{"id":101733,"date":"2021-01-14T15:46:31","date_gmt":"2021-01-14T14:46:31","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=101733"},"modified":"2021-01-14T15:55:25","modified_gmt":"2021-01-14T14:55:25","slug":"lesbischen-muettern-jahrzehntelang-sorgerecht-entzogen-beschaemend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/lesbischen-muettern-jahrzehntelang-sorgerecht-entzogen-beschaemend\/","title":{"rendered":"\u00abLesbischen M\u00fcttern jahrzehntelang Sorgerecht entzogen \u2013 besch\u00e4mend!\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Rheinland-Pfalz hat bundesweit erstmals eine Studie gef\u00f6rdert, die sich mit der Situation lesbischer M\u00fctter nach einer Scheidung von ihrem Ehemann befasst hat. Die Studie macht grosses Unrecht sichtbar, das bisher nicht bekannt war. So lebten lesbische M\u00fctter in Angst um den Verlust des Sorgerechts ihrer Kinder, wenn sie sich von ihrem Ehemann scheiden liessen, um in einer Liebesbeziehung mit einer Frau zu leben.<\/h3>\n<p>Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Frauen, die sich scheiden liessen, um in einer Liebesbeziehung mit einer Frau zu leben, jahrzehntelang das Sorgerecht entzogen wurde. Die Studie deckt strukturelle Diskriminierungen lesbischer M\u00fctter bis zum Jahr 2000 auf. Das ist bedr\u00fcckend und besch\u00e4mend zugleich\u00bb, sagte Ministerin Anne Spiegel am Donnerstag.<\/p>\n<p>\u00abIch m\u00f6chte als Frauen- und Familienministerin mein Bedauern ausdr\u00fccken und mich daf\u00fcr bei den betroffenen Frauen, bei ihren Kindern und Familien entschuldigen\u00bb, erkl\u00e4rte die Ministerin anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der historischen Studie \u00ab\u2026in st\u00e4ndiger Angst\u2026\u00bb, mit der das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen-Berlin und die Bundestiftung Magnus Hirschfeld beauftragt worden waren.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse belegen, dass lesbische M\u00fctter in Angst, Abh\u00e4ngigkeit und Sorge um den Verlust des Sorgerechts ihrer Kinder und den Unterhalt lebten, wenn sie sich von ihrem Ehemann scheiden liessen, um in einer Liebesbeziehung mit einer Frau zu leben. Ihre Diskriminierung f\u00fchrt die Studie, die die Situation in Westdeutschland unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Rheinland-Pfalz von 1946 bis 2000 in den Blick nimmt, insbesondere auf folgende Gr\u00fcnde zur\u00fcck:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Die gesellschaftlichen Erwartungen in den 50er, 60er und 70er Jahren an Frauen<br \/>\nwaren, sich als Ehefrau und Mutter ausschlie\u00dflich der Familie zu widmen.<\/li>\n<li>Das Schuldprinzip im Scheidungsrecht, das bis 1977 galt, und infolgedessen<br \/>\nschuldig geschiedene Ehepartner oder Ehepartnerinnen den Unterhalt verloren.<\/li>\n<li>Den Einfluss der juristischen Kommentierungen des BGB auf die<br \/>\nRechtsprechung, nachdem der gleichgeschlechtliche Verkehr als \u201eschwere<br \/>\nEheverfehlung\u201c und damit als Grund f\u00fcr eine schuldige Scheidung angesehen<br \/>\nwurde \u2013 auch wenn dies in dieser Weise nicht explizit im Gesetz selbst formuliert<br \/>\nwar. Dem schuldig geschiedenen Elternteil wurde in der Regel das Sorgerecht<br \/>\nnicht zugesprochen.<\/li>\n<li>Die moralischen Wertevorstellungen von Familienkonstellation und Kindeswohl,<br \/>\nbei der eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft als moralisch bedenklich galt.<br \/>\nEine Gef\u00e4hrdung des Kindeswohls wurde auch damit begr\u00fcndet, dass eine<br \/>\nDiskriminierung der Kinder zu bef\u00fcrchten sei, wenn sie bei ihrer lesbischen<br \/>\nMutter leben.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00abEin zentraler Verdienst der Studie ist der Beleg der systematischen Diskriminierung lesbischer M\u00fctter in der Rechtsprechung und die Sichtbarmachung des unfassbaren Leids, das hierdurch verursacht wurde\u201c, res\u00fcmiert die Familienministerin. \u00abDie Forschungsarbeiten machen aber auch das Schweigen dar\u00fcber deutlich, das sich aus der Vergangenheit vielfach bis heute fortsetzt, weil nichts verschriftlicht wurde. Viele Zeitzeuginnen wollen noch immer nicht dar\u00fcber sprechen, weil das Erlebte so schmerzhaft ist. Ich bin froh, dass lesbische M\u00fctter mit dieser Studie erstmals aus der Unsichtbarkeit geholt werden und ihnen eine sp\u00e4te Rehabilitation und Anerkennung zukommt, die ihnen die Gesellschaft bis heute schuldig geblieben ist.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Eaugx7G9EK\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/carol-und-der-schwule-mister-ripley-100-jahre-patricia-highsmith\/\">\u00abCarol\u00bb und der schwule Mister Ripley: 100 Jahre Patricia Highsmith<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abCarol\u00bb und der schwule Mister Ripley: 100 Jahre Patricia Highsmith&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/carol-und-der-schwule-mister-ripley-100-jahre-patricia-highsmith\/embed\/#?secret=Eaugx7G9EK\" data-secret=\"Eaugx7G9EK\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die aktuelle Studie wurde angestossen durch den Forschungsbericht zur Verfolgung homosexueller Menschen in der Zeit von 1946 bis 1973, der 2017 von der Landesregierung ver\u00f6ffentlicht wurde. Hier hatten sich bereits erste Anzeichen von Diskriminierungen lesbischer M\u00fctter infolge einer Scheidung gezeigt, die die Familienministerin dazu veranlasst hatten, die Studie des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen-Berlin und der Bundestiftung Magnus Hirschfeld mit 70.000 Euro zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Der Direktor des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen-Berlin, Andreas Wirsching, stellt den Vorreiter-Charakter der Studie heraus: \u00abSeit einigen Jahren arbeiten das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen-Berlin und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zielgerichtet zusammen, um die Erforschung der Lebenssituationen homosexueller Menschen in Deutschland im 20. Jahrhundert voranzubringen.\u00bb<\/p>\n<p>Die nun vorliegende Studie schliesse daran an und betrete gleichzeitig Neuland: Erstmals w\u00fcrden<br \/>\nnun ausschliesslich die Lebenssituationen lesbischer Frauen in den Fokus genommen und nach spezifischen juristischen, aber eben nicht strafrechtlichen Diskriminierungen in der Bundesrepublik gefragt. &#8222;Neu ist auch der Untersuchungszeitraum, der die gesamte Geschichte der alten Bundesrepublik umfasst und bis in die unmittelbare Vorgeschichte unserer Gegenwart reicht.\u00bb<\/p>\n<p>Der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, J\u00f6rg Litwinschuh-Barthel, wirft einen Blick in die Zukunft: \u00abWir haben das Ziel, dass mit der Studie von Dr. Kirsten Pl\u00f6tz jetzt eine breite gesellschaftliche Debatte \u00fcber die Anerkennung des Leids der betroffenen Frauen und ihren Kindern initiiert wird. Ich hoffe, dass Bund und weitere L\u00e4nder dem Beispiel von Rheinland-Pfalz folgen und sich ebenfalls mit diesem Unrecht auseinandersetzen. Wir brauchen ein umfassenderes Bild dieses bislang weithin unbeachteten Feldes der Diskriminierung von lesbischen und bisexuellen Frauen und ihren Kindern.\u00bb Die empirische Forschung von Pl\u00f6tz liefere hierzu nun eine wichtige Grundlage.<\/p>\n<p>Dass lesbische Paare \u2013 trotz der \u00d6ffnung der Ehe im Jahr 2017 <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bundestag-oeffnet-die-ehe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a> \u2013 rechtlich bis heute nicht gleichgestellt sind, bem\u00e4ngelt abschliessend Ministerin Spiegel: \u00abZwar werden sie im neuen Adoptionsrecht von der Beratungspflicht ausgenommen, wenn ein Kind in die Ehe oder feste Lebenspartnerschaft geboren wird. Aber die Frau der Geburtsmutter muss nach wie vor das gemeinsame Kind als Stiefkind adoptieren, weil das Abstammungsrecht noch immer nicht reformiert ist.\u00bb <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/regenbogenfamilie-paulas-muetter-kaempfen-vor-gericht-gegen-diskriminierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Dagegen klagt nun ein Paar aus Niedersachsen \u2013 MANNSCHAFT berichtete.)<\/a><\/p>\n<p>Spiegel weiter: \u00abDie Studie ist mir Best\u00e4tigung und Ansporn zugleich, mich weiterhin mit aller Kraft daf\u00fcr einzusetzen, dass die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz lesbischer Paare endlich erreicht wird.\u00bb<\/p>\n<p>Die historische Studie \u00fcber rechtliche Folgen einer Scheidung f\u00fcr M\u00fctter mit lesbischen Beziehungen und ihren Kindern in Westdeutschland unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Rheinland-Pfalz (1946 bis 2000) sowie eine Kurzfassung sind auf <em><a href=\"http:\/\/www.regenbogen.rlp.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.regenbogen.rlp.de<\/a><\/em> nachzulesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#RheinlandPfalz hat bundesweit erstmals eine Studie gef\u00f6rdert, die sich mit der Situation #lesbischer M\u00fctter nach der Scheidung von ihrem Ehemann befasst hat. 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