die Leute, die es kaum abwarten k\u00f6nnen, wieder zu feiern.<\/p>\n<p>Bei einigen aus der Szene ist vorsichtiger Optimismus zu sp\u00fcren. Marcel Weber sagt: \u00abWir hoffen, dass sich vor allem Solidarit\u00e4t und der achtsame Umgang miteinander dauerhaft etablieren und dass Clubs, Kunst und Kultur eine enorme Wertsch\u00e4tzung erfahren und nicht alles so als beliebig und immer verf\u00fcgbar hingenommen wird.\u00bb<\/p>\n<p>Pamela Schobe\u00df, die auch Vorsitzende des Dachverbands Clubcommission ist, glaubt nicht so richtig daran, dass Tanzen mit Abstand funktionieren wird. Die N\u00e4he und die Energie fehlen dann. \u00abEs geht ja auch um Ekstase.\u00bb Konzerte mit St\u00fchlen funktionieren aus ihrer Sicht schon besser. Zur Zukunft der Clubs sagt sie, ohne die Hilfen von Bund und L\u00e4ndern, die bis Juni gesichert sind, ginge es \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Was ihr wichtig ist: Wenn es irgendwann wieder eine Anlaufphase gibt, braucht es weiter Hilfe. \u00abEs kann nicht von Null auf Hundert gehen.\u00bb Denn Konzerte brauchen Vorlauf, und die Touristen werden erst nach und nach wiederkommen. Sehr viele Leute werden laut Schobe\u00df weniger Geld f\u00fcrs Ausgehen haben. Derzeit werden die Auftritte von DJs und Musikern von diesem M\u00e4rz bereits auf den M\u00e4rz 2022 verschoben. Bis das Nachtleben wieder wie vor der Krise ist, k\u00f6nnte es bis Ende 2022 dauern, sagt Schobe\u00df.<\/p>\n<p>Dimitri Hegemann vom Tresor glaubt, dass die Sehnsucht nach dem Anderen, nach der \u00abzwanglosen Party\u00bb in dunklen R\u00e4umen, das Ber\u00fchren und das Miteinander bleiben werden. Denn darum geht es seiner Meinung nach. Die ber\u00fchmteste Berliner Adresse, das Berghain, h\u00e4lt sich wie immer bedeckt und will sich zur Lage der Clubs nicht \u00e4ussern. Bevor auch die Museen schlossen, zog eine Kunstausstellung in das ehemalige Heizwerk ein. Das Motto: \u00abMorgen ist die Frage\u00bb.<\/p>\n<p>Auch in der Schweiz sind Bars, Clubs und Restaurants geschlossen.\u00a0Marco Uhlig betreibt in Z\u00fcrich den Heaven Club und das Partylabel Boyahkasha. Mit einem gr\u00f6sseren Betrag unterst\u00fctzt er das Corona-Fundraising der Bar &amp; Club Kommission Z\u00fcrich (BCK). Er erkl\u00e4rt, weshalb die LGBTIQ-Community ebenfalls spenden soll, auch wenn das Geld ebenso Hetero-Clubs zugutekommt <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ohne-hetero-clubs-gaebe-es-keine-grossen-lgbtiq-partys\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete).<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berliner Clubs ziehen ein Publikum aus aller Welt an, aber seit fast einem Jahr ist es damit wegen Corona vorbei. Wie ist die Stimmung? Das sagen die Betreiber von #SchwuZ, #Tresor und #KaterBlau (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kurz-vorm-abnippeln-berliner-clubs-in-der-corona-pandemie\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":91668,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4371],"tags":[128,5452,5467,5538],"wps_subtitle":"Durchhalten, bangen und knallhart kalkulieren","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102538"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102538"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102538\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/91668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}