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Sonntägliches Prokrastinieren oder Goodbye, Kiel

Die neue MANNSCHAFT+-Kolumne «Alter Ego»

Prokrastination
Bild: Unsplash, Fernandes Nubelson

Es ist Sonntagnachmittag, und ich schaue traurig mein Sofa an.

Ich: Ach, Mann, wie schön wäre es, frei zu haben. Ich würde mich hinlegen und in ein gutes Buch abtauchen, vielleicht ein bisschen dösen. Später könnte ich einen Spaziergang mit dem Hund machen und dann irgendwas Leckeres kochen . . . Aber nein, morgen ist Deadline für diese blöde Reportage, und Herr Beetschen darf wieder einmal am Wochenende arbeiten.


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Alter Ego: Den Abgabetermin kennen wir seit zwei Monaten.
Ich: Vielen Dank, das hilft mir jetzt sehr. Sehnsüchtig schaue ich zum Fenster raus.

Ich: Alle anderen können ein ganzes Wochenende lang tun und lassen, was sie wollen, nur ich muss wieder ran.
Alter Ego: Genau. Die Bahnmitarbeitenden und Bäckersleute, die Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen, die Theaterschaffenden und Musiker*innen – alle, alle haben sie frei.

Ich grummle etwas Unverständliches und setze mich seufzend ans Pult.

Ich: Erst einmal die Mails.
Alter Ego: Lass die doch jetzt und fang mit dem Text an, dann haben wir’s in zwei Stunden.
Ich: Du mit deinem Zweckoptimismus. Ich sitze bestimmt wieder bis am Abend hier.
Alter Ego: Wenn du alle fünf Minuten die Mails checkst schon . . .

Ich checke die Mails.

Ich: Ah, die hier ist von gestern, muss ich unbedingt beantworten.
Alter Ego: Das reicht morgen auch noch.
Ich: Nein, besser jetzt.
Alter Ego: Du prokrastinierst!
Ich: Ruhe, ich muss mich konzentrieren.

Zehn Minuten später ist die Mail geschrieben und abgeschickt, als ein Newsletter reinkommt.

Ich: Mmh, schöne Vasen. Mal schauen, was die noch so auf der Website haben.
Alter Ego: Ich würde jetzt mit dem Text beginnen.
Ich: Nur ganz kurz.

Während ich mich durch japanische Keramik klicke, höre ich, dass im Bad die Wäsche fertig ist. Ich stehe auf, während mein Alter Ego sitzen bleibt.

Alter Ego (genervt): Und was machst du jetzt?
Ich: Nur schnell das Bettzeug aufhängen.
Alter Ego: Das eilt doch sonst nicht so.

Alter Ego
Illustration: Dominik Schefer

Ich: Es ist besser, nasse Sachen gleich aus der Maschine zu nehmen.
Alter Ego: Dann schmeiss sie wenigstens in den Tumbler. Sonne ist ja eh nicht.
Ich: Nein, wir müssen Strom sparen. Sonst kommt das Energieministerium.

Mein Alter Ego sitzt vor dem Bildschirm und trommelt mit den Fingern.

Alter Ego: Wolltest du heute Abend nicht den Tatort sehen?
Ich (Wäsche aufhängend): Ja, unbedingt, Kiel kommt. Das reicht noch dicke.
Alter Ego (murmelt): Bin ich mir nicht so sicher.
Ich: Das hab’ ich gehört.


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Bevor ich mich wieder an den Schreibtisch setze, mache ich mir einen Tee, lese und beantworte eine neue SMS, rufe meine Eltern an, suche nach Schokolade, schaue, ob die Wäsche schon trocken ist, mache mir einen weiteren Tee und setze mich wegen akuter Müdigkeit aufs Sofa. Mein Alter Ego beobachtet mich mit zusammengekniffenen Augen.

Alter Ego: Goodbye, Kiel.
Ich (gähnend): Was?
Alter Ego: Ach, nichts.

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