{"id":102454,"date":"2021-01-23T18:15:36","date_gmt":"2021-01-23T17:15:36","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=102454"},"modified":"2021-01-27T17:36:04","modified_gmt":"2021-01-27T16:36:04","slug":"schwule-mode-wenn-aus-paradiesvoegeln-graue-maeuse-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/schwule-mode-wenn-aus-paradiesvoegeln-graue-maeuse-werden\/","title":{"rendered":"Schwule und Mode \u2013 Paradiesv\u00f6gel oder graue M\u00e4use?"},"content":{"rendered":"<h3>Welche Rolle kommt Schwulen in Sachen Style zu? Sind wir extrovertierte, impulsgebende Avantgardisten oder doch nur \u00fcberangepasste Abziehbilder heteronormativer Vorstellungen? Zwei \u00abGermany\u2019s Next Top Model\u00bb-Veteranen, der Stylist Armin Morbach und der Designer Michael Michalsky, diskutieren, was am Stereotyp des trendbewussten Schwulen dran ist.<\/h3>\n<p>Glaubt man einem weitverbreiteten Klischee, wird dem schwulen Mann ein treffsicheres Stilempfinden schon bei der Geburt mit in die Wiege gelegt. Anders l\u00e4sst sich auch der Erfolg von TV-Formaten wie \u00abShopping Queen\u00bb oder \u00abQueer Eye\u00bb nicht erkl\u00e4ren. Shows, bei denen homosexuelle \u00abExperten\u00bb das Leben ihrer Kandidat*innen mithilfe modischer Kniffe aufzuwerten versuchen. An wissenschaftlichen Belegen daf\u00fcr, dass die sexuelle Orientierung in irgendeiner Weise mit Geschmackssicherheit korreliert, mangelt es aber (noch).<\/p>\n<blockquote><p>Im allt\u00e4glichen Leben zeigen viele Schwule wenig Modeempfinden.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Mode ist schwul<\/strong><br \/>\nModesch\u00f6pfer, Friseure, Make-up-Artists und Herausgeber von Fashion-Maga\u00adzi\u00adnen\u202f\u2013 in der Beauty-Branche wimmelt es nur so vor Homosexuellen. Und zwar deutlich st\u00e4rker als in anderen Bereichen des allt\u00e4glichen Lebens. Doch inwiefern wirkt sich das auch auf das aus, was Max Mustermann und Erika Musterfrau morgens aus dem Schrank fischen, wenn sie sich f\u00fcr den Tag fertig machen?<br \/>\n\u00abWas stimmt, ist, dass die gr\u00f6ssten modischen Trends auf dieser Welt von schwulen M\u00e4nnern gemacht werden. 90\u2006% der Designer sind homosexuell\u00bb, erkl\u00e4rt Armin Morbach, Stylist, Fotograf und Herausgeber des Magazins Tush. \u00abVersucht man das aber ins allt\u00e4gliche Leben zu \u00fcbersetzen, sieht es schon ganz anders aus. Da zeigen viele Schwule n\u00e4mlich wenig Modeempfinden.\u00bb<\/p>\n<p>Stattdessen grassiere ein immer gleicher Einheitsbrei, der von g\u00e4hnender Langeweile gepr\u00e4gt sei, mahnt Morbach. \u00abIch glaube, die schwule Gemeinschaft hat die gr\u00f6sste Kaufkraft bei Basic-Shirts und Jeans. Die wenigsten besuchen Fashion-Websites oder lesen Modezeitschriften. Stattdessen sind der beste schwule Kumpel oder die Auslage bei Zara und Co. feste Orientierungsgr\u00f6ssen.\u00bb Aussagen, die nicht wirklich f\u00fcr eine Vorreiterstellung Homosexueller sprechen, wenn es darum geht, Fashion-Hypes zu generieren. Oder gibt es etwa doch Trends, deren Urspr\u00fcnge sich klar in der LGBTIQ-Szene verorten lassen?<\/p>\n<blockquote><p>Am schnellsten mit der Adaption sind Fussballer<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00dcbergeschwappt<\/strong><br \/>\nWie viel queerer Geist durchzieht den Mainstream? Aus Sicht von Armin Morbach sind es vor allem Erscheinungen wie das Tragen von B\u00e4rten, das Benutzen von Kosmetik, Intimrasuren oder auch die pl\u00f6tzliche Vorliebe heterosexueller Kerle f\u00fcr Muskelshirts und Skinny-Jeans, die \u00fcber die Grenzen des schwulen Kosmos hinaus das Bild des modernen Mannes gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n<p>\u00abAm schnellsten mit der Adaption sind Fussballer, weil diese viel mit Mode konfrontiert werden und auch entsprechende Vertr\u00e4ge haben\u00bb, kl\u00e4rt Morbach auf und wird in seiner Aussage von Michael Michalsky unterst\u00fctzt: \u00abDavid Beckham hat da viel geholfen. Er hat den \u2039metrosexuellen\u203a Mann bekannt gemacht. Auch deshalb kann man heute einen Typ, der sich pflegt und modisch kleidet, nicht mehr einer bestimmten sexuellen Orientierung zuordnen.\u00bb Was vielleicht nicht das Schlechteste ist, wenn es darum geht, Vorurteile abzubauen. Obwohl! \u00abSobald Schwule einen Trend abgegeben haben, man denke an Gesichtscremes oder Enthaarung, dann wollen sie recht schnell das genaue Gegenteil\u00bb, erg\u00e4nzt Morbach und spielt damit auf den aktuell stark verbreiteten Wunsch vieler Homosexueller an, eine besonders starke Maskulinit\u00e4t auszustrahlen.<\/p>\n<p>Auch was Fetischmode betrifft, die lange Zeit stark mit LGBTIQ-Subkulturen verkn\u00fcpft war, lasse sich eine zunehmende Akzeptanz in der Gesamtbev\u00f6lkerung verzeichnen. Es lande deutlich mehr Lack und Leder in den Einkaufstaschen der Menschen. Wenngleich Luft nach oben bleibe. \u00abIm Berghain oder irgendwelchen Hamburger Szeneeinrichtungen gibt es sicher Heteros, die ausgefallenere Klamotten tragen. Das war es dann aber schon. Sonst siehst du solcherlei Klamotten nur bei Faschingspartys\u00bb, meint Morbach.<\/p>\n<figure id=\"attachment_102472\" aria-describedby=\"caption-attachment-102472\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-102472 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 600 775'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2.jpg\" alt=\"schwule mode\" width=\"600\" height=\"775\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2.jpg 600w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-232x300.jpg 232w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-425x549.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-561x725.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-364x470.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-37x48.jpg 37w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-74x96.jpg 74w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-313x404.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/armin-morbach-2-400x517.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-102472\" class=\"wp-caption-text\">\u00abSobald Schwule einen Trend abgegeben haben, man denke an Gesichtscremes oder Enthaarung, dann wollen sie recht schnell das genaue Gegenteil\u00bb. (Bild: Matic Blatnik)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Butchs und Lipstick-Lesben<\/strong><br \/>\nObwohl Frauen deutlich mehr Mode konsumieren als M\u00e4nner \u2013 der Umsatz mit Damenbekleidung lag 2018 in Deutschland bei 33,6 Milliarden Euro versus 16,5 Milliarden Euro bei Herrenbekleidung (Quelle: statista.com) \u2013 sagt man vor allem Lesben gern nach, dass sie sich kaum Gedanken um ihr \u00c4usseres machen w\u00fcrden. Eine unzul\u00e4ssige Verallgemeinerung, findet Michael Michalsky. \u00abIch kenne einige sehr stylische Lesben. Aber ich weiss, was die Menschen meinen.\u00bb Das Bevorzugen geschlechtsneutralerer oder st\u00e4rker mit M\u00e4nnern assoziierter Accessoires und Styles (Hemden, Hosen, kurze Haare, Gesichts- und K\u00f6rperbehaarung) sei aus Sicht des Designers aber keinesfalls als unmodisch zu bewerten, sondern einfach als anders, was wiederum f\u00fcr mehr Individualismus und Mut spreche.<\/p>\n<p>\u00abLesben verurteilen einander weniger f\u00fcr ihr Aussehen oder ihre Geschmackspr\u00e4ferenzen\u00bb, f\u00fcgt Morbach hinzu. \u00abDa kann die eine kerlig aussehen und die andere Lippenstift tragen.\u00bb Ferner w\u00fcrden viele lesbische Frauen die feministische Forderung nach Selbstbestimmung \u2013 auch und vor allem in Bezug auf den eigenen K\u00f6rper\u202f\u2013 unterst\u00fctzen. Selbst wenn es sich dabei um eine von der sexuellen Pr\u00e4ferenz losgel\u00f6ste Bewegung handle, sei R\u00fccksichtnahme innerhalb der lesbischen Community besonders weit verbreitet. Eine Entwicklung, von der sich viele Schwule noch eine Scheibe abschneiden k\u00f6nnten. \u00abHeute wirst du angefeindet, wenn du dir ein Lycra-Shirt anziehst und bauchfrei durch die Gegend l\u00e4ufst. Zumindest, wenn du kein Sixpack hast. In unserer Szene haben wir kaum Toleranz f\u00fcr andere \u00fcbrig, obwohl wir sie nach aussen gern verlangen\u00bb, sagt Morbach.<\/p>\n<p><strong>Aufgeweichte Geschlechtergrenzen<\/strong><br \/>\nSendungen wie \u00abQueen Of Drags\u00bb und \u00abRuPauls Drag Race\u00bb erfreuen sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit bei einem breiten, nicht-queeren Publikum. Da stellt sich die Frage, ob modische Experimente fern des eigenen, sozialisierten Geschlechts die logische Konsequenz sein k\u00f6nnten. Ist Crossdressing vielleicht schon heute der Trend von morgen? \u00abWohl kaum\u00bb, urteilt Armin Morbach. \u00abZwar gibt es Drags wie Violet Chachki, Miss Fame oder Issehungry, die auf grossen Modeschauen laufen, nur werden diese eben auch von Gaultier und anderen grossen Marken gesponsert. Das sind Ausnahmen. Die meisten deutschen Drags, wie zum Beispiel Nina Queer und Olivia Jones, sind hingegen in erster Linie Comedyqueens und Entertainer*innen und beeinflussen keine Styles.\u00bb<\/p>\n<p>Was er dennoch beobachte, sei der Wille vieler Designer*innen, auf ihren Modeschauen mit Geschlechtsstereotypen zu brechen. \u00abDie Modesch\u00f6pfer*innen w\u00fcnschen sich, dass M\u00e4nner auch R\u00f6cke tragen. Oder die jeweiligen Knopfleisten von Bluse und Hemd endlich der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Solche Versuche werden allerdings selten angenommen. Wir k\u00f6nnen die Laufstege der Welt nun mal nicht ins allt\u00e4gliche Leben \u00fcbertragen\u00bb, sagt er. Demnach bleibe es auch unwahrscheinlich, dass man solchen kreativen Ausw\u00fcchsen morgens beim Pendeln begegne. \u00abWenn ich jetzt morgen mit Rock, grossem Ausschnitt und High Heels auf den roten Teppich gehe, br\u00e4chte das vielleicht eine Schlagzeile, aber wirklich etwas bewegen w\u00fcrde es vermutlich nicht\u00bb, schliesst Morbach.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"vMJmMq9qUc\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/michael-michalsky-anders-ist-das-neue-normal\/\">Michael Michalsky: \u00abAnders ist das neue Normal\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Michael Michalsky: \u00abAnders ist das neue Normal\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/michael-michalsky-anders-ist-das-neue-normal\/embed\/#?secret=vMJmMq9qUc\" data-secret=\"vMJmMq9qUc\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Hauch von Uniformit\u00e4t, der es trotzdem bis in die Regale vieler Modeketten geschafft habe, sei der Boyfriend-Look. Sprich \u00fcbergrosse Klamotten mit Schnittmustern, die an typische M\u00e4nnermode erinnerten, aber von Frauen getragen w\u00fcrden. Und auch die Leidenschaft vieler Drags und People of Color f\u00fcr Per\u00fccken habe Damen auf der ganzen Welt dazu ermutigt, \u00abobenrum\u00bb st\u00e4rker aufzutrumpfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_102474\" aria-describedby=\"caption-attachment-102474\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-102474 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky.jpg\" alt=\"schwule mode\" width=\"900\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/michalsky-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-102474\" class=\"wp-caption-text\">\u00abHeute denken viel mehr Menschen dar\u00fcber nach, wie sie sich kleiden\u00bb, sagt Designer Michael Michalsky. (Bild: Daniela M\u00fcller Brunke)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bloss nicht auffallen<\/strong><br \/>\nM\u00e4nner, darunter auch die meisten Schwulen, neigten laut Armin Morbach hingegen kaum zu wirklicher Expressivit\u00e4t. \u00abWie viele modeaffine Schwule gibt es denn? Vielleicht ein Zehntel kauft sich Taschen von Louis Vuitton. Wenn du in einen Schwulenclub gehst und dir die Typen dort anschaust, siehst du nur noch Basic-Teile. Da ist ein einzelnes ausgefallenes Accessoire schon das h\u00f6chste der Gef\u00fchle\u00bb, so Morbach weiter. Veranstaltungen wie der CSD blieben eine der wenigen Gelegenheiten, um Harnische und Jocks auszupacken.<\/p>\n<p>Doch woran liegt das? Sind M\u00e4nner generell weniger als Frauen interessiert daran, ihrer Pers\u00f6nlichkeit durch ein ad\u00e4quates Styling Ausdruck zu verleihen? Oder ist es vielmehr die Sorge, aufgrund aussergew\u00f6hnlicher Farben und Formen in den Fokus der Aufmerksamkeit zu geraten und somit angreifbar zu werden? Man denke nur daran, wie man sich in der Medienlandschaft \u00fcber Donald Trumps \u00fcbergrosse, rote Krawatten echauffierte. Ob diese nun als Zeichen f\u00fcr den Mut oder doch eher f\u00fcr den Gr\u00f6ssenwahn des noch amtierenden amerikanischen Pr\u00e4sidenten zu werten seien, sei dahingestellt. Als Fazit der \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Debatte blieb jedenfalls zur\u00fcck, dass einzig ein schlichter Look f\u00fcr Integrit\u00e4t stehen k\u00f6nne und dass man, sofern man dessen Grenzen zu sehr ausreize, schnell als eigenwilliger Zeitgenosse gelte.<\/p>\n<p>\u00abIch hasse das Wort Paradiesvogel. Leute, die sich etwas trauen, die bunter und lauter auftreten, sind in ihrem Privatleben oft allein. Das ist die Kehrseite. Wir sind so verkorkst in unserem Denken, dass wir die Pers\u00f6nlichkeit dahinter gar nicht wirklich kennenlernen wollen\u00bb, prangert Morbach an. \u00abUnser visuelles Auge ist auf den m\u00f6glichst unauff\u00e4lligen Typ von nebenan trainiert. Mein Lieblingswort ist in diesem Zug \u2039heterolike\u203a. Was soll das sein? Ist es vielleicht nur ein unbefriedigter Gedanke in mir selbst, weil ich mich zu tuntig f\u00fchle?\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"XHc21Pk8dY\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/unisexmode-aus-zuerich-our-ist-fuer-alle-da\/\">Unisexmode aus Z\u00fcrich: \u00abour\u00bb ist f\u00fcr alle da<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Unisexmode aus Z\u00fcrich: \u00abour\u00bb ist f\u00fcr alle da&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/unisexmode-aus-zuerich-our-ist-fuer-alle-da\/embed\/#?secret=XHc21Pk8dY\" data-secret=\"XHc21Pk8dY\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vergangenheit versus Gegenwart<\/strong><br \/>\n\u00abIn den Achtziger- und Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts waren schwule M\u00e4nner sicherlich modischer, oder sagen wir, mehr an Stil interessiert\u00bb, meint Michael Michalsky. \u00abHeute denken aber insgesamt viel mehr Menschen dar\u00fcber nach, wie sie sich kleiden.\u00bb Hinzukomme ein soziologischer Faktor, der in seiner Wirkkraft ebenfalls nicht zu untersch\u00e4tzen sei und eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr liefere, warum Hanky-Codes und auff\u00e4llige modische Elemente bei Schwulen und anderen Mitgliedern der LGBTIQ-Community zunehmend unwichtiger geworden seien.<\/p>\n<p>\u00abMit der voranschreitenden Gleichstellung der Homosexuellen und einer erh\u00f6hten Akzeptanz seitens unterschiedlicher Gesellschaftsschichten sind Ausgrenzung und Anderssein f\u00fcr uns nicht mehr so existenziell\u00bb, f\u00fchrt Michalsky aus. Man lebe offener und es gebe auch mehr sichtbare \u00abspiessige Schwule und Glamourlesben\u00bb. Prototypen f\u00fcr ein vielf\u00e4ltigeres Spektrum queerer Charaktere, das auch Konformit\u00e4t beinhalte. Es brauche scheinbar weniger nach aussen gerichtete Signalwirkung, um den Kampf nach Befreiung visuell zu unterstreichen. \u00abWir sind angekommen und werden vermutlich nie wieder so laut und bunt sein, wie wir es einmal waren\u00bb, reflektiert Armin Morbach.<\/p>\n<blockquote><p>Von mir bekommen alle 100 Punkte, die sich auch mal crazy anziehen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wie dr\u00fccke ich meine eigene Identit\u00e4t modisch aus?<\/strong><br \/>\nArmin Morbach fordert, dass die Community wieder waghalsiger werde: \u00abWir sollten aufh\u00f6ren, wie Klone herumzulaufen. Mode geh\u00f6rt zur Identit\u00e4tsbildung dazu. Ich w\u00fcnsche allen, egal ob lesbisch, schwul, queer oder trans, dass sie einmal in den Genuss kommen, von anderen f\u00fcr ihre modische K\u00fchnheit bestaunt zu werden. Von mir bekommen alle 100 Punkte, die sich trauen, sich auch mal crazy anzuziehen.\u00bb Auch Michael Michalsky kann sich dem nur anschliessen: \u00abMode schafft und unterst\u00fctzt Individualit\u00e4t. Individueller Stil ist sexy, sendet Signale aus und f\u00f6rdert \u2013 richtig angewandt \u2013 die Pers\u00f6nlichkeit zu Tage.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"MtSC9FtMA0\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/karl-lagerfeld-sein-leben-als-mini-serie\/\">Karl Lagerfeld &#8211; Sein Leben als Mini-Serie<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Karl Lagerfeld &#8211; Sein Leben als Mini-Serie&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/karl-lagerfeld-sein-leben-als-mini-serie\/embed\/#?secret=MtSC9FtMA0\" data-secret=\"MtSC9FtMA0\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Es sei zudem wichtig, zu hinterfragen, warum man sich kleidet, wie man es tut. \u00abIch w\u00fcrde behaupten, solange ein Mensch einen bestimmten Stil pflegt, nur um damit die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe auszudr\u00fccken, hat er oder sie seinen eigenen Stil noch nicht gefunden.\u00bb Bedeutet das nun aber, dass man all seine regenbogenfarbenen Klamotten und Accessoires in die Altkleidersammlung geben sollte? Keineswegs! Nur macht es vielleicht Sinn, zu \u00fcberlegen, ob man \u00fcberhaupt weiss, dass die Farben f\u00fcr die Werte Toleranz, Akzeptanz, Vielfalt, Hoffnung und Sehnsucht stehen.<\/p>\n<p>Schlussendlich ist es spannend, zu erleben, wie in einer Gesellschaft, die an allen Ecken und Enden zur Selbstverwirklichung neigt, Mode an Exzentrik verliert. Egal, ob von homo-, hetero-, asexuellen oder trans Menschen getragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Rolle kommt Schwulen in Sachen #Style und #Mode zu? Sind es extrovertierte, impulsgebende Avantgardisten oder doch nur \u00fcberangepasste Abziehbilder heteronormativer Vorstellungen? (MANNSCHAFT+) <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/schwule-mode-wenn-aus-paradiesvoegeln-graue-maeuse-werden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":102471,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[262,4371],"tags":[998],"wps_subtitle":"Der homosexuelle Mann hat ein treffsicheres Stilempfinden \u2026 oder?","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102454"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102454"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102454\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}